Achtzeiler

Nachtfahrt & das eintausendfünfhundertvierundvierzigste Gedicht

Venedig bei Nacht

Den Verfinsterten

Als Schwarzes Loch wäre der Blaue Planet
Auf 1,8 Zentimeter gepresst.

Ich hab keine Ahnung, wie so etwas geht,
Verlang keinen dieses belegenden Test,
Doch was mir an solcher Behauptung gefällt:

Die sichtbare Größe verschweigt dein Gewicht.
Auch darf es egal sein, wie klein man dich hält -
Im Innern verbleibt, unentfliehbar, das Licht.

Dorsoduro & das eintausendfünfhunderzweiundvierzigste Gedicht

Im Dorsoduro von Venedig

Rindsrouladen

Den Zauber der Beständigkeit
Werd ich alsbald vermissen,
Da in seinen Prämissen sich
Schon erste Fasern trennen.

Schon schmilzt ein Gletscher aus der Zeit,
Der wird sich nicht erneuern.
Mag Fortschritt sich beteuern - mich
Reu‘n die, die dich nicht kennen.

Venezia & das eintausendfünfhundertvierzigste Gedicht

Regenbogen und Sonnenuntergang über Venedig

Trump

Deine Breitbeinigkeit umrahmt eine Leere,
Die sich nur über Stillstand bewährt,
Umbaumelt vom Popanz gemächtiger Schwere,
Wo wilde Verlässlichkeit gärt.
Verjährt ist der Hoffnungsstoß für die Verprellten -
Doch die Lautstärke bleibt unvergessen!

So wird auch der Ton für die kommenden Welten
An Breitbeinigkeiten gemessen.

Sonnenuhr & das eintausendfünfhundertsiebenunddreißigste Gedicht

Sonnenuhr an der St.-Markus-Kirche in der Fuggerei von Augsburg

Letzte Aussaat

Roll in den Herbst die Knollen frü-
Her Lenz-Enhancer-Blumen!
Bring eindringlich der Zwiebeln Blü-
Tenmeer unter die Krumen!

So ist im Niedergang die Wie-
Derkehr bereits bereitet,
Wenn Zuversicht stets im Biki-
Ni gegen Schwermut fightet!

Paradeplatz & das eintausendfünfhundertachtzehnte Gedicht

Baumplastik auf dem Zürcher Paradeplatz

Pflanz Schmach

Du darfst dem Verordneten niemals parieren,
Becircen dich auch Argumente!
Pflanz Schmach mit den Schlag auf verordnende Nieren,
Ruf Aufmüpfigkeit aus der Rente!

Du weißt: Ihr Ansatz ist korrekt.
Doch das Herz schlägt fehl in den Methoden.
Verhehl dir nie, wie schön ein Gleichschritt verreckt
Und zertret die entsprechenden Hoden!

Zürcher Savanne & das eintausendfünfhundertvierzehnte Gedicht

Die Lewa Savanne im Zoo Zürich

Lastlos

Unabänderlich mahnt die verflossene Zeit,
Dass weitere Jahre vergehen.
Noch ist der Moment nicht zum Abschied bereit
Und hangelt sich durch sein Bestehen.

Das friedliche Scheiden, in das ich entrück' -
Es schmückt hinter mir Horizonte
Für spätmilde, labende Blicke zurück,
Als ich's noch nicht wertschätzen konnte.

Lewa Savanne & das eintausendfünfhundertsechste Gedicht

In der Lewa Savanne im Zoo Zürich.

Original und Fälschung

Das Originale ist mir heut so fremd,
Ich flirte nur mit den Attrappen.
Die sind von der Verve ihrer Sehnsucht enthemmt
Und versprechen: Mit uns könnt es klappen!

Ich kenn den Geschmack der wahrhaftigen Kuchen,
Kann auf Knopfdruck noch in ihn entschweben,
Muss nicht nach dem Nie-ganz-Erhabenen suchen,
Fühl mich dadurch näher am Leben.

Das Originale behält seinen Wert.
Doch das Wollen beschert uns Verlangen.
Weil der Kundige mitschmeckt, wonach sich‘s verzehrt,
Ist der Weg dorthin schon mal begangen.

Entgegenkommen & das eintausendvierhundertachtundneunzigste Gedicht

Blick vom Rheinsteig

Ins Ehebett

Das Po-an-Po im Ehebett
Ist mein nächtliches Akku-Aufladen.
Dies Pol-und-Gegenpol-Duett
In traulichen Gestaden
Erfüllt mit Lebensenergie
Die Lauge meiner Lethargie.

Dann gluckst man mit 'nem Koma-Hauch:
Was kümmert uns der Stromverbrauch!?

Wanderwetter & das eintausendvierhundertzweiundneunzigste Gedicht

Feld auf dem Rheinsteig

Brise im Stoppelfeld

Der Wind weht die trockenen Halme in Wut
Und schürt letztmalig warme Aromen -
Als letzte Chronisten bewältigter Glut
Mit sonnengebleichten Genomen.

Wir klonen damit vielleicht noch eine Hitze,
Ein vom Furienrest kündendes Feurio! -
Dann belegt jener Wind eine kühlere Zitze
Und wühlt durchs nächste Irgendwo.

Pfalzgrafenstein & das eintausendvierhunderteinundneunzigste Gedicht

Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub

Äußerstes Erinnern

Es schrumpfte die Zeit deine Kindheit zusammen
Auf ein Dutzend probater Momente,
Die je einem großen Erlebnis entstammen,
Das sich jäh aus dem trägen Fluss trennte.

Deine frühe Erzählung ist längst schon beschränkt
Auf ein paar ausgerissene Seiten.
Deren Restauration wird beharrlich bedrängt
Von den Windstößen rasender Zeiten.

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