Haus & Heimat

Die thematische Einteilung meiner Gedichte ist im Gange. Hier finden Sie in Zukunft alle Gedichte, die dem Thema Heimat und dem Zuhause nebst Interieur zuzuordnen sind.

Teetisch & das sechshundertzweiundsiebzigste Gedicht

Von der Tate Modern

Ripostegedicht zu "Sie saßen und tranken am Teetisch" von Heinrich Heine unter der Vermutung, dass Heine sich nur aus semantischen Gründen den Lapsus eines identischen Reimes (Teetisch - ästhetisch) leistet. Es war natürlich der rein reimende Stehtisch gemeint, dessen Nutzung durch Sitzende Heine unstatthaft, wenn nicht kriminell, erschien.

Wir saßen und tranken am Stehtisch

Wir saßen und tranken am Stehtisch
Und kamen so lieblos uns vor
Denn fraglos war's wenig ästhetisch
Wie der Tisch an Bedeutung verlor

Wie negierten frech alle Semantik
Und bestuhlten, wo aufrecht man steht
Der Plattenbau moserte grantig:
"Ey, wenn ihr nicht steh'n wollt, dann geht!"

Auszeit & das fünfhundertdreiundsechzigste Gedicht

Dusche nach drei Tagen

Befreie mich vom Drachenblut
Ich sehn' mich nach der Wunde
Verpfände altes Hab und Gut
Und schmeiß die nächste Runde

Abreibung & das fünfhundertneunundfünfzigste Gedicht

Eisbach im Englischen Garten

Nach dem Kneippbad

Oh, Frotteezottel, trockne meine
Spindeldürren Stolperbeine

Bürste sie mit gnadenreichen
Windelweichen Wadenstreichen

Göttergleicher Walkfrottier
Es frohlockt und wallt in mir:

Ach, Feuchteverscheucher - lass dich nicht lang locken
Mache meine Beine trocken!

Prägendes & das fünfhunderteinundvierzigste Gedicht

Balkonbegrünung März

Der Sessel

Und all der Prägesamt ist nun abgesessen
Dieser Platz wird wohl nicht noch mal weitervererbt
Die Käufer des Sessels längst tot und vergessen
Flüstern: "Seid euch gewahr, dass auch ihr einmal sterbt!"

Wir sind zum Überschwang verdammt
Vergänglicher als Prägesamt

Leipheim & das vierhundertvierunddreißigste Gedicht

Leipheim

Der Heimleib

Der Heimleib steckt des nachts mit dir
Unter deckungsgleichen Decken
Er ist das Beziehungstier
In das wir unsre Glieder stecken

Frühe Züge & das dreihundertzweiundneunzigste Gedicht

Poetry Slam im Tollhaus Karlsruhe

Zum Abschluss der Touretappe im Tollhaus Karlsruhe abgestiegen. Schön gefeiert trotz drohender Heimfahrt am frühen Morgen. Wieder daheim.

Doppelbett

Mit Dutzenden Stunden Schlafbedarf
Kehre ich zu dir zurück
Sehn' mich nach dem Schlafgemach
Und dass ich mal wieder geduzt werd vom Glück

Leavin' Görlitz & das zweihundertfünfundsechzigste Gedicht

Görlitz at night

Drei Tage Görlitz, Straßentheaterfestival. Abflug.

Nun bin ich manche Stunde

Solch Beschaulichkeit müsste erfunden werden
Um als Ernte der kopfsteingepflasterten Erden
Den Kantenvernarrten in mir zu entspannen
Das aufsässig Drängende sanft zu verbannen
Aus diesem Garten der Nostalgie
Wo die saftigsten Früchte aus Melancholie
Und einstiger Pracht nun im Immerfort reifen
Dass mich deren Düfte wie Ahnungen streifen:

Hier fänd'st du deine Ruh!

Doch brennst halt immerzu ...
Ich trinke genüsslich, gemächlich Kaffee
Erspür' so viel Gründe zu bleiben, doch ... nee!

Vorstadt & das zweihundertdreiundsechzigste Gedicht

Görlitz, andere Neißeseite

Drei Tage Görlitz, Straßentheaterfestival. Über Grenzverläufe innerhalb der Stadt.

Stadtkernaufwertung

Da ist der Geruch aus den Kellern der Vorstadt
Der lässt sich nicht globalisieren
Dort liegt noch Terrain, mit dem keiner was vorhat
Sind Flecken und Flecke, die nicht int'ressieren
Bald sind es nur sie, die dich an die Stadt binden

Doch kennst du die Pfade fürs Weiterempfinden
Lässt sich dieser Ort nicht hinfortinvestieren

Marienklausensteg & das zweihundertsechsundvierzigste Gedicht

Marienklausensteg

Isar-Spaziergänge. Und ein Gedichte-Marathon. Zehn Gedichte in zwei Tagen - mit der 250 zur Halbjahreswende vor Augen. Rest folgt in Kürze.

Der Blick von Außen

Der Spiegel irrt sich - das kann ich nicht sein!
Ich fordere nun Materialproben ein
Mit der Bitte zu prüfen, wieso dieser Mann
Die Darstellungskraft meiner Spiegel gewann
Er breitet sich aus - infiziert alle Schichten
Die, ihn widerspiegelnd, mein Abbild vernichten
Es steht zu befürchten, ich gleich' mich ihm an
Sobald ich den Anblick gewohnt bin und dann
Ist er der Herr im Hause hier
Und gilt als Original von mir

Wie lang kann dann noch die Gewissheit besteh'n
Das Bestreben, mich selbst doch ganz anders zu seh'n?

Ich besprüh' jetzt die spiegelnden Flächen im Haus:
"Die Wirklichkeit sieht anders aus!"

Minga & das zweihundertdreißigste Gedicht

Tengstraße

Zwischendurch auch mal wieder in München. Und der Blick aus dem Fenster.

In München

Gut, frag mich, was mir so gefällt, dort in München!

Nun, als Erstes wohl, dass ich hier bin
's gibt Dinge im Leben
Die ändert man eben
Und treibt einmal da- oder anderswo hin
Doch zwischen dem Treiben
Glaubt man an das Bleiben
Und das gibt dem Heute 'ne Masse an Sinn

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