Rüdesheim & das eintausendzweihundertzweiundzwanzigste Gedicht

Niederwalddenkmal Germania bei Rüdesheim

Die Wacht am Reim

Am rüden Reim fehlt eine Wacht,
Die checkt, wer mit dem Met rummacht.

130 Büsten & das eintausendzweihunderteinundzwanzigste Gedicht

In der Walhalla

In der Walhalla (Carne Vale)

Ja,

Die Walhalla-Entourage
Bläst kalt zum Narrhallamarsch!

Karnevalsches Trallala
Schallert manch Walhalla-Narr.
Mit Helau, Alaaf und so
Brüstet sich die Büstenshow.
Hart blamier'n, was man gewesen,
Schwachsinnsnahe Polonäsen.

Zwar wahrt Marmor starr den Geist,
Der von Zeit vom Fleisch verwaist -

Doch

Krallt ihn, so wie überall,
Alberner Niveauverfall.

Walhalla & das eintausendzweihundertzwanzigste Gedicht

Walhalla bei Regensburg

Sieb

Heut hab ich die letzte Erinn'rung verbraucht
Und wink ihr seitdem hinterher.
Bin manche Stund' wehmütig in sie getaucht -
Spür Duft und Geschmack nimmermehr.

Entrissen vom Tau, das im Fluss ziellos treibt,
Verbunden allein durch Verlust.
Am End' ist's die Leere, die mir von ihr bleibt:
Ich habe es einmal gewusst.

Prato della Valle & das eintausendzweihundertneunzehnte Gedicht

Der Prato della Valle in Padua

Neue Hygiene

Ist dies nun der Brauch einer Hilflosigkeit,
Ein flötender Anflug von Wut?
Ist hier wer zu weiteren Schritten bereit
Und heißt man sie nötig, gar gut?

Vom Abi ermächtigt, auch alles zu sagen,
Stolziert man in alle Arenen hinein,
Doch kann keine Meinung im Plural ertragen,
Plärrt bockig, man muss sich "von denen" befrei'n.

Ist dies nun der Brauch einer Hilflosigkeit,
Ein flötender Anflug von Wut?
Ist hier wer zu weiteren Schritten bereit
Und heißt man sie nötig, gar gut?

Petronius & das eintausendzweihundertachtzehnte Gedicht

Heiliger Petronius an den Geschlechtertürmen Bolognas

Die Geschlechtertürme

Alte Damen halten die Kiste in Gang,
Da die Grandpas schon stoisch veröden -
Die spielen die Herzogs vom mindren Belang
Und hampeln durchs eigne Verblöden.

Man muss beim Triumphbogen nicht übertreiben
Und lässt auch beim Pogo zu stumpfe Moves bleiben -
Doch letztmalig bleibt unbemerkt,
Wo sich die letzte Zeit verstärkt.

42 Kilometer & das eintausendzweihundertsiebzehnte Gedicht

Arkaden von Bologna

Unter Arkaden

Den Stau der von Marmor geglätteten Kühle
Flattert kühn eine Schwalbe aus Warmluft entzwei,
Ein Wind drängt die schwerfällig dreharme Mühle
Zum Durchwirbeln der zeitlosen Aircraft-Kartei.
Mancher Hauch ist hier auch schon vorm Zeitmaß gewesen,
Riecht kellerdunstschmauchig, jahrhundertbelesen,
Ist vom Blitztakt des Lichtspiels nur passiventzückt,
In platzhirschgebührende Langmut entrückt.

Wie verlahmt schlurft mein Dasein mit latschigem Schritt -
Der gewinnt erst im Nachhall der Architektur!
Die bewahrt ihren Wert und veredelt mich mit -
Ich fühl mich beheimischt trotz Sightseeing pur.

Und geschmeidig befächelt von Grade-Kaskaden,
Ein Lächeln vom Bad in den alten Arkaden,
Bestürmt frühe Anmut die Sehnsucht der Haut -
Ich bin von der Straßen Zug gleichsam erbaut.

Fico & das eintausendzweihundertsechzehnte Gedicht

Schinken in der Auslage von FICO Eataly

Zweites Versgelium der Amazoner

Da Mama und Sohn
Auf Amazon
Immer so'n
Kack ordern,
Lodern Papas Cock-Adern
Vor wutentbranntem Schwellen.

Gut, entspannt bestellen
Kann man schon
Auf Amazon -
Doch wenn Vaters Samen von
Sowas Schaden nehmen,

Wär's doch 'ne machbare Alternative,
Wenn auch digital Native
Mal in Nachbars Laden kämen.

Piazza della Frutta & das eintausendzweihundertfünfzehnte Gedicht

Eingang zum Piazza della Frutta Padua

Erstes Versgelium der Amazoner

Ob Mangold oder Mobilephone -
Das Angebot auf Amazon
Ist, Gottlob, ohne Rahmen!
Das "Ich bestelle, wo ich wohn'!"
Eint unsre Beichtstuhl-Religion.
Dank Dir, Alexa, Amen.

Ghirlandina & das eintausendzweihundertvierzehnte Gedicht

Ghirlandina - der Glockenturm vom Dom zu Modena

Sommernackt

Ich mag die Tönung vor der Bräunung,
Wenn das porzellanene Rührmichnichtan
Sich antastend wagt aus der Kleidung Umzäunung
Und allürenfrei einragt ins Nackte, ja, dann
Hält der Frühling ein glühendes Körpercomeback,
Er flattert sich unbändig aus allen Zwang,
Schleudert Perlen, die ich - etwas unerlaubt - einsteck',

Denn ich weiß, all die Winter sind zahlreich und lang.

All we ever wanted ... & das eintausendzweihundertdreizehnte Gedicht

Ausstellung im MamBo Bologna u.a. zur Bombardierung des Bikini Atolls

Bikini

Das, was das Paradies zerstörte,
Darf längst im Alltäglichen killen.

Da schwillt als Altlast das Empörte -
Belebt den Wiederwiderwillen.

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Frank Klötgen - Post Poetry Slam - immer frische Gedichte & Fotos RSS abonnieren