Kloster Strahov & das sechshundertdreiundneunzigste Gedicht

Kloster Strahov

Das gilt insbesondere für Dich, Pauline!

Eh der Efeu Feuer fängt
Und lodernd überm Boden hängt
Eh dort Feen lebendig garen:

Bändigt ständig Brandgefahren!

Im Reichstag & das sechshundertzweiundneunzigste Gedicht

Berliner Reichstag

Dem dolcen Feudel

Per Schlange fädelt man sie ein
Metalldurchdoktort komm'n'se rein
Von Luftboys werd'n'se aufgezogen
Verwendelt und im Schritt gebogen
Kreisenhaft aufs alte Haus
Kaum sind'se drin, schon schau'n'se raus

Vom Reichstag verkuppelt
Janz eene Wolke

Trau'n zu, dass der Bau hält:
Dem deutschen Volke

Der Berliner Neptunbrunnen & das sechshunderteinundneunzigste Gedicht

Der Berliner Neptunbrunnen

Nichtstun und Neptun

Um mich vom Nichtstun auszuruhn
flaniert' ich heut zu Neptuns Brun'n

Kandiert von Kalk und Grünspans Zier
hockt ungeduscht im Muscheltier:
Neptun. Und wartet aufs Waten im Zufluss
(man weiß nich', wassersonsso als Wassermann tun muss ...)
spricht ein Machtwort an die Kinder, die sich um ihn gruppieren
"Nich' Schuppen hier – die überlasst ihr den Tieren!"

Vom Erdgeschoss her reckt sich ringsum Reptil:
Schildkröt', Schlang' und Krokodil
Fehlt zoologisch noch 'ne Echse
Dann guck'se nach und wat entdeck'se?

'n Seehund. Hinterm Neptun und
denks': Was'n da der Hintergrund?
und andrerseits: Is' doch mal schön –
so ohne Grund 'n Seehund seh'n!

Einmal um Neptuns Brunnen rennen
kann man nu' auch nich' Nichtstun nennen
Ich wünsch' (mein Tagwerk ist erbracht)
'ne schlecht gereimte Gute Nacht!

Unterm Fernsehturm & das sechshundertneunzigste Gedicht

Unterm Berliner Fernsehturm

Ripostegedicht zu Ricarda Huchs an ihren Jugendschwarm und Cousin Richard gerichtetes "Liebesgedicht" (Geschwister sind sich alle schönen Dinge).

Never trust a Lovepoem

Cousiniert sind sich alle Dinge, die schön sind
Das verstimmte schon früh manch Instrument
Weil man sich für das Aneinandergewöhn'n, Kind
Schon vom Start weg zu gut kennt
Ein Notenblatt bewahrt sich nur seine Verheißung
Wenn dessen Lied bleibt ungespielt
Beschau Dir die Noten, doch bau keinen Scheiß, Jung
Wenn sich wer per Reim als Geheimnis empfiehlt

Pragtotale & das sechshundertneunundachtzigste Gedicht

Liebe

Es gibt Dinge, die lassen sich nicht wiederholen
Es gibt Dinge, die bleiben für immer gestohlen
Es gibt Dinge, die lernen sich nur über Narben
Du darfst dies und alles - auch unbegrenzt - haben

Karlsbrücke & das sechshundertachtundachtzigste Gedicht

Karlsbrücke Prag

Auf der Karlsbrücke

Küssen
Zu Müssen
Is
Gewiss
Die Schönste aller Pflichten
Schön sind auch: Geschlechtsverkehr
Die Schlemmerei, das Dichten

24 Kronen & das sechshundertsiebenundachtzigste Gedicht

U-Bahnstation Prag

Es ist wie es ist

Ich spie in den Spiegel, geltungsbedürftig
Doch flirtend mit dem Abbild schlürft' ich
Alle Rotze wieder ein

Und trotzt' nie mehr dem Widerschein

Kampa Pinguine & das sechshundertsechsundachtzigste Gedicht

Pinguine Museum Kampa

Vor- und Zubereitung

Koch ich einem Pinguine
Eine Topf voll Linguine
Poch ich bei King Ludwig an
Wo man Seien leihen kann

Pražský hrad & das sechshundertfünfundachtzigste Gedicht

Blick auf die Pražský hrad

Späte Gedanken

Mir bleibt nicht die Zeit, diese Tat zu vollbringen
Schon liegt sie neben meiner Hand
Und die Extremitäten, die einst sich verfingen
Sind längst im Furor ihres Willens verbrannt

Nun hält sich die Ebbe der Unaufgeregtheit
In den Knöcheln zerschmelzt das Gelenk
Es scheue euch nicht, die ihr noch unentwegt seid
Dass ich all der Zeit als "vergangen" gedenk

Einen Plan aus den alternden Händen zu geben
Gemahnt mich an die beendeten Leben
Denen ich den Respekt einst aus Habgier versagt
Was mir als dem Nächsten nun nicht mehr behagt

Dies Endlich-an-der-Reihe-Sein
Es reiht sich einer Serie ein
Von neuer Glut auf altem Mut
Durch Zeit, die bald verloren tut

Most Legií & das sechshundertvierundachtzigste Gedicht

Most Legií

Gaslight

Die Dämmerungswärme der Straßenlaternen
Gilbt sich über Brücken in streunende Gassen
Es befähigt zum Ära und Aura Erlernen
Entgangenen Zeiten ins Antlitz zu fassen
Und jedem Laut stiehlt es die harten Facetten
Und befiehlt der modernen Welt nichtig zu sein

Es wird eine steinalte Nacht in sich betten
Als ein ewig ins Früher gerichteter Schein

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