Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Hirtenmania & das eintausendvierhundertvierzehnte Gedicht

Hirtenmania auf Mahe

Inmitten Quarantäne

Hab stundenlang ein großes Nichts
In einen leeren Raum gefüllt
Und mit der Schnauze des Gedichts
Mein Schweigen vor die Zeit gebrüllt.
Mir war danach - gemach, gemach,
Das Wenigste zu tun ...
Doch blieb mir, ach, zu viel vom Tag,
Um davon auszuruh'n!
Und alles hält die Webcam drauf:
"Ich mach das Beste draus!"
Ich schalt das WLAN ab und sauf
Den Rest der Schnäpse aus,
Verkork ein Loch im Scheißegal.

Und morgen mach ich's noch einmal.

Anse Patates & das eintausendvierhundertzwölfte Gedicht

Anse Patates

Nachmittagssonne

Die Nachmittagssonne bebrütet die Farben.
Und alle Motive, für die Männer starben:
Uns Volk und stumpfe Religion,
Miefen prompt nach Niedriglohn.

So golden, so strahlend sind Demut und Feier ...

Und endlich entleer'n sich der Prediger Eier.

Mangrove & das eintausendvierhundertelfte Gedicht

Mangroven am Anse Takamaka auf Mahe

Unnötig Altern

Jede Warteminute im reiferen Alter
Ist ein höh'rer Prozentsatz an Restlebenszeit.

"Wat is'n getz?!", geift deren Nutzungsverwalter
Bei jeglichem Reifen von Unpünktlichkeit,
Ereifert sich zu Lob und Huld
Des Phönix' brenn'nder Ungeduld.

Wem die Lebenszeit abläuft, muss im Zwangslauf sich sputen,
Ist berechtigt zum Unmut auf Warteminuten.

Flughundcurry & das eintausendvierhundertzehnte Gedicht

Lokale Spezialität: Flughundcurry

Der Überträger

Hallo, ich bin ein Überträger,
Prall durch eure Dübel Säger!

Das, was schwer fällt einzudämmen,
Werd ich sehr schnell überschwemmen,
Kitte mich in jede Fuge
Weitflächig, im Funkenfluge!

Bin beherzter Überträger,
Gern auch Ärgerniserreger!

Weg zum Belle Vue & das eintausendvierhundertsiebte Gedicht

Begegnung auf der Straße nach Belle Vue auf La Digue

Endlosvers der politischen Bildung

Regierung ertränken,
Regierung ersaufen,
Und ohne Bedenken
'ne neue einkaufen!

Ob wir uns an diese dann wirklich gewöhn'n? Na!
Wir rufen noch fieser - grad, weil es so schön war:

Regierung ertränken,
Regierung ersaufen ...

Anse Intendance & das eintausendvierhundertfünfte Gedicht

Blick auf den Anse Intendance auf Mahé

Die poetische Naturbeschreibung in Zeiten von Google Maps

Lieber Dichter, halt die Fresse -
Gib uns lieber die Adresse!

Félicité & das eintausendvierhundertdritte Gedicht

Blick auf Félicité

Puderzucker

Ich bin ein Was-mit-Puderzucker
Mäßig guter Schluderschlucker.
Äß ich alles ohne jenen,
Säh's hier jedenfalls nich' nach een
Von schneeigen Teint bestäubten Haupt aus,
Überhaupt, Maus: wären Stirn und Kinn, die Bäckchen,
Ebenso mein Anoräkchen
Nicht gleich herbstlaubbedeckten Alleen,
Durch die weiche Häuche die Schneeflocken weh'n.

Insbesondere bei Waffeln
Ist's kaum bis zum Mund zu schaffeln,
Dass nichts von der Waffel fällt -
Schafft's dann mal ein Waffelheld,
Wird sein "Puh!" das Pu bepusten
Und der Zuck erzwingt ein Husten.

Schon ist nach 'nem kurzen Flug er
Ganz bedeckt von Puderzucker.

Flughafen Riem & das eintausendvierhundertste Gedicht

Flughafen München Riem Abflughalle heute

Reingefallen!

Du wusstest es, oder? Die Welt galt der Planung
Einer Großüberraschung für dich!
Du verneinst das zu schnell, als wär da keine Ahnung,
Durch die ein Gewissheitshauch strich.
Du trichtertest dir doch am Tresen oft ein:
Das kann's noch nicht gewesen sein!

Nun hör der durchs Bühnenbild Huschenden Tuscheln,
Die selig sich in ihrer Vorfreude kuscheln -
Was gab's da nicht Blödes, an dem du genagt,
Wie schön, wenn da gleich wer mit Löschtaste sagt:
"Überraschung, Junge! Schau mal da:
Hinterm Sarg - die Kamera!"

Du hast dich wirklich gut geschlagen
Und bist bei allem cool geblieben,
Noch bis zuletzt fern vom Verzagen!

Wir hab'n's ja manchmal übertrieben -
Doch wussten auch: Der kann was ab!

Und jetzt erhol dich gut im Grab.

Löwenspinne & das eintausenddreihundertneunundneunzigste Gedicht

Skulptur Pusteblume im Riemer Park

In der Pflicht: Writing Poems like Tonya Harding

Du musst hier noch so viele Kniescheiben brechen,
Noch so viele bleibende Schmähungen rächen,
Du musst dir noch so oft das Arschloch aufreißen,
In all deren satte Bequemlichkeit scheißen,
Du musst ohne Gunst an der Inbrunst dich wärmen
Und flehentlich grell von dem Wirklichsein schwärmen.

Du kannst hier nicht mehr auf mehr Wohlwollen warten,
Musst stur Dinge tun, die nur dir gut geraten,
Du darfst ihre Ablehnung fortan genießen,
Du musst hier mit niemanden Frieden noch schließen,
Bleib einfach alleine - das steht dir so gut!
Bewahr dir nur eine Begleiterin: Wut.

Messe München & das eintausenddreihundertachtundneunzigste Gedicht

Berggipfelskulptur an der Messe München

Ein weiterer Songtext von dem in Herbst 2020 erscheinenden neuen Marilyn‘s Army Album „Zeit zu schreien“.

Nicht mal unverzichtbar (nicht dieses Mal)

Was dir noch bleibt
Ist all das nie Verlangte - langt schon so, aha
Was dich noch treibt
Ist all das Ungesagte aufzuschreib'n - sowie ein ...

Ein nicht mal unverzichtbarer Verlust von Zeit - und ein
Ein sichtbar ungeschickter Fehlversuch aus Neid

Du sagst Dir:
Nicht dieses Mal
Nicht dieses Mal
Es ist wie
Wie jedes Mal
Nicht dieses Mal

Was dich noch treibt
Ist dieser Nachgeschmack der frühen Euphorien
Was dir noch bleibt
Ist nur der Schwur dich noch mal reinzuknien - sowie ein ...

Ein nicht mal unverzichtbarer Verlust von Zeit - und ein
Ein sichtbar ungeschickter Fehlversuch aus Neid

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