München

Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.

Amerikahaus & das eintausendsiebenhundertsiebzehnte Gedicht

Treppenhaus vom Amerikahaus München

Amerika

Nun fehlt dieser Sehnsucht der Landesteg, das Ufer und der Strand.
Ebenfalls hinfortgefegt: das hinterm Nichts liegende Land -
Und sei‘s auch nur ein Kontinent.

Zwischen und inmitten Gischt wellt und windet Tosen,
Dass es zischt aus den Matrosen,
Deren Seele brennt.

HOWL-Top & das eintausendsiebenhundertsechzehnte Gedicht

Oberster Teil der Installation HOWL im Lichthof der Pinakothek der Moderne

Demagogeneselsbrücke

Wo Beknackte eh nix raffen,
Lassen fix sich Fakten schaffen.

Pinakotheken & das eintausendsiebenhundertfünfzehnte Gedicht

Corona-Weggeführung in der Pinakothek der Moderne

Liegenschaft

Lieber Liegefahrradfahrer,
Ich als Kommentar-mir-Sparer
Staune doch, wie unverdrossen
Du dein Liegefahrrad fährst
(völlig ratschlagsresistent)
Und dich klingelnd (permanent)
Gegen deine Restwelt wehrst.

Aus gern überseh‘nem Tal
Zetert deine Unterzahl
„Hallo, Vorfahrt?!“ unverzagt,
Jäh umrahmt wie überragt
Von jenen Verkehrsgenossen,
Die sich auf dich eingeschossen,
Um vereint sich zu empören.

Dich allein scheint‘s nicht zu stören -
Du drehst weiter flach die Runden,
Forderst deine Rechte ein,
Rohrspatzmäßig, unumwunden -
Vorsatz: Mich kriegt keiner klein!
Wer sich legt mit Liegern an,
Kriegt‘s zu tun mit Kriegern, Mann!

Mancher Zwist bremst viel zu schlicht sich -
Diesbezüglich liegst du richtig!

Sammlung Goetz & das eintausendsiebenhundertvierzehnte Gedicht

Sammlung Goetz im Luftschutzbunker im Haus der Kunst München

Kellerlicht

Hab‘n wir im Keller das Licht ausgemacht?
Hatten wir überhaupt Licht?
Wir überzeugten, erleuchteten Leute brauchen‘s ja eigentlich nicht.

Hab‘n wir im Keller das Licht ausgedacht?
Hab‘n wir einander geseh‘n?
Wenn man sich einigt, gilt damit bescheinigt: Alles ist wirklich gescheh‘n.

Hab’n wir im Keller das Licht ausgemacht
Untereinander - als hell?
Auch wenn Chimären in Massen ausscheren - wir bleiben konsensuell.

Museum 5 Kontinente & das eintausendsiebenhundertachte Gedicht

Myanmar-Abteilung im Museum Fünf Kontinente

Protest

Ich biete heut die Bettelschale
Umgedreht dir dar -
Dies nimm fortan zum Warnsignale,
Dass ich nicht mit Gna-
De deinen Grund der Schuld abzahle,
Tat's vordem ich zwar -

Jetzt bleibt der Almosendienst dir verwehrt,
Ich bleibe mittellos, du bist entehrt.

Das Lichtbild 1931 & das eintausendsiebenhundertsiebte Gedicht

Ausstellung Welt im Umbruch im Stadtmuseum München

Rübermachen

Hier im Hotel am Oderstrand –
Ein Ufer fern vom andren Land –
Erreichte mich nächtens, derweil ich noch schlief,
'ne SMS-Info zum Auslandstarif.

Als reichte meines Schlafes Weite
Herüber auf die andre Seite ...

(Was andrerseits für einen Traum
Ein maßvoller Gewinn an Raum)

Stadtmuseum & das eintausendsiebenhundertsechste Gedicht

Ausstellung Welt im Umbruch im Stadtmuseum München

Umbruchnaht

Oh Kraftwerk, oh Schalttafel, oh Apparat!
In euch dampft der Mythos vom Neuaufbruch,
Der Schneisen von frischer Erkenntnis und Tat.
Gebräuchlicher Fortschritt schien nicht nur ein Spruch,
Sondern ein vernehmbarer Einspruch zu sein -
Doch hielt man dies bald durch Vernehmungen klein.

Der Euphor ob berauschender Dienstbarkeit
Von Kraftwerk, von Schalttafel und Apparat
Las sich als Vertrag einer harmfreien Zeit.
Doch unter dem Hoffnungsflor gärte die Saat
Von Gartenerträgen der Mähdrescherei,
Der Umbruch versiegte in mehr Tyrannei.

In das Jahrhundern der Hoffnungsmaschinen
Entfaltet sich wieder der Glaube daran,
Möglichkeit könne der Möglichkeit dienen
Für das mähliche Nähern vom Irgendwann.
Doch Tastflächendruckkraft verschließt nicht die Naht
Zum Kraftwerk, zur Schalttafel, zum Apparat.

I am not the sea & das eintausendsiebenhundertfünfte Gedicht

Cyril Lackauer Austellung im Haus der Kunst

Die Stadtteile der Anderen

Vor Essen-Werden ließ man (Gag!)
Das Fressen-Oder-Gefr weg.

Finanzgarten & das eintausendsiebenhundertvierte Gedicht

Konfuzius Statue im Finanzgarten

Stille Verlautbarung

So viel Leute, wenig Plätze ...
Mitten in der Meute ätze
Ich: "Is' klar – die Deutsche Bahn!"
Geistentleert im Größenwahn.
"Boah, ich krieg' hier noch die Krätze!",
Deklamiere ich und hetze:
"Könn'n wir jetzt mal weiterfahr'n –
Oder was is' hier der Plan?"

Doch:

Nicht ein Ton beseelt die Sätze,
Einzig Mimik taugt als Petze.
Das mag ich der Welt erspar'n –
Zu erfahr'n, dass ich's nicht schätze:
Viele Leute, wenig Plätze.

Residenzfassade & das eintausendsechshundertvierundneunzigste Gedicht

Fassade im Residenz-Innenhof

Flügge

Ganz unverwandt steht da ein altes Gedicht,
Das in mir fremder Sprache spricht,
In dem unwiderlegbare Vaterschaft ruht -
Und doch in all der Outputflut
Mir völlig unerfindlich bleibt.

Sei es, dass man jetzt verbindlicher schreibt,
Sei es, dass mich dieser Abstand verstört,
Weil noch nicht daran gewöhnt,
Dass ein Text sich so entwöhnt
Und allein sich selbst gehört.

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