Kleidung

Gedichte, in denen Kleidungsstücke die Protagonisten sind.

Oide Wies'n & das zweitausenddreihundertundzwanzigste Gedicht

Im Museumszelt der „Historischen Gesellschaft Bayerischer Schausteller e.V.“

Zwischengeschlechtliches

Wie hab ich seibernd dreingeluchst,
Wo sie statt unter- ungebuxt
Ihr wabernd "so ist recht"-Geschlecht
Reich frei entfaltet ausgeflächt,
Als sei 'ne Reihe von Rekorden
Für neue Ären einzunorden.

Hab so stark drauf- wie dreingeäugt,
Dass jetzt voll Gram mein Blick sich beugt
Und nach solch warmen Halten sucht,
Die spaltenarme Zeit verflucht -
Als sei die Folge von Genüssen,
Dass Weitre weiters folgen müssen,
Um seinen Pegel auch zu halten
(und in der Regel geht's um Spalten).

Doch heut, vor dir zu sehr bebuxten
Schaff ich's nicht mal zur verdrucksten
"Magst du dich ma auszieh'n?"-Frage
Für die Mild'rung meiner Lage.
Ich witt're hier klar ein Gebiet,
Das unenthüllt mich runterzieht -
Anstatt du's mit dem Büxlein tust!

Worauf des Glücks Verzückt-Sein fußt.
Magst du gemäß solch' Sehnen
Die Hosenbünde dehnen?

Model & das zweitausendzweihundertdreiundfünfzigste Gedicht

Nicole Eisenman. What Happened im Museum Brandhorst

Crossover-Ripostegedicht zu Tucholskys "Das Ideal" und den Heidi-Klum-Rant von Roger Willemsen.

Der Ich-Handel (The I-deal/Dimunitiv von "selten")

Ja, das möchste:
Du willst bei der Challenge heut voll überzeugen,
Dass all jene andren dich neidisch beäugen
Und Heidi kreischt fleischig vor Scheineuphorie,
Du hätt'st krass Personality
Und die Fashionwelt wird sich schon bald darum reißen,
Dich auf ihren Kampagnen willkommen zu heißen.

Du schwebst vom Walk auf Wolke Sieben,
Bist dabei ganz du selbst geblieben,
Gibst dich dem Netz in Gänze hin
Als mega! Influencerin,
Bekommst von dort so viel zurück:
Ein tausendfach geteiltes Glück.
Ja, das möchste.
Aber,
in Wahrheit wirst du voll verheizt
Im Tollhaus, das mit Chancen geizt,
Verkackst im Kreis beknackter Grazien,
Verlacht als Wackelkandidatin,
Die beständig, unbändig und flehentlich flennt
Vor gemeinen Designern, die eh keiner kennt.

Letztlich fehlt dir das Foto zum Model-Champ,
Du hoffst noch auf das Dschungelcamp
Und hangelst fesch von „Au!“ zu „Au!“
Durchs Dickicht dich vom Trash-TV.

Doch wie sehr man sich auch engagiert,
Dass man sich dann noch etabliert
Vorm bösen Ansturm erster Fältchen
Das
Ist seltchen.

Leinenzwang & das zweitausendeinhundertsechsundvierzigste Gedicht

Vor einem Supermarkt in Aland

Vererbliches

In meines Vaters alten Hosen
Misslingen alle eitlen Posen.

Da grient ein Schwall von Disrespekt
Im Dom des Feuilletons,
Ein All verschalt unangesteckt
Vom feu des Perignons.

Da spricht wahllose Ahnung: „Spiel dich nicht so auf!“,
Doch in solcherlei Hosen nehm ich das in Kauf.

Bachstelze & das zweitausendeinhunderteinundvierzigste Gedicht

Bachstelze in Aland

Zu spät gelieferte Werbeslogans: Lob des Matelots

Es wird unangefochten der Matelot
Sehr zielelegant uns geflochten aus Stroh
Als ein Stilgarant über der Haarpracht Verzierung,
Die Bonvivance übende Chapeaunisierung!

Pommerngalione & das zweitausendeinhundertsiebenunddreißigste Gedicht

Galionsfigur der Pommern im Hafen von Mariehamn

Aspekte der Hutfertigung (eine Erinnerung an Lindenberg)

Mit Hitz‘ und Druck am Ziehstand schrumpft
Ins Drittelsein der Stumpen.

Wo ein Detail mit Feinschliff trumpft,
Bleibt Größe Maß der Lumpen.

Hutmuseum & das zweitausendeinhundertzweiundzwanzigste Gedicht

Deutsches Hutmuseum in Lindenberg im Allgäu

Hutmachertricks

Man schleift mit einer Haifischhaut
Die Filzschicht zum Velours.

Wer das sich unter Wasser traut,
Veredelt jede Schur.

Durchblick & das zweitausendvierzigste Gedicht

Blick auf Schloss Spiez

Zum Loch im Schritt meiner Lieblingsbuxe

Es leistet die Hose grad da sich ein Loch,
Wo auch meine Unterbux leckt.
So zeigt sich falthaarig ein Sackstückchen noch,
Obschon rundum doppelt bedeckt.

Doch, Freunde, vielleicht gibt's im Rund dieser Welt
Zehn Menschen, den'n solche Entblößung gefällt!?
Die mit jener Entdeckung Schwung
Nebst Mannschaftsportsbegeisterung
Beschließen, zum Team sich zusammenzuschließen,
Und mit mir trainieren das Fußbälleschießen!?
Wir hangeln uns von Sieg zu Sieg
Hin zum Gewinn der Champions League!
Und in Interviews wird oft gefragt, wie es kam,
Dass sich diese Mannschaft formierte -
Dann wühle ich just den Teil Sack aus der Scham,
Der einst durch mein Hosenloch stierte.

Ein Augenblick Hoden - wie kurz auch - vermag,
Den Lauf aller Bälle zu ändern ...
Zeig dich unbeeindruckt von Moden und trag
Mit Stolz den Verfall von Gewändern!

Nur du konterst bar der Erkenntnis vom Zweck:
"Jetzt echt: Diese Hose - wirf endlich mal weg!"

Islas Purpurinas & das eintausendneunhundertneunundzwanzigste Gedicht

Blick auf die Islas Purpurinas von der Festungsmauer von Essaouira

Erdal Rex

Ist die Richtung auch falsch, in die ich mich bewege -
Am Ende kommt immer das Meer.

Aber wirkt sich das aus auf die Wanderschuhpflege?
Nun ja, ich befürchte wohl: sehr.

Osterseepanorama & das eintausendsechshundertdreiundsiebzigste Gedicht

Blick über den Großen Ostersee

Vierte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Angst vor dem weißen Blatt, Discounter, Kratzbäume, Joggende, Porzellanservices und atomare Endlagerung.

Joggende

Man glaubt's kaum, doch ich trau's dir zu,
Du fandst noch grad vorm Spiegel "Whooo!
Ich schnittigflotter Sausewind
Feg gleich durch alle Gassen!"
Laut schreit dein Outfit "Gott ist blind",
Vom Mindestmaß verlassen.

Jede Zeit hat ihr Debakel
Von ästhetischer Natur -
Bald huschst du als Gehweg-Makel
Zum "Das geht echt gar nicht!" pur.

Magst du dich nicht hinbegeben,
Wo man unverdächtig schwitzt?
Eh durch das gepflegte Leben
Ständig dein "Ich trau mich!" blitzt?!
Bürgersteige sind dem Sporte
Selten zugeneigte Orte.

Pension Cortina & das eintausendfünfhundertdreiundfünfzigste Gedicht

Treppenhaus der Hotel Pensio Cortina an der Kantstraße in Charlotenburg

Stadtteiler Zweizeiler: Charlottenburg

Charlottenburger Burkamotten
per Gucklochfraß der Deckkraft spotten

Seiten

RSS - Kleidung abonnieren