München-Gedicht

Gedichte, die in und um München spielen.

Steilabfahrt & das eintausendsechshunderteinundzwanzigste Gedicht

Skiabfahrtspiste vom Luitpoldhügel

Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn's Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

Netflix (ein Gedicht über das Maxvorstädter Isabella-Studio)

Ging Netflix in die Insolvenz,
So würden nicht mal treue Fans
Dies tiefstgrämig bedauern
Und viele, die drauf lauern
(zum Beispiel ich),
Gäb'n lediglich
In Kürze zu verstehen,
Dass Fürze halt verwehen.

Doch müsste ab morgen mein Eckkino schließen,
Würd' das wohl wahrscheinlich ganz München verdrießen
Als Zeichen, dass unsre Gesellschaft sich windet
Und im desaströsesten Zustand befindet.
Man würde die fehlenden Arthouse-Filmstreifen
Als Stadtviertelödnisverschlimm'rung begreifen -
Fand auch selten mal was vor mehr Zuschauern statt
Als Netflix in Mio an Stammsehern hat.

Aber Netflix als fat Nix ist völlig entbehrlich
Und das Isabella so kuschelig ehrlich.

Wahrer Wert und Warenwert
Sehen hier einander an -
Und es ist recht fix erklärt,
Worauf man verzichten kann.

U1 Westfriedhof & das eintausendfünfhundertsechsundsiebzigste Gedicht

Der U-Bahnhof Westfriedhof in München

U-Bahnhof Westfriedhof

Am U-Bahnhof Westfriedhof stehe ich
Ein Stockwerk unter den Toten.
Als Philosoph verschmäht man sich -
Ich verpass mir die schlechtesten Noten!
Hier loggt sich die Endstation doppelt ein,
Uns buntbeglast zu erhellen,
Stoppt dich in der Verlockung, dein
Wirken über die Toten zu stellen.

Föhnaussicht & das eintausenddreihunderteinundsechzigste Gedicht

Föhnblick auf München

Mein München

München, bist ein treuer Gaul,
So lässig im Verlässlichsein,
Zum Sorgen-Falten viel zu faul,
Der Harm schweigt unermesslich klein.
Du bist so unspektakulär,
Dass es schon fast ein Ab-Grund wär,
Drum quengelst du, s‘wär stetig Zeit
Für‘n Prosit der Gemütlichkeit!
Die Armut hast du fortgelobt
Nach dorthin, wo das Leben tobt:
Ins muffige Fell ewig steppender Bären,
Die nur von eigner Blendung zehren.

Die To-Do-List empfiehlt täglich: Kleeblätterschwenken
Beim Sich-die-Welt-als-München-Denken,
Da die Weisheit der Dummen, die Dummheit der Weisen
In unsren Umlaufbahnen kreisen.

Schwindelnd lege ich stoisch am Isarstrand an,
So lang ich mir das leisten kann.

Schäfflertanz & das eintausendeinhundertfünfundzwanzigste Gedicht

Schäfflertanz 2019 am Josephsplatz

Dieser Songtext greift schon mal ein wenig vor. Aber was wir haben, das haben wir. Die letzten Nächte der Westend Bohème werden dann ab September 2019 monatlich begangen!

Die letzten Nächte der Westend Bohème

Wenn das Licht versinkt
Und vom Gerüst der Hackerbrück' mit
Angebroch'nen Weinflaschen die Trecks gen Westend zieh'n

Durch die Bergmann hinkt
'ne cowboylose Tölenkrücke
So als hätt' die Straße etwas Sehnsucht nach Berlin

Da grüßen wir noch eben
Den Rest vom süßen Leben
In jedem "Grüß di/Servus!" weht ja auch ein ...
Hauch von Abschied

Refr.: Denn was heut so gut beginnt, könnte morgen schon vorbei sein!
Der DJ schwankt noch zwischen Sex Pistols und Wham
Es ist vielleicht nicht die, aber sicherlich schon eine
Der letzten Nächte der Westend Bohème

Die letzte Runde dreht
Und ein verirrter Wies'n-Touri
Trinkt mit dir am Tresen selig seinen dritten Schnitt

Der Plan zum Neubau steht
Die Umlaufbahn von dem Saturn ist
Topsaniert und jeder fragt sich, komm'n wir da noch mit?

Da grüßen wir noch eben
Den Rest vom süßen Leben
In jedem "Grüß di/Servus!" weht ja auch ein ...
Hauch von Abschied

Landtag & das eintausendeinhundertzweite Gedicht

Bayrischer Landtag München

Sechs Jahre (Zur Schließung der Neuen Pinakothek)

Wenn in sechs Jahr'n dieser Ort wiedereröffnet,
Werde ich, ungeordnet, fast sechzig sein
Und schaff's, wenn's gut läuft, noch ein Weilchen
Hier ohne Unterstützung rein.
Werd manch Hoffnung und Mensch begraben haben,
Am Restschorf vieler Narben schaben
Und Altbekanntes wie Fremdes betrachten,
Auf andere Konturen achten.

Als ein chronisch ins tiefste Tal Eingepferchter
Steh ich sechs Jahre älter dann wieder hier -
Inmitten frischem Putz erwägend:
Wie viel vom Ich beließ man mir?
Für die, die im Bald keine Zukunft haben,
Ist ein So-weit-nach-vorne-schauen
Vorweggenomm'nes nahes Darben.
Ich mag so weit mich vor nicht trauen!

Mich wundert nicht der Wehmut Stärke,
Weil ich nur allzu gut versteh,
Dass ich die weggeschloss'nen Werke
Nicht ähnlich glücklich wiederseh.

Minneriya & das eintausendzweiundsiebzigste Gedicht

Seerosen beim Minneriya Nationalpark

Zweites Ripostegedicht zu Fontanes "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland"

Von Birnen und Äppeln

Das Ladengeschäft namens Gravis im Tal
Führt Must-Have-Produkte (die mir recht egal)
Und kommt zur Ladenöffnungszeit
(denn zum iStore beim Rathaus ist's gar nicht so weit)
Am Laden vorbei so ein hipsternder Seppel
So flüstert's: "Kemmst eina? I geb dia'n Apple!"

Alter Peter Schatten & das eintausendfünfzigste Gedicht

Münchner Rathaus im Schatten vom Alten Peter

Im Musäum

Karla Valentina
Balla Primarina
Schalk und Rauch Schlawiner
Karla Valentina

Liesl statt Kalauer
Adelsspross von Dauer
Tadellose Power
Liesl statt Kalauer

Wallen Teenageherzen
Bei den alten Scherzen?
Finden coole Städter
Neu Vergeh'ndes better?

Sind solche zu-e Schauer
Über Haupt Verdiener?
Liesl statt Kalauer
Karla Valentina

Isartor & das neunhundertdritte Gedicht

Isar von oben

In der Isar

Gern tauch ich meines Gliedes Spitz
In unsrer Isar Feuchte
Und frag die Frau von Zitzewitz
Ob sie mich heut noch bräuchte

Strömung & das neunhunderterste Gedicht

In den Isarauen

Isarbella

Isarbella - zig mal schnella
Als ein pupsnormaler Fluss
Wofür ich nun diesa Isar
Mal ein Lob aussprechen muss

Traumstadt & das achthundertdreiundneunzigste Gedicht

Ulm von oben

Riposte-Crossovergedicht zu Heinz Erhardts "Ein Naßhorn" und "In der Traumstadt (Lächeln)" von Peter Paul Althaus

Horn und Sporn

In der Traumstadt ist ein Nashorn stehengeblieben
Niemand weiß, wem es gehört
Und beim Versuch es fortzuschieben
Hat ein Polizist sich die Schulter gezerrt

Und das Nashorn weiß gar nicht, wie viel es gewogen
Bevor es nach Schwabing gekommen
Doch es hat hier, nachdem's durch die Kneipen gezogen
Wohl deutlich noch zugenommen

Langsam stapft es nun von hinnen
Trotz der Masse: leicht verstört
Will als "Ansporn" neu beginnen
Weil's sich quasi gleich anhört

Seiten

RSS - München-Gedicht abonnieren