Zehnzeiler

Den Bogen raus & das eintausendvierhundertdreiundfünfzigste Gedicht

Regenbogen über der Maxvorstadt

Sich regen bei Regen

Regen
Macht mich
Augenblicklich
Regen Missmuts
Leichte Beute.

'Regen,'
Dacht' ich
(träg & dicklich),
'Tät gewiss gut -
Nur nicht heute!'

Langwieder Mohn & das eintausendvierhunderteinundfünfzigste Gedicht

Blühender Mohn bei Langwied

The Opium Eaters

Wir ruh'n wie tot - als zwei Kadaver,
Tief eingesunken im Papaver,
Des' strahlend roter Schirme Schatten
Uns höchstfragil Besuch abstatten -

Wie süß vermag ein Tod zu sein?

Schon ist in diesem Blütenmeer
Gar niemand seines Blutes Herr -
Uns winken schwarze Stempel.
Ein jeder scheint ein Kreuz zu sein, wir reden zehn Gebote klein

Und Sonne küsst den Tempel.

Löwenzahn & das eintausendvierhundertvierzigste Gedicht

Frühlingswiese bei Schäftlarn

Das Löwenzahnlos

Wie Möwen um 'nen Dieselkahn
Schwirrt durch die Wies' der Löwenzahn.

Wo jene sich 'nen Pott erwähl'n,
Heißt's hier der Blüten Zottel zähl'n,
Die sich vom tief orangenen Kern
In strahlend helles Gelb vermehr'n.

Trotz solcher Chance zu faszinier'n,
Kann diese Pflanze nur verlier'n:
Als zuu gewöhnlich abgetan
Wird allgemein der Löwenzahn.

Ruhepol & das eintausendvierhundertsechsundzwanzigste Gedicht

Hirtenstar auf der Strandbar vom anse Takamaka

Kerffreitag

Was Kerfe am Karfreitag tun?

Mit ihr'n Bobbycar fahren,
'n Haflinger reiten,
Für Freya und Tarkan
'n Mahl zubereiten,
Am Rain von Karpfenteichen ruh'n?

Nun, grad karfreitags tun sie wenig,
Widerstrebt's gar Freigang-Kerfen
Sich mit wem zu überwerfen,

Ist der Kerf uns Menschen ähnlich.

Centro Storico & das eintausenddreihundertachtzigste Gedicht

In der Altstadt von Trient

Auf Italien - ein Trinkspruch

Das Licht auf den Steinen braucht hier keine Sonne -
Ein tief im "Es war einmal ..." startweg begonne-
Nes sinnenfreudfrommes, quellsprudelndes Glück
Bewahrte sich schadlos als Gnad' des berück-
Enden, wurzelbesäufenden Auftaus Moment,
Des' Bruderblut man gleich erkennt.
Alles schmeichelt reich und haltig dir,
Löst olle Knotigkeit im schier-
En Erlebnis vom alles umarmenden Leben -
Auf das lasst uns das Glas erheben!

Landesteg & das eintausenddreihundertsechzigste Gedicht

Haukivesi Landesteg

Der DJ sagt die Sonne

Der DJ sagt, die Sonne spieg‘le sich so schön im Meer,
Die Abrüstungsabkommen gniedeln Soli vor sich her,
Fast jeder plärrt im Casual Dress den Chor von bess‘rer Zeit
Und dancet Konsens auf Depeche Mode - oh, neue Herrlichkeit!

Wie auf Befehl schießt alles Pics vom Sonnenuntergang
Und Seligkeit süßt uns‘re Hits, die zieh‘n sich endlos lang ...
Wir hüllen uns ins Badetuch - du niedlich Wesen, du!
Und fragt uns wer, wonach wir suchen, wissen wir‘s im Nu.

Wieviel Klarheit, wieviel Wahrheit lässt sich noch ertragen?
Der DJ mahnt, dies sei auch Arbeit, und posterboyt Entsagen.

Eislauf & das eintausenddreihundertneunundfünfzigste Gedicht

Saimaaseen im Winter

Wort/brüchig

Wenn die Eisschicht Dir verspricht,
Dass sie keinesfalls zerbricht,
Doch das Wort vor Ort nicht hält,
Wird‘s in Deinem Fall schnell kält-
Er.

Lag‘s an Dir und dem Gewicht?
Log das Eis Dir ins Gesicht,
Weil‘s gern eiskalt Fallen stellt?
Du wirst jedenfalls nicht ält-
Er.

Birken & das eintausenddreihundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Birken am Saimaasee

Finnen

Ihr werdet die finnische Seele finden,
Fest umhüllt von Birkenrinden.
In der Schroffheit angenehm,
Steigt sie schüchtern,
Ungern nüchtern,
Ohne Sattel aufs Problem.

Jede Lösung schaut hier wie'n Vierkantholz aus:
Wer in das Eis einbricht, schafft's auch wieder raus.
Fast zu kauzigniedlich, um Wahrheit zu sein,
Drum reden sie selber - auf Finnisch! - sich klein.

Heimweg & das eintausenddreihundertsechsundfünfzigste Gedicht

Beim Hotel Järvisydän an den Saimaaseen

Atmung im Winter

Nichts als kalte Luft im Schädel,
Die die wärmeren Gedanken
Harsch in ihre Schranken
Weist.

Weh, darinnen friert mein Mädel,
Die als längster Wunsch von allen,
Nun bedrängt von Eiskristallen,
Langsam zur Idee vereist.

So entschwindet mir das Mädel -
Nichts als kalte Luft im Schädel.

Poro & das eintausenddreihundertfünfzigste Gedicht

Rentierhuf

Rentier

Der Rentierhuf,
Wie Gott ihn schuf,
Tupft leichtestfüßig auf.
Das Füßeln scheint sein Hauptberuf
Und schwerelos sein Lauf.

Da ließ' sich leicht
Mit Hohn solch seicht-
Er Trab als schwul beROFLn.
Doch wer, wen(n) nicht das Rentier, zeigt
Schon Coolness in Pantoffeln?

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