Berlin

Gedichte und Fotos aus der Hauptstadt. Meine Heimstatt von 2002-2014 und schon von daher immer noch mindestens einmal im Monat im Tourkalender.

Warschauer Himmel & das eintausendeinhundertzweiundvierzigste Gedicht

Warschauer Straße S-Bahnhof

Dem Äther

Radi - Radi - Radio,
Ich drehe am Rad deiner Sendersuche
Und flüchte mich ins Irgendwo,
Getrieben vom seiernden Deutschpop-Eunuche.
Wissend:
In dem Gerausche der Ultrakurzwellen
Gibt's die momentelang richtigen Stellen,
Die wandernd der lot-rote Strich für mich findet
Und Gerättreue kurz an Bestätigung bindet.
Erinnernd:
Die matt hinterleuchteten Stadtnamenskalen
Im Musiktruh'n entströmenden Röhrengeruch,
Die 'nem Dreiersprung folgenden Megaherzzahlen
Am Radiorecorder nebst Bandsalatfluch.
Mixtape-alert auf der Suche nach Stil
Stieß ich tiefnächtens aufs Herz von John Peel,
Gab ihm die Lizenz, mir die Nächte zu stehlen
Mit krudem Kram aus noch verdecktem Gefallen -
Den würde mir Spotify niemals empfehlen!
In solch Algorithmen riecht alles nach allen.
Verklärend:
Auf Grundig und Blaupunkt brach ich dereinst auf
Zu landen an Stränden von neuen Instanzen.
Von Sony und Sharp nahm ich Flotten in Kauf,
Als Worte und Klänge mich lehrten zu tanzen.
Abwehrend:
Du maulst gekränkt, hier fehle die
Probierkraft der Community -
Der autarkische Schwarm sei der Held vom Gedichte!
Das ist vielleicht nicht grundverkehrt,
Mir bleibt's ein Reichtum ohne Wert -
Das wird später deine, nie meine Geschichte.

Stalinallee & das eintausendeinhunderteinundvierzigste Gedicht

In einem Häuserdurchgang der Karl Marx Allee / Otto Grotewohl Grundstein

Regen in der Simon-Dach

In Berlin ist der Regen am grausten
Und treibt durch die Straßen wie desint'ressiert
An all der temporär enthausten
Unwürdigkeit, die da frömmelnd spaziert
Und irrt
Und irrt.
Und irrt.
(Man will etwas Spirit ja trotzdem erleben.)
Und immer nasser,
Blasser
Wird.
(Hier wirkt aller Abschaum nur herrlich daneben!)

Es belächelt die Stadt die zerzausten
Schöpfe, die ohne Berechtigung sind.

In Berlin ist der Regen am grausten
Und aus dir nieselt immer noch Schönheit, mein Kind!

Treptower Park & das eintausendsechsundfünfzigste Gedicht

Das Treptower Ehrenmal

Das Treptower Ehrenmal

Den Treptower Ehrenmalerdhügelmann
schau' ich mir sehr gern und auch häufiger an

Ditt Hakenkreuz noch anne Hacken
rechts Schwert und links das Kindlein packen
wirft er gemächlich seinen Schatten
auf Gras und Grab- wie Gehwegplatten

Dem Dichter: Oase, herrscht allmächtig: Stille
Davon gibt's ja sonst hier nu wirklich nich ville

Und drum beehr' ich's hundertmal
als Versemehrers erste Wahl!

Molecule Man & das eintausendfünfundfünfzigste Gedicht

Molecule Man

SEV again

Berlin, du verkorkstes Gerippe von Stadt
Wann kriegst du ma irgendwas hin
Du krüppelst dich cool mit: Wer nix hat

Der hat

Am Ende noch nicht einmal Sinn

Spreehafen & das eintausendvierundfünfzigste Gedicht

Spreehafen

Auf Abstand

Wie könnt ich dir mehr als nur undankbar sein
Da ich dich von außen betrachte?
Wir war'n wie aus Volldampf im Mittenhinein
Und opferten nichts dem Verdachte

Mancher Zustand drängt nicht, ihn als Glück zu versteh'n
Und versinkt dann im Zuselbstverständlich
Wir trudeln fast lieblos durchs Weitergescheh'n

Und markieren Versprechen als endlich

Rudolfplatz & das eintausenddreiundfünfzigste Gedicht

Rudolfplatz in Berlin Friedrichshain

Im Pendlerzug

Ich stecke im Berufsverkehr
Und kenne mich nicht aus
Mein Handgepäck ist viel zu schwer
Weiß quasi nix von Staus
Ich hätte gern wie ihr zu tun
Doch künstler' durch das Leben
Begünstigt mich dies Dasein nun?
Plagt euch grad Neid? - Nö. - Eben.

Flakturm III & das eintausendzweiundvierzigste Gedicht

Flakturm III im Humboldthain am Gesundbrunnen

Letztes Geleit

Für einen Hauch von Linderung
Dünkt's mich, ein Heer zu geben
Und wär' auch diese Minderung
Mein letzter Gruß ans Leben

Die Krume eines vollen Tags
Soll meinen Sarg bedecken
Danach mag jeder, der noch mag
Mir meine Füße lecken

Mauerpark & das eintausendeinundvierzigste Gedicht

Mauerpark Prenzlauer Berg

Im Mauerpark

Die Mauer ist weg
Und ein Park war's noch nie
Als "Ditt is'ma typisch Balin!"-Utopie
Dient dies Hier nur dem Zweck
Eurer Eifer-Verklappung
In zichtenverstummelter Karstüberlappung
Des Kronenkorkenwonderlands
Und manchmal spielen hier auch Bands!

Man ist der Frage vom "Warum?"
Ein gut gelauntes Publikum
Und zeigt per Selfie seinen Will'n
Im Restgras mächtig abzuchill'n
'was später kommen noch some friends
Und manchmal spielen hier auch Bands!

Ganz schocklos wird da abgekifft
Sehr locker hier, was das betrifft!
Oft hockt hier DJ-Prominenz!
Und manchmal legt von denen noch wer sein Set auf ...

Teufelsberg & das eintausendsiebenundzwanzigste Gedicht

Abhörstation auf dem Teufelsberg

Goin' Mainstream

Hier kannten nur wir mal verschlungene Wege
Die sind längst fast allen bekannt
Meist bricht unser Stolz der Geheimnisse Pflege
Und gar nicht der And'ren Verstand

Spreebogenpark & das eintausendvierundzwanzigste Gedicht

Spreebogenpark in Berlin Sommer 2018

Eine frei auf wehrlose Kosmopolitinnen projizierbare Sehnsucht

Ich denk', dass ich recht bald den Ian
Unter einem Baldachin
Hodenbouldernd scharf mach'

Mit Drachenblut umbalz' ich ihn
Werd' dann auch Ians Balmung zieh'n
Und leg' ihn nach Bedarf flach

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