Dutzendzeiler

Moorweg 1 & das eintausendsechshundertsechsundzwanzigste Gedicht

Auf dem verschneiten Moorweg 1 in Benediktbeuern

Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn's Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

Fanpoetry

Ich will bereits hier meine Ausführung stoppen,
Jede weitere Einschränkung meiden
Für einen Versuch, meine Dichtung zu toppen
Von den Clans, die auf meiner Alm weiden.

Jeder große Moment gebärt eine Kopie
Und muss lernen sich einzugestehen,
Dass er selbst niemals so relevant war wie sie -
Mit Rentierblick aufs frühere Lehen.

Sieh, der Spind ist geräumt und die Werkbank geputzt!
Drauf: die Sprosse zur formschönen Leiter.
Wähle sorgsam die Worte, mit der du sie nutzt,
Schreib das Unausgesprochene weiter!

Telemilla & das eintausendsechshundertvierundzwanzigste Gedicht

Mein wartendes Mikro im Milla Club München

Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn's Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

Marilyn's Army

Wir wurden in die Arsenale bestellt
Für den Sturm auf die Charts einer anderen Welt,
Wir haben gewetzt und geschliffen.

Wir stimmten uns ein,
Immer lautstark zu sein,
Haben früh auf Besoldung gepfiffen.

Wir sind vielleicht längst schon die Letzten an Bord
Doch erfüllen verlässlich im Trance den Akkord,
Seit man uns für Verschworenheit bucht.

Gescheiterte zwar,
Gleichwohl immer noch da -
Vom Punkrock beschenkt und verflucht.

Wintersonne & das eintausendfünfhundertdreiundneunzigste Gedicht

Sonnenuntergang am Olympiapark

Love

Du hast von der Lieb' in die Welt mich getschüsst,
Schriest "Raus hier!" statt "love is the word".
Ein Vorderzahn ward deiner Anmut entküsst -
Den Rest hast du selber zerstört!

So viele Spuren Hässlichkeit
Hat Zeit uns eingedörrt,
Weil jeder "Halt die Fresse!" schreit
Und niemand sich empört.

Im Tonnenlawinengeröll liegt ein Einst -
Das hätt' uns auch wortlos gehört.
Mag sein, dass du darüber seltener weinst.
Die Zahnlücke pfeift " ... is the word".

Abendschweigen & das eintausendfünfhundertfünfundsiebzigste Gedicht

Starnberger See Herbstsommerabend

Dulde, Dude!

Aus eingeschnappten Schnauzen schnellen
Tsunamis von Empörungswellen
Zunehmend scheugeklapptem Wütens
Und neubewusstem Trutztrotz-Brütens.

Mit Charme sich dem entgegenstellen?
Eh wir, verarmt in Ausdruckszellen,
Uns anstandswauwauend bescheiden
Und Freiheitsbeschneidung erleiden?

Unbedingt.

Bloß sollten wir niemals partizipieren am Müll
Mit Patriarchats-Partisanen-Gebrüll,
Uns auch am falschen Weg verschulden -
Die wahre Tugend heißt Erdulden!

Nordteil & das eintausendfünfhundertvierundsechzigste Gedicht

Baumkronen im Nordteil des Englischen Gartens

Durch die Vorstädte

Mein Schritt durch die Vorstädte hallt mir zu schrill,
Womit er was klar- oder darstellen will.
Ich würde gern rufen: Das bin gar nicht ich -
Allein der Besuch hier ist wichtig für mich!

Ich ward deep im Grundrausch der Großstadt geboren,
Werd stetig durchzittert von Schallresonanz,
Das Flitterhaar brutzelt im Speck meiner Ohren,
Bin emsiger Nutzer des Fames oder Funs.

Noch klingt jeder Schritt hier mir schrill statt nur laut,
Noch sind mir der Maßstäbe Wogen vertraut.
Die Stille im Vorort berichtigt mein Ich -
Allein der Besuch dort ist wichtig für mich

Sckell-Monument & das eintausendfünfhundertsechzigste Gedicht

Das Sckell-Monument auf der Halbinsel vom Kleinhesseloher See im Englischen Garten

Mein Gendern (vor der Heimkehr)

Ich schminke mein Sprechen mit fleißigem Gendern,
Entsprechend gefordertem Formideal.
Fürs eigene Spiegelbild würd ich's nicht ändern -
Dem eigenen Ohr ist Kosmetik egal!

Doch eh ich berechtigte Anliegen schmähe,
Trag ich meiner Äußerei Glitzerstaub auf.
Auch wenn manch Wort ohne dies schöner aussähe,
Nehm ich das mir Läppische lässig in Kauf.

Galant und entspannt spende ich meinen Beitrag
Zu einer fairtrefflich sich bessernden Welt,
In der nach generisch-ästhetischem Einschlag
Der Wunsch nach jed äffischem Umweg entfällt.

Der Himmel über B & das eintausendfünfhundertzweiundfünfzigste Gedicht

Spätsommerhimmel über Berlin

Schöneberger Südgelände

Schöneberger Südgelände
schon' dich güt, vermeide Brände
und verberge schön galant
ausrangiertes Tuff-Tuffland!

Lass Birken bewirken
den Zuzug von Tier'ken
gönn dir auch Robin'chen
zwischen den Schien'chen
betagg alle Wände mit "Ende Gelände"!
Betagt mault manch Gleis-Greis: "Scheiß Umweltverbände!"

Drängt's dein wilderndes Herz noch nach weiteren Faxen?
Dann lass uns mal Schönebergs Norden bewachsen!

Große Wolfsschlucht & das eintausendfünfhundertzweiunddreißigste Gedicht

Große Wolfsschlucht in Wildbad Kreuth

Im Bergbachrausch

Nun, irgendeine Droge muss
Der Bergbach doch enthalten,
Da willensschwach und mit Genuss
Wir forsch in ihm erkalten.

Uns muss ja irgendeine Sucht
In seine Wasser treiben,
Obwohl die eisekalte Wucht
Doch rät, ihm fern zu bleiben.

Sein Rausch ist ja vernehmlich laut -
Und Sonnenstrahlenfülle
Wärmt prickelfrisch-erschöpfte Haut
Zu einer neuen Hülle.

Flottenattrappe & das eintausendfünfhundertsechzehnte Gedicht

Kanus in der Masoala Halle im Zürcher Zoo

Der Saxophonist

Du kannst den Bebop nicht alleine,
Allein bist du bedeutungslos!
Zu viel im Kopp, zu wenig Beine -
Bläst du dich auf zum Gernegroß.

Du wirst zu freiem Spaß jonglieren,
Zwängst du dein Ich ins Kollektiv.
Da zählt, sich selbst zu imponieren
Im prachterkämpften Töneschief.

Erkenne deiner Kühnheit Zügel,
Dass dich dein Stolz zur Statik hemmt!
Es mildert die verspürten Prügel:
Dass du es bist, mit dem man jammt.

Smaragdanbau & das eintausendfünfhundertfünfzehnte Gedicht

Von der Heydt Statue im Smaragd-Anbau vom Rietberg Museum

Spätsommer

Es knabbert an den Tagen
Ein Mund voll Dunkelheit.
Wie kurz der Sommer war, wenn
Die ungenutzte Zeit
Schreit: Memento Mori, Blätterfall,
Ein Wall von Kältekälte!
(Obgleich ein kurzer Lichteinfall
Mich morgendlich erhellte)

Es knabbert an den Tagen
Die Jahreszeit der Nacht.
Wie kurz der Sommer war, wenn
Du nichts aus ihm gemacht!

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