16 Knopfverdoppelung & das achthundertsechzigste Gedicht

Ruhpolding Kirche

Häuptling 2.0

Das Anlernen unsrer Novizen
Als Aufwärmen künft'ger Komplizen
Ist Feilen am eignen Verderben

Wir teilen im unfeigen Geben
Zu früh mit den Strebern das Leben
Und haben dann nichts zu vererben

15 Blaugezüngel & das achthundertneunundfünfzigste Gedicht

Ruhpolding Windbeutelgräfin

Gerätelogik

Ich drücke diesen Schalter/Knopf
Zerr so an 'nem alten Zopf

Und etwas funktioniert

Tut's das nicht, klag ich. Doch klopf'
Mir den Zweifel aus dem Kopf

Bin so instruiert

14 Sonnenblumenbrummen & das achthundertachtundfünfzigste Gedicht

Ruhpolding Frühlingsblüte

Lehrerinnen

Ach, all die süßen Lehrerinnen!

Die mich einst komplett von innen
Vorteilhaft gen klug gepimpt
Erklärt, wie ein Gedanke stimmt!
Die, gleichwie wie nah wir uns kamen
Doch immer erschienen als ältere Damen

Ich kann ihr So-knapp-um-die-30-rumschleichen
Erst heute als schmackhafte Beute begreifen
Aber sie hab'n die Kluft gleich als füllbar gecheckt
Mit all ihrem Wissen, das tief in mir steckt
Und sie formt von einst kindlich zu reiflich Verehrten

Vielleicht war es das, was sie eigentlich lehrten

13 Goldkarpfen & das achthundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Ruhpolding Bahnhof

Die Camper

Hast du noch das Igluzelt
In dem wir auf Festivals schliefen?
Die Spannseile einer vergangenen Welt
Die auch nach Vergangenheit miefen?

Uns hat's seither in mancherlei Richtung gezogen
Wir hab'n leichtfüßig letzte Ideale betrogen
Doch nie unser Faible fürs Camp Nostalgie

Hast du noch den Aufbau drauf?
Und wie lang kannst du das noch bewahren?
Wie weit gelangt dein Lebenslauf
In den Taumel von früheren Jahren?

Höchste Zeit, jenen Sack auf den Inhalt zu checken
Mit Verbliebenem rasch unsren Platz abzustecken
Was wir jetzt nicht markieren - das gab es auch nie

12 Querwasser & das achthundertsechsundfünfzigste Gedicht

Schadlose Tat

Da ist schon Gewalt, wenn sich unangesprochen
Nasses Laub auf Befangenheit legt
Da kommt jede Ahnung als Angst angekrochen
Und wird auch beständig gepflegt

Die gut Situierten und anmaßend Rohen
Sie sippeln an Smoothies aus wortlosem Drohen
Und ihr Schweigen spricht: Füg dich, sonst mach ich dich kalt!

Eine Tat ist nicht nötig, da ist schon Gewalt

11 Denkverhinderung & das achthundertfünfundfünfzigste Gedicht

In den Isarauen

Das Gären

Unterm asphaltischen Wegekonstrukt
Regt sich verbotenes Denken
Noch halten die Mägen, die alles geschluckt
Noch kann man es ungestört lenken

Doch

Über kurz oder lang lässt sich's nicht mehr verdecken
Denn es bläht und es furzt schon aus allerlei Ecken

10 Flaschenglasgrün & das achthundertvierundfünfzigste Gedicht

In den Isarauen

Die Alkoholleiche

Es war'n in meinem Fall sowohl
Aufprall als auch Alkohol
Mit im Spiel
Als ich fiel
Abgrundtief
Verstarb und schlief
Bald umwallt
Von Grabschlundmief

9 Durstvergleich & das achthundertdreiundfünfzigste Gedicht

Wasserburg am Inn

Nuancen des Neutralen

Steter Tropfen streunt durch Höllen
Eulen werden zu Gewöllen
Letzte Haut welkt nackt und blasser
Fäule im Geschmack vom Wasser

Am End wird der Zweck jeder Wanderung sein:
Der Weg in die Härte vom andren Gestein

8 Kerbchenkalender & das achthundertzweiundfünfzigste Gedicht

In den Isarauen

Von Kerben

Stärke trägt stets die Option von Gewalt
Wie 'ne nicht ausgefahrene Klinge

Doch in meinem Sparbuch steht, dass ich noch kalt
Von Schwäche als Luxusgut singe

7 Zahlenzirkel & das achthunderteinundfünfzigste Gedicht

Josephsplatz München

Nächtlicher Aufbruch

Nimm die Feindseligkeit deines Bettes
Um sie als Alarm zu gebrauchen
Um in neuen Armen zu rauchen
Für im Anderen anders Komplettes

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