Städte

Gedichte über Städte und Städtenamen.

Chemnitz & das hundertvierundfünfzigste Gedicht

Chemnitz

Und nun wirklich: Chemnitz.

Geheimnisvolles Chemnitz

Als ICE-Halt abgeprallt
Umgeben von diffusem Wald
Liegt Chemnitz da, man weiß nicht wo
Nicht, wie's dort ausschaut - sowieso

Ach, Fremder, solltest nicht erwarten
Dir würde man nun mehr verraten
Es raunt die Stadt geheimnisvoll:
"Ja, is' hier wirklich nich' so toll!"

Denn würde man
Mal irgendwann
Was Chemnitz' Reize bieten, zeigen
Würd'n zeitnah auch die Mieten steigen

So hüllt man Insel, Park und See
Im Schrecken vom Betonklischee
Mit leergepafftem Schornsteinschlund
(Scheint einer auch entwaffnend bunt)
Gilt gern als "Bäh!" und dankt der Welt
Dass nie ein ICE hier hält

Kämmnix & das hundertdreiundfünfzigste Gedicht

Chemnitz

Dass Glatzköpfigkeit nie ohne Faschokonnotation auskommt - dabei würde ich das gerade in diesem Text ausblenden wollen. Denn Chemnitz ist vor allem Pinguinstadt.

In Chemnitz

In Chemnitz gibt es nichts zu kämmen
Wer würde dort auch viel erwarten?
Denn gut rasierte Schädel-Bemmen
Die halten nix von Kammsportarten

Kufstein & das hundertneunundzwanzigste Gedicht

Festung Kufstein

Zum Abschluss der Non-Stop-Reiserutsche in Kufstein gelandet.

Absage an Neapel

Es wird wohl in Kufstein
Niemals der Vesuv spei'n
Würd's auch für den Ruf ein
Unglaublicher Move sein

Nach reiflicher Prüfung hat man sich hienieden
Dann doch für 'nen andren Derberge entschieden

Falkensee & das hundertsiebenundzwanzigste Gedicht

Silhouette am Bahnhof Falkensee

Nach dem Abflug um 6:30 Uhr von Helsinki Zwischenstopp und Auftritt in Falkensee. Weiter ging es dann nach Essen. Zum Auftritt. Und um zwei Uhr auf den Zug gen München, wo ich um 8 Uhr eintraf. Einer 24Stunden-Reportage würdig.

In Falkensee

Ob ich nun nackt im Balkan steh'
Ein Schaf anpack' in Falkensee
Bei 'ner Attacke Hulk anfleh'
'Ne Kalkwand wacker schwarz bestreiche -
Es ist am Ende eh das Gleiche!

Da hör' ich euch den Einwand schrei'n:
"Das kann doch nicht das Gleiche sein!?"

Nun, wenn ich da noch etwas einschränken darf:
Nichts war so weich wie das Fell von dem Schaf

Sanssouci & das siebenundneunzigste Gedicht

Potsdam Schloss Sanssouci

Am Folgetag durch Potsdams Park ...

Sanssouci (Stadtführungsalternative 2)

Potsdams Park Sanssouci wurde kurz nach der Wende
In nur 68 Jahren erbaut, liebe Jäste
Und nebst all den Jebäud'n hier oof'm Jelände
Zum Jedenken an die Studentenproteste
Nach Benno Ohnesorg benannt
Ditt is' den meesten nich' bekannt!

Potsdam & das fünfundneunzigste Gedicht

Kolonie Alexandrowka

Potsdam. Flaneurpromenade meiner Berliner Zeit. Aber zu viel Idylle reizt auch. Selbst in der Kolonie Alexandrowka.

Nichts Schlechtes über Potsdam

Du nennst dich selbst nur Nachgeburt
Gesäßabszess und Randgewächs im hehren Glanz Berlins
Du, liebes Potsdam, richtest dich
Fatal brutaler, radikaler als du, Potsdam, es verdiens'
Schimpfst dich verzog'ner Kinder Stube
Und Möchtegerners Jauchegrube
Sag, glaubst du, Potsdam, selbst den Mist
Dass du statt Stadt nur Kotzkram bist?

Da schaut die Stadt mich an und klagt:
"Das hab ich alles nie gesagt!"

Wie bitte? Stimmt. Das war ja ich
Na, wie gesagt, es stimmt ja nich'!

Erfurt/Jena & das einundachtzigste Gedicht

Zitadelle Petersberg

Jena war mal ICE-Paradies. Doch die Stadt wurde abgekoppelt zugunsten der stets gerne in allem bevorzugten Landeshauptstadt Erfurt. Nun ist es still geworden am Haltepunkt Jena-Paradies. Schlecht, wenn man dort hin will. Ein Umstieg mehr, der zudem via Verspätung auf eine Stunde Wartezeit gestreckt wurde. Zeit genug, um auf Erfurts Festungsanlage zu klettern und dieses Gedicht zu schreiben:

Vom Paradies zum Jenseits

Ja, nach Erfurt fuhr ich und erfuhr
Dass seit der letzten Fahrplan-Kur
Jeder Zug via Erfurt das Land durchquert
Und keena mehr nach Jena fährt

Is man eh'r in Erfurt, naja, nur mir bangt:
Ob nu' jemals noch jemand nach Jena gelangt?

Darmstadt & das achtzigste Gedicht

Darmstadt City

Darmstadt scheint keine Stadt mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein zu sein. Die Dame vom Hotel erklärt den Gästen, dass es hier wegen des Krieges so wenig zu sehen gebe. Ich finde das Wetter zu schlecht, um mich auf die Suche nach einem gegenteiligen Eindruck zu machen, habe aber von früheren Besuchen die Mathildenhöhe in guter Erinnerung, die marginal in diesem Gedicht Berücksichtigung findet.

Kein Wort über Darmstadt

Nun bitte kein Wort über Darmstadt, Mathilde!
Da die Welt wie erfüllt scheint von Heiratsanträgen
Romantik und Anmut. Ich bitt' dich deswegen
Mir nichts zu erklären, ich bin ja im Bilde

Bitte sprich nicht über Darmstadt, nie!
Gäb's noch Dinge zu sagen, so flüstere sie
Durch die Streben von Gefängnistüren
Doch lass ihren Laut unser Glück nie berühren!

Mag sein, in der Stadt werden Dinge passieren
Die das Wort Überholspur bald neu definieren
Noch bleibt uns, von derlei nichts wissen zu müssen

Kein Wort über Darmstadt, ja? Gut. Dann komm küssen!

Augsburg & das fünfundsechzigste Gedicht

Augsburg Rathausplatz

Puh. Augsburg war großartig. Aber heute geht es nach 12 Stunden daheim auch schon weiter, brechtwärts nach Berlin. Und so langsam schleicht sich Müdigkeit ein... Da muss man jetzt die Fäden in der Hand behalten. Wie Augsburg, wo ich gestern ein Mörike-Cover zu hören bekam, das ein wenig im Spontangedicht mitflattert:

Augsburg lässt sein Außenband wieder ...

Fuggerfädenstrippenziehkind
Puppenkistenpappenheim
Nabelschnurstracks brechtberechtigt
Pendlerstromverbindungskeim

Wie es augst und burgt und lecht
Augsburgs Außenbandgeflecht

Parisparis & das achtundfünfzigste Gedicht

Rue Jean-Pierre Timbaud

Nasser Empfang zum Doppelgig. Eine Straße, zwei Läden - der Transit durch Plädderregen.

Die Verlierer sind ausgemacht

Paris im Regen ist noch immer Paris
Keine Stadt kann als Stadt jeden Tropfen verneinen
Gerade deswegen gilt unerregt dies:
Sehr wenig wird ähnlich auf Ewig erscheinen

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