Umbau & das zweitausendvierhundertdreiundvierzigste Gedicht

Varadero-Museum im Umbau

The House of Ascher (zum Siebzigsten)

Hurtig durchspurtet das House of Ascher
Zum Geburtstagsschmaus: der Pascha.

Er, der oft auf Shows gesichtet
(manch Moment dort abgelichtet),
Folgt dem „Es ist angerichtet!“,
Wird daselbst nun eingedichtet:

Es hilft, nicht erst beim Siebzigwerden
Mittels „Sieb‘s Ich!“ sich zu erden -
Auf dass hehre Nichtigkeiten
Nicht von dem, was wichtig, leiten

Und wir lässig überwinden
Was wir längst schon lästig finden.

Alle Rechte bei Wolfgang Ascher, für den das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden wurde.

 

Ex-Heizkraftwerk & das zweitausendvierhundertzweiundvierzigste Gedicht

Das neue Kulturkraftwerk Bergson in Aubing

Heldenfantum

Joi, bald können auch wir wieder Helden gedenken,
Kränze kredenzen und Mitgefühl schenken,
Den Stolz in die trauernden Heulsusen rammen
Und ausweglos heucheln, hier gäb‘s ein Zusammen.

Denn nie sind es die Söhne der Einsatzbefehle,
Die die Schützengräben düngen.
Nie sind es die Söhne der Uni-Hörsäle,
Die Altersdurchschnitte verjüngen.

Doch wir formen das Wording der Einladungs-Cards
Und wir kümmern uns um das Design.
Wir spiel‘n gern die Liftboys des Ranghöhegrads -
Durchaus offen, doch niemals gemein.

Wir bestatten auch Matsche (wir horten ja Würde),
Beklatschen die Opfer als unsres Volks Bürde
Beim Kränzekredenzen und Mitgefühlschenken -
So vollendet durchregt, wenn wir Helden gedenken.


 

Ten Tage Fürstenfeld & das zweitausendvierhunderteinundvierzigste Gedicht

Gartentage Fürstenfeldbruck

Kleine Eimer

Ein Kleiner Eimer Schwermut
Sich im Augenwinkel hält.
Ich streb nicht mehr gen "sehr gut",
Seit mein Seufzen mir gefällt.

Es locht zwei falsche Töne,
Doch das mindert nicht sein Singen;
Es kennt der Gegner Söhne,
Doch es kentert nicht beim Ringen.

Welch rumpelnder Luxus, gefährdet zu sein -
Ein dumpfes Gefühl lustig werdender Pein.

Und welch eilig Entschluss, diesen loszuwerden -
Er kann (freilich: muss) unser Dasein bloß erden.

Ruhrpottglühen & das zweitausendvierhundertvierzigste Gedicht

Blick von Überruhr auf Essen-City

Marshallpläne

Mit Aus-der-Zeit-Gefallenheit
Respekte einzufordern,
Aus überfühltem Krallenneid
Gleich Bergketten zu ordern,
Den Einbahnstraßenschildern
Der Veränderung zu trotzen,
Nach maßverirrtem Wildern
Mit Trophäen rumzuprotzen
Und der geschenkten Gäule Zahngold
Unverzollt zu horten? -
Hast, Witzbold, lang genug gehowlt
Als Sprössling bess'rer Sorten!

Planst, alle Möbel dieser Stadt
Zurückzurecht zu rücken
Und jedes aufgeschlag'ne Blatt
Mit Post-Its zu bestücken?

Wirst colt-bereit am Einfahrtsgleis
Den Sheriffstern polieren -
Und jeder "You're too old!"-Beweis
Wird dich nicht interessieren.

Federfuß & das zweitausendvierhundertneununddreißigste Gedicht

Blässhuhn am Karlsfelder See

Rollenwechsel

Heut bin halt ich mal Publikum,
Drum schalt ich mich plus Handy stumm.

Küstenlinie & das zweitausendvierhundertachtunddreißigste Gedicht

Varadero Beach

Theoretisch abstürzen

Wie viele juveniler Räusche
Hab ich nach Dammbruch ausgekotzt?
Achtzig (wenn ich mich nicht täusche) -
Wild aus Aug und Maul gerotzt.

Nicht brutal oft, auch nicht wenig,
Und höchst selten gilt: Ich sehn mich
Nach der Zeit zurück - der Non-Stops,
Jägermeisterrunden, Headshots,
Einspritzer im Trinkspielwahn,
Konterbier im Mittagstran ... -
Da ich mich der Sechzig näh're
und mir gruselt jetzt, ich wäre
Nochmals so vom Rausch gepfählt.

Hab drum vieles abgewählt.

Doch ich spür nun, auch ohne ins Tun zu versinken:
Heute ist so ein Tag, hey, zum richtig Betrinken!

Alle Rechte bei Ute Kratzer, die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden hat.

Einzigartig & das zweitausendvierhundertsiebenunddreißigste Gedicht

Ein Strandzugang von Varadero Beach

Das Rind als Löwenanteil

Dass Kühe ständig fressen,
Indes der Löwe meistens ruht,
Bewegt die Frage: Wessen
Gewissen schlürft hier ruhig Blut?

Und wie wird Friedlichkeit belohnt,
Wenn über ihr ihr Leiden thront?

Poolsnack & das zweitausendvierhundertsechsunddreißigste Gedicht

Antillengrackel mit Beute

Pro Probieren

Mein verpanikter Blick in Speisekarten
Flickt sich zäh sein Menu. Wie lang wird der Wirt warten?
Immer gibt es dort Worte, die mir nicht bekannt,
Ich berechne die Werte, die rechts lauernd am Rand -
All das drängelt in meine Entscheidung mit rein,
Bis zur drohenden Frage: "Was darf's denn dann sein?"

Das Spielfeld zu groß und die Felder zu zahlreich -
Den Einsatz verlier'n durch die flascheste Wahl? Leich-
ter wär's mit der Einsicht, dass man noch entdeckt

Und nicht vorab wissen kann, was uns noch schmeckt.

Böig auffrischend & das zweitausendvierhundertfünfunddreißigste Gedicht

Varadero Beach nach stürmischer Nacht

Kurzode an das Langzeitgedächtnis

Wenig lässt sich wiederholen,
Vieles lässt man besser ruh'n.

Vieles lässt sich wieder holen,
Wenig lässt dich besser ruh'n.

A Ent Orange & das zweitausendvierhundertvierunddreißigste Gedicht

Im Parque Josone, Varadero

Gefühlte Übersetzung von You'll never walk alone

Fänd ne Wahl für uns statt
Was uns Herzenswunsch sei
Neben WLAN und Handy-Vertrag

Ätz nicht rum, doch bleib stur
Dass ne Handvoll Korn reicht
Als der Sold für uns pro Tag

Vollkorn heißt Gewinn'n
Weil Korn wächst an Ähr‘n
Wir sind nicht konsumverdorb‘n

Weil Korn, weil Korn
Ob im Brot, ob als Schnaps
Es gefällt uns Volk als Lohn

Es gefällt uns Volk als Lohn

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Frank Klötgen - Post Poetry Slam - immer frische Gedichte & Fotos RSS abonnieren