Berg, Fluss & Tal

Naturgedichte, die zwischen Berg und Tal spielen.

Große Wolfsschlucht & das eintausendfünfhundertzweiunddreißigste Gedicht

Große Wolfsschlucht in Wildbad Kreuth

Im Bergbachrausch

Nun, irgendeine Droge muss
Der Bergbach doch enthalten,
Da willensschwach und mit Genuss
Wir forsch in ihm erkalten.

Uns muss ja irgendeine Sucht
In seine Wasser treiben,
Obwohl die eisekalte Wucht
Doch rät, ihm fern zu bleiben.

Sein Rausch ist ja vernehmlich laut -
Und Sonnenstrahlenfülle
Wärmt prickelfrisch-erschöpfte Haut
Zu einer neuen Hülle.

Valepptal & das eintausendvierhundertdreiundsechzigste Gedicht

Wanderung zur Rotwand

Raus! Raus! Raus!

Raus an die frische Luft
Und an die luft'ge Frische -
Der Trübnis Gram verpufft
Am üppig grünen Tische!

Ins Freie spült's den Wandersmann
Und alles fühlt sich anders an.

Rheinufer & das eintausenddreihundertdritte Gedicht

Mainzer Rheinufer

Hinweis der Wasserwaage

Vater werden ist nicht schwer,
Vater Rhein dagegen sehr!

Gipfelkreuz & das eintausendzweihundertzweiundsiebzigste Gedicht

Zugspitze Gipfelkreuz Österreich

Kurz vorm Kreuz

Es pumpt das Herz.
Es schlingt die Lunge.
Es wummert stirnwärts.
Junge, Junge,
Was nimmst Du alter Berg mich ran,
Dass mir die Luft so dünn wird, Mann?!

Bin schweißvernässt, japs' heiß und kalt
Und frag' mich, ob ich nicht zu alt
Für solch aan steilen Aufstieg bin.
Doch weiß gewiss, dass - immerhin -
Auch wenn ich auf dem Weg erbleiche,
Das eine Kreuz ich noch erreiche!

Gletscherreste & das eintausendzweihundertsiebzigste Gedicht

Zugspitze Gletscher

Enttäuschung

Ich wollt irgendwann mal an der Zugspitze steh'n -
Und nun kann man hier nirgends 'n Lokführer seh'n!

Partnachklamm & das eintausendzweihundertsiebenundsechzigste Gedicht

In der Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen

Leibesfrucht und Schluchtbreite (Partnerschaft trotz Partnachklamm)

Ich hatt' mein Heim in einer Klamm.

Dort zwängt' ich mich in 'ne Madame,
Die ich klammheimlich schwängerte.

Was ihr die Schlucht verengerte.

Moldauschleife & das eintausendzweihundertfünfundvierzigste Gedicht

Moldau-Wehr in Krumau

Die Riskante zu Krumau

Es lässt der Lauf der krummen Auen
Sich Gottseidank nie ganz umschauen.

Belächelt von dem weltlich raren,
Gänzlich Unberechenbaren,
Musst du den Mut zu Wasser lassen.

Man schwimmt im Unberechenbaren
Über Schlünde von Gefahren,
Die unablässig nach dir fassen.

Warum soll ich, wirst du mich fragen,
Den Sprung ins krumme Nass dann wagen?

Nun. Das ist eigentlich fast zu einfach.

Weil im Mainstream nie 'was Brillantes entsteht,
Wenn das Wasser dir nicht bis zur Riskante steht.

Isar & das eintausendzweihundertdreiunddreißigste Gedicht

Am Isarufer bei Thalkirchen

Der alte Fluss

Nun, mir scheint, du bist noch einmal träger geworden
Und ich denke, ich kann das versteh'n.
Nach oben ist Süden und unten ist Norden,
So lang sie die Karte nicht dreh'n.

Aber neuerdings schreit es, man müsse entscheiden,
Ob dein Süden sich richtig verhält.
Für irgendwen nimmst du klammheimlich Partei, wenn
Du sagst, das sei nicht deine Welt.

Du kannst nicht einfach durch zwischen Osten und Westen,
Weil du meinst, das seist du so gewohnt.
Die halten sich nicht nur zum Spaß für die Besten.
Man hat dich sehr lang schon geschont.

Und nun hast du den Drive für die Ufer verloren
Und du hoffst, man wird dich überseh'n,
Wenn Irrtumsimmune nach neuem Plan bohren.
Ich denke, ich kann das versteh'n.

Rochuskapelle & das eintausendzweihundertsiebenundzwanzigste Gedicht

Rochuskapelle bei Bingen

Wegen, wegen, Wegen! (Die Goethe-Ruh am Rochusberg)

Nur wegen Goethe flöte ich,
Der Klötgen Frank (auch: Klöterich),
Auf dem allerletzten Loch -
Und doch die Roch-
Uskapelle hat der Mühen gelohnt
(ich bin nur solch Fußwege nicht mehr gewohnt)!

Mit dem Kirchlein an sich hat es gar nichts zu tun (ich
Find's weder verwegen, noch richtig ruinig),
Denn es hat ja seit meiner schöngeistigen Häutung
Das Geistliche (meist) für mich keine Bedeutung.

Doch durch des Kreuzwegs Schatten schleich ich
Mich lichtungswärts ins wahre Reich, ich
Hocke müd mich hin im Schauen
Auf die Rüdesheimer Auen.
Und in des Rheins und Weines Weiten ...
Da stapeln sich Erhabenheiten.

In solcher Natur wähne ich meinen Segen.

Und bleib' auf der Spur von mir ähnlichen Wegen.

Rhein-Nahe-Eck (Binger Loch) & das eintausendzweihundertvierundzwanzigste Gedicht

Rhein-Nahe-Eck am Binger Loch

Im Binger Loch

Heut dring'mer noch
Ins Binger Loch
Erst Nahe und dann Rhein!

Der Mäuseturm,
Den Boys ihr Wurm
Sind Mitglied im Verein!

Kaum will sich wer beschwer'n, gefällt's
Sogar der Festung Ehrenfels!

Gen Bingen bringt der Flüsse Schwung
Ergüsse und Vereinigung!

Auch als der Rhein noch stinkig roch,
Kroch er hinein ins Binger Loch!

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