See

Gedichte, für die das stehende Gewässer Model stand.

Tier(e im )Garten & das sechshundertsechsundneunzigste Gedicht

Im Tiergarten Berlin

Die Schlacht am Schlachtensee (Präludium)

Wenn Tauben ihre Ohren spitzen
und Spatzen schmatzend Silben (...)bitzen
dein Hund in Mikrowelsen gart
wird dir gewahr: Das Ente naht!

Wenn die sich erst trauen
am Menschen zu kauen
werd'n die ein'n nach'm andern
am Stück uns verdauen

Dir schwant beim Anblick jedes Schwanes:
Das Tier plant ganz was Abgefahr'nes!

Und niemand von uns wird in Ehren ergrauen
wenn die sich erst trauen
wenn die sich erst trauen

Ammersee Südspitze & das sechshundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Ammersee Südspitze

Der Kuss

"Hilf mir! Hilf!", rief's aus dem Schilf
"Ich bin 'ne verwunsch'ne Milf!
Nur ein Kuss kann mich erlösen
Von dem Fluch, der einem bösen
Zauberer dereinst entfuhr!"

Ich besann mich, rief retour:
"Böte ich um deiner Nöte
Meine Lippen dar dir, Kröte
Wäre es nicht nachgerade
Um den raren Zauber schade
Der dem Ufer innewohnt?

Wie würd' uns solch Schritt gelohnt
Sagte ich: 'Okay, da helf i!'?
Zur Erinn'rung gäb's ein Selfie -
Doch beraubt wär dieser Platz
Um den insgeheimen Schatz!"

Und leicht mäulig durchheulte die Halme ein Wind ...
Doch wir wissen jetzt, wo wir uns finden, mein Kind!

Seeschwäche & das sechshundertsechsundfünfzigste Gedicht

Am Ammersee

Die Spree

Ick seh die Spree mehr so als See
Nich die See, sondan der

Sons hätt ick ja ooch eh'r jesacht
Ick säh die Spree als Meer,

Der Herr!

Weiherbach & das fünfhundertvierundneunzigste Gedicht

Weiherbach bei Puchheim

Seelenfrieden

Hier schwappt es sich aus
Das bekloppte Getue
Mal murgelt das Blesshuhn
Und mal gibt es Ruhe
Es gurgelt ein Wellenversuch

Da muss was im See sein
Das atmet die Seel' ein
Und fläzt sich zufrieden in Frottee und Tuch

Und du sitzt daneben
Schaust raus auf den See, denn
Da blitzt immerzu etwas Sonne im Schwipp
Tanzt dunkliger Glimmer
Von tanigem Schimmer
Allplanig galönzigt ein windhauchend Trip

Und mulmig riecht die Kühle rüber
Ein Natterich schlürft durch die Küber
und Barkschmelz küsst die Leckenlipp

Am Ufer von den Badeseen
Entsperrt sich alles Grundversteh'n

Wörthsee & das fünfhundertfünfundvierzigste Gedicht

Wörthsee

Dem Abendroten

Ich steh
Am See
Dem abendroten
Und denke an die lieben Toten
An Minuten, verschwendet im Tran meiner Kindheit

Denn skandalös endlich und rar war'n und sind Zeit
Und Aufmerksamkeit, die im Damals geboten

Wär'n sie jetzt hier, am Abendroten
So berichtete ich den verschwundenen Leuten
Wie viel ihrer Wunden mir heute bedeuten
Dass manch ihrer Witze ich heut erst versteh

Und in dem Moment scheint es, als lächle der See

Bodenseenebel & das vierhundertdreiunddreißigste Gedicht

Bodensee bei Bregenz

Morgennebel

Der See ist über die Ufer getreten
Und lichtstrahlberaubt hört man flüchtiges Beten
Der Anraineralten und andren Gestalten
Die superheldsehnend die Fingerchen falten:

"Ihr, die Ihr das Nichtzuvollbring'nde vollbringt
Schier unüberwindbare Gegner bezwingt
Ihr Verfechter und Rächer des Guten auf Erden -
Mögt ihr uns nicht helfen, den See loszuwerden?"

Doch all die Gebete zerwabern im Nebel
Der dräuend über allem hängt
Der See steckt bedrückend in all dem Geschwebel
Das täglich auf die Ufer drängt

Darunter fleh'n sterbende Seelen: "Mehr Licht!"
Doch nichts dringt nach draußen, der Nebel hält dicht

Sommerfrischen & das dreihundertundelfte Gedicht

Tegernsee

Aufziehende Gewitter.

Talkessel

Das von Bergkettenbändern gebändigte Land
Hechelt am Knebel der glänzenden Seen
Und ständig fließt irgendwas über den Rand
Und Ängstlichkeit reift längst zum bangen Versteh'n:
"Vorm Deifi sind wir hier im Tal niemals sicher!"
Und höhnisch erklingt auf den Höh'n ein Gekicher
Rauscht eisekalt brausend als Windstoß hinab!

Vom See schweigt Kühle wie ein Grab

Es fröstelt tief in allen Seelen
Die hier fromm ihr Leben fristen
Und oft sich mit der Frage quälen:
"Weshalb kommen die Touristen?"

Tegernsee & das zweihundertneunzigste Gedicht

Tegernsee

Kurze Tourpause mit langen Aufenthalten an Seen. Today: Tegernsee.

Gewissenlos (oder Das Los der Gewässer)

"Wie sieht's aus, Herr Tegernsee
Woll'n'wa dich heut ärgern?" "Nee!"

Nun, solch ein Protest wird ihm schwerlich was nützen ...
Man muss Gewässer besser schützen!

Eibsee & das zweihundertfünfundfünfzigste Gedicht

Eibsee

Letzter Tag in München (bzw. nähere Nachbarschaft), bevor es wieder auf Tour geht.

Eibsee

Du bist flüssiger Berg, ein Gedächtnis von Masse
Zu Klarsichtfolie geleetiert
Erstrahlst in opalen-karibischer Klasse
Dass alle Gestelztheit des Lebens gefriert

Ich tu in Demut meine Züge
Und lass mich durch die Felsen treiben
Ich schlucke Kiesel zu Genüge
Und sink gen Gipfel, dortzubleiben

Zürichhorn & das zweihundertachtundzwanzigste Gedicht

Zürichsee

Blick vom Zürichhorn. Und ein Plädoyer für das störungsfreie Bedichten:

Der See

Tausend Sonnen blitzen im Wellen-Geschwappe
Hundert Himmel bebläuen den Horizontboden ...

Ein Entenpaar schnattert: "Ach, halt deine Klappe!
Wir hassen der Dichter Erpressermethoden
Ihr solltet euch schämen mit euern Bebildern
Den Eindruck von Schönheit so schändlich zu lenken!
Als sei die Empfindung nicht anders zu schildern
Als wär'n die Herrn Dichter nur fähig zu denken!"
Ich nicke sanft, schenk' ihnen Brot
Das Gift drin wirkt vor Abendrot

Und schwer wie Blei senkt sich die Ruhe
Auf das abendplane Rund
Das Gequake und Gebuhe
Schweben durch den See gen Grund

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