Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

  • Berliner Tor von Sanchi & das zweitausendachthundertachtundsiebzigste Gedicht

    Berliner Tor von Sanchi & das zweitausendachthundertachtundsiebzigste Gedicht

    Der Sonne entgegen

    Heut werd ich ohne Sonnenblenden
    Der tiefsteh’nden Sonne entgegenspazieren.
    Ich zwing sie, des Resttages Wärme zu spenden –
    Sie end-gleißt, mich zu illuminieren.

    Mein Jederschritt schlenzt gringohaft
    Mit Desperado-Qualität!
    Woher der Überschuss an Kraft?
    So deplatziert, so sinnlos spät …

    Vielleicht ist das Leben eine Scheibe
    Und man fällt übern Rand in das Nichts.
    Ich streb geblendet, blind, und treibe
    Mit glühender Stirn in den Wirr-Sog des Lichts.


  • Strip & das zweitausendachthundertsiebenundsiebzigste Gedicht

    Strip & das zweitausendachthundertsiebenundsiebzigste Gedicht

    Den Nachrückenden

    Jeder Änderungswunsch wird mich nicht mehr betreffen.
    Du schreist: Es wird Zeit für die Jungen!
    Ich bin für dein Scheitern, mich nachzuäffen,
    Doch zeitig zur Seite gesprungen?!
    Wollte alles mit Unaufgeregtheit beseh’n –
    In Hoffnung auf halbwegs vererbtes Versteh’n.

    Nun ist der neue Abstand dir noch nicht genug.
    Du schreist: Es braucht Platz für die Jungen!
    Man schießt längst gestrandeten Schiffen vors Bug –
    Das alles wirkt sehr sehr gezwungen.
    Willst du’s nicht mal weniger aufgeregt seh’n
    Auf ein Stündchen Lektüre Geerbtes Verstehn?

    Ich wünsch nach dem Nachäffen weitere Schritte:
    Zeit wird’s für’s Erschaffen von eigenem Platz!
    Ja, einen der mich wirklich altfühl’n lässt, bitte –
    Ich warte auf originären Rabatz!
    Deine Kühnheit bewahr fürs Kreieren statt Erben!
    Für solch einen Move, hey, da könnt ich glatt sterben!


  • Ruheplatz & das zweitausendachthundertsechsundsiebzigste Gedicht

    Ruheplatz & das zweitausendachthundertsechsundsiebzigste Gedicht

    Zurück nach Jahren

    Über manchen Straßennamen
    Steigt ein ganzer Himmel auf:
    Windiger Legenden Rahmen,
    Welt für manch Gedichtverlauf,
    Pflaster längst verwundner Wunden,
    Mein Triumphpfad für Sekunden.
    Namen, Straße, Häuser auch –
    Alles war mal Schall und Rauch.


  • Chiemseeufer & das zweitausendachthundertfünfundsiebzigste Gedicht

    Chiemseeufer & das zweitausendachthundertfünfundsiebzigste Gedicht

    Tattoos auf der Demenzstation

    Tattoos auf der Demenzstation –
    Etwas, was mich als Baby verwirrte.
    Doch kurz darauf begann’s auch schon:
    In allen Hospizen – nur noch Tätowierte!

    Glaub mir, mein Junge, schon bald werd’n die Alten
    Nur Tattoos an sich und von früher behalten
    Und nicht drauf komm’n: „Was galt mir einst
    Das Bildmotiv, der Spruch, die Zahl?“
    Bald merkt sweet Jill, wie sie karl-heinzt –
    Gezeichnet vom Ich war einmal.


  • Gipfelwipfel & das zweitausendachthundertvierundsiebzigste Gedicht

    Gipfelwipfel & das zweitausendachthundertvierundsiebzigste Gedicht
    Ripostegedicht auf „Bim Bam Bum“ von Christian Morgenstern

    Bimmel Bammel Bummel Himmel Hammel Hummel

    Hoch oben fliegt die Hummel mit dem Bammel am Himmel:
    Sieht der bummelnde Hammel von unten mein’n Bimmel?!“


  • Soinsee & das zweitausendachthundertdreiundsiebzigste Gedicht

    Soinsee & das zweitausendachthundertdreiundsiebzigste Gedicht

    Rotwandwanderung, Mitte April

    Wieso ist bei dir eig’ntlich immer noch Winter?
    Ich komm dir jetzt hoch und dann komm ich dahinter!

    Nun bis zur Hüfte einzusacken,
    Kann inn’rer Frühling kaum verpacken …

    Heut werde ich in nassen Schuhen
    Voll Winterhass den Berg ausbuhen.


  • Alpbach Osterhofen & das zweitausendachthundertzweiundsiebzigste Gedicht

    Alpbach Osterhofen & das zweitausendachthundertzweiundsiebzigste Gedicht

    Neue Meister

    Ich sehe nichts Ersichtliches
    Und müsst mich interessieren.
    Das Starr’n aufs Unbild neckt mich, es
    Mag anti-konvenieren.
    Ich will das Provozier’n kapier’n,
    Doch müsst dafür viel lesen.
    Die Leichtigkeit schanzt sich ums Hirn,
    Singt viel zu simple Thesen.


  • Dolceaqua & das zweitausendachthunderteinundsiebzigste Gedicht

    Dolceaqua & das zweitausendachthunderteinundsiebzigste Gedicht

    Alte Meister

    Ich seh der Bilder wilden Wahn
    Und muss mich ihm verweigern.
    Nehm ich mich der Motive an,
    Drängt’s mich hineinzusteigern …
    Für mich verbleibt der Vordergrund
    Finale Perspektive.
    Mein Blick huscht Richtung Ausgang und
    Entdeckt nicht mehr an Tiefe.


  • Sommer in Lauerstellung & das zweitausendachthundertsiebzigste Gedicht

    Sommer in Lauerstellung & das zweitausendachthundertsiebzigste Gedicht

    Es brüllt der Frühling:

    „Wachstum schaffen, raus die Säfte –
    Ungebremst und unbeschränkt!“

    Selten geht’s um Wirtschaftskräfte,
    Wenn man an die Lenz-Zeit denkt.
    Doch hat Dichterei-Romantik
    Mit ihr einen Promotiondeal
    Und das Image quer durchs Land zig
    Samenlose mit zum Ziel.
    Dass selbst linke Hänger werd’n des
    Kapitalismuses Anhängerschaft.
    Und man brüllt ein selbst entleer’ndes:

    „Wachstum, Wachstum – volle Kraft!“


  • Èze-Gorilla & das zweitausendachthundertneunundsechzigste Gedicht

    Èze-Gorilla & das zweitausendachthundertneunundsechzigste Gedicht

    Vermächtnis eines Helden

    Bezahlt den Maler meiner Gemälde besser als den letzten!
    Weil mir die jüngsten Jahre manches gute Mal zerfetzten.
    Die Umstände erfrechten sich, mein Ruhen kraus zu streichen –
    Im fast entleerten Wartesaal sitzt nur noch mein Erbleichen.

    Ich richte meine Zukunft ein
    Als Farbstrich von Gemälden
    Vom armen Pinselborstenschwein –
    Vermächtnis eines Helden.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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