Körperteile

Jedem Körperteil sein Gedicht ...

Schiefen & das eintausendsiebenhundertsiebenundneunzigste Gedicht

Bei Übersee am Chiemsee

Ripostegedicht zu "I love your smile" von Shanice

Dein Lächeln (ist alles, was ich brauche)

Mein Zehennagel und dein Lächeln -
Sie wär'n ein wunderschönes Paar!
Die Restkörper prägt Nebensächeln -
Im besten Falle unsichtbar.
Ach, herzlich klein wär mein Int'resse
An der Ödnis deiner Fresse,
Gäb's nicht unter deiner Nase
Jene rettende Oase:

Dein Lächeln. Ich liebe dein Lächeln.

Die Lippen und Mundinnenwinkel
Könnt als Rahmen ich ertragen -
Aber weit'rem Schöngetrinkel
Möchte vorab ich entsagen!
Ach, ließest du dich operieren
Und vom Ballast separieren,
Weil niemand dein Gesicht vermisst -
Das einzig Liebenswerte ist:

Dein Lächeln. Ich liebe dein Lächeln.

Dies Lächeln ohne die Visage
Ist des Begehrens Kernessenz!
Doch mit Mogelpack-Verarsche
Betrügt dein Lächeln seine Fans:
Sag, wer hat denn bloß, in aller Welt,
Den ganzen Humbug mitbestellt?!
Ich denke, ich müsste in einem fort speien,
Glänzte da nicht vor den Karieszahnreihen:

Dein Lächeln. Dein Lächeln,

Welches wohltuend-himmlische Ruhe verspricht:
Denn Deppen, die lächeln, rappen nicht!

Doch liebt dich, Lächeln, um nichts misszuverstehen,
Nur ein einziger Nagel von meinen zehn Zehen!

Werraidyll & das eintausendsiebenhundertfünfundneunzigste Gedicht

Blick auf die Werdchen-Insel von Eschwege

Haariges

Um-ein-Haariges lockte das Knapp ans Geschehen
Und es kräuselte Schrecken
Um haarscharfe Ecken.
Jetzt glättet sich's kammstramm fürs nächste Verdrehen.

Regenersatz & das eintausendsiebenhundertneunzigste Gedicht

Hofbühne E-Werk Eschwege

Fett katern

Du verknarzte Morgenfresse
Starrst mich an mit Quallenblick!
Schwemmhaut zeigt an mir Int'resse,
Attributet mich mit dick.

Im Gequelle brütet wohl
Immer noch der Alkohol.
Abscheu beißt mir ins Genick:
"Alter, is dein Leben sick!"

Bis dann gnädig aufs Verpfuschen
Strahlen meiner Dusche duschen.

Alsbald strafft zum halb so wild
Sich mein braves Spiegelbild.

Sudelfeld & das eintausendsiebenhundertzweiundsechzigste Gedicht

Im Sudelfeld unterm Wendelsteingipfel

Mit dem falschen Bein Aufstehen

Mir tut mein falsches Bein heut weh
Und ist auch gar nicht, wie ich seh,
Wie mir versprochen amputiert -
Man fragt sich "Was'n da passiert?
Wie kam denn wohl das abpe Bein
Zurück in meine Hüfte rein?"

Der Plan, mich beinfrei auszuruh'n,
Beginnt nun frech mir wehzutun.
Phantomschmerz als Gefahr war klar -
Doch nicht so einmal hier, mal da -
Das ist mir alles zu abstrakt:
Gleich morgen wird es abgehackt.

Gumpenwasserfall & das eintausendsiebenhundertachtundfünfzigste Gedicht

Die Legerwaldgraben-Wasserfälle bei Bayrischzell

Die Grünen Gumpen

Ich tauche meine Quanten stets
In die Grünen Gumpen.
Ich überhör die Frage "Geht's?",
Da lass ich mich nicht lumpen.
Wenn schweinchenpink der Rist erstrahlt,
Hat sich das Britzeln ausgezahlt
Und alles Leben kehrt zurück -
Welch frostgebor'nes warmes Glück!

Ismaning & das eintausendsiebenhundertvierzigste Gedicht

Schatten im Feld beim Ismaninger Kanal

Haben Se'n Schatten, oder wat?!

Entschuld'jen Se bitte ma, wat soll hier datt 'n?
Se steh'n da jrad feistfüßig uff meenen Schatten!
Mag sein, ditt is da, wo Se herkomm so üblich -
Vom Punkt Kultiviertheit fänd ick's ja betrüblich -
In Kenia, je'nfallz, jilt: Respekt vor die andern!
Bedeutet: Person nebst Silwette umwandern!
Hier bremsen vom Anstand errichtete Ampeln
Den Frevel, auf andrerleuts Seele zu trampeln!

So, lernt ditt jefällichst ma, Fehltrittchaoten:
Im Schatten steht imma "Betreten vaboten"!

Zwergern & das eintausendsechshundertfünfundachtzigste Gedicht

Blick vom Jochberg auf die Halbinsel Zwergern im Walchensee

Fünfte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Corona-Plauze, Olivenschiffchen, Quetzal, Granteln, Gendersternchen, Wetten Dass und Reizarmut.

Die Corona-Plauze (Steigende Korpulenzzahlen!)

Nichts ist dir erlaubt, was man ausfressen kann,
So fressen wir nüchtern uns Bierplauzen an.

Holzfäller & das eintausendsechshundertsechsundsechzigste Gedicht

Baumfällarbeiten im Englischen Garten

Wangenfelle

Vom flaumigen Schimmer
Zur struppigen Härte -
Es wachsen uns immer
Die lästigsten Bärte!

Fehlt die Zeit, sie zu entfernen,
Muss man sie zu leiden lernen.

Lechtal & das eintausendsechshundertvierundfünfzigste Gedicht

Blick ins Lechtal vom Füssener Kalvarienberg

Das erste Frühlingsgezwitscher

Im Durchschnitt verliert man bei Vogelgesang
Pro Stunde drei Kilo Gewicht.
Für dich, kleines Tönnchen, ist kurz über lang
Der Gang raus ans Tageslicht Pflicht!
Denn die Tönchen der Vögel sind so unbeschwert,
Da wird manches Röllchen gleich mit aufgezehrt.
Und Frühling lädt ein in die frühere Zeit,
Da warst selbst noch du nicht so ausladend breit!

Derweil sich die Baumkrone eintiriliert,
Scheint Leichtigkeit allseits entlockt.
Von Düften beschwingter Gesang jubiliert
Im Park, der von Lastern durchjoggt.
Aus tänzelndem Hüftgoldglanz murmelt's verschwommen:
"Frühling, du bist's - ach, ich hab zugenommen!
Mach du nun uns Winterbeladene schlank!
Ja, Frühling wird es, Gott sei dank!"

Platzhirsch & das eintausendsechshundertneunzehnte Gedicht

Weihnachtshirsch in der Maxvorstadt

Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn's Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

Meister Yoga (auf dem Weg zum Sonnengruß)

Mein Herabschauender Hund
Schielt klammheimlich nicht gen Grund,
Sondern in den vor
Ihm grad steil empor-
Gereckten Po.

Ein echter Hund tät's ebenso,
Um Neuigkeiten abzugleichen
(statt Handy-Displays zu bestreichen)
Per Schnüffel-Scan der Backenrille
Samt Nose-Rosette-Killekille.

Was bloßer Anblick noch entbehrt,
Wird tiefen Einblicks dann gewährt -
Durchströmt von der glimmerndsten Innerlichkeit,
Die immerzu "Ja, ich erinner' mich!" schreit:
Vor der Topnews-Inflation
Gab uns Kommunikation
Das instinktiv-intuitive Erkennen,
Gesäße wie Hintern von Ärschen zu trennen -
Eh dass in zu viel Wort verschwimmt,
Ein Urteil, das oft nicht mal stimmt.

Wir dehn'n uns als solcher Erkenntnis' Rudel,
Bestätigt vom Sakral-Gedudel -
Sind Hunde, die die Welt versteh'n,
Doch demütig nach unten seh'n.

Und kurz entfacht Hoffnung auf bessere Zeiten -
Eh wir in die - ach! - Schiefe Ebene gleiten.

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