Erde

Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Danubiana & das zweitausendeinhundertunddritte Gedicht

Das Danubiana Meulensteen Art Museum bei Bratislava

Auf Planken

Ein plankiges Holzbodenbohlengeräusch
Dankt artig dem Wanken mit Klang -
Da ich mir grad meines Gangs Fortschritt ertäusch'.

Ich hangle im Tran mich entlang
Und mag die zwar planlose Holzresonanz
Als mangelndes Dasein bewahr'nde Instanz.

Denn sie zeugt jedem Schritt, den ich gehe, Präsenz
Mit sittsam wie vehement steter Frequenz.

Gern wär ich im Stande, den Holzbodenplanken
Für jenen Gesang meines Ganges zu danken.

UFO @ Most SNP & das zweitausendeinhundertste Gedicht

UFO auf der Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes in Bratislava / Most SNP

Sanftes Entschlafen

Und sanft löst sich, was Leben hieß,
Von Antlitz, Leib und Gliedern.
Ich denk mir allen Schmerz als Vlies,
Lass fallen unter Lidern
Und atme eine Ruhe ein,
Die Zug um Zug sich mehrt.
Dann zuckt und ruckelt letztes Sein

Mein Körper ist entleert.

Abgeschirmt & das zweitausendneunundneunzigste Gedicht

Ladengasse in der Altstadt Bratislava

Im falschen Zuhause

Wahrlich, ich führe ein wunderlich Leben,
Das leider verfälscht wird von Fremdrequisiten.
Ja, ich fühlspüre mich deutlich daneben -
Und kann über keinerlei Ding hier gebieten.

Randvoll und unverlangt bin ich umgeben
Von Auswüchsen mir doch versagter Renditen.
Aussichtslos, Blickwerk und Köpfchen zu heben,
Umbaumelt mein Kinn ihr Schild "Mich kann man mieten!".

Neue Stary Most & das zweitausendachtundneunzigste Gedicht

Die Straßenbahnspur auf der renovierten Stary Most / Alten Brücke von Bratislava

Angebiestert

Plötzlich biestert's mich an, dass ich gar nichts versteh,
Dass ich hoffnungslos rätselnd komplett überseh,
Wo Essenz vor sich seint
Und des Daseins Meriten,
Vom Stumpfsinn verneint
Und umzingelt von Nieten,
Die ich sehenden Auges nicht wirklich erkenne,
Weil ich stümperhaft Wertes vom Unwerten trenne,
Dass ich trotz voller Fahrt
In längst höherem Gange
Auf nutzlosem Grat
Nie nach oben gelange.

Förchensee & das zweitausendvierundneunzigste Gedicht

Blick über den Förchensee bei Ruhpolding

Im Endspurt des Streunens

Nirgends zuhause
Und doch nichts vermissend.
Mir zeigt sich jed Bau
Fundamenteunwissend -
Und ich zeig entsprechend zurück!

Zeichen vertrauend,
Scheint Suche mir lässlich.
Ein endloser Stau
Potenziert sich ins Grässlich -
Derweil ich die Zeit überbrück.

Wann ließ das Verlangen vom Glück?
Und was bestimmt, was man vergisst?
Fernab vom Traulich,
Nirgends zuhaus: ich -
Leider auch nirgends vermisst.

Mitter- und Lödenseepassage & das zweitausendeinundneunzigste Gedicht

Der Übergang von Mitter- zum Lödensee bei Reit im Winkl und Ruhpolding

Verlust & Stolz

Die wieviel größte Sünde
Ist die schnöde Vorhersehbarkeit?
Sie stößt dich ab in Gründe,
In die Ödnis verlorener Zeit.

Den Countdown deines Lebens
Macht umgähnte Zeit doppelt bewusst.
Im Dunkel inn'ren Bebens
Überschlägst du bereits den Verlust.

Du sprichst zurecht den schuldig,
Der Vorhersehbarkeit brät zur Pein.

Verbleib mit Stolz geduldig -
Ein Zuviel an Beschwerde macht klein!

Palmenrindenhintergrund & das zweitausendneunundachtzigste Gedicht

Palmenstamm am Strand von Varadero

Niederschwellig grinsen

Vom Gerade-so-viel
Übers Klein-aber-fein -
Der Weg ohne Ziel
Kann der lohnendste sein.
Was niemand erwartet, mag glücklich sich fügen
Zum Schmuckstück, zum Kleinod aus reinstem Vergnügen

Honigküste & das zweitausendsechsundachtzigste Gedicht

Küste zwischen Guantanamo und Baracoa

Baracoa

Schon bei Eintritt ließ sich erfühlen:
Hier sehr viel zu kurz zu verweilen.
Nur einmal die Kissen zerwühlen,
Dann Wohlfühlmomenten enteilen.

Und doch als Ziel mir mitgenommen:
Noch mal. Mit Zeit. Zurück zu kommen.

Gibara Downtown & das zweitausendvierundachtzigste Gedicht

Am Hauptplatz von Gibara

Meine Erinnerung an den Parque Humboldt Havanna

Ein normaler Platz
An gänzlich exotischem Orte
Vergräbt in mein Hirn einen Schatz -
Den bergen so schnell keine Worte!

Dies ist ein vom Schillern entleibter Moment,
Den nur das Perlmutt des Erlebens erkennt,
Im Flur des nie Beschriebenen -
Und doch in mir Verbliebenen.

Sancti Spíritus & das zweitausenddreiundachtzigste Gedicht

Blaues Arrangement in Sancti Spíritus

Endschlussferne

Sobald ich das Geld für 'nen Reifensatz hab,
Werd ich meinen Wagen behufen.
Sobald mich die Sehnsucht aufs Dachgeschoss packt,
Spar ich alles Geld für die Stufen.

Doch

So lange kein Gott die Bilanz überprüft,
Werd ich mich aufs Planen beschränken.
Vielleicht wird das Rad vom bedächtigen TÜV
Mich nicht ob der Zauderei kränken.

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