Haus & Heimat

Gedichte, die dem Thema Heimat und dem Zuhause sowie der Wohnung nebst Interieur zuzuordnen sind.

Globetrotter & das neunhundertsechsundzwanzigste Gedicht

Bei Globetrotter München

Der neue Mitbewohner (mit Gewehr in die WG)

Wir wollten ihm den Room vermieten
Doch er begann uns oomzunieten
Ganz ohne Chance zur Gegenwehr
Befanden wir: Von wegen fair!

Thun & das neunhundertsiebzehnte Gedicht

Thun

Auf früher vertrauteren Straßen

Auf früher vertrauteren Straßen
In alten Gedanken zu geh'n
Erkennend noch, was wir vergaßen
Geblendet vom Zwischengescheh'n

Und stolpern wir über die Brüche
Mit denen uns Schicksal verdaut
Geleiten uns traute Gerüche
Und Blutbahnen unter der Haut

Doch es sinkt immer stärker ins Schwinden
Das Gefühle, man kehre zurück
Zu winzig wird das, was wir finden
Zu spurlos das kindliche Glück

Blautopfspiegel & das achthundertsiebenundneunzigste Gedicht

Blautopfspiegelbild

Zimmer zu vermuten

Ich hab ein Zimmer zu vermuten
Das nach Bestimmeramtsstatuten
Völlig unzumietbar ist

Denn am Rand von den vier Böden
Mag sich keine Wand erblöden
Dass sie sich mit Decken misst

26 Netzgesicht & das achthunderteinundsiebzigste Gedicht

Hofgarten München

Nie mehr daheim

Das ist alles - nur ein Daheim nie mehr
Verloren der Sinn für das Feine
Der letzte Keim zur Gegenwehr
Begleitet des Hausherrns Gebeine

25 Irrspiegel & das achthundertsiebzigste Gedicht

Skyline Schwabing

Roaring Houses

Die Häuser verlassen nun ihre Gemäuer
Und der Korridor schlüpft durch die Keller
Das Wachstum der Steine ist ewig Gesetz
Was sie stoppte, macht heut alles schneller

Die alte Bescheidenheit wendet sich heuer
Gegen jegliche Form von Respekt
Die Räumlichkeit schluckt nun ein tieferes Netz
Das im Jenseits der Sinne versteckt

Winter 2.0 & das siebenhundertsiebenundneunzigste Gedicht

Dos Tierras

Schnee um Schnee bedeckt den Baum
Mich umknistert Badeschaum

Bis ich den Alten nicht mehr seh'
Die Fenster längst vom Wasserne-
Bel komplett beschlagen sind

Ich wünsch' dir 'ne ruhige Nacht, dort im Wind

Berliner Pflaster & das siebenhundertfünfundfünfzigste Gedicht

Die Spree am Berliner Hauptbahnhof

Ich hab' noch einen Rollkoffer in Berlin

Ich hab' noch 'nen Rollkoffer in Berlin,
Mit dem lässt sich leicht auch woandershin zieh'n.

Doch gibt's noch 'nen Keller dort voller Müll,
Den ich wohl auch weiterhin kräftig befüll'.

Den räumt kein Entrümplungskommando mir leer!

Wenn ich auch reise, denk' ich mir leise:
Wenn mich die Spreesucht packt,
Fahr' ich halt wieder her.

KUK im LA8 & das siebenhundertzehnte Gedicht

LA8 Baden-Baden

Der gesenkte Blick nach oben

Manchmal reicht ein Stückchen Stuck
Dass ich reichlich glücklich guck

Trotz aller erlernten Erkenntnis-Barrieren
Die uns sehr die Rückkehr zum Seichten erschweren

Ein Bild, bei dem ich glücklich glucks:
Ich, beim Anblick alten Stucks

24 Kronen & das sechshundertsiebenundachtzigste Gedicht

U-Bahnstation Prag

Es ist wie es ist

Ich spie in den Spiegel, geltungsbedürftig
Doch flirtend mit dem Abbild schlürft' ich
Alle Rotze wieder ein

Und trotzt' nie mehr dem Widerschein

Teetisch & das sechshundertzweiundsiebzigste Gedicht

Von der Tate Modern

Ripostegedicht zu "Sie saßen und tranken am Teetisch" von Heinrich Heine unter der Vermutung, dass Heine sich nur aus semantischen Gründen den Lapsus eines identischen Reimes (Teetisch - ästhetisch) leistet. Es war natürlich der rein reimende Stehtisch gemeint, dessen Nutzung durch Sitzende Heine unstatthaft, wenn nicht kriminell, erschien.

Wir saßen und tranken am Stehtisch

Wir saßen und tranken am Stehtisch
Und kamen so lieblos uns vor
Denn fraglos war's wenig ästhetisch
Wie der Tisch an Bedeutung verlor

Wie negierten frech alle Semantik
Und bestuhlten, wo aufrecht man steht
Der Plattenbau moserte grantig:
"Ey, wenn ihr nicht steh'n wollt, dann geht!"

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