Zehnzeiler

Poolsnack & das zweitausendvierhundertsechsunddreißigste Gedicht

Antillengrackel mit Beute

Pro Probieren

Mein verpanikter Blick in Speisekarten
Flickt sich zäh sein Menu. Wie lang wird der Wirt warten?
Immer gibt es dort Worte, die mir nicht bekannt,
Ich berechne die Werte, die rechts lauernd am Rand -
All das drängelt in meine Entscheidung mit rein,
Bis zur drohenden Frage: "Was darf's denn dann sein?"

Das Spielfeld zu groß und die Felder zu zahlreich -
Den Einsatz verlier'n durch die flascheste Wahl? Leich-
ter wär's mit der Einsicht, dass man noch entdeckt

Und nicht vorab wissen kann, was uns noch schmeckt.

Cinco Palmas & das zweitausendvierhundertsechzehnte Gedicht

Varadero Beach beim Hotel Cuatro Palmas

Hengststirnigkeit bei der Souvenierwahl

„Hast du mir etwas mitgebracht,
Von deiner Zeit im fremden Land?“

„Fühl mal hier, autsch!, sachte, sacht ... -
Da schwelt ein feister Sonnenbrand!
Ein eher ärmlich‘ Souvenir,
Schien erst wohl dessen Wärme mir,
Doch ich fand, die lang vermisste
Stand fast zwanghaft auf der Liste
Dräng’ster Mängel im Daheim!“

(Denkst du jetzt „Welch Hengst von Reim!“?)

Light winds & das zweitausendvierhundertfünfzehnte Gedicht

Varadero Beach, Valle 62

Als würde ich

Als würde ich tatsächlich etwas verpassen,
Entschüd ich mich, dieses heut bleiben zu lassen
Und jenes auf irgendein Wann zu verschieben.
Als güb‘s letzte Chancen, die mir noch geblieben.

Als würd irgendwann irgendwen interessieren,
Welch Dinge mir heute halt nicht mehr passieren.

Aber ich bleibe hektisch und nehm alles mit,
Als gült‘s, etwas langfristig doch zu vermissen.
Zwar müde, doch unbeirrt geh ich den Schritt -

Als würde ich‘s nicht wissen.

Alle Rechte bei Frauke Gnadl, die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 von mir gekauft hat.

Bergkulisse & das zweitausendvierhundertzwölfte Gedicht

Blick über die Maria-Theresien-Straße auf die Nordkette

Aprilhoch

Die Berggipfel strahlen aus vielfacher Ferne,
Wenn sie trotz Aprilhochs noch schneebedeckt sind.
Im Sommer ersteigt man Erhabenheit gerne
Und ist ob der leichten Erreichbarkeit blind -
Doch das Gondelgedöns rattert bloß Blasphemie!

Klar, so groß wie die Berge, das werden wir nie -
Jedoch unerreichbar woll‘n wir sie nicht nennen!
Nach Fahrscheinkauf rauf richten wir die Antennen
Nebst den Mitgliedschaftsantrag für unsern Verein.
Im April gilt: Was abweist, ist Weis/sheit allein!

Dachgold & das zweitausendvierhundertachte Gedicht

Auf Wiedersehen

Ich habe mich in dieser Stadt hier vergessen,

Weiß nicht mehr, wie sich einstmals ein Weg von mir lief,
Muss neubeginnnah mit dem Rinnstein mich messen,
Mit jeder Berechnung lieg ich chronisch schief.

Aber hat mich nicht grade ein Wissen gestriffen?
Hab ich mich hier vorschnell als nutzlos begriffen?
Lässt sich dort ein Anhaltspunkt wiederverknüpfen?
Werd folglich ich unbeschwert alles durchhüpfen?

Nein, den Weg zu dem Glück, das mich einst hier enthemmt,
Find ich nicht mehr zurück. Und die Stadt bleibt. Mir fremd.

Startplatz 3 & das zweitausenddreihundertsechsundachtzigste Gedicht

Olympia-Regattaanlage

Body-Positivity

Sag, war der Abstand deiner Ohren
Von Anbeginn so angeboren?
Vor- wie rückwärts krumme Füße
Sind doch eines Scherzbolds Grüße?
Oder so gewachsen
An den schrägen Hacksen?
Führt denn der'n enorme Starrheit
Dich zu einer Form von Wahrheit?

Ich will es für dich hoffen!
(Ergebnis ist noch offen)

Winterrasen & das zweitausenddreihundertneunundfünfzigste Gedicht

Moosach nach dem Winter

Remembering Ciudades

Wie ein recht rüdes Sternenzelt
Funkelt rasend die zu große Stadt,
Die rastlos mit den Rüden bellt
(und bloß ein Heer von Rasern hat).

Wie hehr begründet sich ihr Ruf,
Aus dem sie sich von selbst erschuf,
Dass Blickwinkel sich fügen!

Es ist ein fensterreicher Schlund,
Der rülpst sich aus, leicht ungesund,
In adäquate Lügen.

Grünspecht & das zweitausenddreihundertachtundfünfzigste Gedicht

Grünspecht in Moosach

Die Flugbegleiter

Ich schwärme wieder aus und säe
Meine Saat in Strudelnähe.

Der Blutfluss jeder alten Wunde
Benötigt keine weit're Stunde
Sich tropfnass zu erholen.

Die nächste Runde darf beginnen -
Als Rinnsal kannst du nicht gewinnen!

Wie sehr ich mich nach Ruhe sehne,
Erzähl'n die rings verstreuten Zähne
Wie rabenschwarze Dohlen.

Zwiespalt & das zweitausenddreihundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Moosacher Balkonstilleben

Der Schneid

Nimm dich meiner Haare an,
Mein hochgeschätzter Figaro!
Lass so viel wie möglich dran
Oder/und beschneid sie so,

Dass nichts überwältigt mein Wiedererkennen!
Von ältlichem Chaos mich gänzlich zu trennen,

Ist, was ich allen Hünen neid.
Ach, höchstgeschätzter Figaro,
Verkauf mir etwas kühnen Schneid
(denn der fehlt mir auch anderswo)!

Lopes Mendez & das zweitausenddreihundertsiebenunddreißigste Gedicht

Am Strand Lopes Mendez auf der Ilha Grande

Switch

Vielleicht einfach mal sich auf 'nen Rhythmus einlassen,
Der nicht deinem Anspruch an Takten entspricht?
Es gibt so viel, damit könnt'st du dich befassen -
Doch vielleicht tust du's einfach mal nicht!

Dass augenblicklang gar nichts drängt
Zur Schnellerledigung,
Legt Chancen frei zu neuem Schwung -
Auch wenn sich was verrenkt.

Vielleicht einmal 'nen neuen Beat als frischen Sinn verspüren?
Du weißt zwar nicht wohin, womit - doch spürst: Er kann dich führen.

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