Bratislava & das zweitausendvierundneunzigste Gedicht

Blick auf Bratislava vom UFO

Lässiges Bratislava

Im Verlangen nach baren Besonderheiten
Entleert sich von Schiffen die Menschenfracht,
Hastig füllen sich die Speicherkarten
Mit den spürlichsten Spuren vergangener Zeiten.
Verwehrt bleibt das Ständchen geschliffener Pracht:
Zu unterjustiert
Harrt, was interessiert,
Lädt ein, nicht zu viel zu erwarten.

Förchensee & das zweitausenddreiundneunzigste Gedicht

Blick über den Förchensee bei Ruhpolding

Im Endspurt des Streunens

Nirgends zuhause
Und doch nichts vermissend.
Mir zeigt sich jed Bau
Fundamenteunwissend -
Und ich zeig entsprechend zurück!

Zeichen vertrauend,
Scheint Suche mir lässlich.
Ein endloser Stau
Potenziert sich ins Grässlich -
Derweil ich die Zeit überbrück.

Wann ließ das Verlangen vom Glück?
Und was bestimmt, was man vergisst?
Fernab vom Traulich,
Nirgends zuhaus: ich -
Leider auch nirgends vermisst.

Santiago de Cuba & das zweitausendzweiundneunzigste Gedicht

in der Altstadt von Santiago de Cuba

Santiago de Cuba (von der Rooftopbar betrachtet)

Santiago klingt wie ein Verbrechername,
Nach 'nem Schurken mit reinem Gewissen.
Der verkneift sich die Schimpfwörter vor einer Dame -
Die Manieren nicht vollends verschlissen
Und im Innern die Sehnsucht nach schöngeist'gem Leben,
Nach Porch, Poesie und Pompon,
Im Schoß eines Lichts, das sich müht zu vergeben,
Wenn Läuterung bricht den Kokon.

Der Schwitzkasten früherer Notwendigkeiten
Verrohte gewöhnlich den Ton.
Mag Santiago auch niemand zum Tisch mehr geleiten,
Versöhnt man sich mit seinem Sohn.

Che's Choco & das zweitausendeinundneunzigste Gedicht

Die Che Guevara Schokoladenfabrik bei Baracoa

Ripostelied auf "Hasta Siempre Comandante Che Guevara"

Komm, Mandant, eh die Gefahr naht!

Du fühlst dich schwach, allein und wehrlos? - Werd mein Mandat, ey!
Und alle rings um dich sind ehrlos? - Werd mein Mandat, ey!
Das wiederholt sich immer wieder?
Nun hebt dies Lied dir deine Lider ...

Da mir als Anwalt schnell klar ward:
Du bist verängstigt, hey, du flennst ja!
Entflieh den Pranken der Gangster -
Komm, Mandant, eh die Gefahr naht!

Füttert man dich mit blauen Bohnen? - Werd mein Mandat, ey!
Und droh'n Verrohte dir mit Drohnen? - Werd mein Mandat, ey!
Scheint dir dein Dasein so betrüblich?
Denk nie, das sei vielleicht so üblich.

Da mir als Anwalt schnell klar ward:
Du bist verängstigt, hey, du flennst ja!
Entflieh den Pranken der Gangster -
Komm, Mandant, eh die Gefahr naht!

Lud man dich ein zu einem Blutbad? - Werd mein Mandat, ey!
Du findest nicht, dass dir das gut tat? - Werd mein Mandat, ey!
Weißt nicht, was soll die Blutung stillen?
Wird alles gut, Jung, kannst jetzt chillen

Da mir als Anwalt schnell klar ward:
Du bist verängstigt, hey, du flennst ja!
Entflieh den Pranken der Gangster -
Komm, Mandant, eh die Gefahr naht!

Du bist ein ständig Überhörter? - Werd mein Mandat, ey!
Trotz aller Wendigkeit Zerstörter? - Werd mein Mandat, ey!
Wenn das Verfahr'n verfahren ausschaut
Bau drauf, dass dich da einer raushaut!

Mitter- und Lödenseepassage & das zweitausendneunzigste Gedicht

Der Übergang von Mitter- zum Lödensee bei Reit im Winkl und Ruhpolding

Verlust & Stolz

Die wieviel größte Sünde
Ist die schnöde Vorhersehbarkeit?
Sie stößt dich ab in Gründe,
In die Ödnis verlorener Zeit.

Den Countdown deines Lebens
Macht umgähnte Zeit doppelt bewusst.
Im Dunkel inn'ren Bebens
Überschlägst du bereits den Verlust.

Du sprichst zurecht den schuldig,
Der Vorhersehbarkeit brät zur Pein.

Verbleib mit Stolz geduldig -
Ein Zuviel an Beschwerde macht klein!

Weitsee & das zweitausendneunundachtzigste Gedicht

Am Weitsee zwischen Reit im Winkl und Ruhpolding

Was Paradiesvögel singen

In den Randbezirken von Paradiesen
Läuft man barfüßig über den Schnee,
Man kikerikit reine Lautexpertisen
Und tränkt mit Daiquiri den Klee.

Ich weiß, Spatz, du wirst dies als gestrig schelten -
Du schätzt Freiheit alleine aus Not.
Hier schält sich die Regel vom Zwang frei, zu gelten -
Und du hast hier Redeverbot!

Palmenrindenhintergrund & das zweitausendachtundachtzigste Gedicht

Palmenstamm am Strand von Varadero

Niederschwellig grinsen

Vom Gerade-so-viel
Übers Klein-aber-fein -
Der Weg ohne Ziel
Kann der lohnendste sein.
Was niemand erwartet, mag glücklich sich fügen
Zum Schmuckstück, zum Kleinod aus reinstem Vergnügen

Kampfhähne & das zweitausendsiebenundachtzigste Gedicht

Frisch rasierte Kampfhähne in Las Terrazas

Grenzen (Update für die Aufgestaut-Fahrgastrechte)

Ziert sich hier wer, uns zu parieren,
Werd'n wir massivstens einmarschieren!
Krakeelt dann auch die Welt - was soll's?!
Was zählt, ist einzig Buslands Stolz!

Trinidad & das zweitausendsechsundachtzigste Gedicht

Blick auf den Plaza Mayor von Trinidad

Trinidad (ich muss dich lassen)

Es prägt das Städtchen Trinidad
Der maximal mögliche Sättigungsgrad
Eines Ortes bezüglich Musik
(und das macht man auch zügig publik).

So tönt im Städtchen Trinidad
Ein scheinbar unbändiger Band-Apparat
Sein Guantamemuchachandante
(und improvisiert durchs Bekannte).

Man lässt das Städtchen Trinidad
Nie, wie man's zu Beginn betrat,
Da das Wippen im Fuß sich noch hält
(selbst wenn längst wieder Schneeregen fällt).

Honigküste & das zweitausendfünfundachtzigste Gedicht

Küste zwischen Guantanamo und Baracoa

Baracoa

Schon bei Eintritt ließ sich erfühlen:
Hier sehr viel zu kurz zu verweilen.
Nur einmal die Kissen zerwühlen,
Dann Wohlfühlmomenten enteilen.

Und doch als Ziel mir mitgenommen:
Noch mal. Mit Zeit. Zurück zu kommen.

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