Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Tor 18 & das siebenhundertzweiunddreißigste Gedicht

Linz Hauptplatz

Eine gute Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass ich mit meiner Band Marilyn's Army immer am 23. Dezember im Grend in Essen auftrete. Und dabei voraussichtlich auch dieses Lied singe:

Der Mann im roten Anzug

Der Mann im roten Anzug
die Telefonkarte hält er in der Hand
die Zelle ist frei und der Mann ist bereit
hinter ihm die Frau in einem schrecklichen Kleid

Der Mann weiß genau, was zu tun ist
die Nummer im Kopf, die Bewegung einstudiert
ein bisschen Routine im beschissenen Leben
der Mann kriegt die Verbindung und die Frau steht daneben

An ihrer Seite steht ein plärrendes Kind
das die Niedlichkeit nicht für sich gepachtet hat
Passanten passieren, es ist nicht zu verstehn
Warum hier niemand sagt: Es müsste endlich was geschehn

Der Mann - er beendet das Gespräch
sein Restguthaben beträgt zwei Mark und sechzig
die Frau rückt ihr Kopftuch zurecht
und denkt sich nur: Mein Gott, was die Welt doch schlecht ist

Was die Welt doch schlecht ist!
Naja: obwohl mir das recht ist ...

Tor 11 & das siebenhundertfünfundzwanzigste Gedicht

Starnberger See

Auf Urlaub

Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist: grau.
Das Haus dort am See? Nö. Die Berge? Genau!
Außerdem noch: Die Wiese, der gestrige Stau,
Die Kühe, die Sonne, der See – alles grau!

Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist: bunt.
Ja, Kerl, dat is Käse – du lügst doch, du Hund!
(Wir steh'n vorm erloschenen Hochofenschlund)
Dies Metallischmattgraue, dies gräuliche Schwatt
Der düstere Himmel, die hässliche Stadt
Von hier oben ins schwärzliche Nichts zu seh'n und
Sich dran zu erfreuen, na, das nenn ich: bunt.

Tor 2 & das siebenhundertsechzehnte Gedicht

Weihnacht am Berliner Hauptbahnhof

Dies' Jahr keine Geschenke ...

Kerzen! Schmerzen? Herzinfarkt.
Einsargt vorm Weihnachtsmarkt ...

Walze & das siebenhundertdreizehnte Gedicht (Gedicht von Julia Engelmann)

Isarwalze

Wir ziehen uns heute einige poetisch verlirrte Seelen an Land, indem wir dieser Sammlung den begründeten Linktitel geben Poesieblog mit einem Gedicht von Julia Engelmann. Bitte weiterverbreiten!

Gedicht von Julia Engelmann

Sie seiert und seiert so inflationär
Sie eiert und eiert vom Irgendwo her
Sie bügelt und bügelt sich speckfaltig nett
Und prügelt und prügelt den Kampfgeist ins Bett

Festgekrallt an dem Slogan Gedichte zu schreiben
Wird sie trotz aller Schmerzen bei ihrer Sicht bleiben

Ach Poesie, ach Poesie!
Du ungeschüztes Beischlaflager
Erträgst die letzten Rattennager
Ohne einmal zu sagen: "Ej, fickt euch ins Knie!"
Ach Poesie, ach Poesie!

An der Weltzeituhr & das siebenhundertelfte Gedicht

An der Weltzeituhr

An der Weltzeituhr

Ja, es hieß: "Um sieben an der Weltzeituhr!"

Kurz vor acht hab ich mich dann auch zu ihr gesellt
vergrätzt gedacht: "Jetzt motzt sie nur
und hat doch alle Zeit der Welt!"

Tegernseewasser & das siebenhundertachte Gedicht

Tegernseewasser

Be Babylon

Na, altes Mädchen, den Rock wieder lüften?

Mein Welthorizont klemmt sich um deine Hüften –
dem Hort einer Hoch(mut kommt vorm Fall)-Kultur!

Ein Hoch der zweiströmigen Beinhaarrasur
für die tätschelnde Klaue am Unversuchten!

Doch war ja dein Höhenflug schnell überbucht, denn
es erscholl nach dem XXL-Sündenfall
nur noch göttlicher Groll: "Sach'ma, spinn'n die denn all?!"

Und Monsieur ohne Sünd' warf den ersten Stein
direkt in deine Fresse rein

Die Pimps übernahm'n dein Vermächtnis und Ruder
Ich frag' mich, was noch an dir echt ist, du Luder!

Man wähnt ja unerschütterlich
im Genpool unsrer Mütter: dich

Nur ...
was willst du mit 'nem Babyfon?
Du bist 'ne Hure, Babylon!

Maximiliansbrücke & das siebenhundertdritte Gedicht

Maximiliansbrücke

Die richtige Gewichtung

An einem satten Sonntag
Nehm ich ein zweites Stückchen Kuchen

Für die in der Sahne erstickten Tage
Dürft ihr mich gerne buchen

Vorm Alten Museum & das siebenhundertzweite Gedicht

Vorm Alten Museum Berlin

Die Aufrührer

Es gibt Typen, die werden hier zigfach geboren
Aber einer wie du - der stirbt aus

Es gibt Lieblinge auf allen Mainstreamemporen
In der x-ten Schattierung des Graus
Und warum, lässt du mich nun hier unten allein?

Kurz gelang's uns doch, doppelt so viele zu sein!

Grünanlage & das sechshundertsiebenundneunzigste Gedicht

Berliner Hauptbahnhof

Die Niedergelegten

Das Gras, auf dem wir nieder lagen
Hat sich schon wieder aufgerichtet
Und unser Sang vom Widersagen
Wird zwanglos als Symptom gewichtet

Doch sind unsre Tinten vergebens geflossen ...?

Ich hab, Freund, das Neben-Dir redlich genossen

Regierungsviertelinsel & das sechshundertfünfundneunzigste Gedicht

Regierungsviertelinsel

Eierschale Zenner im Winter, von der Insel der Jugend betrachtet

Auf Baccara mit Achim schwoofen ...
Ach, im Prinzip jeht's uns ja juut!
Ick jeh mir noch 'ne Weisse koofen!
Wer weiß, wie lang's deen Knie noch tut ...

Wir tanzten eenen janzen Sommer
Eierschalendiscofox
Unser Drive kam nich vom Drive-In
Burger Stinker - Zenner rocks!

Nu is aus unserm Biere Garten
die letzte Ernte einjefahr'n
Ick werd' auf den Saisonstart warten
und auf sechs Dutzend Weisse spar'n

Ditt Handy klingelt. "Ja?" Der Achim!
"Mit dem Knie - ditt wird nüscht mehr...!"
Baccara und i can Boogie
allet janz schön lange her

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