Treue & das achthundertdreißigste Gedicht

Bei Victoria Seychellen

Africars

Die ostasiatische Schrottkarrenflotte
Muss schepprig zum Mindestlohn schuften
Und strömt wie 'ne keuchende Rostbratenrotte
Durch staubige Hochglanzlackgruften

Die Autodidakten und magisch Geschickten
Verpflanzen hier freihändig Herzen
An wieder und wieder Zusammengeflickten
Und jeder Gang dreht unter Schmerzen

Gerippe aus zeitweilig völlig Zerstörtem
Als letzte Station vorm per pedes
Vibrier'n treu zu lastengewaltig Geröhrtem

Der Fahrer träumt von 'nem Mercedes

Übersicht & das achthundertneunundzwanzigste Gedicht

Blick auf Victoria von den Trois Freres

Ripostegedicht zu "Du bist ein Rätsel mir von fremder Art" von Rose Ausländer

Die Auflösung

Nach fünf Minuten war dann ja
So zwischen uns schon alles klar
Wir wollten nicht den Kreis bemessen
Wir gingen gleich zum Eiskremessen
Und kurz darauf - auch gemeinsam ins Bett

Doch niemand seufzte: "Ach, wie nett ...!"

Weil es gilt als Versprechen: Zur Liebe nur wird
Was sich auch gebührend verkomplifiziert!

Wir haben es schlichtweg zu simpel getrieben
Drum nannte man schlecht unsren Weg sich zu lieben

Schon ward uns genommen
Was kurz schien vollkommen

Und gab's je was zurück? Ach, nein ...
Man darf nicht einfach glücklich sein!

Open Air Drive & das achthundertachtundzwanzigste Gedicht

In den Beau Vallon Hügeln

Auf dem Pickup

Auf einer Pickupladefläche
Pflegt mich der Schoß der vertrautesten Fremdheit
Es sammeln sich die Luftstrombäche
Im Hooliganwhirlpool der schönsten Verkämmtheit

Beau Beau Vallon & das achthundertsiebenundzwanzigste Gedicht

Beau Vallon

Wie auch ich vergebe mir nichts, wenn ...

Wenn in einer Partnerschaft
Keiner seinen Part mehr schafft
Glauben beide unbeirrt, jeder tät' das Seine

Obschon ja das eig'ntlich Bereichernde ist
Dass man nicht mehr Gleiches mit Gleichem bemisst

Tu du in Ruh das Meine!

Anse Takamaka & das achthundertsechsundzwanzigste Gedicht

Anse Takamaka

Donnerstags- und Sonntagskind

Strandsand, Wellenhinundher
Lichtermeererhellung - wer
Mag da nicht herniedersinken
Und ein Kokosnüsschen trinken?

Du find'st Nieselregen schöner
Und genießt den Restfleischdöner?
Ob Niederlagen denkst du: "Nie mehr!"
Und niest in der Spritzgischt vom Straßenverkehr

Plaisance & das achthundertfünfundzwanzigste Gedicht

Vorort Victoria Seychellen

Afrikarand

In den Vororten und zweite-Reihe-Hausreihen
Hockt die Folklorefreiheit Afrikas
Freundlich auf dickfleischigkrautigem Gras
Doch sie kann die Exotik nicht gänzlich entweihen
Immer schwänzt eine Palme, ein Dickicht
Das keiner Gartenwelt Halmung entspricht

Hier sind das Cruisen, die Bässe noch warm vom Versuch
Hier wird niemand die Scheinwerfer blenden
Ist das Eiland ein einig "Ich kenn'n den!"
Alle Globalisierung bleibt ein fremder Geruch
Lehrt das Leid, nicht zuviel zu erwarten
Harkt die Zeit die Option
Zwischen "noch nicht" und "schon"

Ein sehr unverbindlicher Garten

Bei Air & das achthundertvierundzwanzigste Gedicht

Bel Air Friedhof Seychellen

Dogs

Nachdem wir den Hund begraben hatten
Schlich der Geruch der Verwesung in alle Zimmer
Es war wohl der hündische Überschuss Treue
Der ließ sich nicht mit ihm bestatten

Und das ist der Grund, Welt, weshalb ich noch immer
Mein Herz zu beerdigen scheue

Silhouette Island & das achthundertdreiundzwanzigste Gedicht

Blick von Beau Vallon auf Silhouette

Alter Ego

Stetig scheint mir mein Wagemut etwas zu sagen
Wie: Ich glaube, ich meinte wen anders als dich!
Jene Pfade, die in meine Trottbahnen ragen
Wollen zuviel Gepäck fürs sich wandelnde Ich

Beau Vallon & das achthundertzweiundzwanzigste Gedicht

Beau Vallon Hügel

Das Tauende

... Verhindert des Winters Seilschaft
Und kappt die Verbindung zum Jahr
Das Tauzieh'n im Rücken verwindende Heilkraft
Vermindert die Rückfallgefahr

Istanbul Airport & das achthunderteinundzwanzigste Gedicht

Istanbul Airport

Akku und Da

Istanbul und somnambul
Buhlen um den Drall
Ist "an Bul" oder "am Bul" cool?
Was bringt den Bull'n zu Fall?

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