Frühnebel & das eintausendzweihundertdreiundvierzigste Gedicht

Frühnebel beim Münchner Flughafen

Requiem

Die Geschichte ist plötzlich verschwunden,
Verteilt auf leere Seiten -
Doch an keinerlei Richtung gebunden
Im Raum sich auszubreiten.

Krumau & das eintausendzweihundertzweiundvierzigste Gedicht

Blick auf Krumau an der Moldau

Reim & Insta

Ich glaube, du könntest auf Insta sehr schön sein!
Es gibt dort entsprechende Filter,
Dass all die ergriffenen Follower stöhn'n ein:
"So sweet, escht! Sin' vollschöne Bilter!"

Die reale Welt bietet nur Ungünstigkeit
Von Winkeln, Momenten und Licht.
Sie zerrt deine Aura zur Unkenntlichkeit -
Ein prosagedrucktes Gedicht.

Aber kundig posiert vor der Linse vom Smartphone
Verwäscht sich die Unförmigkeit der Figur -
Dank Portraitautomatik beglänzet dir zart schon
Feinster Glamsternenstaub deine Hilflosfrisur.

Und glaub' mir, du ließest dich sehr schön bereimen!
Denn gleich Filtern obliegt's mir als Dichter,
Die Grobporigkeit deiner Haut zu entkeimen,
Weichschönend als Wirklichkeitsrichter.

Du siehst, man hat dich falsch geboren -
Du bist zur Schönheit auserkoren!

(Gleichwohl entwertet bald das Bild,
Dass dieses halt für alle gilt.)

Marienklausenrutsche & das eintausendzweihunderteinundvierzigste Gedicht

Bootsrutsche am Marienklausensteg

Viertes vierzeiliges Vielfaltgedicht (Unter den Origamisten ist der Einfältige wenig)

Falls Falzgestalten von filles, die viel falten,
Keine Filigranz erhalten,
Mosern Origami-Mamis,
Dass die Welt doch voll infam is'!

Isarkies & das eintausendzweihundertvierzigste Gedicht

Kiesstrand an der Isar

Drittes vierzeiliges Vielfaltgedicht (Dem, der der Philatelie viele Taler verlieh)

Weil halt viele talentlose Philatelisten
Mal gern ihre Marken mit Macken ausmisten,
Verklappt manch Zackenzähler rare,
Fast makellose Markenware.

Kastanie & das eintausendzweihundertneununddreißigste Gedicht

Alte Kastanie am Horster Hof Heinsberg

Zweites vierzeiliges Vielfaltgedicht (Zu Zeiten, da uns Falten fehlten ...)

Viele altern ohne Falten,
Schockerstarrt vom Botox-Sod.

Gott erhalt' die Schrumpel-Alten -
Die hier seh'n ja aus wie tot!

Horster Hof & das eintausendzweihundertachtunddreißigste Gedicht

Horster Hof Heinsberg

Erstes vierzeiliges Vielfaltgedicht (Wer den Aufprall nicht aufhält, als Abfall hinabfällt)

Viele Falter fielen,
Genick geknickt an Fensterscheiben,
Flatterlos gen Bodendielen,

Wo sie lang noch liegen bleiben.

Späte Wolken & das eintausendzweihundertsiebenunddreißigste Gedicht

Maisfeld in Heinsberg

Die Unerbittlichkeit

Der braungebrannte Krumbelag glänzt letzte Kuvertüren,
Ein zartbrutaler Sommertag lässt Welt das Ächzen spüren,
Am Waldrand ringt sich letztes Bäumen gegen sein Verderben
Und jede Wolke trottet treulich spätzuspät ins Gerben.

Sonnenwende & das eintausendzweihundertsechsunddreißigste Gedicht

18. Juli 2019

Die Vollkommenheit

In die herrlichsten Gärten, die der Sommer beblüht,
Wird das Abendrot sehnend sich senken -
Dort auch im Verdruss oder niederschlagsmüd
An vollkommene Schönheit nur denken.

Adalbert & das eintausendzweihundertfünfunddreißigste Gedicht

Auf der Adalbertstraße in der Maxvorstadt

Der Alp

Ein Alptraum hat sich in das Sofa gesetzt
(und er wird sich nicht weiter erklären),
Hat sich schon zu Mittag mit Zweifeln vernetzt,
Die entzündlich in Platzdeckchen schwären.

Er spricht nicht mit mir, sondern brüllt nur herum,
Kritzelt Skizzen bedrückendster Klarheit.
Doch jedwede Frage belächelt er stumm
Und behechelt den Zugang zur Wahrheit.

Ein Alptraum streckt anmaßend sich in den Raum,
Fläzt sich in die gemütlichsten Kissen.
Noch hält sich die Szenerie halbwegs im Zaum
Und es wurde noch niemand gebissen.

1.234 & das eintausendzweihundertvierunddreißigste Gedicht

Walhalla bei Regensburg

Krumme Jubiläen erlauben krumme Zeilen. Unter Walhalla-Aufsicht.

1.234

Eins, zwei, drei, vier -
Deins weih' vrei' Zier!

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