Erde

Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Lothstraße & das zweitausendzweihunderteinundneunzigste Gedicht

Ikonische Häuserreihe in der Lothstraße in der Maxvorstadt

Skeptiker's Diary

Weil ich Dinge nicht will, die wohl möglich sein könnten,
Steh ich mancher Bewegung im Weg.

Doch im Sumpf triumpht das, was wir anderen gönnten,
Als still uns erwartender Steg.

Speichersee & das zweitausendzweihundertachtundachtzigste Gedicht

Der Speichersee im Ski-Gebiet Sudelfeld bei Bayrischzell

Pizza Endstazione

In das Neubaugebiet einer besseren Welt
Hab ich für heut Abend 'ne Pizza bestellt -

Belegt mit Unbelegbarem zwar ...

Doch allein die Umgebung - mir schmeckt's wunderbar!

Sonnenalm & das zweitausendzweihundertsiebenundachtzigste Gedicht

Auf der Sonnenalm bei Bayrischzell

Im Eingangsbereich der Endlichkeit

'Na, einer wie ich', dacht' ich, 'stirbt hier doch nicht!'
Bis die Welt heimlich flüsterte: "Doch!"

Ein Weilchen folgt freilich Gedicht auf Gedicht -
Doch irgendbald plumpst du ins Loch!

Stuttgart 21 in 23 & das zweitausendzweihundertdreiundachtzigste Gedicht

Restfassade vom Stuttgarter Bahnhof

Gedanken beim Hotelfrühstück

Ist ein dreckiger Tisch nur ein Muster der Dinge,
Die ich früher verachtete, maßlos, als hinge
Ich einzig daran, dass hier Maßstäbe gelten
Als ewig in stetig sich wandelnden Welten?
Denn randlos gespannt überwachen die Weiten
Des spannungsarm Wahren die Unmöglichkeiten.

Schon erspäh ich ein von mir Behasstes,
Nie vorbehaltlos Angefasstes,
Im Schoße recht geschätzter Leute -
Was, auch wenn ich mir's schadlos deute,
Mir meines Urteils Schärfe nimmt,
Wie aufgelöst im Unbestimmt.

Ein Kosmos fremder Sympathien
Bewegt sich ins Entfalten.

Oft straft die Zeit als unverzieh'n,
Am Alten festzuhalten.

Zweiseitig & das zweitausendzweihunderteinundachtzigste Gedicht

Blick von Greenwich auf Canary Wharf

Bist du schon zweigeschlafen?

Es steigt der Bedarf, seit zusammen wir wohnen,
An Partnerschaft salbenden Schlafpositionen.

Der Zweisamkeit Bekräftigung
Schafft selbst im Schlaf Beschäftigung.

Towerbridge & das zweitausendzweihundertachtundsiebzigste Gedicht

Relondoned

Und London ist nach all den Jahr'n hier stetig Stadt geblieben,
Nur wir hab'n unsre Zeit nach Dort dann andernorts vertrieben -
Und die will in Gesichtern sich nun sichtbarstens entfalten.

Die Städte sind noch immer ganz und wir jetzt auch: die Alten.

Verfall in Gebrauch & das zweitausendzweihundertzweiundsiebzigste Gedicht

Verfall und Weiternutzung in der Altstadt Havannas

Absch(l)ussprüfung

... und von jedem Punkt drift' ich in Abschüssigkeit:
Gesundheit, Beruf wie Genuss schlürft die Zeit
In ungute Bewegung.

Als Ziel ihrer Betätigung
Gilt viel meiner Entledigung -
Bei minimalster Regung.

Mein Mitdabeisein scheint der Welt
Wohl längst nicht mehr als Muss.

Bevor man wirklich fehlte, fällt
Im Ab der Schuss zum Schluss.

Frangipani & das zweitausendzweihundertfünfundsechzigste Gedicht

Frangipani oder Tempelbaum im Melia Buenavista in Cayo Santa Maria

Form Follows Drunken

So ein Whirlpool im Frangipani-Wald
Wär doch mal sehr cool, hab ich grad gelallt.

Eh, dass dies sehr betrunk'ne Bild
Ward von der Wirklichkeit gestillt.

Kubaspecht & das zweitausendzweihundertsechzigste Gedicht

Kubaspecht - Endemit der Großen Antilleninsel Kuba

Des Anspruchs Los

Ich bin wahrscheinlich
Allzu kleinlich -
Das tut mir selbst am meisten leid!

Manchmal wein ich,
Scheint's auch peinlich
Um die Welt verschmähter Zeit.

Alle Rechte bei Annika Blanke, die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2023 von mir gekauft hat.

Carolina & das zweitausendzweihundertachtundfünfzigste Gedicht

Blühender Pseudobombax ellipticum und Antillengrackel

Strg + V, analog

Nach monitorbeschienener Zuhausebleiberei
Bin ich jetzt vom Empfang erlöst und sowas von dabei.
Und jeder Tropfen Blut in mir
Verneunfacht seine Stärke,
Es strömt sich eine Flut ins Hier
Voll neu erdachter Werke.

Weshalb hab ich mich je entwöhnt
Vom längst gewussten How-to-do?
Warum bloß hab ich mir verpönt
Das "Heute schau ich nur mal zu!"?

Je weiter ich nach draußen drift',
Je mehr erfasst mich Sinn,
Ich tippe nur noch via Stift
Ins echte Mittendrin.

Alle Rechte bei Katja Reichert-Bloch, für die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2023 von mir gekauft wurde.

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