Reisen

Globetrottergedichte und andere Verse vom Reisen und Unterwegssein.

Das Lichtbild 1931 & das eintausendsiebenhundertsiebte Gedicht

Ausstellung Welt im Umbruch im Stadtmuseum München

Rübermachen

Hier im Hotel am Oderstrand –
Ein Ufer fern vom andren Land –
Erreichte mich nächtens, derweil ich noch schlief,
'ne SMS-Info zum Auslandstarif.

Als reichte meines Schlafes Weite
Herüber auf die andre Seite ...

(Was andrerseits für einen Traum
Ein maßvoller Gewinn an Raum)

Herrgottschnitzer & das eintausendsechshundertdreiundvierzigste Gedicht

Bei den Werkstätten vom Herrgottschnitzer von Unterammergau

Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

Griechenland

Die Interrail-Endstation hieß stets Αθήνα
Und Kavatis war Bürge vom Sinn dieser Fahrt.
Der Geschmack öffnet sich nicht ad hoc dem Retsina,
Wir waren in uns und die Reise vernarrt.

Wir sind wie Idioten vom Zug rausgepurzelt
Mit Bruderkuss-Jauchzern fürs fastfremde Land.
Privat wie auch menschheitsgeschichtlich verwurzelt,
Gab's ein Türschild, auf dem sich mein Name befand.

Zwischenstopptrunken bemannten wir Fähren,
Als wenn wir Entdecker und Humwitzboldts wären.

Wir hielten die Volljährigkeit in den Händen,
Befeierten sie an den Nacktbadestränden
Und standen possierlich wie hyperreell
Statuen moderner Antike Modell,
Wir ruhten in uns wie Götter. Und dann
Hielt auch die Welt den Atem an.

Es gibt so Momente, die bleib'n immer da,
Den Archäologen wohlbekannt.

Brichst du auf gen Ithaka

Und viel davon ist Griechenland.
Wünsch dir eine lange Fahrt

Dass Ihr auch wisst, wo ihr mal wart.

Moorlehrpfad & das eintausendsechshundertdreiunddreißigste Gedicht

Auf dem verschneiten Moorlehrpfad in Benediktbeuern

Vom Ausfliegen

Um München herum weihern tausend Geschenke,
Die nur kurzer Bahnfahrt bedürfen -
Kaum spreizt man mal seitwärts die spröden Gelenke,
So lässt sich deren Spiegelung
Im Nu durch die Erinnerung
In öde Nester schlürfen.

Zweites Ende & das eintausendfünfhundertsiebenundvierzigste Gedicht

Regenbogen über Venedig

Auf Stippvisite

Denke dir jede Minute als heilig,
Füll sie mit Eindrücken voll bis zum Rand!
Selten Beteiligte haben es eilig,
Heut nicht Geseh'nes wird niemals bekannt.

Es gilt, diesen Augenblick gründlich zu schröpfen,
Es türmt sich bedenklich das Wissen.
Mag sein, unser Alter wird uns heut noch köpfen:

Ich werde das Reisen vermissen.

Touristmenu & das eintausendfünfhundertfünfundvierzigste Gedicht

In den Abseitskanälen von Venedig

In der Touri-Falle (Zur Lust am Nepp)

Uns eint ein Gefühl, das sich selber genießt -
Es würzt uns das unschönste Essen.
Und schmeckt dieser Wein auch nach bissigem Biest,
Verwöhnt uns sein Anblick stattdessen.

Ankunft Tegernsee & das eintausendfünfhundertfünfunddreißigste Gedicht

Blick auf den abendlichen Tegernsee

Zum Ende (der ersten Etappe)

Der meilenschwere Schuh am Fuß
Latscht meilenschwer zum Abschiedsgruß
Vom schmiegsamen Gehorsam.
Und biegarm härtet sich der Rist,
Beschwerdlich schwärt ein Schmerzensmist -
Wo wir noch so viel vorhab'n!

Bantikower Seeufer & das eintausendfünfhundertfünfundzwanzigste Gedicht

Blick auf den Bantikower See der Kyritzer Seenkette

Kein Spaß in Darß

Kein Spaß
war's:
So'n nass-
er Sommer
Mass-
en hass-
erfüllter
(Komma)
Stechentzücken
frön'nder Mücken

Allenthalben Juckreizsalben

Reichlich Fraß für Darßer Schwalben

Tüpfelhy & das eintausendfünfhundertfünfte Gedicht

Tüpfelhyäne in der Sewa Savanne im Zoo Zürich

Sommerliche Handtuchfläze

Ich will auf diesem Badetuch
Mein Wonnigsein belegen
Und tonnenweise Sonnenschein
Zum Strahlbesuch bewegen.

Oh, derart niederflach gelegt
Bin ich niemals gewesen!
So stahlbeschwert und unbewegt
War ich zuletzt am Tresen,

Frittiere nun hier auf Frottiertem
In dem Duft von frisch Cremiertem:
Körper-, Geist- und Seelenruh.

Ich grüß mein Ich fast wie ein Du.

Bei St. Goarshausen & das eintausendvierhundertneunundachtzigste Gedicht

Feld auf dem Rheinsteig

Familienpensionen

Das "Guten Morgen!"-Gepfeiffe in Familienpensionen
Erfolgt immer zu laut und zu früh.
Aber trotz seines Einfalls in schmerzhafte Zonen
Wird's wohlig verdaut zum Gebrüh
Der allerabstrusesten Kaffeeversuche.

Und das ist's genau, hey, warum ich euch buche!

Die Abwesenheit allen Strebens nach oben
Lässt in dieser Welt sich nicht hinlänglich loben.
Sicher sah ich schon besser gespieltes Gemeine -
Doch die Bodenhaftung als Wärme-Event
Beschämt das durchdachteste Rundum-Designe
Und schafft Heime, die man vorm Betreten schon kennt.

Moosach & das eintausendvierhundertsiebenundachtzigste Gedicht

Fußgängerüberweg bei Moosach

Urlaub 4

Schon sind alle Fünfe grade,
Schon ist es das zweite Eis -
Sonnenbad, mit Schokolade.
Bald schon ist's vorbei, ich weiß.

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