Gebäude & Urbanes

Gedichte, in denen Gebäude und Bauwerke oder städtische Areale die Hauptrolle spielen.

Taubensee & das eintausendeinhundertzweiundsiebzigste Gedicht

Taubensee am Rauschberg bei Ruhpolding

Die Ruhe an ruhigen Orten

Völlig unverdient sonnt der Verkehr sich in Sanftheit,
Wenn sein Lärm sich einwellig im Strandkies verliert.
Hier, wo Lautlosigkeit alles Abendlicht anschreit,
Weil sich zweihellig festigt, dass nichts mehr passiert.

Die Allmacht der Stille als handwarmer Schoß
Schließt den Sicherheitsbügel der Sorglosigkeit.
Sie bezähmt die Erkenntnis, dieser Ort sei nicht groß,
Mit der Irrelevanz deiner Kleingeistigkeit.

Als wäre die Ruhe an ruhigen Orten
Der letztforsche Hauch einer fremden Essenz,
Der klärende Vers aus verschwundenen Worten,
Das fehlende Album verschollener Bands.

Der Verkehr mault sich kurzatmig wieder ins Gähnen,
Als hätt' sich ein Zähnchen im Zimmer geirrt.
Und der Salzrand von nicht mehr erinnerten Tränen
Ist das Siegel vom Wissen, dass nichts mehr passiert.

Ritter Sport & das eintausendeinhundertsechsundzwanzigste Gedicht

Ritter Sport Museum in Waldenbuch

Enge

Überm Kerkerverkehr einer Schwabenhausstadt
Schwebt der Wunsch nach Schokolade.
Jemand furzt in die Häuserschlucht maultaschensatt,
Eine Fee flüstert resigniert: "Schade!"

Max-Joseph-Platz & das eintausendeinhunderteinundzwanzigste Gedicht

Max-Joseph-Platz vorm Residenztheater München

Nächtliche Busfahrt zum Theater

Sternschnuppenhuschend verblitzen die Lichter
Auf beschlagnen Fensterscheiben
Das Vage in ihnen appelliert an die Dichter
Bei diesem Thema dran zu bleiben

Was wäre es, gäb es hier etwas zu sehen?
Was gäbe es, wär es für uns zu verstehen?

Gelbliches Weltlicht wirft mähliche Schatten,
Die vom Tage verblasst sich im Rinnstein begatten.
Die lernen noch die Dunkelheit,
Kleben uns an den Hacken wie fehlende Zeit.

Was würde es, könnt hier noch etwas entstehen?
Was könnte es, würd es nicht einfach vergehen?

Die Schaufenster strahlen wie Suchscheinwerfer
Über treues Kopfsteinpflaster.
Keine Frage in mir stellt mein Augenlicht schärfer,
Kein Vers ist ein zum Plan Gefasster.

Doch manches scheint im Werden.

Lange Nacht & das eintausendeinhundertsiebzehnte Gedicht

Im Skygarden München bei  der Langen Nacht der Architektur

Laiesein

Deine Architektur bremst mich aus zum Betrachter,
Einem mal dies und mal das, mal alles Missachter.
Wie ich mich auch bewege, scheint untalentiert -
Und ich habe, weiß Gott, ein paar Jahre trainiert!

Deine Architektur stempelt mich zum Verlierer,
Einem Über-Gebühr-in-der-Lobby-rum-Stierer.
Und mein Stil scheint alleine für mich nicht zu klein -
Nun, ich könnte wohl nirgends verlorener sein!

Deine Architektur drängt mich ständig zum Ausgang
Mit unverblümt säuselndem "Eindringling raus!"-Sang.
Doch ich habe - wohlwissend, dass es so nicht gedacht -
Mich sattsam in ihr breit gemacht!

Alte Brücke & das eintausendeinhundertfünfzehnte Gedicht

Alte Aarebrücke von Olten

Brücken bei Nacht

Es ist nicht zu erkennen,
Was wir grad überwinden,
Wo sich die Ufer trennen
Und wo wir uns befinden.

Wir sind im Darüberstrom kanalisiert,
Erhöht vom massiven Vertrauen.

So wundre dich nicht, dass dein Wunsch irritiert,
Mal einmal nach unten zu schauen ...!

Davos & das eintausendeinhundertneunte Gedicht

Ausblick auf Davos Platz

Weltwirtschaftsgipfel

Man rüstet sich zum Legoland,
Dem Fetisch der Fassaden.
Das Mägdlein wird vom Herd verbannt
Und man fleht um die eigene Gnade.

Dambulla & das eintausendachtundsiebzigste Gedicht

Chipstüten am Straßenshop in Dambulla

Vom Duften

Heiße Luft bläht die Blüten der Chipstütenrispen
Und die Tuk Tuks hupen wie Grillenkonzerte

Wie viel kann der Duft aus den Straßenbaumknospen
An Süße und Orient noch für Nüsse verschenken?

Als gelte sein Zauber alleine dem Strömen

Im Mantel verwandelter Mädchenbrustknospen
Feiert seinen Bestand als das bald schon Verzehrte:

Die Luft in den Blüten der Chipstütenrispen

Lörrach & das eintausendzweiundfünfzigste Gedicht

Stilleben am Senser Platz in Lörrach

Schöpfer der Kleinstadtplastik

Als großer Mann der Kleinstadtplastik
Löst' ich mich vom Soll
Ich fall' hier niemandem zur Last - ich
Stell' nur alles voll

Auch wenn das von mir Aufgestellte
Man weder liebt noch hasst
Zeigt mir den Ort auf dieser Welt, zu
Dem solch' Ruch nicht passt!

Mauerpark & das eintausendeinundvierzigste Gedicht

Mauerpark Prenzlauer Berg

Im Mauerpark

Die Mauer ist weg
Und ein Park war's noch nie
Als "Ditt is'ma typisch Balin!"-Utopie
Dient dies Hier nur dem Zweck
Eurer Eifer-Verklappung
In zichtenverstummelter Karstüberlappung
Des Kronenkorkenwonderlands
Und manchmal spielen hier auch Bands!

Man ist der Frage vom "Warum?"
Ein gut gelauntes Publikum
Und zeigt per Selfie seinen Will'n
Im Restgras mächtig abzuchill'n
'was später kommen noch some friends
Und manchmal spielen hier auch Bands!

Ganz schocklos wird da abgekifft
Sehr locker hier, was das betrifft!
Oft hockt hier DJ-Prominenz!
Und manchmal legt von denen noch wer sein Set auf ...

Landschaftspark & das eintausendfünfunddreißigste Gedicht

Landschaftspark Nord

Linie 903

Gab's je genügend Traurigkeit
Sie diesem Ort zu spenden?

Caramba, Mutter, es wird Zeit:
Ich supp' schon vor Verenden!

Was an möglicher Schönheit hier degeneriert
Weil jegliches über- und unterdosiert
Kappt jeder Hoffnung Strang

Man säuselt der Besserung Segen entgegen
Vertäut mit nur einem von täusenden Wegen

Es däuert nur so lang

Seiten

RSS - Gebäude & Urbanes abonnieren