Strandvägenwagen & das zweitausendeinhundertdreiundsechzigste Gedicht

Blick auf die Hafenpromenade Strandvägen von Östermalm

Fernverbindung

Zunächst dröhnt uns der Schwall einer Rettungssirene
In meinen empfindsamen Handyempfang -
Da ich doch allein deine Stimme ersehne
In alle Gerätschaft verleugnendem Klang!

Später donnert es in einer Bahnunterführung
Im Takt vom geschürten Verkehrsflussgebell.
Das desavouiert jeden Ton meiner Rührung -
Und alles, was ist, ist es nicht mehr reell.

Letztlich haken nur hässliche Netzartefakte -
Jede Funklocherrettung scheint gleich überbucht!

Tief in deinem Herzen bin ich der Benackte,
Der armselig dich zu erreichen versucht.

Granitbewuchs & das zweitausendeinhundertzweiundsechzigste Gedicht

Bewuchs der Granitfelsen bei Vardo

Eine lyrische Transformation als kuba-schwabinger Übersetzung der Texte der Dichterin Luz de Cuba

Alle Lieben in einem Leib (Todo en un solo cuerpo)

Denk ich an Liebe in der Nacht,
Fragt mich meine Muse, ob ich je bedacht,
Welche der Lieben - soweit mir bekannt,
Sei die bekrönenswert schönste im Land.

Nun, alle sind die Schönsten hier. Und überall!
Bei mancher sind männliche Mienen der Fall,
Der sie antreibt zum Himmelsritt über die Sterne,
And're seh'n den Poem einer Weiblichkeit gerne,
Mal ist's Heftigkeit, wonach die Hüften begehren,
Mal sind's Scham, Brüste, Straffheit, die alles verzehren.
Und doch ist es nicht mehr als 'ne Wahl, die man traf,
Einer Vorliebe, die keiner Wertung bedarf.

Um im gleichen Recht auf Liebe zu koexistieren,
Lasst uns nun gemeinsam zum Kreuzzug marschieren,
Die patriarchalen Strukturen planieren,
Die Mauern der sturen Zensur ruinieren!

Wir sind Feministen, Dissidenten, ein Heer -
Und die Zügel der Zeit sollen brennen!
Lesben, schwarz, Prostituierte und mehr -
In aller Verschiedenheit nicht mehr zu trennen:

Ein Leib einer Zukunft auf wertem Niveau!
Go women, go! Go women, go!

Malecón & das zweitausendeinhunderteinundsechzigste Gedicht

Am Malecón in Havanna

Eine lyrische Transformation als kuba-schwabinger Übersetzung der Texte der Dichterin Luz de Cuba

Prächtige Lady (Suntuosa Dama)

Du sperrst dich immer noch unverschämt gegen die Zeit,
Doch bist stets für Besucher zu lächeln bereit
Und küsst sie mit wispernden Winden vom Meer,

Unter Gittern von Balkonen, vor barocker Fassade 
Und im tiefsten Innern pocht dein Herz vor Begehr-
En derer, die innig dich lieben, nur schade:

Sie werden dich verlassen, Havanna,
Oh du prächtige Dame, Havanna!

Ich liebe dich mit aller Verbundenheit,
Von Geburt an Kokon, Brut von Freude und Leid.
Durch Buntglasfenster geschienene Blüten,

Zum Seufzen der Menschen, der Pflastersteinmythen
Einer Palme, die unter den Sturmböen ächzt.
Das kristallklare Meer, das türkisfarben lechzt,

Flüstert Sprichwörter reizvollster Intensität,
Wenn verführerisch lächelnd dein Mondschein verweht
Alle Nebel, was mich zum Bolero einlädt 

Im Regen von Sternen, Gestirnen, gedreht
Fallen Drosseln, Kolibris, Hügelketten,
Verführerisch lächelnd, mich in Dir zu betten,

Du Schöpferin von solchen tropischen Reizen,
Ohne dabei mit Gefühlen zu geizen,
Havanna, oh meine prächtige Lady,

Havanna, Havanna, Havanna!

Bergedorf & das zweitausendeinhundertsechzigste Gedicht

Bergedorfer Mühle

Erwachen

Das Augenreiben besiegelt
Den Abschied von nächtlichen Träumen,
Jede Pforte zurück ist verriegelt -
Und so schau ich bedrückt ins Versäumen.

Landhandel & das zweitausendeinhundertneunundfünfzigste Gedicht

Auslage in Wennströms Landthandel Museum auf Vårdö

Eine lyrische Transformation als kuba-schwabinger Übersetzung der Texte der Dichterin Luz de Cuba

Die Ahnen (Egungun)

Im Erahnen der Ahnen
Und ihren weisen Hinweisen
Besänftigt sich meine Tortur.
Sie rüsten mich fürs Überwinden,
Aus zähem Dunkel rauszufinden,
Sind Licht und Lichtung pur,
Greifen ein wie ein Handwink, der meinen Weg leitet,
Sind das Nichts, das den Körper als Seele begleitet,
Ein spirituelles Vermächtnis,
Dessen Schatz testamentlos hier echt ist
Und sich üppig wie endlos vererbt.
 
Auch ungeglaubt entern sie Wirklichkeitssphären,
Wie als Teenager mir meine Oma erschien,
Entflammt aus der Ahn‘reihen magischem Schwären,
Unfassbar real, seither nicht zu entzieh‘n,
Spür ich ihre Präsenz, nachts im Traum, jederzeit,
Und wenn ich einst geh, steh‘n die Ahnen bereit,
Mich einzubinden in ihrem Geflecht
Von Stämmen, Historie, Familiengeschlecht,
Bis dass ich vollends Ahnin bin,
Dass ein Enkelkind oder Großenkelin
Als spirituelle Verbindung auf Erden,
Meine Seele ruft, wiedergeboren zu werden.

Düsseldorf & das zweitausendeinhundertachtundfünfzigste Gedicht

Blick auf den Rhein von der Düsseldorfer Altstadt

Grundloses Aufatmen

Atmen - Atem - atmen - Atem,
Füllen - Leere - füllen - Leere,
Etwas Angst vor Ungegartem,
Vor dem Schnitt der Wohlstandsschere,

Sog, Druck und Erleichterung,
Fern vom einst erreichten Schwung,
Doch im Schoß entfleischter Süße
Übt das Ebenmaß Tumult
Und bestellt der Schongeduld
Schöngefärbte Grüße.

Herrenhäuser & das zweitausendeinhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

In den Herrenhäuser Gärten von Hannover

Wie hat es dir geschmeckt?

Ein schwärmendes Aroma-„Ah!“,
In dem sich die Urform der Gleichung beweist,
Um die der Planet unsres Menschentums kreist,
Versinkend im Genuss.

Das Kann schwillt an zum Muss
Für eine Geltung immerdar,
Wo jede Papille ihr Fabelreich schmeckt,
Sich fern jeden Abers gen Wohlgefühl streckt,
Zum schwärmenden Aroma-„Ah!“ ...

Skansen & das zweitausendeinhundertsechsundfünfzigste Gedicht

Im historischen Dorf und Freizeitpark Skansen

Eine lyrische Transformation als kuba-schwabinger Übersetzung der Texte der Dichterin Luz de Cuba

Sequero

Osá schlägt die Trommel und Ogbe tanzt so,
Dass Weissagung füllt das Haus von Enlejó
Einen Tag vor der Reise zum Volk von Oyó.

Schlägt Osá die Trommel, tanzt Ogbe dazu,
Sie prophezieh‘n Sekereo, gab’n ihm auch im Nu
Die Order zu opfern. So tat er, deswegen
Kommt alle herbei nun und zählt seine Segen!

Geitauer Alm & das zweitausendeinhundertfünfundfünfzigste Gedicht

Auf der Geitaualm bei Bayrischzell

Aufbruch am Morgen

Wie immerwieder füllt die Luft
Die schlaff entschlackten Lungen,
Entledigt allen Sack-und-Packs
Gewichtelt‘s ungezwungen.

Und wie der Sonne Strahl mich knufft
Und scheint wie neu geboren!
Ich schreite königwärts und wachs‘
In Nase, Aug‘ und Ohren.

Lulu Brentano & das zweitausendeinhundertvierundfünfzigste Gedicht

Das Ludovica-des-Bordes-Brünnchen (Lulu Brentano) bei Wasserlos

Ripostegedicht auf die "Ant-ologie" von Christian Morgenstern

Das alpha-ologische Achtel

A Meise und a Ameise
Bebeten zehn Tsetse-Fliegen
Und murr‘nde DDR‘ler Kreise,
Die seit ehedem eh eh‘r im Elend rumliegen,
Stöh‘n wie aus dem Effeff geäfft,
Dies geh‘ gegen jeglich Gebete-Geschäft
Und sei auch nicht GG-gemäß!
Da wendet mit hartem HaH(ha)! das Gsäß (Gesäß),
Sprengt alle Regeln mit FE (Effet)
DCdiert (dezidiert) verBAmtet (verbeamtet),
Dass a Ameise and an ant
Aufgepeppt vom Happy End
„Alle meine Ant-chen“ singen
Und dabei vollendet klingen.

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