Landhahn & das eintausendsechshundertachtundachtzigste Gedicht

Hahn in Bayrischzell

Fünfte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Corona-Plauze, Olivenschiffchen, Quetzal, Granteln, Gendersternchen, Wetten Dass und Reizarmut.

Der Grantler

Im Sturm befohlen guter Laune ragt stolz dein Mast empor,
Du moserst miesepeterigst den Gegenpol ins Tor.
Dein Griesgram schimpft sich große Kunst,
Die du genießt voll Innenbrunst.

Dem kollektiven Anstandszwang
Bist du so dringlich zumutbar,
Dem Wohlfühlregulierungsdrang
Bleibst stur du deflorierend nah,

Du Hartnack an der Aneckfront
Im Grummelunmutsbrummbärfell -
Wenn Kantigkeit treibt's so gekonnt,
Macht Düstres unsren Erdball hell.

Und wokt die Welt harmonisch bieder,
Reiß lustvoll ihren Schutzschild nieder!
Die Triebkastrierten hab'n schon Schiss,
Tönst du: "I sog amoi, wies is ..."

Quetzalgrün & das eintausendsechshundertsiebenundachtzigste Gedicht

Walchenseeufer bei Urfeld

Fünfte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Corona-Plauze, Olivenschiffchen, Quetzal, Granteln, Gendersternchen, Wetten Dass und Reizarmut.

Der Quetzal

Der Farben Pracht und Dynastie
Sind still in ihm vollendet -
Und so erklär ich hiermit die
Befragung für beendet,
Welch Schöpfung unsre Welt bekrönt,
Die sonst vor Eitelkeiten dröhnt.

Der Löwe zu herrisch, das Schaf wirkt zu dumm,
Der Adler zu aggro, der Wal bleibt zu stumm,
Der Mensch ist ein breitflächig andres Problem -
Doch dazu benötigt's ein eignes Poem.

Sich Unschuld in Brillanz zu leisten,
Ich denk, darauf versteh'n die meisten
Hoch geschätzten Stars sich nicht -

Dem Quetzal steht es im Gesicht.
Er macht selbst den räubrigsten Dschungel noch fromm -
Auch mein Dümpeln als Mausklick
Fand durch seinen Anblick
Den Link auf die Seiten von Gott(dot)com.
Doch braucht's für dies Bildnis
Den Gang in die Wildnis,
Denn er wird in Gefangenschaft
Vom Freiheitsdrang hinweggerafft.

Angelsaisonstart & das eintausendsechshundertsechsundachtzigste Gedicht

Anglerboot auf dem Walchensee

Fünfte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Corona-Plauze, Olivenschiffchen, Quetzal, Granteln, Gendersternchen, Wetten Dass und Reizarmut.

Olivenschiffchen

Wie viel Stück Olivenschiffchen
Benötigt der Haushalt vom Menschenverstand?

Eins, um stilecht aufzutischen,
Ein weitres zur Pflege vom Faible für Tand,
Zwei, um für beide Ersatz zu besitzen,
Drei mit zur Fruchtgröße passenden Schlitzen -
Von jenen empfiehlt's sich, die gängigsten Farben
(im besten Fall sechsfach) auf Vorrat zu haben!
Und hat man mal keine Oliven im Haus,
So zieht man sein schlitzloses Schiffchen heraus.

Wenn nun jemand fragt: "So viel Schiffchen - weswegen?
Ich esse Oliven vom Glas aus der Hand!"

Es gilt, kleine Dinge als Schätze zu pflegen
Als zwingende Vorschrift vom Menschenverstand.

Zwergern & das eintausendsechshundertfünfundachtzigste Gedicht

Blick vom Jochberg auf die Halbinsel Zwergern im Walchensee

Fünfte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Corona-Plauze, Olivenschiffchen, Quetzal, Granteln, Gendersternchen, Wetten Dass und Reizarmut.

Die Corona-Plauze (Steigende Korpulenzzahlen!)

Nichts ist dir erlaubt, was man ausfressen kann,
So fressen wir nüchtern uns Bierplauzen an.

Walchensee & das eintausendsechshundertvierundachtzigste Gedicht

Walchensee in der Morgensonne von Urfeld aus

Die verdödelten Tage

Das Verdödeln der Tage
Trübt ganz ohne Frage
Wie blöde die Selbstachtung ein.

Gegen Abendrot wären
To-Dos noch zu klären
Und Stundenmüll sich zu verzeih'n.

Das Verdödeln der Tage
Muss ganz ohne Frage
Auf Kosten der Selbstachtung geh'n -

Wie mit Stubengehocke
Ich Restzeit verzocke,
Ist anders ja nicht zu versteh'n.

Alpenrandlage & das eintausendsechshundertdreiundachtzigste Gedicht

Fön-Blick auf die Frauenkirche vom Olympiaberg

Sicht auf die Berge mit den Augen der Unfallchirurgie

Die Stadt mit die Berge am Nahrand, da wohn' ick -
Entstellt von die Narben der Plattentektonik.
Da ist man einst voll aneinander gerasselt,
Hat dem Schöpfer den Plan einer Planheit vermasselt.

Die Wunden vom Crash außen wulstig verteilt,
Abgetupft mit Wolkenschaum -
Die Stadt ist selbst sehr gut verheilt
Und die Berge davor, hey – die sieht man doch kaum!

Wendelstein & das eintausendsechshundertzweiundachtzigste Gedicht

Blick auf den Wendelstein vom Bahnhof Fischbachau

Skisaison-Abschlussvers

Wo zackig Skischuhschnallen schnappen
Da zwingt man zwanglos Füßelein
In die Schmerz-Haft von Salomons Fangeisen-Schlappen
Den herzlosen Klumpen aus Plastikgestein

Und kläglich grüßt das Murmeltier
Denn Schnee-Not wurmt den Schwung der Skier

Erst schabt man rum auf Eis(en)platten
Kratzig ratternd mit Gestöhn
Um dann im Sulz-Schnee zu ermatten
Doch wenn wer fragt, sag: Ist das schön!

Tagmond & das eintausendsechshunderteinundachtzigste Gedicht

Mond über Bayrischzell am Nachmittag

Der Einflügler

Du schaust auf deine gepackten Sachen,
Deren Pünktlichkeit voreilig scheint.
Du warst so bemüht, alles richtig zu machen -
Auch wenn's niemand so streng wie du meint.

Ein Ausflug, zu dem man nicht abgeholt wird
Und ein Ferienprogramm, das nicht startet.
Du bist nicht im Vorfeld als Date-King stolziert
Und hast trotzdem schon zu viel erwartet.

Durchhaltepatrouille & das eintausendsechshundertachtzigste Gedicht

Frühlingsbeginn auf dem Aubachweg in Bayrischzell

Das Schneeregenlächeln

Ach, dein Schneeregenlächeln ist echt rigoros,
Es stellt Schnelllebigkeit und Berechnungen bloß -
Du begegnest belechzten Schlechtwetterprognosen
Mit unverfälscht lässigen Lebensmutposen.

Präsenteheimat & das eintausendsechshundertneunundsiebzigste Gedicht

Geschäftsfassade in Bayrischzell

Zum reifen Geburtstag

Du hast ja schon recht oft Geburtstag gefeiert -
Ich frag mich: Wann hast Du's verlernt?
Dass dich Dein "Ach, keine Geschenke!"-Geleier
Von just jenen Zeiten entfernt,
Da Dir sehr bewusst war: "Geburtstag?! Mensch, Klasse!
Der Cäsar in der Resttagmasse!"

Heut bettet ein Samtflor Dich fürsorglich,
Flötet morgens die Amsel das erste "Für Dich!" -

Da solltest Du dich nicht lang schämen,
Mit vollsten Händen anzunehmen!

Bescheidenheit als Zier? Das rächt sich!
Denn an dreihundertvierundsechzig
Tagen ist Deine Geburt schnurzegal,
Dann feiern fairerweise mal
Die zahllosen anderen Leute.

Aber du zählst (und zahlst) für uns ganz allein - heute!

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