Haus & Heimat

Gedichte, die dem Thema Heimat und dem Zuhause sowie der Wohnung nebst Interieur zuzuordnen sind.

Kandy & das eintausendachtundsechzigste Gedicht

Poya Parade in Kandy

Lea likes Airbnb

Nach dem Räumen der Räume von alten Geschichten
Ziehen neue Mieter ein
Auch die werden träumend, sich einrichtend, dichten
Und bald so alt wie alle sein

Spreehafen & das eintausendvierundfünfzigste Gedicht

Spreehafen

Auf Abstand

Wie könnt ich dir mehr als nur undankbar sein
Da ich dich von außen betrachte?
Wir war'n wie aus Volldampf im Mittenhinein
Und opferten nichts dem Verdachte

Mancher Zustand drängt nicht, ihn als Glück zu versteh'n
Und versinkt dann im Zuselbstverständlich
Wir trudeln fast lieblos durchs Weitergescheh'n

Und markieren Versprechen als endlich

Ulft & das eintausendvierunddreißigste Gedicht

DRU Cultuurfabrik in Ulft

Wiederaufbaublues

Bröckelte bloß etwas etwas Putz von den Mauern
So wär's wert, dass wir's überstehen
Doch hinter der Staubwand ist nur ein Bedauern
Und keinerlei Haus mehr zu sehen

Vent & das eintausendachtzehnte Gedicht

Ewiger Schneerest in der Rofenschlucht

Ripostegedicht auf "Ein alter Tibetteppich" von Else Lasker-Schüler

Der neue Balkanlaminat

Die Paneel'n, auf den'n wir liebend uns bahren,
Sind wilde Laminatbulgaren,

Die polnische Schwarzarbeit emsig verband
Mit der räudigen Note vom Billiglohnland.

Unsre fugenversunkenen Körper saugt auf
Jener holzimitatige Maserverlauf.

Süßer Lamisohn auf Sockelleistenklammerthron,
Ob nun Kunststoff uns federt oder Holz - hey, was soll's?!
Wenn Plank' an Planke ein Bund uns verknüpft?
(Und auch versiegelt ist er schon!)

Globetrotter & das neunhundertsechsundzwanzigste Gedicht

Bei Globetrotter München

Der neue Mitbewohner (mit Gewehr in die WG)

Wir wollten ihm den Room vermieten
Doch er begann uns oomzunieten
Ganz ohne Chance zur Gegenwehr
Befanden wir: Von wegen fair!

Thun & das neunhundertsiebzehnte Gedicht

Thun

Auf früher vertrauteren Straßen

Auf früher vertrauteren Straßen
In alten Gedanken zu geh'n
Erkennend noch, was wir vergaßen
Geblendet vom Zwischengescheh'n

Und stolpern wir über die Brüche
Mit denen uns Schicksal verdaut
Geleiten uns traute Gerüche
Und Blutbahnen unter der Haut

Doch es sinkt immer stärker ins Schwinden
Das Gefühle, man kehre zurück
Zu winzig wird das, was wir finden
Zu spurlos das kindliche Glück

Blautopfspiegel & das achthundertsiebenundneunzigste Gedicht

Blautopfspiegelbild

Zimmer zu vermuten

Ich hab ein Zimmer zu vermuten
Das nach Bestimmeramtsstatuten
Völlig unzumietbar ist

Denn am Rand von den vier Böden
Mag sich keine Wand erblöden
Dass sie sich mit Decken misst

26 Netzgesicht & das achthunderteinundsiebzigste Gedicht

Hofgarten München

Nie mehr daheim

Das ist alles - nur ein Daheim nie mehr
Verloren der Sinn für das Feine
Der letzte Keim zur Gegenwehr
Begleitet des Hausherrns Gebeine

25 Irrspiegel & das achthundertsiebzigste Gedicht

Skyline Schwabing

Roaring Houses

Die Häuser verlassen nun ihre Gemäuer
Und der Korridor schlüpft durch die Keller
Das Wachstum der Steine ist ewig Gesetz
Was sie stoppte, macht heut alles schneller

Die alte Bescheidenheit wendet sich heuer
Gegen jegliche Form von Respekt
Die Räumlichkeit schluckt nun ein tieferes Netz
Das im Jenseits der Sinne versteckt

Winter 2.0 & das siebenhundertsiebenundneunzigste Gedicht

Dos Tierras

Schnee um Schnee bedeckt den Baum
Mich umknistert Badeschaum

Bis ich den Alten nicht mehr seh'
Die Fenster längst vom Wasserne-
Bel komplett beschlagen sind

Ich wünsch' dir 'ne ruhige Nacht, dort im Wind

Seiten

RSS - Haus & Heimat abonnieren