Politik

Gedichte mit politischem Hintergrund oder entsprechender Attitüde.

Prato della Valle & das eintausendzweihundertneunzehnte Gedicht

Der Prato della Valle in Padua

Neue Hygiene

Ist dies nun der Brauch einer Hilflosigkeit,
Ein flötender Anflug von Wut?
Ist hier wer zu weiteren Schritten bereit
Und heißt man sie nötig, gar gut?

Vom Abi ermächtigt, auch alles zu sagen,
Stolziert man in alle Arenen hinein,
Doch kann keine Meinung im Plural ertragen,
Plärrt bockig, man muss sich "von denen" befrei'n.

Ist dies nun der Brauch einer Hilflosigkeit,
Ein flötender Anflug von Wut?
Ist hier wer zu weiteren Schritten bereit
Und heißt man sie nötig, gar gut?

All we ever wanted ... & das eintausendzweihundertdreizehnte Gedicht

Ausstellung im MamBo Bologna u.a. zur Bombardierung des Bikini Atolls

Bikini

Das, was das Paradies zerstörte,
Darf längst im Alltäglichen killen.

Da schwillt als Altlast das Empörte -
Belebt den Wiederwiderwillen.

Modena & das eintausendzweihundertundachte Gedicht

Modena: Straßenzug mit Blick auf den Palazzo Ducale

Protestkultur

Nach der Demo dann nach Modena!
Weil's grad so in Mode war.

Geschlechterttürme & das eintausendzweihundertundvierte Gedicht

Die zwei Türme von Bologna

Der Kükenmuser

Wir wollen in Würde den Bruderhahn schreddern
Als Prälaten pragmatischer Liebe,
Uns nicht mehr in frommen Gedanken verheddern,
Als wenn uns ein Schuldasyl bliebe!

Wir haben der Duldsamkeit Segen erklärt -
Und stell'n ihn aus Coolness in Frage.
Wenn Unredlichkeit uns bald nicht mehr ernährt,
Verbessert das nicht unsre Lage!

An der Ilm & das eintausendeinhundertneunundneunzigste Gedicht

Brücke im Park an der Ilm Weimar

Sacht ja keiner, dass das alles nicht ganz schrecklich schlimm is, aber ...

Besoffenheit, Besoffenheit
Bewahrt dich vor Betroffenheit!

Altenberg & das eintausendeinhundertdreiundneunzigste Gedicht

Zentrum Altenberg in Oberhausen

Letzte Nachricht aus der Verbannung

Keine Nachrichten mehr aus der Verbannung
Und das Grübeln im Felde stirbt aus.
Für den Lohn einer falschen Entspannung
Loopt ums Weltbild ein scharfer Applaus.

Das entwaffnende Bild einer Klarheit
Übertönt, was per se überhört.

Darin tollt ein Versprechen von Wahrheit
Und tilgt aus, was man hierfür zerstört.

Neuaufbau & das eintausendeinhundertsechsundachtzigste Gedicht

Blick auf die Frauenkirche Dresden

Urlaub im Vakuum

Und das Ich! wird wieder mal größer geschrieben,
Derweil sie das Wir! simulieren
Und den letzten Rabatz aus den Freiräumen schieben
Aus purer Freud am Kasernieren.

Und die Blockwarte schreien auf Online-Geheiß:
"Ein Richtig! lässt sich stetig steigern!"

Tief in Kopfschüttelskepsis erschlägt mich ihr Fleiß.

Fast fliehe ich in das Verweigern.

Rheinbrücke & das eintausendeinhundertachtundsiebzigste Gedicht

Rheinbrücke in Basel

Das alte weiße Mann

Wir sind die letzten unserer Art,
Uns hat es bald niemals gegeben.
Und Raffgier klaubt sich nach Diktat
Das Restlein Überleben.
Die Altbekannte schreit jetzt schriller,
Im Einklang mit neuem Stupiden.

So führt der längst fällige Tod von Godzilla
Noch weiter fort vom Frieden.

Oachkatzl & das eintausendeinhundertdreiundvierzigste Gedicht

Eichhörnchen auf dem alten Südfriedhof

Crossover-Ripostegedicht zu Leopold Sedar Senghors "Gedicht für meinen weißen Bruder" und Robert Gernhardts "Gesetz den Fall, ihr habt ein Schaf gekränkt".

Angeschwärzt

Gesetzt den Fall, das Schaf ist schwarz -
(wie schnell fällt dann der Satz: "Das'n Fall fürs Gesetz!"?) -,
Und du weißt, weiß strahl'n all deine sichtbaren Parts,
Wenn der Schäfer fragt: "Wer's'n der Sündenbock jetz?"

Dann gibt's keinen Klär- oder Kränkungsbedarf,
Weil ein Blick unsrer Herde die Weißheit beweist:
Verbockt hat's, klar, das schwarze Schaf -
Erst recht, wenn es Obamäh! heißt!

Sagt jetzt nicht: "Schwarz ist farblich doch eh am Ende!
Da kann man sich jedwede Tönung auch schenken!
Nichts, was schwarzes Schaffen mit Chef-Sein verbände -
Da darf man ein Schaf auch mal schärfer für kränken!"

Ein gutes Wollgeknäuel zu tragen,
Liegt auf jedem Fell in der Schafe Natur,
Drum drängt euch nicht zum Kränken-Wagen -
Als stünden wir nicht vor der selben Rasur!

Abendrot & das eintausendeinhundertneununddreißigste Gedicht

Abendrot an der Hamburger Hafenstraße

Die Reblaus (ein revolutionärer Abzählreim)

Ein Standbein auf Standby,
Riskante Risskanten,
Ins Display nen Riss, ey,
Den Dissseits Verbannten!
Es gibt eben nicht genug Chancen für alle,
Oft kontamanieren Avanzen zur Falle!
Verkannte Verwandte
Und niemals Vermisste -
Verschandelt vom Wandeln
Durchs regungslos Triste.

Ungeheuer, -ziefer, -mach
Hol‘n jetzt aus zum Gegenschlag -
Hier kommt keiner lebend raus!
Außer eine Rebenlaus.

Seiten

RSS - Politik abonnieren