Dutzendzeiler

Strandbad Buckow & das eintausendzweihundertunderste Gedicht

Strandbad Buckow

Frühmorgens im Strandbad

Frühmorgens im Strandbad ist gar niemand da,
Für den man den Daseinstyp wechselt.
Man schwemmt sich ins allenfalls eigne Blabla,
Wo keiner mal ungehemmt sächselt.
Man ist ganz gewiss grad der Schönste im Hier,
Der sportlichste Schwimmer im Wasser.
Ich setze mir selber das Ziel und parier',
Doch werde mit jedem Gast blasser.

Später bin ich komplett in der Menge verschwunden
Und bemühe mich, richtig zu schwimmen.
Ein Akzent lenkt die Sonne von früheren Stunden,
Die nostalgisch im Seewasser glimmen.

Bahnhof Ü-Holthausen & das eintausendeinhunderteinundachtzigste Gedicht

Bahnhof Überruhr-Holthausen

Alte Heimat

Verlasse Essen immer
Bei allerschönstem Wetter.
Von nun an wird's nur schlimmer
(from now on it gets better).

Ich bin in Essen ständig
Von Traurigkeit umweht.
Denn alles wird lebendig
('cause everything seems dead).

Bleib Essen stets verbunden
Und kehr zurück, ich schwör's!
Ich lecke meine Wunden
(my sepsis became worse).

Bürgerpark & das eintausendeinhundertvierundsechzigste Gedicht

Im Braunschweiger Bürgerpark

Blüten des Frühlings

In sanften Junge-Mädchen-Farben
Räkeln sich die Äste,
Belecken ihre Winternarben
Und herzen neue Gäste.

Wer backt die Welt so maßlos schön -
Wir steh'n doch nur vor Bäumen!?
Der Farben Pracht erreicht die Höh'n
Von angetrunk'nen Träumen!

Und jede Ahnung fragt schon bang,
Wie lang der Zauber bleibt.

Die Kürze schürt vielleicht den Zwang,
Dass Welt so übertreibt.

Intendance & das eintausendeinhundertsechsundvierzigste Gedicht

Anse Intendance auf Mahe

Am Gatter

Kann die Losigkeit hinter dem Gatter riechen,
Spür der Sicherheit lähmende Arme -
Mir ist nicht vergönnt, mich darin zu verkriechen.

Immer wieder gemahnt mich mein Name,
Dass die Unmöglichkeit eines guten Endes
Zu untergestaltend zur Aufgabe zwingt.

Ich schlitt‘re ohne Fundament - es
Kümmert zu spät, dass das alles nichts bringt!

Für rare Momente schien viel überwunden -
Als wäre das Gatter frei interpretierbar.
Doch auf gleicher Höh‘ hab ich mich nie befunden -
Davon zeugt auch die ratternde Zeit unbeirrbar.

Outletcity & das eintausendeinhundertsiebenundzwanzigste Gedicht

Metzingen Outletcity

Der alte Mr. Ungefragt (und seine Kleider)

Vermögen die Moden dich nicht mehr zu kleiden
Und lassen die Trends dich nur elendig leiden?
Bleib nackt.
Sei pur und unverzagt -
Du hast noch nicht genug gewagt.
Lass den Sack immer sichtbar auf Tischplatten liegen
Und die Welt einen Würgreiz vom Fischgeruch kriegen!
Bewahr unbekümmert dir deine Manieren!
Dich muss niemands Meinungen interessieren!
Sei nackt.
Bleib Mr. Ungefragt -
Du hast noch nicht genug gewagt.

Olympiapark & das eintausendeinhundertachtzehnte Gedicht

Schnnee im Olympiapark

Dauercamper

Wir sind schon zu lange in Ferien vor Orte
(Dieser DJ spielt immer das gleiche!):
Wir lümmeln wie auf unserm Strandtuch Verdorrte -
Im Swimmingpool dümpelt 'ne Leiche.

Wir sehen uns vorsätzlich fassungslos an
(Ey, Liquido geh'n nicht mal ironisch!):
Schon vorm Rooftopbar-Sundowner fragst du "Und dann?" -
Unsre Restauswahl lichtet sich chronisch.

Wir ringeln uns ein in die Post-Wiederholung -
Sind die Abreisezyklen so zwingend?!
Der Tag fädelt ein in die WiderErholung
(Diese Setlist ertrag ich nur singend!): ...

Lange Nacht & das eintausendeinhundertsiebzehnte Gedicht

Im Skygarden München bei  der Langen Nacht der Architektur

Laiesein

Deine Architektur bremst mich aus zum Betrachter,
Einem mal dies und mal das, mal alles Missachter.
Wie ich mich auch bewege, scheint untalentiert -
Und ich habe, weiß Gott, ein paar Jahre trainiert!

Deine Architektur stempelt mich zum Verlierer,
Einem Über-Gebühr-in-der-Lobby-rum-Stierer.
Und mein Stil scheint alleine für mich nicht zu klein -
Nun, ich könnte wohl nirgends verlorener sein!

Deine Architektur drängt mich ständig zum Ausgang
Mit unverblümt säuselndem "Eindringling raus!"-Sang.
Doch ich habe - wohlwissend, dass es so nicht gedacht -
Mich sattsam in ihr breit gemacht!

Begleitung & das eintausendeinhundertzehnte Gedicht

Eichhörnchen in Davos

Mein Hier (Auf der hohen Promenade zu Davos)

Die hohe Promenade ist mein
Saft'ges Winterwonderland -
Hier atme ich des Winters Kraft ein
Und trag Schühchen an der Händ.

Unterm watt'gen Schneestapf schlummert
All die Hast und Last auf Erden,
Und mein schwaches Herzchen wummert
So, als wollt's noch achtzig werden!

Von den Tannenspitzen rieseln
Eichenkätzchen, hochpossierlich!
Sänftwärts schwebt hinweg mein Kriseln -
Gänzlich tänzelnd latscht's mich hierlich!

Rhätische Bahn & das eintausendeinhundertachte Gedicht

Rhätische Bahn

Dieser Nebel Schuld

Der Nebel hier schuldet mir so viel an Gegend,
Das krieg' ich doch nie mehr ersetzt!
Im trägen Verdacht mischt sich alles, was lebend -
Das Grau ist hier bestens vernetzt.

Das Graugewölk schuldet mir so viel an Ausblick,
Hier wurd' ein ganzer Ort geklaut!
Keinen Dunst, wie ich mich aus der Ebene rausklick -
Hätt' ich mich vorher umgeschaut!

Die Nebel-App schuldet mir so viel Erfahrung!
Nur Layer folgt Layer auf Schicht ...
Dahinter - vermutenswert - liegt Offenbarung -
Verzettelt in diesem Gedicht.

Der Nebel hier schuldet mir so viel an Gegend,
Mich führt kein Comeback wieder her!
So pack' ich als Wissen, die Schwaden umschwebend,
Ein scheues Vielleicht, ungefähr.

Bindenwaran & das eintausendsechsundneunzigste Gedicht

Bindenwaran im Yalla Nationalpark

Wägenmut

Das Quarren alter U-Bahnwägen
In den angekurvten Schrägen -
Wie aus aufgewühlten Mägen.
Geradezu, als ob den Trägen
Unzumutbar schmerzend Last
Aufgeladen.

Nun diesen Schaden
Auszubaden,
Geht hart in die Wagenwaden.

Doch 'ne Waage
Checkt die Lage:
Unzumutbar? Nicht mal fast!

Seiten

RSS - Dutzendzeiler abonnieren