Corona

Gedichte aus der Quarantäne

Saisonabschluss & das eintausendfünfhundertachtunddreißigste Gedicht

Maximillianstraße mit Merkurbrunnen in Augsburg

Publikum und Akteure haben lange durchgehalten, das Open-Air-Vergnügen in Zeiten der Indoor-Verbote aufrechtzuerhalten, aber nun müssen wir die Bühne im Garten der Seidlvilla wieder abbauen. Um sie möglichst bald wieder zu reaktivieren.

Spätsommersoirèenausklang

Nicht nur die Harten komm'n in'n Garten,
Auch die Zarten wie Aparten,
Selbst Spaten-Bier-Trinker sind uns willkommen
(Ganz arge Stinker ausgenommen)!

Kommt herbei, Euch vollzusaugen
Über Hahn- und Hühneraugen,
Um der Hirne heit're Stumpen
Zum Finale vollzupumpen,
Abstandswahrend, halb verloren,
Wird der Spaß dann eingefroren!

Filmtierschule & das eintausendfünfhundertvierundzwanzigste Gedicht

Filmtierschule Harsch in Sieversdorf-Hohenofen

Warnung vor dem Munde

Manch Gebräu von Aerosolen
Meuchelte schon Einhornfohlen!

Pullinger Weiher & das eintausendvierhundertfünfundsiebzigste Gedicht

Am Pullinger Weiher

Gesichtsrichtlinie

Allgemein gilt im Gesicht:
Eine Mund- und Nasenpflicht.
Dies schließt ein - will sie was taugen:
Zwei - auch gern umbrillte - Augen.

Buschhuhn & das eintausendvierhundertdreiundsiebzigste Gedicht

Huhn im Kleintierzoo vom Stadtpark Erding

Ein Ripostegedicht auf "Es sitzt ein Vogel" von Wilhelm Busch.

Es sitzt noch ein Vogel

Es sitzt ein Vogel im Lockdown
Und mag sich nicht nach draußen trau'n.
Ein Kater hält den Abstand ein,
Fällt nicht auf diesen Braten rein,
Hält Appetit in Zaum und Zügel,
Weiß: "Solch Schnellimbiss verleiht rasch Flügel!"

Denn es krächzt, was vordem quinquilliert,
Es hustet, sprotzt - wohl infiziert? -
Es ward der Vogel mit Humor,
- bei Busch noch so fit! - ranzig.
Mir scheint, der Vogel greift hier vor
Und hat schon Covid 20.

Einzelgänger & das eintausendvierhunderteinundsechzigste Gedicht

Kuh bei der Rotwand

Jetzt zu 50%!

Wenn jetzt Verschwörungstheorien
Verstörend durch die Hirne zieh'n,
Werd'n sie zur Hälfte anerkannt
Per "Wusst ich's doch!" und "Allerhand!"

Den Bogen raus & das eintausendvierhundertdreiundfünfzigste Gedicht

Regenbogen über der Maxvorstadt

Sich regen bei Regen

Regen
Macht mich
Augenblicklich
Regen Missmuts
Leichte Beute.

'Regen,'
Dacht' ich
(träg & dicklich),
'Tät gewiss gut -
Nur nicht heute!'

Abmarschplatz & das eintausendvierhundertsiebenundvierzigste Gedicht

Das NS-Dokumentationszentrum am Königsplatz

Veteranen am Strand

Es war Krieg, den der Sommer Vergangenheit sein lässt -
Der Frühling verspricht zu gern schiefen Triumph,
Wenn Welt sich aus Angst vor Veränderung einnässt
Und Regengefahr zwickt das Leben im Sumpf.

Es war Krieg, weil für Frieden der Anlauf zu kurz war
Und viel zu viel Sehnsucht im Sang der Soldaten -
Schon strich der Verdacht über manches Geburtsjahr,
Doch alles schrie: Davon war nichts zu erwarten!

Es war Krieg, weil dies Selfie im Album noch fehlte -
Uns drohte ein Untergang in Langeweile!
Manch Schweigen schon Feedbackkanäle entseelte -
Das Bröseln der Neuigkeit zwang uns zur Eile!

Es war Krieg, den der Sommer Vergangenheit sein lässt -
Er bescheint unsre Hände als unschuldig rein.
Es war Krieg, dessen Schuldscheinbedruckung schnell einblässt -
Wenn Zeit die Geduld frisst, wird wieder Krieg sein.

Isarstrom & das eintausendvierhundertzweiundvierzigste Gedicht

Blick auf die Isar von der Großhesseloher Brücke

Gepaarte Parts verscharrter Charts unsres nachcorona Pfads

"Bei schwächelnden Corona-Viren
In Tschechiens Kronen investieren!"
Lautet der Berater Rat.

"Die Masken gegen Covid-19
Ganz modisch aus so'n Canvas-Zeug näh'n!"
Leitet der Vernarrten Naht.

"Bitte nicht in Quarantänen
Überschrittlich sicher wähnen!"
Läutet der erstarrte Staat.

Ickinger Stauwehr & das eintausendvierhunderteinundvierzigste Gedicht

Am Stauwehr Icking

Der gereifte Aufreger

Ist der Nachricht Wert gesunken,
Wird genervt bald abgewunken -
So nun schlummert er final
Vor erneuter Startblockwahl.

Marienplatzplatz & das eintausendvierhundertneununddreißigste Gedicht

Der Marienplatz zu Coronoa-Zeiten

Lustig, New Comedian?

Bemüht verhehlst du, dass es schmerzt,
Womit du uns den Tag verscherzt!

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