Im Weissen Hasen & das eintausendvierhundertsechsundsiebzigste Gedicht

Treppenhaus im Hotel Weisser Hase Passau

Verbrieftes

"Gut gelaufen, Träger!", rief ich,
Da sein Liefern weiter lief.
Denn ein Lob des Boten schickt sich -
Sehr geschickt war auch sein Brief!

Pullinger Weiher & das eintausendvierhundertfünfundsiebzigste Gedicht

Am Pullinger Weiher

Gesichtsrichtlinie

Allgemein gilt im Gesicht:
Eine Mund- und Nasenpflicht.
Dies schließt ein - will sie was taugen:
Zwei - auch gern umbrillte - Augen.

Zum Isarkanal & das eintausendvierhundertvierundsiebzigste Gedicht

Brücke über den Isarkanal bei Unterföhring

Korridore

Steh'n wir wirklich schon wieder vorm selben Problem,
Vorm erneuten Versuch einer Klage
Mit den Klonzellenspielchen vom x-ten Poem -
Und stell'n nicht den Sermon infrage?!

Wir - die kein Zeichen der Lösung erlöst -
Schimpfen unverwandt stur auf die Täter
Mit dem Vorwurf, in dem die Genügsamkeit döst,
Dass sich alles bestätigt im Später.

Und dann steh'n wir noch immer vorm selben Problem -
Alle Wahrheit scheint chronisch erlahmt.
Wir umschwärmen von hinten das gleiche Extrem,
Fern vom Spektrum, das restlos verarmt.

Buschhuhn & das eintausendvierhundertdreiundsiebzigste Gedicht

Huhn im Kleintierzoo vom Stadtpark Erding

Ein Ripostegedicht auf "Es sitzt ein Vogel" von Wilhelm Busch.

Es sitzt noch ein Vogel

Es sitzt ein Vogel im Lockdown
Und mag sich nicht nach draußen trau'n.
Ein Kater hält den Abstand ein,
Fällt nicht auf diesen Braten rein,
Hält Appetit in Zaum und Zügel,
Weiß: "Solch Schnellimbiss verleiht rasch Flügel!"

Denn es krächzt, was vordem quinquilliert,
Es hustet, sprotzt - wohl infiziert? -
Es ward der Vogel mit Humor,
- bei Busch noch so fit! - ranzig.
Mir scheint, der Vogel greift hier vor
Und hat schon Covid 20.

Love/Hate & das eintausendvierhundertzweiundsiebzigste Gedicht

Love/Hate-Skulptur am Landesmuseum

Säumiges

Ach, ich gewahrte viel zu spät:
War heut glatt ohne Schreibgerät
Zum Dichten aufgebrochen!

Schon kam da angekrochen:
Ein lang vermisster Geistesblitz -

Den in Ermanglung an Notiz
Ich bis zu meiner Rückkehrstund
(als bloß vom Glück bescherten Fund)
Ins Hirn mir tätowierte,

Derweil ich stur flanierte -

Im Kopf nur diese eine Zeile
Nebst meinem Willen, diese heile
Noch zu Papier zu bringen.

Es sollte mir gelingen.

Doch der Vers, den ich brav hab behalten für Stunden,
Wurd' dann schon recht bald für nicht tauglich befunden.

Sein wahrer Wert war offenbar,
Dass er so sehr gefährdet war.

Zweite Stammstrecke & das eintausendvierhunderteinundsiebzigste Gedicht

Bauarbeiten an der zweiten Stammstrecke in München City

Slaughterhouse

Ich steck dir noch 'nen Zweig ins Maul,
Dann bist du für mich Fleisch.

Zum Gruseln bin ich längst zu faul -
Erspar mir dein Gekreisch!

Der Schrecken der Maschine hat
Auch eine reine Seite,
Zerstäubt das Du, bakterienglatt,

Bis ich's mir zubereite.

Berliner Tümpelreiher & das eintausendvierhundertsiebzigste Gedicht

Reiher in Zehlendorf

Auf Hirschpirsch

Auf Hirschpirsch weile ich an Weihern,
Wo reihenweise Reiher reihern.
Hier schrei ich: "Au weia! Beim Reihergespeie
Verleidet's mir Weiher wie Hirschtiergeweihe!"

Waldsee Zehlendorf & das eintausendvierhundertneunundsechzigste Gedicht

Spiegelungen im Waldsee in Berlin Zehlendorf

Die Grauen (wenn's jauchzt am See)

Im unverdienten Haus im Grünen
Grienen all die Erbschein-Hünen,
Reich beferkelt von den Bachen,
Die so herzergreifend lachen,
Wenn dem Herrn ein Witz gelingt

Und ein Borstenblitz durchdringt
Hehr schwerstgrau das Grüne

Um Blagen, Braut und Hüne.

Schweinebucht & das eintausendvierhundertachtundsechzigste Gedicht

Schweinebucht bei Übersse am Chiemsee

Partyerwachen

Die aufgekratzte Stimmung war
Am Morgen schon verschorft,
Da späten Glucksens Immerdar
In neues Elend morpht.

Verdampfte Ausgelassenheit
Macht Kopfverbände klamm,
Bis jemand "Nicht zu fassen!", schreit,
"Ich hau die Brut zusamm'n!"

Wenn Übermut im Unterschaum
Mit Scham sich arrangiert,
Fühl ich im fortgewünschten Raum
Mich sichtbar bandagiert.

Olympiasee & das eintausendvierhundertsiebenundsechzigste Gedicht

Fauna im Olympiasee

Der Verweigernde

Wenn die Krise sich brav vor der Hoffnung verneigt,
Ist der Teilrückzug längstens beschlossen.
Doch dein Schicksal hat wieder mal alles vergeigt,
Frönt nostalgisch den kalkigen Possen.

Du bist eigentlich Opfer vergangener Zeit,
Doch dein Leid biestert schwungvoll ins Heute.

Jeden Währungsverlust nennst du Aufrichtigkeit
Und betonst, dass sie dir was bedeute.

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Frank Klötgen - Post Poetry Slam - immer frische Gedichte & Fotos RSS abonnieren