Berg, Fluss & Tal

Naturgedichte, die zwischen Berg und Tal spielen.

Victoriafälle & das neunhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Victoriafälle

Die Victoriafälle

Zu diesem Thema sagte schon
Der Forscher David Livingstone
Begeistert schöne Worte

Nun sehe ich vor Orte:
Es stürmt aus des Sambesi Regen
In einem fort hervor die Gischt
Erfrischt die Welt mit forschem Segen
Derweil sie stumm nach Worten fischt

Und als Sprachloser steh ich vorm tosenden Toben
Und wünschte, ich könnt' es wie Livingstone loben

Okavango & das neunhundertsechsundvierzigste Gedicht

Auf dem Okavango

Im Fluss

Es fließt ein lyrisches Gefühl
Durch des Okavangos Stille
Strudelt stolz zum Chorgestühl
Und zerströmt in Wille, Wille

Etoshapfanne & das neunhundertdreiundvierzigste Gedicht

Etoshapfanne

Etoshapfanne

Greift die Weite nicht mehr breiter
Geht es an den Seiten weiter

Mit dem voll entleerten Feld
Misst sich nur das Himmelszelt

Sossusfly & das neunhundertachtunddreißigste Gedicht

Flug über die Namib

Wüstenblick

Winde schaben die Konturen
Schatten werfen die Schraffuren
Und erteil'n ihre Lehrstunde Geometrie
Büsche tüpfeln Kleckskontraste
Gott drückt die Beleuchtungstaste
Zur Sonnenstrahlneigungsgradfarbsymphonie

Und am Ende ist alles nur, alles nur Sand
Ein jegliches Leben verdunstender Strand

Dead Vlei & das neunhundertsechsunddreißigste Gedicht

Dead Vlei

Dead Vlei

Hierhin kommt ganz sicher kein Fluss mehr vorbei
Für so viel Hoffnung reicht nicht der Platz auf der Welt
Nur der Lehm der Erinnerung bettet dies Vlei
Und die Gegenwart wirkt wie daneben gestellt

Thuner See & das neunhundertsechzehnte Gedicht

Thuner See

Am Thuner See

Du fändest Ruhe hier ...
Steht in lebensgroßen Schönschriftstaben
Auf den Bergplakaten

Du tränend Panthertier
Komm und geh dich am Äußeren laben!
Wozu noch länger warten?

Hohe Salve & das siebenhundertdreiundvierzigste Gedicht

An der Hohen Salve

Ein Plädoyer für die Mittelgebirgswanderung

Verwahre dich vor hochalpinen
Rauf- und wieder Runter-Spleenen!

Wo der Fels noch nackig ist
Erosion die Grasnaht frisst
Gibt's nur:

Geröll
Geröll in spe
Lawinengatter
etwas Schnee
geballte Lebensfeindlichkeit
trostlos grau im Steinschlagkleid

Denn der Berg, die Abbruchschlampe
glänzt erst ab der Bauchspeckwampe

Rück dem Gipfel nie zu nah, Kind
reicht doch, dass die Berge da sind!

Deren Schönheit lässt sich loben
auch von nicht totalweitoben

Prag 2017 & das sechshundertdreiundachtzigste Gedicht

Prag Moldau Karlsbrücke

Die Moldau

Die Moldau ist ein schmiegsamer Fluss
Und ein Prager Behaglichkeit förderndes Muss
Ist ein mild dem Flaneur zugeneigtes Entrücken
Das ihn verführt zum Brückenpflücken
Jedes Nichts wird zum Ufer und pflegt den Verlauf

Und kurz hinter Prag hört der Fluss wieder auf

Septembertiefe & das sechshundertvierundsechzigste Gedicht

Am Ammersee

Unter Stürzenden

Die Luft ist hier ein Kilo schwerer
Die Nächte fast elfmal so kalt
Hier zieht noch der Flächenbeteerer
Den Hut vor dem dräuenden Wald

Der Pfarrer fragt uns, wo es weh tut
Wir werden von jedem gegrüßt
Sind Brüder und Schwestern in Demut
Und haben für all das gebüßt

Wir schmecken lebendige Süße
Doch niemals ganz ohne Verdacht

Dir, Mutter, die herzlichsten Grüße
Ich wünsch dir 'ne bessere Nacht

Berghof & das sechshunderteinundsechzigste Gedicht

Bei Goldegg

In der Ruhe liegt die craft

So calm, die Alm
Dass aussprechblind
Zwei Sprachen plötzlich einig sind

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