Zehnzeiler

Badewasser & das zweihunderteinundsiebzigste Gedicht

Isarwehr

Spielverderber an der Isar.

Dogmendog

In Sommerfrischen denke nicht / an Kirchen im November!
Weil deren Todesnähe ist / durch Phantasie nicht dämmbar
Lass dir kein X für's U andreh'n
Setzt auch die Welt aufs Schnellversteh'n
Und schreibt auf Fassaden "Hier: Vier dünne Risse!"
So steht es im Sketch-Bxch, ist gleichsam Kulisse
Bleib das, was du denkst - wenn auch alles vergisst
Dass längst noch nicht November ist

Abreise & das zweihundertsechsundfünfzigste Gedicht

Olympiapark Munich Mash

Es geht wieder los. Mächtig: acht Stunden bis Görlitz.

Astronautenkost

Mir ist so, als wenn ich in kosmischer Ödnis
Vor etwa zehn Jahren ein Trümmerstück sah
Das ich nun erinn're, da mir grad so öd is'
Schon rätselnd, ob's wirklich ein Trümmerstück war
Und nicht bloß der Wunsch, den ich da vor Dekaden
Nach Steinen verspürte im ähnlichen, faden
Daseinsgequäle in kosmischer Ödnis

Obwohl es auch sicherlich epochal blöd is'
Gleich das anzuzweifeln, was hier je von Gewicht war
In der endlosen Weite aus dem, was ich nicht sah

Die Osterseen & das zweihundertvierundvierzigste Gedicht

Iffeldorf

Da war doch was, sagen mir die Pusteln nach dem Badeausflug zu den Osterseen. Zeit für eine Merkhilfe in Versen.

Die Osterseen

Gut, vor Ostern geh ich eh
Niemals an den Ostersee
Doch, so riet mir wer diskret
Nachher sei's auch schon zu spät
Weil der Wasser frühe Wärme
Brüte wahre Mückenschwärme

"Wann," fragt ihr, kurz vorm Versteh'n
"Ist's denn ratsam hinzugeh'n?"

"Immer!" preist die Stadtreklame

Mehr weiß der Gewässername ...

Iffeldorf & das zweihundertdreiundvierzigste Gedicht

 Iffeldorf

Zehn Tage am Stück daheim in München. Das gibt es dieses Jahr exakt einmal. Fast zu schön, um wahr zu sein ... Daher an dieser Stelle ein idyllebrechendes Garstiggedicht. Vor der Kulisse Iffeldorfs (bei München, keine Angst!).

Die Reinigung der Schuhe

Ja, die Reinigung der Schuhe
Nach dem Zertreten einer Katze
Sie erfordert Zeit und Ruhe
Mit dem Rosenzweiglein kratze
Ich allen Grind aus dem Stiefelprofil
Und füttere damit mein Zwergkrokodil
Lasse, wenn ich Gassi geh'
All das Blut im Frühlingsklee
Schaut, schon sind sie blitzeblank!
Und ich lob' mich: Spitze, Frank!

Nordkette & das zweihundertfünfunddreißigste Gedicht

Nordkette Innsbruck

Der Blick auf Innsbruck von der Nordkette.

Gebieter der Stille

... und unten lärmt man vor sich hin:
Getösestolz aus Mittendrin

Der dringt nur als verdecktes Wummern
Zur Soundcloud von Insekten-Summern
Denen einzig Vogel-Tirillenz
Grätscht in die Laute-Prominenz

Verhalten hallt mal kurz ein "Muh!"
Von irgendeiner Alm dazu
Ansonsten ist's hier völlig still

Dann schrei ich: "Nur, wenn ich es will!"

Nordsee & das zweihundertvierunddreißigste Gedicht

Kiel

Bevor es in die österreichischen Berge geht, noch etwas Wind von der Nordsee:

Die Nassforschen

Wir heuern an beim Schwesterschiff
Erneuern noch mit letztem Schliff
Die Liftings unsrer Entourage
Das Plan-Getäu, die Takelage
Und stechen als Schon-mal-Gesunk'ne in See
Losch Pech auch die Lunte der alten Idee
Die Neue scheint vermeintlich groß
Drum Segel setzen, Leinen los!
Die noch triefende Kleidung beföhnt uns der Fahrtwind

Es wird erst gestöhnt, wenn wir weniger hart sind

Thüringen & das zweihunderterste Gedicht

Saale-Schleife

Weil ich Thüringen immer schon das landschaftlich schönste Bundesland nenne, Rainald Grebe (in Vertretung vieler) nicht mag und sich dies schicksalhaft in dessen Lied "Thüringen" zu einem Gesamtmurren'n'Schnurren sammelt, hier eine Zusammenfassung als Gedicht.

Die Rache der Prärie

Für Thüringen
Umbringen
Könnte man,
Einverstan-
-den, den überheb-, gräss- und gewöhnlichen Grebe
Weil dummbeifallsüchtiges Flachwitzesingen
Grund genug nimmt, dass er weiters wohlgemut lebe ...

Nun

Durch die Saale-Schleifen läuft kein RTL II
Und die einfachsten Scherzchen geh'n meist schnell vorbei

Pfingstwetter & das hundertneunundachtzigste Gedicht

Bad Tölz

Wettertragödien, vermieste Feste. Aber das kann auch vielleicht das Beste sein, was passieren konnte.

Feste, die ins Wasser fallen

All den Festen, die ins Wasser fallen
Bleibt die nicht widerlegte Verheißung erhalten
Sie wären die besten Feste von allen
Gewesen, sofern sie von weniger kalten
Regenfällen gesegnet gewesen ...
Dies sind - wie gesagt - auch berechtigte Thesen
Denn schließlich war, wie jammerschade
Klar das Wetter ohne Gnade

So scheint manches Mal das gescholtene Wetter
Missratenen Festen willkommen als Retter

Kurort & das hundertneunundsiebzigste Gedicht

Kurpromenade Baden-Baden

Abschied von Baden-Baden. Erholt, natürlich.

Kurpromenade

Alle wollen sich hier erholen
Hier erholen wollen sich alle
Alte toll'n herum wie Fohlen
Promenier'n mit frohem Schalle
Dass sich dran die Jungen laben
Solche Restzeit noch zu haben

Selig streckt sich der Spazierweg
Uns wohlgefällig das Altern zu mildern ...
Spröde Pragmatik nennt das vielleicht Irrweg

Doch krönt den Genuss ja sein Wird-nichts-Verhindern

Nach-Halle & das hunderteinundsechzigste Gedicht

 Statue der Lesenden, Haal a.d. Saale

Noch ein Nachschlag vom Saale-Spaziergang. Mit sonnigem Gruß von der Statue der Lesenden.

Dessert not Desert

Betrachte mit Nachsicht die Nachtisch-Verächter
Die "Hauptsache Hauptgang"-Gang isst so viel schlechter!

Denn das bessere Essen beseelt das Dessert
Ist dem kundigen Munde ein Mindestverzehr
Gibt nach Fastfutterfadheit Dir Süße zurück
Ist genüsslich den Müßiggang küssendes Glück

Wer mag sich in Patisseriekunst versenken

Wer ruft nur heroisch "Ach nein, ich entsage
Will mich auf Asketen-Diäten beschränken!"?

Ja gut, war jetzt mehr 'ne rhetorische Frage

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