Speis & Trank

Gedichte, in denen Speisen oder Getränke die Protagonisten sind!

Massenevent & das eintausendneunhundertneunundneunzigste Gedicht

Badende Saatkrähen im Eiskanal

"Hast du eigentlich zugenommen?" (Mein Fett)

Ich habe mir so manches Pfund
Aus Faulheit angefressen
Und doch noch nie - aus gutem Grund -
Den Bauchumfang gemessen.
Längst bläht mein Körper, schwartenreich,
Sich feist aus seinem Rahmen,
Schlaff schwabbelt er sich, butterweich,
Zum Schauplatz welker Dramen.
Die Unform grölt manch Garstigkeit
Zwäng ich die Plumpheit in mein Kleid -
So resigniert an mir auch die
Kühnste Positivity,
Denn dieser Body flockt grad aus
Mit prallbrutalem Optikgraus!
Da wölbt die Wampe sich hervor
Als Walleibinselschmer,
Presst schmatzend sich durch jedes Tor
Aus schmalzdurchduns'nem Meer.
Es speckt der Wanst sein Zellulied,
Die Fleischigkeit zu gerben -
Die ratlose Ästhetik zieht
Als letzten Vorschlag: "Sterben!?"

Das scheint weise, denk ich leise,
Als ein Ziel von meiner Reise -
Kann doch grad ich fettes Schwein
Dann der Welt Entlastung sein!

Absageüberbleibsel & das eintausendneunhundertfünfundneunzigste Gedicht

Der nach der Winter-Tollwood-Absage verbliebene Zauberwald mit glitzerndem Pegasus von Torsten Mühlbach

Lass mal an uns selber glauben

Scheint, dass ich mich beim Zwiebelnschneiden
Von Jahr zu Jahr verbesser!
Natürlich müssen da andre entscheiden -
Im besten Fall, freilich, die Messer!

Ich denk ja, dass für mich das Jahr
Zweitausend sehr entscheidend war.
Vermutung nur zwar, die durch wenig zu stützen
(wem sollten Details hierzu letztendlich nützen?) -
Doch setzt das Ergebnis ein ganz klares Zeichen:
Es lässt, was man wirklich will, sich auch erreichen!

Und das Schneiden von Zwiebeln ist fürs Kochen soo wichtig!
Wer echt an sich glaubt, kann's von selber bald richtig!
Im Jahre Zweitausend hat's bei mir dann gefunkt,
Rein kochtechnisch ein Wendepunkt.

Diesen Rat mag zur Weihnacht ich Mutlosen schenken:
Auch tränenden Auges stur positiv denken!

Weihnachtsstern & das eintausendneunhundertzweiundachtzigste Gedicht

Laternenbespannung am Univiertel in der Luisenstraße

Pizza Diavolo

Was haben wir denn hier ...? Oha, insgesamt
Siebenundzwanzig Pizzamodelle!
Ich denk: 'Inspirierend.' Zugleich auch: 'Verdammt,
Wie nun wählen auf die Schnelle?'
Es gibt ja die Dinger mit jedem Belag -
Seit neulich auch ohne Tomatensoß! -
Hier reiht sich einand', was ich grundsätzlich mag
Und tummelt die Auswahl erst groß.
Doch Schinken, Sardellen und Kapern? Heut nicht.
Auch andere Meeresfrucht: Muss nicht sein.
Ich mag etwas Übersicht auf höchster Schicht -
Schon schrumpft jener Pool wieder ein.
Ja, wenn ich mal Pizza ess, dann gerne scharf!
Artischocken find ich sehr oft fade,
Bei Ei und Spinat gibt's kein'n Nachholbedarf ...
Findet noch was meine Gnade?
Es drängt die Entscheidung, der Kellner ist da!
Was sich bewährt hat, bleibt abermals gut.
Ihr scheint meine Wahl etwas langweilig zwar -
Doch sagt wer, es gänge um Mut?

Okaygesättigt fragt's dich, ob du
Zufriedener wärst, griffst du einfach daneben.
Nun, es kommt schon irgendwann dazu!
Vermutlich erst in einem späteren Leben.

Selbstversorger & das eintausendneunhundertvierundsiebzigste Gedicht

Hasenfänger Statue vor der Zooschule im Berliner Zoo

Heimatkunst

Die High Art of h(e)art geknufft
Heißt hier Bratkartoffelduft.

Garibaldimöwe & das eintausendneunhunderteinundfünfzigste Gedicht

Statue de Garibaldi am Piazza Indipendenza Verona

Zu früh gehofft

Denkst du nun als gerupftes Huhn:
"Mehr ist mir nicht mehr anzutun!"
So hast du nur unter den Schmerzen vergessen:
Das Ziel ist dein Ausgemerztsein via Fressen.

Trilobit & das eintausendneunhundertfünfundzwanzigste Gedicht

Aufbereitete Fossilien an der Straße der Kasbahs

Ausdrücklich

Dank der Kraft der Saftmaschine
Schafft ich, Frank, der Apfelsine
Einen Trank voll Vitamine
Auszupressen und rasch in 'ne
Karaffe zu tanken.

Der Maschine mag ich hierfür ausdrücklich danken.

Königskanone & das eintausendneunhundertsechzehnte Gedicht

Kanone am Königspalast von Rabat

Zur Reimarmut von Grundnahrungsmitteln

"Die Milch is sauer!", missbilligt der Bilch.
Schrill schallt's aus dem Bauer: "Wat willze, du Knilch?!
Dich kill ich!" - "Nich nötig, ich bin ja schon stillch!
Ich finde ja eh keinen Reim mehr auf Milch."

Medinametzgerei & das eintausendneunhundertachte Gedicht

Kamelkopf in der Medina von Fez

Iss sie niemals ...

... roh - nee, gare
Dromedare!
Auch der Kopf von dem Kamel:
Erst in ‘n Topf, dann in die Kehl‘!

Färberei & das eintausendneunhundertvierte Gedicht

Textilfarben in einem Souk in Chefchaouen

Würze des Reisens

Wird dieses Gewürz im Daheim nochmals schmecken?
Oder uninspiriert fade Breichen bedecken,
Auf ewig den Klecks der Exotik verstecken?

Wird es irgendwer von deinen Gästen wohl checken,
Wieviel Pfunde der Ferne im Nachgeschmack necken,
Um dann nach genussvollstem Fingerbeschlecken
In Demut den lobenden Daumen zu recken?

Oder kann diese Würze nur eines bezwecken:
In dir die Erinn'rung ans Fortsein zu wecken?

Ziz-Tal & das eintausendachthundertneunundfünfzigste Gedicht

Kasbah-Ruine im ziz-Tal

Medina

Da liegt, vielleicht schon gut sechzig Jahrzehnte,
Diese Dattel, bereit zum Verkauf.
Die von zahllosen Auswahlen Abgelehnte
Schultert abermals frischeste Nachschübe auf,
Die dann stückweise ab in ein Einkaufsnetz wandern -

Seit sechshundert Jahren sind‘s immer die andern.

Ob ihr nun ob der Haltbarkeit
Des Aussortierers Hände droh‘n?

Die Dattel ist nicht alt, verzeiht!
Hier geht es um die Tradition.

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