Erde

Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Victoriafälle & das neunhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Victoriafälle

Die Victoriafälle

Zu diesem Thema sagte schon
Der Forscher David Livingstone
Begeistert schöne Worte

Nun sehe ich vor Orte:
Es stürmt aus des Sambesi Regen
In einem fort hervor die Gischt
Erfrischt die Welt mit forschem Segen
Derweil sie stumm nach Worten fischt

Und als Sprachloser steh ich vorm tosenden Toben
Und wünschte, ich könnt' es wie Livingstone loben

Okavango & das neunhundertsechsundvierzigste Gedicht

Auf dem Okavango

Im Fluss

Es fließt ein lyrisches Gefühl
Durch des Okavangos Stille
Strudelt stolz zum Chorgestühl
Und zerströmt in Wille, Wille

Frühstücksablenkung & das neunhundertfünfundvierzigste Gedicht

Nashörner an der Ghaub Lodge

Nashorn am Morgen

Das Frühstück, das wir verpasten
Weil drei Hörner den Rasen benasten
Wird ewig mir im Magen sein

Es ruht das Unvergessliche
Nicht im Öle und nicht im Ess-Iche:

Man schluckt es pur ins Hirn hinein

Chobe NP & das neunhundertfünfunddreißigste Gedicht

Giraffenriss im Chobe Nationalpark

Steppe

Steppe besteht
Solang's sie nicht kümmert
Wie's mir ergeht
Und was mich zertrümmert

Steppe befiehlt
Mir, die Ruhe zu lieben
Die Füße gezielt
In die Schuhe zu schieben

Sossusvlei & das neunhundertvierunddreißigste Gedicht

Sossusvlei

In der Wüste

Bin der erste Mann auf dem Mond auf Erden
Spür', dann und wann geklont zu werden
Und bleibe dennoch ganz allein

Zwar werden die, die mir nur gleichen
Wohl niemals irgend Wasser reichen
Doch nährt sie mein Vergessensein

Freising & das neunhundertachtundzwanzigste Gedicht

Freising Domberg

Und, wie war dein Auftritt?

Der McDonald's am Bahnhof war dann sehr, sehr viel voller
Als der Gästeversuch meiner Lesung
Und der Hackfettgeruch dampfte tiefer ins Moll
Und hielt Händchen mit meiner Verwesung

Burghausener Altstadt & das neunhundertachtzehnte Gedicht

Burghausener Altstadt

Unberechtigter Zugang

Jene Ruhe, die uns dieser Abend nicht bringt
Aber herzallerliebst simuliert
Bis er als Versuch ins Erfolgreiche dringt

Und vor morgen wird nicht kontrolliert

Thun & das neunhundertsiebzehnte Gedicht

Thun

Auf früher vertrauteren Straßen

Auf früher vertrauteren Straßen
In alten Gedanken zu geh'n
Erkennend noch, was wir vergaßen
Geblendet vom Zwischengescheh'n

Und stolpern wir über die Brüche
Mit denen uns Schicksal verdaut
Geleiten uns traute Gerüche
Und Blutbahnen unter der Haut

Doch es sinkt immer stärker ins Schwinden
Das Gefühle, man kehre zurück
Zu winzig wird das, was wir finden
Zu spurlos das kindliche Glück

Thuner See & das neunhundertsechzehnte Gedicht

Thuner See

Am Thuner See

Du fändest Ruhe hier ...
Steht in lebensgroßen Schönschriftstaben
Auf den Bergplakaten

Du tränend Panthertier
Komm und geh dich am Äußeren laben!
Wozu noch länger warten?

Kloster Blaubeuren & das achthundertsechsundneunzigste Gedicht

Kloster Blaubeuren

Politische Kunst

Diese Welt drängt mich ständig, mal klar zu entscheiden
Mein indifferentes "Kann beiderlei leiden!"
In das Kaltschwimmerbecken des Lebens zu stoßen

Dort prust' ich vernehmlich mit aufrecht großen
Parteiergreifen und Konformmicherklär'n

(Wenn bloß all die andern Optionen nich wär'n ...)

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