6 Grundgepünktel & das achthundertfünfzigste Gedicht

Isarwellen bei Thalkirchen

Der Rekonvaleszent

Zurück am Tisch hier erfüllt mich mit Freud'
Dass ihr mir in der Zwischenzeit
Mein Mahl schon einmal vorgekaut

Gestärkt vom speichelweichen Kraut
Bahnt mich ein spartanisches Urglücksgemisch
Hin zum Plan, dass ich wieder zurück bin am Tisch

5 Fehlzeit & das achthundertneunundvierzigste Gedicht

Glienicker Brücke

Männergrippe

In einen Sack voll Fieber
Hat man meine Hülle gesteckt
Samt Schlappheit vom Kaliber
"Ich fühl mich wie zweimal verreckt!"

4 Zinkenspitzen & das achthundertachtundvierzigste Gedicht

Potsdams Neuer Markt

Parallelkarrieren

Wie Parallelkarrieren
Aus fremderleuts Haarschnitte locken!
Wie wir als Gewordene wären
Gehindert durch andere Brocken?

Wer sich in dem schwindenden Spiegel
Als Alternative so zeigt!
Wer wär' ich, wenn andere Riegel
Mein Sonderwegdasein vergeigt?

Welch nicht zu ergründende Schrullen
Die Merkwürdigkeit offenbart!
Welch Selbstgewissheit drängt zu nullen
Mein Wesen der anderen Art?

3 Grauglöckchen & das achthundertsiebenundvierzigste Gedicht

Schlossbrücke Berlin

Lückenlos

Und der Tod reißt voller Tücke
In dein Leben eine Lücke ...

Dich umgarnt des Trostes Schoß
Doch das Loch ist viel zu groß
Und es hallt von seinen Rändern:

Alles, alles wird sich ändern

2 Knüpfwerk & das achthundertsechsundvierzigste Gedicht

Der Heilige Georg. Nikolaiviertel Berlin

Die Bewegten

Die Düsternis eint uns als Leidensgenossen
Und einhellig kling'n unsre Lieder
Vielleicht hat man einst aufeinander geschossen
Und sicherlich tät' man es wieder

Herr Ober, dies Drittelchen Geisterverwandtes
Zentriert unsre Mitten aufs Essen!
Umsäumt unsre Teller noch leidlich Verbanntes
Ersucht stiller Kammern Vergessen!

Denn Düsternis eint uns als Leidensgenossen
Und einhellig kling'n unsre Lieder
Vielleicht hat man einst aufeinander geschossen
Und sicherlich tät' man es wieder ...

1 Innenwind & das achthundertfünfundvierzigste Gedicht

independence avenue victoria mahe seychelles

Auf zum lesebegleitenden Dichten! Zu jedem der 45 Kapitel des Romans "Miakro" von Georg Klein werde ich ein Gedicht verfassen, zu dem ich durch irgendeine Wendung, irgendeinen Ausdruck oder sonstige Abschweifung angestoßen wurde. Keine Nacherzählung - zumal ich während des Verfassens nicht einmal weiß, wie die Geschichte verlaufen wird, aber vielleicht eine stimmungsbegleitende Vershülle.

Vorahnen

Schon dem Morgenwind entrinnt
Das Quäntchen der Verlässlichkeit

Wer erwacht noch sorgenblind
Wenn jeder Hauch nach Augen schreit?

Trotz der Stille aufgerührt
Sammeln sich wandernde Zeichen
Willensschwach und leicht verführt
Fügen sich die Weichen

Indian Ocean & das achthundertvierundvierzigste Gedicht

Silhouette Seychellen

An alle (Der schwimmende Dichter)

Ach, könnt ich die Weichheit des Wassers
Für euch in der Ferne beschreiben!

So bleibt es das Los des Verfassers:
Still über Kristalle zu treiben

Santuario della Consolata & das achthundertdreiundvierzigste Gedicht

Santuario della Consolata Turin

In Kirchen

Der Prunk ist zu hellloser Stille gezügelt
Und in die Gemäuer ward Reue geprügelt
Die Demut durchschwirrt diesen Raum in 3D

Nur ich muss nicht glauben an was ich hier seh'

Vercelli & das achthundertzweiundvierzigste Gedicht

Basilika Sant Andrea Vercelli

Sindone di Torino

Dass ich nach dem Grabtuch
Einen ganzen Tach grub
War auf seine Art 'ne Tat
Durch die ich Turin vorm Ruin hab bewahrt

Lux & das achthunderteinundvierzigste Gedicht

Kino Lux in Turin

Die Schma(ro)tzer

Gasseneleganz gelt Glanz
In das Flair der Ären
Und Epochenfirlefanz
Pocht an unser Gären
Zu historieverschlingenden Lebenslustfrönern

Noble Schönheit lässt sich durch Genuss noch verschönern

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