Der Wind vom Meer kommt kühl daher
Doch die Sonne gibt sich schon verbindlich.
Mag sein, diesen Umschwung erwünsch ich zu sehr –
Ja, bin fürs Konträre zu blind ich?
Im früh gewählten T-Shirt darf man sich durchaus erkälten
Und mit jenen im Einklang dann husten und schnupfen,
Die ähnlich frisch sich aus dem Haus heut gesellten,
Um mutig und frohen Muts aufzumupfen.
Niedersachsen fragen Seealpenleute:
„Ciao, sachtma, wie war denn dat Wetter so heute?“
„Schön zum Skifahren war’s und auch zum Baden!
Ja, wir war’n noch am Strand nach’m Sessellift –
Und vergaßen glatt, Euch einzuladen …
Sowas merkt man ja erst, wenn man sich später trifft,
Auch, wie schnell man gewöhnt sich ans Hochgefühl,
Dass man nicht täglich stöhnt: ‚Heute wird’s wieder kühl‘.“
Nun, dafür können Niedersachsen
Weil am Tiefpunkt, nur noch wachsen.
Im Schnee ahnt sich nichts, dass er bald schon verschwindet,
Dass ein Tauwetter kommt und den Tusch überwindet,
Den er gewichtig angestimmt,
Und aller Schicht die Deckkraft nimmt.
Sein Intermezzo bleibt als Stück,
Vom Schnellfall angespielt,
Es variiert allein darin,
Wie lang er dies Jahr hielt.
„Was,“ fragst du verängstigt, „sind das für Geräusche?“
Besänftigend sag ich: „Wenn ich mich nicht täusche,
War das grade das hohle und höhnende Gähnen
Von Fleischfetzen schnetzelnden Wolfszombiezähnen.
Das andre der schrille Pfiff vor dem Gesinge
Einer auf dein Genick ziel’nden Blitzfallbeilklinge.
Und schließlich die Hex, die ans Fensterchen drückt
Und schon die Zerstückelungsrostmesser zückt.
Vor den’n sind wir drinnen hier sicher, mein Kind!
Aber fürchte den nie zu berechnenden Wind …!
Du Erkältungssymptom in der herbstlichen Sonne,
Bist verknittertes Elend, entblätterte Wonne,
Mit schwerem Atem und erleichtertem Sinn.
Auch wenn’s anstrengend scheint – heut bekomm ich was hin!
Ich weiß, diese Krankheit ist nicht überwunden,
Doch ich zerr aus dem Würgegriff fröhliche Stunden –
Ja, Herbst und Erkältung, ihr kriegt mich nicht klein!
Denn die Sonne scheint auf meiner Seite zu sein.
Ich musste mir oft schon den Nacken verbrennen,
Um Frühsommertage zu ehren,
Um einen Sack Willkür gleich Wandel zu nennen,
Um Umkehrgelüsten zu wehren
Und zudem/vor allen Dingen
Meteorologen dahin zu zwingen,
Als Sommer dies Wetterchen anzuerkennen.
Diese Schönfärberei, das könnt anregend sein,
Ignoriert doch wohl wissentlich jenen Moment,
Da das Frösteln sich einschießt
Und die Muskelkraft abfließt,
Jeder Hautfleck vor Kälte erbrennt.
Vielleicht hilft ja nur Disziplin in dieser Frage?
Vielleicht braucht’s auch nur einfach noch mehr warme Tage.