Mole Antonelliana & das zweitausendsechsunddreißigste Gedicht

Blick auf die Mole Antonelliana, dem Wahrzeichen von Turin

Sisyphos unterwegs

Maske, Perso, Impfnachweis -
Irgendetwas vergesse ich immer!
Es stresst mich mein Verschusselfleiß -
Und das wird stetig schlimmer.

Je länger die Liste vergessbarer Dinge,
So bängrer wird mir, dass ich es nicht vollbringe,
Vier Schritte vor das Haus zu geh'n
Und nicht gleich wieder umzudreh'n,
Weil ich, Geld, Handy, Stift oder Tickets vermissend
(und meinen Verstand ob solch Leerstellen dissend),
Fünf Stockwerke rauf muss, zur Wohnung zurück.

Bis ich einst kapier, schier verzweifelnd vor Glück:
"Ich hab meinen Schlüssel ja gar nicht dabei!"

Das wär meine Chance, denn dann wäre ich frei!

Berner Oberländer & das zweitausendfünfunddreißigste Gedicht

Wappentier des Zunfthaus zu Metzgern in Thuner Altstadt

Wenn Boxer dichten: Muhammad Ali

Mit dem Kursvers "Me - we" hat er alles gesagt
(und es hätte auch keiner 'nen Einwand gewagt!).

Turiner Bergkulisse & das zweitausendvierunddreißigste Gedicht

Blick vom Mole Antonelliana, dem Wahrzeichen von Turin

In Italien

In Italien ist Stadt-zu-Sein spürbar viel größer
Und der Boden aus feinerem Stein.
Jahrhundertgesotten als Einflusseinflößer
Entmüht sich das süßere Sein,
Ist jed Geräsuch Teil einer Kleinmelodie -
Und sinnenversonnen erlauschen wir sie.

Die volle Gattung Mensch, sie schwelgt im Bann vergangner Zeit.
Und der Stolz der Gehwegplatten türmt sich zu Erhabenheit.

Spiezer Seekulisse & das zweitausenddreiunddreißigste Gedicht

Am Hafen von Spiez

Nachts@HotelRiviera

Das singende Klimpern im Fahnenmastwald
Umspielt ein verdümpelndes Bootsbauchgeschwapp ...
Und Einsatzbereitschaft scheint in sie gekrallt -
Die wellt auch im nachten Schwall niemals ganz ab.

Seeleingelullt, wird's mir dann schließlich zu kalt -
So schließ ich das Fenster zum Fahnenmastwald.

Fritz Walter & das zweitausendzweiunddreißigste Gedicht

Fritz Walter am Strandweg von Spiez nach Faulensee

In Spiez ('54)

Man beamt als Team mit Spiezer Geist
Sich trittfest an die Spitze meist.

Grimentz Dorf & das zweitausendeinunddreißigste Gedicht

Im alten Dorfkern von Grimentz

Transhumanz (Der Wächter)

Nach dem Lehrer folgt nun auch der Priester dem Tross
Hoch hinauf zu den satteren Wiesen.
Eine letzte Tür fällt mit Geknarr in ihr Schloss
Und der Herr wird noch einmal gepriesen.

Meine Wacht wird der Stachel der Einsamkeit quäl'n
Bis zur Rückkehr von kürzeren Tagen.
Derweil werd ich mir selbst was von Heimat erzähl'n
Beim Zertreten der Saat aller Fragen.

Kaiserkronenblick & das zweitausenddreißigste Gedicht

Blick auf die Viertausender von St. Luc

In den Niederungen der Romantik

"Los, glorifizier uns!", geifern die Gipfel,
Den Ethos des Dichters zu zäumen.
Ich freilich spiel lieber am eigenen Zipfel
Und lock're die Zügel im Heu, man!

Neubautradition & das zweitausendneunundzwanzigste Gedicht

Wohlgemeinte Wohnhäuser in Naters

Schweizer Beton

Schweizer Beton ist der derbste der Derben -
Der brüllt in die Landschaft: "Get ready for sterben!"
Schweizer Beton ist der grauste der Grauen -
Der scheint sich von selbst ständig weiter zu bauen.
Schweizer Beton ist der grellste der Hellen -
Der negiert die geringsten Verwitterungsstellen.
Es lädt solch Beton scheinbar ein zur Bewohnung -
Doch hüte dich vor einer falschen Betonung!

Unsichere Bank & das zweitausendachtundzwanzigste Gedicht

Bank vorm Kunstmuseum Thun

Was wir nicht tun!

Wir verrathen mit keinem Thon, was wir gethan,
Als wir einst als Theenies am Thuner See war'n!

Alpenausrüstung & das zweitausendsiebenundzwanzigste Gedicht

Wandschmuck an der Fassade des Hauses der Großmutter im Dorf Grimentz

Glocken und Schellen

Die Glocke reißt ein und verliert ihren Klang.
Die Schelle verbeult und büßt ein manchen Rang:
Vom Klingeln zum Bimmeln zum Klimpern und Scheppern -
Bis wir sie genervt letztlich gänzlich zerdeppern.

So scheint überall uns zur Auswahl zu steh‘n:
Mit Inbrunst zu kämpfen / in Würde zu geh‘n.

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