Scharnitz, Ortsausgang & das zweitausenddreiundfünfzigste Gedicht

Erster Ausblick auf dem Wanderweg zum Isarursprung

Zum Isarursprung

Nicht schon in Scharnitz "war'n Witz!" sagen!
Mal'n Wahnsinnsmarsch statt gar nichts wagen?
Wenn, ohne car zur Isarquelle -
Fahr Rad zu der Karwendel-Stelle!

Loipe & das zweitausendzweiundfünfzigste Gedicht

Die Langlaufloipen um den Barmsee bei Mittenwald am Abend

Ausgemachte Spinnerei

Beweg dich nicht im Vorstellbaren -
Geh darüber hinaus!
Was willst du noch im Grundriss garen
Vom abbruchreifen Haus?

Lass uns die Pläne weiter spinnen,
Als es dem Sinn gebührt -
Und auf der Flucht ein Land gewinnen,
Noch köstlich unberührt!

Unverhoffte Waldbegegnung & das zweitausendeinundfünfzigste Gedicht

Eine Gemse als Wegbegleiterin zum Isarursprung

Neuen Rechtschreibregeln nachgespürt, Folge 1: Stärkung des Stammprinzips

Die Gams und eine Amsel sind fast nicht zu unterscheiden.
Der Salm und eine Alge sind recht eng verwandt mit beiden.
Ein Gel und auch das Legehuhn sind eher Randverwandtschaft
Wie Igel oder Regenwurm. Und bestenfalls Bekanntschaft
Sind Bremen, Bethel oder Bremsen, Esel, Gelsen, Wels und Gemsen.

Mittenwaldrand & das zweitausendfünfzigste Gedicht

Winteridyll bei Mittenwald

Im Regen

Windeweich geklopft
Wirbeligst beschopft
Widerstand, wenn's tropft
Glauben an das Gute

Froststurmeingetränt
Trostkur angegähnt
Kosmossure wähnt
Mich auf andrer Route

Tauwetter & das zweitausendneunundvierzigste Gedicht

Schmelzende Dachziegeln einer Hütte auf dem Riedboden bei Mittenwald

Erst gestern war ich jung

Erst gestern war ich jung
Und am Anfang meines Lebens -
Heut zerrt Entschleunigung
Hin zur Starre des Entschwebens.

Ich fühlte mich bereit, noch
Mal meine Hand zu heben -
Nun ragt sie wohl empor, doch
Sie winkt nur meinem Leben.

Am Grubsee & das zweitausendachtundvierzigste Gedicht

Am winterlichen Grubsee

Laudatio für ZwaSpraSpie

Unter Zugzwang mich die Zwanzig setzt,
mir flugs zu wahr'n die Chance sich jetzt
zu bedanken für die stets geschätz-

-ten Sprachspielereien im Briefkastenschlitz!
Wo Lacher gedeihen mit tieferen Witz,
bedacht von Stil- wie Geistbesitz.

Da wird ein Vers frei von der Leber gefegt,
ein Anagram anders zusammengelegt,
dort ein Palindrom paarig aus Wortlust zersägt,
dann durchcruist man 'nen Ort, den ein Limerick prägt.

Mal werden die Reime aus Eimern geschüttelt,
mal augenverführt von der Brechstang' durchrüttelt,
mal sprüht's aus bislang unbekannten
anverwandten Varianten.

Neunzehnmal (nun, das galt zumindest bis heute)
ward klar mir, dass ich was Enormes erbeute
Beim Lesen der Saat Deiner formtreuen Meute!

Und außerdem ... - schon fällt das Layout die Schranke!
Zwei Silben noch, Nora, ich bitte Dich: Danke.

Sternrad Heuwender & das zweitausendsiebenundvierzigste Gedicht

Sternrad Heuwender im Schnee

Aufbruchsdepression

Wir werden so unglaublich fernzeitig sein,
Dass uns niemand auf Bildern erkennt.
Wir machten uns freilich nie freiwillig klein -
Denn wir schrieben die Hits einer Band,
Die stetig tourt und tourt, da wir
Schon unter ferner liefen laufen.

Doch noch passt jenes prächtige Brustblattgeschirr
Zu der Treue zum Plan uns zusammenzuraufen.
Eine Kutschpartie soll was Vergnügliches sein
Und bemüht den, der vorneweg rennt.
Wir tanzten so stur in die Ferne hinein,
Dass uns niemand auf Bildern erkennt.

Barmsee & das zweitausendsechsundvierzigste Gedicht

Blick über den zugefrorenen Barmsee gen Karwendel

Die ersten Tage
Für Robert

Hab Eck', gib Kant',
Nimm deinem Land
Seine Eigenheimzulage,
Spar den Leim der Geigenzarge!
Und wenn das kein Glück erzwang,
Schalte in den Rückwärtsgang!

Where the World is Melting & das zweitausendfünfundvierzigste Gedicht

Eingang zur Ausstellung "Ragnar Axelsson. Where the world is melting." im Kunstfoyer der Versicherungskammer München

Piteraq (am Eismeerbeach)

Auf der Masse im Jenseits acht arktischer Staaten
Lastet achtzig Prozent aller Nacht.
Dort, wo achtsame Spalten auf Wanderer warten,
Zahlt das Unbarmherz bargeldlos Pacht.

Doch auf schmelzenden Schilden voll gleißendem Licht
Braut ein Lab, wenn's durchtränkt wird vom Eise.
Es knarzt die auf Hoffnung beharrende Schicht
Und ein Gletscherkalb geht auf die Reise.

Jeder Eisluftsturz tobt in die Beiläufigkeit,
Entgrimmt sich gewiss bis zur Tagesschauzeit,
Unerbittlich durchfährt uns belebender Frost
Und alles wird sichtbar. Und alles ist lost.

Valentinsgewölk & das zweitausendvierundvierzigste Gedicht

Himmel am Olympiaberg

Zur Hängung im Folkwang

Ich grüße die Süße des Wiedererkennens,
Bepuder' die Mieder des Bruder-Bennenens
Und passier' das Spalier der guten Bekannten
Im Stallgeruch der alten Welt.

Die ständige Sammlung bändigt der Alltag
Zum Lämmergesang, den man in jedem Fall mag,
Befächelt vom Lächeln der uns Zugewandten -
Als wär man selbst hier ausgestellt.

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Frank Klötgen - Post Poetry Slam - immer frische Gedichte & Fotos RSS abonnieren