Aland

- 26.07.-05.08.22 Urlaub auf Östra Skäret in Åland (ohne WLAN, Strom und fließend Wasser, mit Erholung)

Granitbewuchs & das zweitausendeinhundertzweiundsechzigste Gedicht

Bewuchs der Granitfelsen bei Vardo

Eine lyrische Transformation als kuba-schwabinger Übersetzung der Texte der Dichterin Luz de Cuba

Alle Lieben in einem Leib (Todo en un solo cuerpo)

Denk ich an Liebe in der Nacht,
Fragt mich meine Muse, ob ich je bedacht,
Welche der Lieben - soweit mir bekannt,
Sei die bekrönenswert schönste im Land.

Nun, alle sind die Schönsten hier. Und überall!
Bei mancher sind männliche Mienen der Fall,
Der sie antreibt zum Himmelsritt über die Sterne,
And're seh'n den Poem einer Weiblichkeit gerne,
Mal ist's Heftigkeit, wonach die Hüften begehren,
Mal sind's Scham, Brüste, Straffheit, die alles verzehren.
Und doch ist es nicht mehr als 'ne Wahl, die man traf,
Einer Vorliebe, die keiner Wertung bedarf.

Um im gleichen Recht auf Liebe zu koexistieren,
Lasst uns nun gemeinsam zum Kreuzzug marschieren,
Die patriarchalen Strukturen planieren,
Die Mauern der sturen Zensur ruinieren!

Wir sind Feministen, Dissidenten, ein Heer -
Und die Zügel der Zeit sollen brennen!
Lesben, schwarz, Prostituierte und mehr -
In aller Verschiedenheit nicht mehr zu trennen:

Ein Leib einer Zukunft auf wertem Niveau!
Go women, go! Go women, go!

Landhandel & das zweitausendeinhundertneunundfünfzigste Gedicht

Auslage in Wennströms Landthandel Museum auf Vårdö

Eine lyrische Transformation als kuba-schwabinger Übersetzung der Texte der Dichterin Luz de Cuba

Die Ahnen (Egungun)

Im Erahnen der Ahnen
Und ihren weisen Hinweisen
Besänftigt sich meine Tortur.
Sie rüsten mich fürs Überwinden,
Aus zähem Dunkel rauszufinden,
Sind Licht und Lichtung pur,
Greifen ein wie ein Handwink, der meinen Weg leitet,
Sind das Nichts, das den Körper als Seele begleitet,
Ein spirituelles Vermächtnis,
Dessen Schatz testamentlos hier echt ist
Und sich üppig wie endlos vererbt.
 
Auch ungeglaubt entern sie Wirklichkeitssphären,
Wie als Teenager mir meine Oma erschien,
Entflammt aus der Ahn‘reihen magischem Schwären,
Unfassbar real, seither nicht zu entzieh‘n,
Spür ich ihre Präsenz, nachts im Traum, jederzeit,
Und wenn ich einst geh, steh‘n die Ahnen bereit,
Mich einzubinden in ihrem Geflecht
Von Stämmen, Historie, Familiengeschlecht,
Bis dass ich vollends Ahnin bin,
Dass ein Enkelkind oder Großenkelin
Als spirituelle Verbindung auf Erden,
Meine Seele ruft, wiedergeboren zu werden.

Einfahrt Lappo & das zweitausendeinhundertzweiundfünfzigste Gedicht

Bojen im Fährhafen von Lappo / Aland

Eine lyrische Transformation als kuba-schwabinger Übersetzung der Texte der Dichterin Luz de Cuba

Meine Musik (Mí Música)

Ohne Rastplätze von Präferenzen 
Bereise ich unsre Musik,
Spür die Spur eines Steinchens bei Tanz und Kadenzen,
Sublim, nichts behauptend, doch très majestique!
 
Der Danzon glänzt, umtänzelt von der Danzonette,
Die ihn nicht widerlegte.
Der seit je Unentwegte 
Verwand jede Wandlung als Puls vom Parkett.
Und taktvoll transzendieren Piano,
Gitarren und Bongo in neues Terrain,
In ChaChaCha, Rumba, ja, todo cubano,
Moçambique et-ceteraine.
Ja, das ist meine Musik! Augen zu, hör zu, fühl es!
Tausch den Stress gegen Lächeln - und Haut verspürt Kühles
Wie rhythmisch verabreichtes A-Depressivum,
Es trifft auf dein Herz, treibt es an zum Bumm-Bumm.
 
Und neue Genies wagen neue Fusionen,
Bereichern den Nachhall von Generationen,
Den Grammys, Timba und Latin Jazz krönen.
Wer schaut da zurück mit gelangweiltem Stöhnen?
Hier klingt Identität als ein Stolz auch für dich!
Ich singe und tanz, ohne Zweifel, mein Ich!

Leinenzwang & das zweitausendeinhundertsechsundvierzigste Gedicht

Vor einem Supermarkt in Aland

Vererbliches

In meines Vaters alten Hosen
Misslingen alle eitlen Posen.

Da grient ein Schwall von Disrespekt
Im Dom des Feuilletons,
Ein All verschalt unangesteckt
Vom feu des Perignons.

Da spricht wahllose Ahnung: „Spiel dich nicht so auf!“,
Doch in solcherlei Hosen nehm ich das in Kauf.

Votivschiff & das zweitausendeinhundertfünfundvierzigste Gedicht

Votivschiff in der Kirche St. Michael in Finström

Körpercoda

Es gurgelt das Bild meiner Körperverfassung
Durchs abflussverwachsene Loch.
Schon ächzt meine einstige Stolz-Niederlassung,
Geklammert ans hilflose Noch.

Es zeitigt sich ein auf ein Selbst im Verschwinden,
Die Freude spannt Gedächtnis ein,
Verdonnert zum fortan gewinnlosem Winden -
So schmerzhaft groß, so schmerzhaft klein.

Midsommarsunset & das zweitausendeinhundertvierundvierzigste Gedicht

Sonnenuntergang auf Aland Ende Juli

Fraglicher Ausklang

Welche der sonnigen Untergangsarten
Wird uns heut Abend zum Weitblick erwarten?

Schlierenumkränzt oder mehr solitär,
Fokusverortet / von irgendwoher?

Plumpst sie mit stummen Padummski ins Meer,
Prasselt sie flammwolken spektakulär?

Dumpft sie tiefrotblau das Himmelszelt ein,
Tüpfelt sie scheibchenzersägt ihren Schein?

Welche der sonnigen Untergangsarten
Wird uns heut Abend zum Weitblick erwarten?

Tischdecke & das zweitausendeinhundertdreiundvierzigste Gedicht

Geangelter Buntbarsch in Aland

Im Outdoors

Es wuchsen mit den Tagen im Wald
Die Binnenradien der Nasenhaare,
Die Insignien des Rückzugs erhärteten bald
Beweise für konsumatorische Ware.

Und alle Manie wurd urplötzlich geerdet -
Wir fielen im Taumel vielglücklich zurück -
Da ein Moosmoses deutete: "Geht hin und werdet"!
Und wir gingen, beherzt. Nicht weit. Nur ein Stück.

Bachstelze & das zweitausendeinhunderteinundvierzigste Gedicht

Bachstelze in Aland

Zu spät gelieferte Werbeslogans: Lob des Matelots

Es wird unangefochten der Matelot
Sehr zielelegant uns geflochten aus Stroh
Als ein Stilgarant über der Haarpracht Verzierung,
Die Bonvivance übende Chapeaunisierung!

Kastelholm & das zweitausendeinhundertvierzigste Gedicht

Kastelholm, Schloss auf den Alandinseln

Dilettantisches Wünschen

Hätt an Wunsch i frei, wär klar, i
Wünscht‘ sogleich mir an Ferrari!

Hätt i gar der Wünsche drei,
Wünscht‘, ja mei, i nomal zwei:
Ein‘n für mi (so als Ersatz),
Nummer drei für meinen Schatz!

... wär bloß solch a Frau die meine!
Leider hab i da no keine.

Badewanne & das zweitausendeinhundertachtunddreißigste Gedicht

Aland Küstenlandschaft

Die Zukunftssorgen von Strandschläfern

Was werd ich einst in meinem Sarg
Den Meereswind vermissen,
In dem ich mich so leicht verbarg
Als weichrasantem Kissen
Vor jedem To-Do-Listentagesbedarf
Dank zeitnivellierendem Kummerlosschlaf
Und sowas von lichtgewiss über der Erde!
Oh, wie ich das vermissen werde ...

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