Achtzeiler

Entgegenkommen & das eintausendvierhundertachtundneunzigste Gedicht

Blick vom Rheinsteig

Ins Ehebett

Das Po-an-Po im Ehebett
Ist mein nächtliches Akku-Aufladen.
Dies Pol-und-Gegenpol-Duett
In traulichen Gestaden
Erfüllt mit Lebensenergie
Die Lauge meiner Lethargie.

Dann gluckst man mit 'nem Koma-Hauch:
Was kümmert uns der Stromverbrauch!?

Wanderwetter & das eintausendvierhundertzweiundneunzigste Gedicht

Feld auf dem Rheinsteig

Brise im Stoppelfeld

Der Wind weht die trockenen Halme in Wut
Und schürt letztmalig warme Aromen -
Als letzte Chronisten bewältigter Glut
Mit sonnengebleichten Genomen.

Wir klonen damit vielleicht noch eine Hitze,
Ein vom Furienrest kündendes Feurio! -
Dann belegt jener Wind eine kühlere Zitze
Und wühlt durchs nächste Irgendwo.

Pfalzgrafenstein & das eintausendvierhunderteinundneunzigste Gedicht

Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub

Äußerstes Erinnern

Es schrumpfte die Zeit deine Kindheit zusammen
Auf ein Dutzend probater Momente,
Die je einem großen Erlebnis entstammen,
Das sich jäh aus dem trägen Fluss trennte.

Deine frühe Erzählung ist längst schon beschränkt
Auf ein paar ausgerissene Seiten.
Deren Restauration wird beharrlich bedrängt
Von den Windstößen rasender Zeiten.

Rheintalromantik & das eintausendvierhundertneunzigste Gedicht

Blick vom Rheinsteig auf die Rheintalverkehrswege

Unterschultergeschwabbel

Das Wabbelfleisch am Oberarm
Brüllt: "Hätt' dich fast vergessen!"
Wie ein heraus gestülpter Darm
Versaut es mir mein Essen.

Als Altersarsch vom Wermutsfass
Wird's mein Begleiter bleiben,
Diktiert ein neues Bodymass
Und winkt mir zu beim Schreiben.

Tenghimmel & das eintausendvierhundertdreiundachtzigste Gedicht

Ausblick aus meinem Bürofenster auf die Tengstraße

Partykeller

Wie verödet sind nun unsre heitersten Säle,
Als wär'n alle Feste entflogen -
Sodass mein Erinnern, aus dem ich erzähle,
Klingt sehr dubios bis verlogen.

Räume sind nicht die gleichen mehr ohne Personen.

Dieser Satz ist so einfach addiert.
Sie behagen den Leben, die sie rasch durchwohnen -
Und danach sind sie mumifiziert.

Goldsteig & das eintausendvierhundertachtzigste Gedicht

Am Goldsteig Wanderweg im Bayrischen Wald bei Riedlhütte

Verjährendes Gedicht

Die Zeilen in der Erde sind
So unerreichbar da -
Wiewohl kein Wort ich wiederfind',
Ihr Sinn bleibt weiters nah.
Es reicht die Tiefe im Verlust
Von selbst nicht ans Verloren.
Stell dich in seinen Schein, du musst
Nicht extra danach bohren!

Zweite Stammstrecke & das eintausendvierhunderteinundsiebzigste Gedicht

Bauarbeiten an der zweiten Stammstrecke in München City

Slaughterhouse

Ich steck dir noch 'nen Zweig ins Maul,
Dann bist du für mich Fleisch.

Zum Gruseln bin ich längst zu faul -
Erspar mir dein Gekreisch!

Der Schrecken der Maschine hat
Auch eine reine Seite,
Zerstäubt das Du, bakterienglatt,

Bis ich's mir zubereite.

Waldsee Zehlendorf & das eintausendvierhundertneunundsechzigste Gedicht

Spiegelungen im Waldsee in Berlin Zehlendorf

Die Grauen (wenn's jauchzt am See)

Im unverdienten Haus im Grünen
Grienen all die Erbschein-Hünen,
Reich beferkelt von den Bachen,
Die so herzergreifend lachen,
Wenn dem Herrn ein Witz gelingt

Und ein Borstenblitz durchdringt
Hehr schwerstgrau das Grüne

Um Blagen, Braut und Hüne.

Olympiasee & das eintausendvierhundertsiebenundsechzigste Gedicht

Fauna im Olympiasee

Der Verweigernde

Wenn die Krise sich brav vor der Hoffnung verneigt,
Ist der Teilrückzug längstens beschlossen.
Doch dein Schicksal hat wieder mal alles vergeigt,
Frönt nostalgisch den kalkigen Possen.

Du bist eigentlich Opfer vergangener Zeit,
Doch dein Leid biestert schwungvoll ins Heute.

Jeden Währungsverlust nennst du Aufrichtigkeit
Und betonst, dass sie dir was bedeute.

Chiemsee again & das eintausendvierhundertsechsundsechzigste Gedicht

In Übersee am Chiemsee

Seefriede

Und grad weil dieser See alle Ruhe aufnimmt,
Die vom ufernden Rund sich ergießt,
Scheint mein Angesicht wie von Hektik bestimmt -
Dem nie überwundenen Biest.

Denn wie viel an Gesorg ich dem Himmel vermach' -
Aus dem See säuselt's: Da geht noch mehr!

Wenn lustvoll zum "Ah!" sich verschmälert das "Ach!",
Verdümpelt erst all das Gezerr'.

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