Sechszeiler

Lockdownausflug & das eintausendsechshundertelfte Gedicht

Am Chiemsee in Übersee

In Social Media

Wo jeder glitzbeseelter Juchzer
Nur Fokus-Küsse will,
Ist auch ein Social-Issue-Schluchzer
Nicht angemessen still.

Der "Ich! Ich!"-Dresscode scheint frivol?
Wir stylen uns fürs Monopol.

Regattaanlage & das eintausendsechshundertneunte Gedicht

Olympia Regattanlage bei Feldmoching

Das Scheit

... ist erkennbar nur Teil,
Aber dennoch massiv,
War mal Pascha in einem Verband,
Dankt die Trennung dem Beil,
Floh dem Co-Daseinsmief -
Umso rascher wird es nun verbrannt.

Licht I Kugeln & das eintausendsechshunderterste Gedicht

Lichtinstallation im Kunstareal München

Die weihnachtliche Stube (und eine betrübliche Erkenntnis)

Hüben steht der Tannenbaum,
Drüben brät ein Pfannentraum,
Bübchen sitzt im andern Raum.
Ist wohl grad am Üben? Kaum.

Mit dem Vortrag des Gedichts
Wird's - so wie im Vorjahr - nichts.

Freimann & das eintausendfünfhundertneunundneunzigste Gedicht

Eingang zu einem Kindergarten in Freimann

Erste Lektion der Katzenblick-Fibel

Es rügen dich zwei Katzenaugen:
"Wann wirst für Empathie du taugen? -
Du bist einfach skandalös untersensibel!

Zweifelsohne ist die Krone der Schöpfung
In unserer Wohnung ein andres Geschöpf, Jung -
Korrigier' das mal in deiner Bibel!"

In den Isarauen & das eintausendfünfhundertsiebenundneunzigste Gedicht

In den Isarauen bei Freimann

Der Unerbitt

Die Kälte masst aufs ebne Land,
Das kühle Nebel schwitzt
Als hätt' ein Qualm von tiefem Brand
Die Erdkrume durchritzt.

Der Winter lässt sich Zeit und Ruh,
Schaut rauchend uns beim Leiden zu.

Pupplinger Forst & das eintausendfünfhundertdreiundachtzigste Gedicht

In der Pupplinger Au

Kathmandu

Cat-Man, du wirst niemals Vater!
Bist halt ein kastrierter Kater
Und dein Part zur Arterhaltung
Scheitert an der Saat-Erkaltung.

Doch du spielst weiter Muskelprotz -
Eskapismus oder Trotz?

Ring Ost & das eintausendfünfhunderteinundachtzigste Gedicht

Lärmschutzwände am Münchner Autobahnring Ost

Lichtbad

Der Herbst verkürzt die Sonnenstunden
Auf allenfalls zwanzig Minuten.
Man muss auf den Spaziergangsrunden
Sich dementsprechend sputen,
Die im Licht gespeicherte Wärme zu tanken,

Eh wir zurück zur Schwermut wanken.

Holthuser Tal & das eintausendfünfhundertsechsundfünfzigste Gedicht

Laub am Überruhrer Kommunal Friedhof im Holthuser Tal

Zur Portionierung

Man sollte, klar, beim Neu-Erfinden
Sich nicht an zu viel Altes binden.

Und doch braucht's für den Unterschied
Das Hier, von dem man kam und schied,
Weil's des Alten genug sei und reiche:

Den Restgeruch der Weiche.

Accademia & das eintausendfünfhunderteinundvierzigste Gedicht

Nachtansicht von der Academia-Brücke in Venedig

Vollmondromantik

Vollmondlichtumrandet
Wolkt‘s im himmlischen Gefilde -
So pompös gewandet
Wandelt Nacht sich zu 'nem Bilde,
Das ein Träumer unbeirrt
In den Weltraum projiziert.

Ankunft Tegernsee & das eintausendfünfhundertfünfunddreißigste Gedicht

Blick auf den abendlichen Tegernsee

Zum Ende (der ersten Etappe)

Der meilenschwere Schuh am Fuß
Latscht meilenschwer zum Abschiedsgruß
Vom schmiegsamen Gehorsam.
Und biegarm härtet sich der Rist,
Beschwerdlich schwärt ein Schmerzensmist -
Wo wir noch so viel vorhab'n!

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