Reisen

Globetrottergedichte und andere Verse vom Reisen und Unterwegssein.

Rundreise & das neunhundertzweiundsechzigste Gedicht

Sossusvlei

Füllenlehre 2018

Das Blau vor den Seychelleninseln
Das Rot aus Namibwüstensand
Das Grün von Alpenwiesenpinseln
Und das Fleischrosa deiner Zunge

Ich muss schon sagen, Junge, Junge
Mir ward der Farben Pracht bekannt!

Kazile Island Lodge & das neunhundertfünfzigste Gedicht

Kazile Island Lodge am Kwando

Tented Camping

Wo der Strom fehlt, gibt es die meisten Geräusche -
Pfeift ein nächtlicher Vogel, ist's ein Frosch? Nun, ich täusche
Mich gern hinein ins Unbedarftsein,
Werd' mir Deutungen von der Exotik entleih'n:
Dort schnauft grad ein Hippo, dort heult die Hyäne,
Dort raschelt des Löwen vergoldete Mähne,
Verstummt im Schrei ein Beutetier ...

So deute ich das Dunkel mir
Und dämm're in dies Hörspiel hin,
Bis dass ich zugehörig bin.

Am Morgen lässt Generatorenbrummen
Alle Verbundenheit wieder verstummen.

Frühstücksablenkung & das neunhundertfünfundvierzigste Gedicht

Nashörner an der Ghaub Lodge

Nashorn am Morgen

Das Frühstück, das wir verpasten
Weil drei Hörner den Rasen benasten
Wird ewig mir im Magen sein

Es ruht das Unvergessliche
Nicht im Öle und nicht im Ess-Iche:

Man schluckt es pur ins Hirn hinein

Etoshapfanne & das neunhundertdreiundvierzigste Gedicht

Etoshapfanne

Etoshapfanne

Greift die Weite nicht mehr breiter
Geht es an den Seiten weiter

Mit dem voll entleerten Feld
Misst sich nur das Himmelszelt

Sossusfly & das neunhundertachtunddreißigste Gedicht

Flug über die Namib

Wüstenblick

Winde schaben die Konturen
Schatten werfen die Schraffuren
Und erteil'n ihre Lehrstunde Geometrie
Büsche tüpfeln Kleckskontraste
Gott drückt die Beleuchtungstaste
Zur Sonnenstrahlneigungsgradfarbsymphonie

Und am Ende ist alles nur, alles nur Sand
Ein jegliches Leben verdunstender Strand

Impalas & das neunhundertsiebenunddreißigste Gedicht

Impalas im Chobe Nationalpark

Die gewöhnlichen Felle

Die gewöhnlichen Felle
Provozier'n keine Welle
Sind nicht mal den Druck eines Auslösers wert

Die Geschöpfe der Masse
Aus dem Graufeld der Klasse
Sind der Abstand zu Dingen, um die man sich schert

Wasserbock & das neunhunderteinunddreißigste Gedicht

Wasserbock in der Auas Lodge

Begegnung im Busch

Starr
In War-
Teposition
Regungslos erregt
Steh'n
Wir konzentriert auf's Seh'n
Ob sich was bewegt
Ich fixier'
Das fixe Tier
Und werd' zurückfixiert
Bis ein Zuck
Vom Atemruck
Sich ins Bild verirrt
Der die Spannung seitwärts lenkt
Und das Tier nach links versprengt

Dennoch wurden heute hier
Für der Augenblicke vier
Von uns zwei jäh Aufeinandergeprallten
Alle Uhren angehalten

Namib & das neunhundertdreißigste Gedicht

Namibwüste

Fotos in Thesen

Was die Sonne am Mittag so aussaugt an Farbe
Das spuckt sie zur Dämmerung fünfstellig aus
Dann steh‘n Fotografen mit hilfloser Habe
Knipsend, knicksend
Pixeltricksend
In stetig versagenden Abbildungsstaus

Burghausen & das neunhundertzwölfte Gedicht

Burghauen weltlängste Burg

Auf Burgbesuch

Jenes stur bewahrte Früher war dereinst ja auch ein Jetzt
Um's "Schaffe ich's in diese Burg rein?" hat man sich mal arg gefetzt

Dementsprechend eingemauert
Wurden Zeiten überdauert
Zwar trutzt die Feste immer noch
Doch killt die Distinktion ein Loch

Und alles Für- und Wieder-Erwägen über das Riskier'n von Qualen
Reduziert sich zu der Frage: "Willst du so viel Eintritt zahlen?"

Elbfahrrinne & das achthundertneunundneunzigste Gedicht

Elbstrand Falkensteiner Ufer

HH

Hamburg ist niemals brisantes Verwöhnen
Hamburg ist immer okayes Versöhnen
Beim ewig rotierenden Wiederbesuch

Verziert von "Ja, reicht jetz!" und "Noch nich genug!"

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