Autor & Schreiben

Gedichte über das Schreiben, das Dichten und das Autorendasein.

Südfriedhof & das eintausenddreihundertsiebte Gedicht

Herbst am Südfriedhof Essen

Die Gemütlichkeit der Hingabe

Dräng' ich in die Verlorenheit
Auf wortumschmückten Spuren,
Pflückt' ausdrücklich Bedeutsamkeit
Ich über Lautgravuren,
Geläng's mit Dürers Akribie
Profanstem zu entlocken
Die angeborene Magie,
Sie kühn an Erkenntnis zu docken,
Um doch im akkuraten Schreiben
Ganz eingetaucht nur Schelm zu bleiben,
Das wär' ein ernstes Viel

Und fast schon wie ein Ziel.

Berliner Zoo & das eintausendzweihundertachtundneunzigste Gedicht

Gatter Zum Zoo am Berliner Tiergarten

Vom Schreiben

Ich startete im Krickelkrakelsturm meiner Gedanken,
Umarmte dann fast sehnsuchtsvoll die Planken früher Schranken.

Den angewöhnten Bogenstrich hat Tasterei geglättet,
Der kurz darauf mechaniklos zum Bildschirmpunkt geflattet.

Fürs Krickelkrakel brächte ich die Kraft wohl nicht mehr auf -
Im Kerker der Bequemlichkeit verlernt man freien Lauf.

Mendebrunnen & das eintausendzweihundertneunundachtzigste Gedicht

Der Mendebrunnen am Augustusplatz in Leipzig

Die Überwältigende

Hier übersteigt das Sein die Minne
Und hält der Held vorm Sprachlos inne -
Will nur noch um und in sie denken,
In Deinseinstiefe sich versenken,

So ortsverloren ihr Befinden
Mit aller Demuts Grund verbinden.

Český Krumlov & das eintausendzweihundertvierundvierzigste Gedicht

Gang zum Schloß Krumau

Kein Angst, dieser Text trägt einen rein theoretischen Titel. Aber bot sich an angesichts einer kleinen - behobenen! - Schreibflaute.

Mein letztes Gedicht

Vielleicht gibt's ihn: Den einen Reim –
Den ich nun schleunigst finden muss!
Dann kehre ich für immer heim
Und sage: Hab' ihn! Fertig, Schluss.

Frühnebel & das eintausendzweihundertdreiundvierzigste Gedicht

Frühnebel beim Münchner Flughafen

Requiem

Die Geschichte ist plötzlich verschwunden,
Verteilt auf leere Seiten -
Doch an keinerlei Richtung gebunden
Im Raum sich auszubreiten.

Wachwechsel & das eintausendzweihundertzweiunddreißigste Gedicht

Grünfink

Flüchtiges Gedicht

Ein eingefang'nes Hirngespinst sind dieses Verses Zeilen,
Auf denen die Gedanken nun zur Anprobe verweilen.

Vermag es deinem Spiegelbild heut' Stimmigkeit verleihen,
So denke dran, das Hirngespinst beizeiten zu befreien!

Niederwald & das eintausendzweihundertfünfundzwanzigste Gedicht

Rüdesheim Gondelbahn zum Niederwalddenkmal

Der Sog der Romantik

Dem samtigweichen Nussbaumschatten,
Unter mildgrünfrisch wachsigen Früchten,
Kann niemand bloß Besuch abstatten -
Jeder fühlt sich bemüßigt zu dichten!

Oh, stillschweigend Sog der Romantik in Gärten,
In Dir willt die Kraft deiner Früchte Erhärten!

Rüdesheim & das eintausendzweihundertzweiundzwanzigste Gedicht

Niederwalddenkmal Germania bei Rüdesheim

Die Wacht am Reim

Am rüden Reim fehlt eine Wacht,
Die checkt, wer mit dem Met rummacht.

Weimarer Klassik & das eintausendzweihundertunddritte Gedicht

Weimarer Klassik - Goethe und Schiller Denkmal

In Goethes Wohnhaus

Ich hab heut im Goetheschen Wohnhaus geschnüffelt,
Mich selbst ob der Gier meines Blickes gerüffelt,
Ob hier sich mir ein Trick verrät,
Erlöst von meiner Zwangsdiät,
Bringt mich in alten Schreibefluss,
Zeigt, wie ich Zeilen setzen muss ...
Das fänd ich doch mal derbe cool!
Denk ich vor Goethes Sterbestuhl.

Von dem tönte einst hier das tradierte "Mehr Licht!"
Als trefflicher Anfang von einem Gedicht.

Doch der einzige Tipp, der sich mir hier verrät,
Ist: Zeile stets zeitig - schnell ist es zu spät!

Bach in Arn & das eintausendeinhundertzweiundneunzigste Gedicht

Bachstatue am Rathaus Arnstadt

Vers Tand

Ich habe dem Nichts mehr zu sagen
Und melde dem All es vorhanden,
Bin hin übers Irren in Fragen -
Doch werde meist nicht recht verstanden.

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