Autor & Schreiben

Gedichte über das Schreiben, das Dichten und das Autorendasein.

Moorweg 1 & das eintausendsechshundertsechsundzwanzigste Gedicht

Auf dem verschneiten Moorweg 1 in Benediktbeuern

Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn's Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

Fanpoetry

Ich will bereits hier meine Ausführung stoppen,
Jede weitere Einschränkung meiden
Für einen Versuch, meine Dichtung zu toppen
Von den Clans, die auf meiner Alm weiden.

Jeder große Moment gebärt eine Kopie
Und muss lernen sich einzugestehen,
Dass er selbst niemals so relevant war wie sie -
Mit Rentierblick aufs frühere Lehen.

Sieh, der Spind ist geräumt und die Werkbank geputzt!
Drauf: die Sprosse zur formschönen Leiter.
Wähle sorgsam die Worte, mit der du sie nutzt,
Schreib das Unausgesprochene weiter!

Lichtblick & das eintausendsechshundertsechzehnte Gedicht

Im winterlichen Englischen Garten

Das letzte der Herz/Schmerz- und Lust/Frust-Gedichte

Mein leer gepumptes Herz
Hält inne ohne Schmerz -
Auf Tauchgänge im Frustteer
Hat's einfach keine Lust mehr.

RFB-Platz & das eintausendsechshundertdritte Gedicht

Rainer Werner Fassbinder Platz in München

Themenfeld und Sternenzelt

Ich werd weiterhin nie etwas Wichtiges schreiben,
Denn die Wichtigkeit trieft schon vor Wort.
Sie droht Leichtes und Lichtes aus Neid zu zerreiben,
Deklamiert ihre Gültigkeit stets ab sofort!

Glüht ein Themenfeld, mag es ein andrer beackern -
Auch wenn sein Ertrag mich bezirzt.
Mein Ziel bleibt, mir selbst an den Grabstein zu tackern:
Er hat unser Leben verkürzt.

Maxvorstadtidylle & das eintausendsechshundertste Gedicht

Abendhimmel mit Kondensstreifen

An einem schönen Maimorgen durchritt eine schlanke Amazone auf einer prächtigen Fuchsstute inmitten der Blumen die Alleen des Bois

Der erste Satz bleibt unvollendet,
Wenn Wort für Wort sich überblendet.

- Titel aus A. Camus, Die Pest -

Unterföhring & das eintausendfünfhundertneunundsiebzigste Gedicht

Im TV-Sendermoloch Unterföhring

Wenn Dichter retten ...

Gefühlt schrei'n täglich so viel Leben
In meine Richtung "Rette mich!"
Und kläglich müht sich all mein Streben
Um einen Reim auf "Kette, brich!"

Zu viel androhn'nde Schicksalsbrüche!
Zu oft tönt's roh und abgekühlt:
"Erspar uns deinen frommen Sprüche!"

Ihr Rettungsruf war bloß gefühlt.

Blätterwald & das eintausendfünfhundertsiebzigste Gedicht

Herbst im Olympiapark München

Am Altpapiercontainer

Am Container für Papier
Wird's Gemüt so trübe dir,
Weil das, was in den Schacht du schiebst
Und dem Vergessen übergibst,
War von Gewicht zu deiner Zeit -
Nun geht's den Weg zur Nichtigkeit.

All die sorgsam aufbewahrten
News, Ideen und Heldentaten,
"Boah!"s, die zum Bericht verdichtet,
Journalistisch nachgerichtet,
Menschen, die die Welt bewegten
Und dein eignes Werden prägten -

Was kurz als geltend galt, wird hier
Zur Restressource Altpapier.

Sehr wenige der mal gelesenen Zeilen
Werd'n ewignah in der Erinn'rung verweilen -
Es geht dein Gedächtnis so bald schon in Rente
Und schluckt dann eiskalt selbst die schönsten Momente.
Drum wird's Gemüt so trübe dir
Dort am Container für Papier.

In der Borstei & das eintausendfünfhundertsiebenundsechzigste Gedicht

Statuen im Zentralhof der borstei München

Geist und Ungeist

Ich kann tausend Mohammed-Spottverse schreiben,
Um dann generös schon aus Zeitnot es bleiben
Zu lassen.

Und hassen
Lass ich mich dafür aus-
Schließlich von Vollidioten.

Denn edlem Geist bleibt es verboten,
Auch nur eine der Gottheiten und Religionen
Von schönem Spotte zu verschonen.

Sckell-Monument & das eintausendfünfhundertsechzigste Gedicht

Das Sckell-Monument auf der Halbinsel vom Kleinhesseloher See im Englischen Garten

Mein Gendern (vor der Heimkehr)

Ich schminke mein Sprechen mit fleißigem Gendern,
Entsprechend gefordertem Formideal.
Fürs eigene Spiegelbild würd ich's nicht ändern -
Dem eigenen Ohr ist Kosmetik egal!

Doch eh ich berechtigte Anliegen schmähe,
Trag ich meiner Äußerei Glitzerstaub auf.
Auch wenn manch Wort ohne dies schöner aussähe,
Nehm ich das mir Läppische lässig in Kauf.

Galant und entspannt spende ich meinen Beitrag
Zu einer fairtrefflich sich bessernden Welt,
In der nach generisch-ästhetischem Einschlag
Der Wunsch nach jed äffischem Umweg entfällt.

Kleine Wolfsschlucht & das eintausendfünfhundertdreiunddreißigste Gedicht

Blick in die Kleine Wolfsschlucht bei Wildbad Kreuth

Schmerzlos

"Hab ich nicht längst schon jeden Schmerz
Mit einem Vers beschrieben?",
Beschwere ich mich himmelwärts,
Schwer pathosübertrieben.

Zum Leidwesen für Schmerzbetroff'ne
Gibt's die weit nach oben off'ne
(Gott ist unser) Richterskala -
Dass du deine Dichtertaler
Dir hienieden auch verdienst

Und nie zu zufrieden grienst!

Koaribik & das eintausendfünfhundertdrittte Gedicht

Am Strand vom Walchensee

Am Walchensee

Um irgendwalchen Silbenseen
Salch Wortgebilde nachzuseh'n,
Muss ich erst schwammig Runden dreh'n.

Obschon Poeten es begrüßen,
Vokabularien zu versüßen
Und sehr auf neue Silben steh'n -
Bei wal-chen schrei ich nich: "Die lieb ich!"
(ach, wol-chen wär doch so ergiebig!).

Doch nach dem Walchenseedurchschwimmen
Kommt nicht umhin man, zuzustimmen
Dem Lob voll Teichbegeisterschwung:

Der See ist 'ne Bereicherung!

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