Revisitäten

Nach zweieinhalb Jahren Gedichtreisen steht das 1.000ste Gedicht an! Aus diesem Anlass wird bei den letzten 25 Gedichten vorm Ziel mit 25 Fotos an einige der schönsten Stationen der letzten 2,5 Jahre erinnert.

Venedig revisited & das neunhundertneunzigste Gedicht

Venedig am Canale Grande

Memento Marmori

Über Marmor schleichlängs schreiten
Weichen Auftritts schleifend gleiten
Wissend, dass seit Ewigkeiten
Leute durch ihr Heute zeiten ...

Ist auch unsres Paarlaufs Spürchen
Unmomentig lang zu seh'n
Weiß doch unser beider Nürchen
Dass er hier - baldeinst - gescheh'n!

Madagaskar revisited & das neunhundertneunundachtzigste Gedicht

Madagaskar Chamäleon

Für Verbliebene

Dein Grab ist längst schon eingeebnet
Doch das Loch meines Kosmos' nicht zu
Ich spüre sein Gähnen noch hinter der Rückwand
Von nicht zu verrückenden Schränken
Und manchmal, da frage ich mehr dich als mich: "Wie-
So ist der Gewürzstreuer leer?"

So lang ist das alles schon her ...
Und manchmal, da frage ich mehr mich als die, die
Grad parallel deiner gedenken:
"Verzeihst du ein wenig, wie ich noch zum Glück fand?"
Viel zu friedvoll und ruhig raunst du:
"Mein Grab ist längst schon eingeebnet!"

Helsinki revisited & das neunhundertachtundachtzigste Gedicht

Helsinki Senatsplatz und Dom

Schnarrer

Wenn Milliarden Zikaden Zypressen fressen
Und Nix hadernd vergessen, den Schaden zu messen
Zirpt letztmalig was im Zerfressenen lungert
Weil's fix nach zu maßlosem Essen verhungert

Sylt revisited & das neunhundertsiebenundachtzigste Gedicht

Strand von Westerland

ABC-Schützen

Und ein weit'res Wort soll büßen
Dass du so empfänglich bist
Dir kann schon den Tag versüßen
Wenn was U-N-U-M-G-Ä-N-G-L-I-C-H-(!!) ist

Zürne der Majuskeln Eiter!
Stopp den Treck der Letternschar!
Treib dein Spielchen emsig weiter
Bis du schweigst - für immerdar ...

Costa Rica revisited & das neunhundertsechsundachtzigste Gedicht

Feuerschnabelarassari

Lammkamm

Wenn ich zu dir lammfromm
Ohne einen Kamm komm
Mein Comeback auf halber Strecke trotz des tollen Wollens stockt

Dann entpackt sich Leid und Jammern
Unsrer beider Backenkammern:
"Hätten wir doch ungehemmt, ungekämmt uns angelockt!"

So bleib'n Lämmer, Kämmer, Schaf
Voller Woll' und Love-Bedarf!

Vancouver revisited & das neunhundertfünfundachtzigste Gedicht

Vancouver Panorama

Brüste

Der zarte Schwung nebulös zielforschen Willens
Formt die rosig ins Licht stier'nde Jungfrauenbrust

Noch zärtelt die Trainingselevin des Stillens
Mit der allseitig plump auf sie strömenden Lust

Doch Säuglingsdurst wird nach den Sprösslingen schnappen
In den Zwangsruhepausen des Liebhaberwahns

Und Irdisches fängt sich im schmutzscheuen Wappen
Und versprengt die Zerbrechlichkeit des Porzellans

Schon maßt's mich an, hier einzugreifen
Als Ranger für das, was des Schutzes bedarf

Nur bin ich für Gerechtigkeiten
Auf all die Zerstörung ja selbst viel zu scharf

Sardinien revisited & das neunhundertvierundachtzigste Gedicht

Am strand von Alghero

Generation YZA

In den Fußschweißhöhlen der Heavy User
Schwillt die lodernde Masse verlorener Zeit
Der Teigrand im Pizzakarton zischelt: "Loser!"
Und ständig scheint wer für zu wenig bereit

Doch was A nicht vollbracht', wird auch C nicht vollenden
Verkürzt man's auch zur Kleinigkeit

Schon längst glitt der Schlachtplan aus unseren Händen
Es findet nur Ruh, wer sich selber verzeiht ...

Botswana revisited & das neunhundertdreiundachtzigste Gedicht

Wildwechsel in Botswana

Den jungen SlammerInnen ins lesebuch für die oberstufe (oder: An die - eventuell - Nachgeborenen)

Bleibt hart, bleibt hart am Reimprimat!
Und treibt's mit dem Imperatösen!
Nach dieser Art beschreibt uns zart
Die noch zu bereibenden Mösen!

Amsterdam revisited & das neunhundertzweiundachtzigste Gedicht

Amsterdamer Tulpenmarkt

Feilsche Leerbahren und wirklich Kot

Mir schweint, für diese Schwanerei
Wird irgendje mundsahnen!
Entturnt ist dünn dies Kackacksei
Eils an maßlos plumper Griff noch nicht gebühr'nden Kranen!

Davos revisited & das neunhunderteinundachtzigste Gedicht

Davos Parsenn

Das Hoch

Noch brennt uns der Sommer ins Narkosement
Doch wir können das Wetter nicht halten
Nur loses Gewölk bandagiert den Verstand
Der Blick in die Sonne wirft Falten

Es sei unsre Welt seit Äonen geheilt
Heißt feist uns der Trägheit Versprechen
Der Nachschub wird uns in den Mund abgeseilt
Wen scheren da künft'ge Gebrechen?

Noch dümpelt der Zweifel von nirgendwo her
Es zerdrückt ihn die Schwere der Hitze
Wir fläzen uns bäuchlings zum Durchgangsverkehr
Verarbeiten all das Geschwitze

Die Sonne brennt uns in narkostisches Glück
Als vergäße die Welt sich zu drehen
Die Temperatur findet immer zurück
Und bleibt gern an Nullpunkten stehen

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