Internet & Technik

Machinengedichte und New Media in neuen Metren und alten Formen.

Fico & das eintausendzweihundertsechzehnte Gedicht

Schinken in der Auslage von FICO Eataly

Zweites Versgelium der Amazoner

Da Mama und Sohn
Auf Amazon
Immer so'n
Kack ordern,
Lodern Papas Cock-Adern
Vor wutentbranntem Schwellen.

Gut, entspannt bestellen
Kann man schon
Auf Amazon -
Doch wenn Vaters Samen von
Sowas Schaden nehmen,

Wär's doch 'ne machbare Alternative,
Wenn auch digital Native
Mal in Nachbars Laden kämen.

Piazza della Frutta & das eintausendzweihundertfünfzehnte Gedicht

Eingang zum Piazza della Frutta Padua

Erstes Versgelium der Amazoner

Ob Mangold oder Mobilephone -
Das Angebot auf Amazon
Ist, Gottlob, ohne Rahmen!
Das "Ich bestelle, wo ich wohn'!"
Eint unsre Beichtstuhl-Religion.
Dank Dir, Alexa, Amen.

Palazzo Fava & das eintausendzweihundertundneunte Gedicht

Vivaldi-Show im Palazzo Fava Bologna

Come on, Commodore! (VC 20)

Kassettendecken und Datasettenrecorder
Werden auf Amazon selten georder-
T - doch sind dies durchaus so Relikte,
Mit denen man einstmals die Kammern bestückte.

Krahescher Portikus & das eintausendeinhundertdreiundsechzigste Gedicht

Krahescher Portikus im Braunschweiger Bürgerpark

Ripostegedicht zu Friedrich Schillers gleichnamiger Ballade.

Der Ring des Polykrates 2.0

Durch all den Dunst der Fingerschlieren,
Die das begrapschte Display zieren,
Schaut Hershel auf sein Samsung hin.
Er unterrichtet seinen Lehrer
Vom Ende der "Nee, gibt nich!"-Ära:
"Gestehe, dass ich klicklich bin!"

"Du hast der User Gunst erfahren
Dank Postings, die sehr zahlreich waren -
Auf Facebook und als Twitterer!
Doch kann ich dich nicht glücklich sprechen,
Denn jeder schafft's dich auszustechen,
Der instagrämig fitterer!"

Kaum, dass der Neuland-Tramp geendet,
Ward Hershel 'ne What's App gesendet,
Dass Facebook festigt ihm die Kron'!
Denn Instagram sei einverleibt nun,
Dort folgten ohne eignes Zutun
Ihm tausend Abonnenten schon!

Es hätt', nachdem da hart verhandelt,
Die Datenbanken schon verbandelt
Der treue Feldherr Zuckerberg.
Bald ehrt ein blauer Topstar-Haken
Den, der schon unterm Facebook-Laken
Übt' treu des Werbekunden Werk.

Und Hershels Lehrer senkt die Brauen:
"Ich warn dich, solchen Klicks zu trauen -
Leicht trügt der Social-Media-Fame!
Du wusstest in den Youtube Wellen
Dich niemals richtig aufzustellen -
Nee, dort performst du mega-lame!"

Noch eh der Herr den Rant gesprochen,
Hat ihn ein Jubel unterbrochen.
Denn eine Online-Agentür
Will Hershels Ruhm im Restnetz wegen
Den Youtube-Channel fortan pflegen -
Und zahlt ihm gar Lizenzgebühr!

Der Lehrer einwandsschwach entgegnet:
"Mit Klicks bist du heut gut gesegnet -
Doch fürchte ihren Unbestand!
Weil die Cretins sich wenig scheren
Um Werte, die schon länger währen
Und Friendships, die sie einst verband!"

Solch miesegramen Wörterschwallen
Flugs frische News entgegenschwallen:
Millionenfach gestützt vom Like
Erkiesen einig die Cretinzer
King Hershel sich zum Influencer -
Sein Fanblock wächst wie Hefeteig!

Da drängt's den Griesgram nachzusetzen:
"Fürwahr, ich muss dein Klickglück schätzen -
Dir schwirrt um jeden Tweet ein "Geil"!
Doch graut mir vor der User Missgunst:
Die ungehemmte Hater-Disskunst
Ward manchem Ex-Star schon zu Theil.

Auch ich war einmal big im Business
Und war mir im Prinzip gewiss, es
Vergött're mich der User Huld.
Doch stößt das Web die halb Beglamten
Gern in den Teer der Zugespamten -
Und ich versank dort, ohne Schuld!

Drum, willst du deinen Status wahren,
So flehe zu den Unsichtbaren,
Dass sie den Aufstieg dir verzeih'n!
Sie lassen stets, wen sie beneiden,
Am Social-Media-Pranger leiden -
Zu schnell erlangtest du, was dein!

Eh sie ihn nun von selbst entdecken,
Wenn sie deine Accounts zerhacken -
Freund, opfre deinen größten Trumpf!
Der Schwarm, er fordert, dass gemein is',
Was immer dein Erfolgsgehemnis -
Versenk' es tief im Online-Sumpf!"

Und Hershel spricht, von Furcht beweget:
"Ich hab fürs Trollgeproll' geheget
Ein leistungsstarkes Fake-Profil.
Was dies an Traffic zu mir lenkte,
Weil ich schien der von ihm Bedrängte,
War beinah schon zu unsubtil.

Ich mach sein Passwort jetzt so simpel,
Dass selbst der whackste Hackergimpel
Sich dem Account schnell eingesellt!"
Doch kaum war dieser Weg gegangen,
Ein Phischer ward im Netz gefangen -
Stolz prahlt ein Datenschützerheld:

"Et sind auch Trojas Datenphischer
Im Internet net schadlos sischer -
Da habn'Se Ihr'n Account zurück!
Rescht oft misslingt's in solschen Fällen,
Auch allet wiederherzustellen -
Oh Sie, Se hab'n ma wirklisch Glück!"

Da wendet sich der Gast vom Browser:
"So startet deines Glückes Mauser -
Schon rauscht heran des Shitstorms Braus'!
Die User wollen dein Verderben -
Mein Ruf soll nicht mit deinem sterben!"
Und sprach's und loggt vom Chat sich aus.

Warschauer Himmel & das eintausendeinhundertzweiundvierzigste Gedicht

Warschauer Straße S-Bahnhof

Dem Äther

Radi - Radi - Radio,
Ich drehe am Rad deiner Sendersuche
Und flüchte mich ins Irgendwo,
Getrieben vom seiernden Deutschpop-Eunuche.
Wissend:
In dem Gerausche der Ultrakurzwellen
Gibt's die momentelang richtigen Stellen,
Die wandernd der lot-rote Strich für mich findet
Und Gerättreue kurz an Bestätigung bindet.
Erinnernd:
Die matt hinterleuchteten Stadtnamenskalen
Im Musiktruh'n entströmenden Röhrengeruch,
Die 'nem Dreiersprung folgenden Megaherzzahlen
Am Radiorecorder nebst Bandsalatfluch.
Mixtape-alert auf der Suche nach Stil
Stieß ich tiefnächtens aufs Herz von John Peel,
Gab ihm die Lizenz, mir die Nächte zu stehlen
Mit krudem Kram aus noch verdecktem Gefallen -
Den würde mir Spotify niemals empfehlen!
In solch Algorithmen riecht alles nach allen.
Verklärend:
Auf Grundig und Blaupunkt brach ich dereinst auf
Zu landen an Stränden von neuen Instanzen.
Von Sony und Sharp nahm ich Flotten in Kauf,
Als Worte und Klänge mich lehrten zu tanzen.
Abwehrend:
Du maulst gekränkt, hier fehle die
Probierkraft der Community -
Der autarkische Schwarm sei der Held vom Gedichte!
Das ist vielleicht nicht grundverkehrt,
Mir bleibt's ein Reichtum ohne Wert -
Das wird später deine, nie meine Geschichte.

Von der Plaza & das eintausendeinhundertsechsunddreißigste Gedicht

Von der Plaza der Elbphilharmonie

Den Vernetzten beißen die Hunde

Wer durch die Berge Wissen irrt,
Merkt spät, wenn er gebissen wird!

Kulisse & das eintausendeinhundertvierunddreißigste Gedicht

Kulisse Münchner Straße in der Bavaria Filmstadt

Filmreife

Zwei Rollen Film rollt mir herbei!
Ich mag mich draus entwickeln -
In Dunkelkammermunkelei
Mich aus dem Nebel frickeln.

Im altgedienten Zelluloid
Konnt' ich stets was erkennen -
Im Wert diffus, doch was mich freut:
Es lässt sich nun benennen!

Wacker Beck & das eintausendeinhundertsechzehnte Gedicht

Figur vorm Bäcker Wacker Olten

Pfiffstorm

Balduin Pfiff ist stets auf den Fersen der Übeltäterei.
Er ist der bewährte alerte Gewährsmann: Das Bös-Sein bleibt nie frei!

Er entlarvt den Affront in der lässigen Beugung,
Entsprechend bestraft er mit Pfiff-Überzeugung.

Was braucht's einen Richter? Was braucht's Polizei?
Ein Balduin Pfiff ist doch immer dabei!

Tee & das eintausendsiebenundachtzigste Gedicht

Teeplantagen im Hochland Sri Lankas

Nun sterben schon die mit den kindlichen Namen I

Nun sterben schon die mit den kindlichen Namen.
All die Davids und Laras verwesen.
Verwaist sind die Logins der ehemals Warmen,
Manche Tweets werden nie mehr gelesen.

Zu deiner Zeit den Speicherstick den Deinigen zu geben
Versäume nicht, oh Wanderer, als Ziel von deinem Leben!

Minneriya & das eintausendzweiundsiebzigste Gedicht

Seerosen beim Minneriya Nationalpark

Zweites Ripostegedicht zu Fontanes "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland"

Von Birnen und Äppeln

Das Ladengeschäft namens Gravis im Tal
Führt Must-Have-Produkte (die mir recht egal)
Und kommt zur Ladenöffnungszeit
(denn zum iStore beim Rathaus ist's gar nicht so weit)
Am Laden vorbei so ein hipsternder Seppel
So flüstert's: "Kemmst eina? I geb dia'n Apple!"

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