Sechszeiler

Accademia & das eintausendfünfhunderteinundvierzigste Gedicht

Nachtansicht von der Academia-Brücke in Venedig

Vollmondromantik

Vollmondlichtumrandet
Wolkt‘s im himmlischen Gefilde -
So pompös gewandet
Wandelt Nacht sich zu 'nem Bilde,
Das ein Träumer unbeirrt
In den Weltraum projiziert.

Ankunft Tegernsee & das eintausendfünfhundertfünfunddreißigste Gedicht

Blick auf den abendlichen Tegernsee

Zum Ende (der ersten Etappe)

Der meilenschwere Schuh am Fuß
Latscht meilenschwer zum Abschiedsgruß
Vom schmiegsamen Gehorsam.
Und biegarm härtet sich der Rist,
Beschwerdlich schwärt ein Schmerzensmist -
Wo wir noch so viel vorhab'n!

An der Knatter & das eintausendfünfhunderteinundzwanzigste Gedicht

Kyritz an der Knatter Kreisverkehr

An der Knatter

Dass Kyritz an der Knatter liegt,
Dass dieser Witz die Stadt besiegt,
Hat ein Konsens beschlossen.

Die Prignitz prägt als Alterssitz
Wohl weniger Gehalt von Witz -
Doch knattert's unverdrossen!

Landiwiese & das eintausendfünfhundertachte Gedicht

Mädchen mit erhobenen Händen, Statue auf der Landiwiese am Zürichsee

Monumentenmomente

War den Stauesierten im Diesseits bewusst,
Dass sie späterzeits posthumig gelten?
War die Lebenszeit nicht bösdurchdustert von Frust,
War‘n nicht Lichtblicke skandalös selten?

So scheint grad ein gut ausgetretener Schlips
Wie prädestiniert für ein Abbild aus Gips.

Affenhaus & das eintausendfünfhundertsiebte Gedicht

Einsames Orang Utah Weibchen im Zoo Zürich

Mit Affen im Café und endlich ein Reim auf Menschen

Mit Affen im Café
Und zwei Karaffen Tee
Schien ich die Idee
Aller Pfaffen zu raffen:
Den Menschen hat Gott nach dem Affen geschaffen,
Das „Drauße nur Kännschen“ nach Outdoorkaraffen.

Valepptal & das eintausendvierhundertdreiundsechzigste Gedicht

Wanderung zur Rotwand

Raus! Raus! Raus!

Raus an die frische Luft
Und an die luft'ge Frische -
Der Trübnis Gram verpufft
Am üppig grünen Tische!

Ins Freie spült's den Wandersmann
Und alles fühlt sich anders an.

Isartal & das eintausendvierhundertvierundvierzigste Gedicht

Blick aufs NSG Isartal

Wechselstube

Dort fordert man, dass fortan die Alten
Besser ihre Fressen halten,
Ordert, dass all die Horden gelenkiger Jungen
Halten die Krall' um die Lenker geschlungen!

Dem entgegnen die Gegner: Fürs Erbe vom Schalter
Kommt ihr bald von selbst ins Alter!

Endknospen & das eintausendvierhundertdreiundvierzigste Gedicht

Frühling am Stauwehr Icking

Für Frühlingsfürsprecher

Das aus Knospen ins Leben sich räkelnde Blatt
Trägt schon im Entstehen, so traurig und matt,

Das Los, dem strahlenden Pressing des Sommers nicht einmal im Ansatz gewachsen zu sein.

Ist dies Sein nun vergebens gespült in die Welt
In Gestalt eines zähen Geblühs, das gefällt

Und bloss verzichtbar als künftig Verkomm'nes ... bevor ich es ausspreche, sagst du streng "Nein!".

Stadtspaziergang & das eintausendvierhundertdreiunddreißigste Gedicht

Ludwigstraße vorm Siegestor

Da macht es sich der Herr Poet doch mal wieder sehr einfach ...

Auflösung von Wolkenfeldern,
Auszahlung von Fördergeldern,
Ablösung von Nachtwachtschichten,
Ansammlung von Kurzgedichten -
Jeder kann in schweren Zeiten
Einen großen Beitrag leisten!

Auf La Digue & das eintausendvierhundertachtzehnte Gedicht

Am Anse Source d'Argent auf La Digue

Es rührte mich so sehre ...

Ich blinz'le lidmüd in den frühen Sonnenuntergang ...
Das unabändernd Endgewissen dauert mich zu lang!
Zäh fällt die Schlottertür ins Schloss -
Die aller Schönheit Pforte
Gibt nie mehr preis, was ich genoss,
Und schließt sich ohne Worte.

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