Politik

Gedichte mit politischem Hintergrund oder entsprechender Attitüde.

Paradeplatz & das eintausendfünfhundertachtzehnte Gedicht

Baumplastik auf dem Zürcher Paradeplatz

Pflanz Schmach

Du darfst dem Verordneten niemals parieren,
Becircen dich auch Argumente!
Pflanz Schmach mit den Schlag auf verordnende Nieren,
Ruf Aufmüpfigkeit aus der Rente!

Du weißt: Ihr Ansatz ist korrekt.
Doch das Herz schlägt fehl in den Methoden.
Verhehl dir nie, wie schön ein Gleichschritt verreckt
Und zertret die entsprechenden Hoden!

Hautfarbe & das eintausendfünfhundertdreizehnte Gedicht

Chamäleon in der Masoala Halle im Zürcher Zoo

Lauterer scheint doch die Ruh ...

"Haut ab!", schreit Meute Meute zu,
Bevor man sich verhaut.
Zählt wer zur falschen Häute-Crew,
Werd'n Meutenleute laut.

Museum Rietberg & das eintausendfünfhundertelfte Gedicht

Fasnachtmaske im Zürcher Museum Rietberg

Die Unangreifbaren

Es scheint, mit diesen Frisen
Gefrieren alle Mienen,
Auch die gemeinhin fiesen
Sind niemals mehr erschienen.

Laut Expertisen ist erwiesen:
Man entgleist von allen Schienen.

What does it mean for Mienen?
Man kann die Miesen ob der Frisen minimal nur warnen:
Trotz haarig cleaner Windigkeit könn‘n Brisen sie enttarnen!

Ushindi & das eintausendfünfhundertzehnte Gedicht

Das im Mai 2020 geborene Breitmaulnashorn Baby Ushindi mit Mutter in der Lewa Savanne des Zoo Zürich

Die kindliche Kriegerin

Geh kindlich, willst du den Bann übertreten,
Zeig die beste Miene zum verachteten Spiel!
Dann winde dich um das, wozu du gebeten -
Doch sei kindlich dabei! Das verrät keinen Stil.

Geh kindlich, wenn du ihrer Bühne entfliehst,
Weil Arglosigkeit ihre Angriffslust hemmt!
Sei kindlich, wenn du dein Revolverchen ziehst -
Dann zählt mit zum Spiel, wenn der Abzug mal klemmt!

Bleib kindlich, wenn du deine Flanken entblößt!
Deine letzte Bastion ist die Schutzlosigkeit
Als Irrtum, in dem deine Gegnerschaft döst.
Du kommst, wenn du kindlich gehst, doppelt so weit!

Rosengarten & das eintausendvierhundertsiebenundneunzigste Gedicht

Wegweiser am Rheinsteig

Die eigene Meinung

... sieht nie genug Verschulden
Fürs Widerspruch Erdulden.

Zum Isarkanal & das eintausendvierhundertvierundsiebzigste Gedicht

Brücke über den Isarkanal bei Unterföhring

Korridore

Steh'n wir wirklich schon wieder vorm selben Problem,
Vorm erneuten Versuch einer Klage
Mit den Klonzellenspielchen vom x-ten Poem -
Und stell'n nicht den Sermon infrage?!

Wir - die kein Zeichen der Lösung erlöst -
Schimpfen unverwandt stur auf die Täter
Mit dem Vorwurf, in dem die Genügsamkeit döst,
Dass sich alles bestätigt im Später.

Und dann steh'n wir noch immer vorm selben Problem -
Alle Wahrheit scheint chronisch erlahmt.
Wir umschwärmen von hinten das gleiche Extrem,
Fern vom Spektrum, das restlos verarmt.

Olympiasee & das eintausendvierhundertsiebenundsechzigste Gedicht

Fauna im Olympiasee

Der Verweigernde

Wenn die Krise sich brav vor der Hoffnung verneigt,
Ist der Teilrückzug längstens beschlossen.
Doch dein Schicksal hat wieder mal alles vergeigt,
Frönt nostalgisch den kalkigen Possen.

Du bist eigentlich Opfer vergangener Zeit,
Doch dein Leid biestert schwungvoll ins Heute.

Jeden Währungsverlust nennst du Aufrichtigkeit
Und betonst, dass sie dir was bedeute.

Rotwandseitenflügel & das eintausendvierhundertzweiundsechzigste Gedicht

Felsen neben der Rotwand

Der erhobene Finger

Ach, nun schnattern sie wieder ihr "Das geht zu weit!"
In knüppelharter Einigkeit,
Brüll'n "Henker her!" und "Zapperlot!"
Und tapern Richtung Denkverbot,
Pollier'n Heiligenscheine, als hätten hienieden
Sie selbst sich nicht längstens schon anders entschieden -
Denn vorm großen "Boah, nee!"
Ging's doch sehr lang okay?!

Wer mit Trara sein Mantra schreit,
Der tarnt sich nur - denn wirklich weit
Ist man gar nicht entfernt von dem hässlichen Schritt -
Und wenn der Mainstream marschiert, geh'n'se eh alle mit!
Doch eh sie höchstselbst jenen Wandel vollzieh'n
Wird auf alle, die vordem so handeln, gespie'n.
Da will man scheltend sich ereifern
Und lauthals nach Vergeltung geifern,
Da glänzen vom Mut durchgeknetete Waden
Beim Tänzeln auf gut ausgetretenen Pfaden.
Man krönt sich im Empörungskult,
Beschönigt seine eigne Schuld:

Will ja Kinosaalmuff, findet Live-Musik nett
Doch hat Spotify-Abo, 'ne Streaming Dienst Flat
Will das Krimsikramslädchen, doch hat Amazon-Prime
Und ruft Lieferandos sich zahlreich ins Heim
Und bigott blökt die überdosierte Moral:
Ich hätt' gern ein iPhone und den Wal!

Ja, Miss Missionierung und Herr Schaftsanspruch
Die heucheln und meucheln und seh'n nicht den Bruch,
Dass ihr Maßregelwerk nicht ihr Tagwerk bestimmt
Und man eifrig negiert, welche Richtung das nimmt.
Die frömmeln sich zur Wasserpredigt
Und kömmt's, dass wer Wein trinkt, dann wird der erledigt!
Mit dem endgeilen Dolch dieser scheinheilig Frommen
Wird eilig und lustmolchig Anstoß genommen,

Und aus sündigem Tal erheb ich meine Stimme:
Nicht die Tat und die Schuld sind das eigentlich Schlimme -
Der notorische Pranger, erleb ich unterm Joch
Ist nun ebenso schäbig, nein, schäbiger noch.

Wer mit erhobenen Finger stets auf andere zeigt,
Erprobt sich als Arsch, der zum Aufmarsche geigt -
Scheint's vorm großen "Boah, nee!"
Es auch sehr lang okay ...
Wer A keift, hat schon B gesagt
Auch wenn der nette Mann noch fragt:
Eins, zwei oder drei?
Geht's um die Entscheidung, ist keiner mehr frei.

Und wo wer letztlich wirklich steht,
Seht ihr, wenn der Wind sich dreht!

Einzelgänger & das eintausendvierhunderteinundsechzigste Gedicht

Kuh bei der Rotwand

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Wenn jetzt Verschwörungstheorien
Verstörend durch die Hirne zieh'n,
Werd'n sie zur Hälfte anerkannt
Per "Wusst ich's doch!" und "Allerhand!"

Ainring & das eintausendvierhundertvierundfünfzigste Gedicht

Ausblick von Ainring

Kahlschlag

Ich hab mich in den Wald vertraut
Und fühl mich so verloren -
Schon wird es unklar und mir graut,
Ein Zweig könnt mich durchbohren.

Ich hab mich in den Wald vertraut
Und stoß mich an den Ästen -
Ganz plötzlich wird ein Mahnen laut
Von ungebet'nen Gästen.

Führt dieser Weg uns noch hinaus?
Belügt uns seine Richtung? -
Schon holen wir mit Beilen aus
Und fällen uns 'ne Lichtung.

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