Ententeich Mönchgrün & das eintausendachthundertelfte Gedicht

Ententeich in Mönchgrün

Herzschritttänze

Jeder Ort verbirgt eine Paartanzenklave,
Die ist nicht mal Einheimlichkeiten bekannt,
Dort ist manch bekennender Schrittfolgenskalve
In gänzlich zerrüttende Rhythmen entbrannt.

Hier stellt sich dein Herzschlag dem Takt der Musik,
Manövrierend ums Wörtchen Erregung.
Der Form halber flötet man "très sympathique!" -
Doch es geht um Bewegung, Bewegung.

Bahnhofswand & das eintausendachthundertzehnte Gedicht

Am Essener Hauptbahnhof

Von Sternmustern

Von Sternmustern, die sterben mussten,
Hab gestern ich im Stern gelesen
Und streng mich musternd mutgemaßt:
Ich bin es nicht gewesen!

Borsteiefeu & das eintausendachthundertneunte Gedicht

Fassade der Borstei München

Letzte Hoffnung Mutter

Wenn Ungemütlichkeiten
Das übel überschreiten,
Was wir simplen Gemütern
Noch zumuten würden,

Soll'n Mütter uns geleiten,
Der Blümchen Güte Weiten
Als künftig zu spüren
Im Jenseits der Bürden,

Um fort uns von Gütern
Der Phython zu führen.

Haus der Technik & das eintausendachthundertachte Gedicht

Fassade vom Haus der Technik in Essen

Die Stützpfeiler

Wir schürfen am Schuldenberg Nicht-Unterstützter,
Der Schutthaufen wächst, nebst der Frage "Wem nützt'er?",
Ein Antwortversuch lautet: "Fünftausend Meter!"
(zunächst mal vernünftig, erläutert wird's später ...),
Uns selber entlastet's rund Achttausendmal.

Alles hat einen Grund. Und der Grund ist egal.

Bahnhofstaube & das eintausendachthundertsiebte Gedicht

Am Essener Hauptbahnhof

Rätsel der Wunde

Ich werd das Rätsel dieser Wunde
Wohl doch nicht mehr enthüllen,
Exakt aus diesem Grunde
Einen Pflasterstein zerknüllen,
Um erste Brände zu verkleben.

Ich grüß auf halbem Weg das Leben
In bald erlernten Sprachen
Und wate durch die Lachen.

Ich schmeiße nach der Grundsteinlegung
Dann doch wohl keine Runde,
Ertrage ohne Regung
Die Verpflegung meiner Wunde -
Sie mag sich noch entzünden.

Ich werd's nicht mehr ergründen,
Doch lernte zu entscheiden,
Nicht mehr daran zu leiden.

Lavandula & das eintausendachthundertsechste Gedicht

Garten Lavendel

Benimmregel

Halt dich an Verhaltensweisen,
Die dich fair und weise preisen!

Nachbarbaum & das eintausendachthundertfünfte Gedicht

Blick vom Balkon meines Elternhauses in Essen Überruhr

Bei Abreise

Vielleicht doch noch ein weiteres Souvenir?
Beratschlagen Urlaubsvoyeure.
Schon purzelt der Farbüberschuss aus dem Hier
In die Trauer, dass man ihn verlöre.

Was dennoch unvermeidbar ist,
Denn baldigst sinkt man, endlos trist,

In charmefreie Temperaturen.

Verlor'n der Geschmack aller Spezialität,
Verwischt des Aromenrauschs Spuren,
Da Alltag so siegesgewiss nach uns späht
Im Diktat ewig endloser Suren.

So kappt eine Wiedererblindung
Den Widerstand neuer Verbindung.

St. Schwabing & das eintausendachthundertvierte Gedicht

St. Ursula in Schwabing bei Nacht

Druckausgleich

Drängt ein Grund, flugs rumzuhasten?
Lenkt den Druck auf Schlummertasten!

Künstlerhaus München & das eintausendachthundertdritte Gedicht

Bühne und Saal des Künstlerhauses München

Sehschwäche

Täglich öffnete ich meine Augen
Als Chance, das Leben zu seh'n,
Die Sachverhaltflut aufzusaugen,
Um nie wieder misszuversteh'n.
Mir schien keine Sättigung möglich zu sein
Und was mir begegnete, maß ich mir ein.
Erst später entdeckte ich Streit.

Heute kürze ich mir die Rationen
Und wünsche, dass Skepsis mich führt,
Betrete vertretbare Zonen,
So wie's meiner Reife gebührt.
Und jedesmal zieht es die Stirne mir kraus,
Verlasse ich ohne mein Wohnrecht das Haus.
Kein Tag geht vorbei ohne Neid.

Chiemseesegel & das eintausendachthundertzweite Gedicht

Im Tretboot bei Übersee am Chiemsee

Ansichtskarte

Ein von Seglern sehr gerne besegelter See
Ein von seltenen Egeln gesegnetes Reh
Ein von geltenden Regeln vergebener Fehl
Ein von Ferne zu sehendes Festklebe-Gel
Ein von Keglern erbetenes Käsebrot
Ein von Flegeln geentertes Segelboot

Seiten

Frank Klötgen - Post Poetry Slam - immer frische Gedichte & Fotos RSS abonnieren