Berg, Fluss & Tal

Naturgedichte, die zwischen Berg und Tal spielen.

Moldauschleife & das eintausendzweihundertfünfundvierzigste Gedicht

Moldau-Wehr in Krumau

Die Riskante zu Krumau

Es lässt der Lauf der krummen Auen
Sich Gottseidank nie ganz umschauen.

Belächelt von dem weltlich raren,
Gänzlich Unberechenbaren,
Musst du den Mut zu Wasser lassen.

Man schwimmt im Unberechenbaren
Über Schlünde von Gefahren,
Die unablässig nach dir fassen.

Warum soll ich, wirst du mich fragen,
Den Sprung ins krumme Nass dann wagen?

Nun. Das ist eigentlich fast zu einfach.

Weil im Mainstream nie 'was Brillantes entsteht,
Wenn das Wasser dir nicht bis zur Riskante steht.

Isar & das eintausendzweihundertdreiunddreißigste Gedicht

Am Isarufer bei Thalkirchen

Der alte Fluss

Nun, mir scheint, du bist noch einmal träger geworden
Und ich denke, ich kann das versteh'n.
Nach oben ist Süden und unten ist Norden,
So lang sie die Karte nicht dreh'n.

Aber neuerdings schreit es, man müsse entscheiden,
Ob dein Süden sich richtig verhält.
Für irgendwen nimmst du klammheimlich Partei, wenn
Du sagst, das sei nicht deine Welt.

Du kannst nicht einfach durch zwischen Osten und Westen,
Weil du meinst, das seist du so gewohnt.
Die halten sich nicht nur zum Spaß für die Besten.
Man hat dich sehr lang schon geschont.

Und nun hast du den Drive für die Ufer verloren
Und du hoffst, man wird dich überseh'n,
Wenn Irrtumsimmune nach neuem Plan bohren.
Ich denke, ich kann das versteh'n.

Rochuskapelle & das eintausendzweihundertsiebenundzwanzigste Gedicht

Rochuskapelle bei Bingen

Wegen, wegen, Wegen! (Die Goethe-Ruh am Rochusberg)

Nur wegen Goethe flöte ich,
Der Klötgen Frank (auch: Klöterich),
Auf dem allerletzten Loch -
Und doch die Roch-
Uskapelle hat der Mühen gelohnt
(ich bin nur solch Fußwege nicht mehr gewohnt)!

Mit dem Kirchlein an sich hat es gar nichts zu tun (ich
Find's weder verwegen, noch richtig ruinig),
Denn es hat ja seit meiner schöngeistigen Häutung
Das Geistliche (meist) für mich keine Bedeutung.

Doch durch des Kreuzwegs Schatten schleich ich
Mich lichtungswärts ins wahre Reich, ich
Hocke müd mich hin im Schauen
Auf die Rüdesheimer Auen.
Und in des Rheins und Weines Weiten ...
Da stapeln sich Erhabenheiten.

In solcher Natur wähne ich meinen Segen.

Und bleib' auf der Spur von mir ähnlichen Wegen.

Rhein-Nahe-Eck (Binger Loch) & das eintausendzweihundertvierundzwanzigste Gedicht

Rhein-Nahe-Eck am Binger Loch

Im Binger Loch

Heut dring'mer noch
Ins Binger Loch
Erst Nahe und dann Rhein!

Der Mäuseturm,
Den Boys ihr Wurm
Sind Mitglied im Verein!

Kaum will sich wer beschwer'n, gefällt's
Sogar der Festung Ehrenfels!

Gen Bingen bringt der Flüsse Schwung
Ergüsse und Vereinigung!

Auch als der Rhein noch stinkig roch,
Kroch er hinein ins Binger Loch!

Rauschbergstation & das eintausendeinhundertfünfundsiebzigste Gedicht

Blick vom Rauschberg auf Ruhpolding und Chiemsee

Abstieg ins Nichts

Ein wenig Gipfel nur
Als reichweit zu spüren -
Das hätte als Spur
Mir bei Weitem gereicht.

Doch auf Wegen, die stur
Ins Tal hinab führen,
Verschluckt mich die Flur
Schon, erbarmungslos seicht.

Begleitung & das eintausendeinhundertzehnte Gedicht

Eichhörnchen in Davos

Mein Hier (Auf der hohen Promenade zu Davos)

Die hohe Promenade ist mein
Saft'ges Winterwonderland -
Hier atme ich des Winters Kraft ein
Und trag Schühchen an der Händ.

Unterm watt'gen Schneestapf schlummert
All die Hast und Last auf Erden,
Und mein schwaches Herzchen wummert
So, als wollt's noch achtzig werden!

Von den Tannenspitzen rieseln
Eichenkätzchen, hochpossierlich!
Sänftwärts schwebt hinweg mein Kriseln -
Gänzlich tänzelnd latscht's mich hierlich!

Gipfelnähe & das eintausendzwanzigste Gedicht

Schafe auf dem Weg zur Hochjoch-Hospiz

Drang & Sturm

Ja, das ist die Höhe!
Die wollt'st du besingen!
Dann kam eine Böe
Und kurz darauf hingen
Vier blutende Glieder
An Felsenvorsprüngen

Ich sag's immer wieder:
Man darf's nicht erzwingen!

Hochjoch-Hospiz & das eintausendneunzehnte Gedicht

Auf dem Weg zur Hochjoch-Hospiz

Im Whiteout

Nachdem der Himmel beschloss, sich einzuweißen
Schien der Erdgeschosshorizont in ihn zu gleißen
Und die Unendlichkeit rückte näher

Im Unerreichtsein schlief die Welt wie verwunden
Nur Gesichtsloses ward miteinander verbunden
Und die Unendlichkeit drückte zäher

Bis zu dem Punkt, wo alles Weiß / nicht Zustand, sondern Schicksal ist
Und jedes Ziel zum Gegenschlag / mit ungestümen Willen frisst

Kein Weg, der sich zur Richtung zieht
Beregelt dieses Nicht-Gebiet

Ein eisiger Wind kristallt: "Lebensgefahr!"
Es entschwebt alle Regung
So haltlos
So bar

Abstieg & das neunhundertfünfundsiebzigste Gedicht

Sulden

Am Gipfel

Es scheitert der Blick am Nebel des Grauens
Ausgehöhlt scheinen die Pfeiler des Schauens
Nur wattige Bedeutungsleere, die Konturen ausgesaugt
Abgestumpfte, dumpfe Schwere, alle Farben ausgelaugt

Voll ergraut dräut der Ausblick und mir is'
Als schaut vom Hirn ich nur zur Iris
Was noch folgt, ist weiße Wand

Trüb vom Dunst verschlucktes Land
Des' Goldpanorama mir heute verwehrt

Was sattsam das Moll dieses Dramas ernährt

Düsseldorfer Hütte & das neunhundertvierundsiebzigste Gedicht

Düsseldorfer Hütte bei Sulden

Auf der Payer-Hütte

Ich sitz auf der Hütt' vom Payer
So wie in 'ner Bütt und seier'
Launige Gedichte ab

Auch wenn ich auf gut Dreitausend
Nur auf fremde Kosten hausend
Sicher nix zu sagen hab

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