Körperteile

Jedem Körperteil sein Gedicht ...

Platzhirsch & das eintausendsechshundertneunzehnte Gedicht

Weihnachtshirsch in der Maxvorstadt

Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn's Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

Meister Yoga (auf dem Weg zum Sonnengruß)

Mein Herabschauender Hund
Schielt klammheimlich nicht gen Grund,
Sondern in den vor
Ihm grad steil empor-
Gereckten Po.

Ein echter Hund tät's ebenso,
Um Neuigkeiten abzugleichen
(statt Handy-Displays zu bestreichen)
Per Schnüffel-Scan der Backenrille
Samt Nose-Rosette-Killekille.

Was bloßer Anblick noch entbehrt,
Wird tiefen Einblicks dann gewährt -
Durchströmt von der glimmerndsten Innerlichkeit,
Die immerzu "Ja, ich erinner' mich!" schreit:
Vor der Topnews-Inflation
Gab uns Kommunikation
Das instinktiv-intuitive Erkennen,
Gesäße wie Hintern von Ärschen zu trennen -
Eh dass in zu viel Wort verschwimmt,
Ein Urteil, das oft nicht mal stimmt.

Wir dehn'n uns als solcher Erkenntnis' Rudel,
Bestätigt vom Sakral-Gedudel,
Sind Hunde, die die Welt versteh'n,
Doch demütig nach unten seh'n.

Und kurz entfacht Hoffnung auf bessere Zeiten -
Eh wir in die - ach! - Schiefe Ebene gleiten.

Scham & das eintausendfünfhundertneunzigste Gedicht

Winterbepflanzung im Münchner Schlossgarten

Das Errötete (Kurzvariante eines momentan entstehenden Großgedichts)

Das errötete Dekolleté
Der durchvögelten Dorothee-Cosima
Umwölkt zart ein Röschen-Bouquet
Von fötenfrischer Geistesreinheit
Und forsch libidinösem Meineid -
Ein Momente umkosendes Immerdar,
Ein schwärmendes Aroma-"Ahhh!",
In dem sich die Urform der Gleichung beweist,
Um die der Planet unsres Menschentums kreist.

Ankunft Tegernsee & das eintausendfünfhundertfünfunddreißigste Gedicht

Blick auf den abendlichen Tegernsee

Zum Ende (der ersten Etappe)

Der meilenschwere Schuh am Fuß
Latscht meilenschwer zum Abschiedsgruß
Vom schmiegsamen Gehorsam.
Und biegarm härtet sich der Rist,
Beschwerdlich schwärt ein Schmerzensmist -
Wo wir noch so viel vorhab'n!

Wildbad Kreuth & das eintausendfünfhundertvierunddreißigste Gedicht

Das Gebäude der früheren CSU-Klausurtagungen in Wildbad Kreuth

Adeles Nichte (Wadl verpflichtet)

Adel verpflichtet.
Tadel vernichtet.

Aufs Radeln im Tschad hat das Madl verzichtet.
Was schad war - es ward ja im Stadl berichtet,
Dass Karl mal beim Bade ihr Wadl gesichtet.

Bergrücken & das eintausendfünfhunderteinunddreißigste Gedicht

Wendelstein mit Wendelsteinkircherl

Die Schulter-Nacken-Partie der Marilyn M.

Die Schulter-Nacken-Partie von Marilyn Monroe
Ist wie frühmorgendlich unbetretener Schnee ...
Welch Huldigung wagt sich an solch Perfektionsshow,
Da allüberall singt der Sinne Juchhe!?

Darf dein dürftiges Dasein solch Glorie erwarten,
Die von Kameras für deinen Bildschirm geraubt?
Wird dank jener Ansicht vom unbegrenzt Zarten
Nicht erst an die Mächte der Götter geglaubt?

Diese Rückenpartie der verzückten Beglückung
Ist ein fast überfordernder Buttercremeschmelz!
Drum braucht ihr Genuss eine Schling-Unterdrückung,
Ein erdendes Mal des Nicht-von-dieser-Welts!

Sonst wär' ich, meinem Blicke gleich,
In Haut schon längst versunken
Und all der süßen Pracht zu reich
In Liebreizflut ertrunken.

Museum Rietberg & das eintausendfünfhundertelfte Gedicht

Fasnachtmaske im Zürcher Museum Rietberg

Die Unangreifbaren

Es scheint, mit diesen Frisen
Gefrieren alle Mienen,
Auch die gemeinhin fiesen
Sind niemals mehr erschienen.

Laut Expertisen ist erwiesen:
Man entgleist von allen Schienen.

What does it mean for Mienen?
Man kann die Miesen ob der Frisen minimal nur warnen:
Trotz haarig cleaner Windigkeit könn‘n Brisen sie enttarnen!

Rheintalromantik & das eintausendvierhundertneunzigste Gedicht

Blick vom Rheinsteig auf die Rheintalverkehrswege

Unterschultergeschwabbel

Das Wabbelfleisch am Oberarm
Brüllt: "Hätt' dich fast vergessen!"
Wie ein heraus gestülpter Darm
Versaut es mir mein Essen.

Du Altersarsch von Wermutsfass
Wirst mein Begleiter bleiben,
Diktierst ein neues Bodymass
Und winkst mir zu beim Schreiben.

Pullinger Weiher & das eintausendvierhundertfünfundsiebzigste Gedicht

Am Pullinger Weiher

Gesichtsrichtlinie

Allgemein gilt im Gesicht:
Eine Mund- und Nasenpflicht.
Dies schließt ein - will sie was taugen:
Zwei - auch gern umbrillte - Augen.

Maximilianstraße & das eintausendvierhundertachtundvierzigste Gedicht

Sonnenuntergang in der Maximilianstraße

Gefühlte 20

Deine Kopfhaut bewahrt sich das blanke Gefühl,
Unter früheren Haaren verborgen zu sein -
So passt auch ins forschfrisch betagte Kalkül
Bei dir noch ein weiteres Lebensjahr rein!

Inselverkehr & das eintausendvierhundertdreiundzwanzigste Gedicht

Straße auf Mahe

Betanleitung

Mit den Füßen kann man nicht beten -
Da lohnt nicht einmal der Versuch!
Man kann sie zwei Stunden bekneten -
Dann mault jeder Gott: "Is' genug!"

Nein, zum Beten nimm lieber die Hände
(der Dürer zeigt anschaulich wie)!
Dann spricht Gottes Wohlgefall'n Bände:
"Gelobt sei die Anatomie!"

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