Die Bildschöne
Simple Schönheit ernährt sich meistatemberaubend –
Du entgegnest „natürlich“, das Adjektiv meinend.
Nur: Was hier selbstverständlich ist, nähert sich glaubend –
Den Beschreibungen weit’res Erfassen verneinend.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte über das Schreiben, das Dichten und das Autorendasein.

Die Bildschöne
Simple Schönheit ernährt sich meistatemberaubend –
Du entgegnest „natürlich“, das Adjektiv meinend.
Nur: Was hier selbstverständlich ist, nähert sich glaubend –
Den Beschreibungen weit’res Erfassen verneinend.

Nicht vergebens (auf dünnem Eis)
Ich möcht mich weiter mehrheitlich
Auf dünnem Eis bewegen.
Ich habe ja bislang noch nie-
mals unterm Eis gelegen.
Würd mich der Schock gebroch’nem Grunds
Von Schlitterei’n entfernen?
Mag sein,
Mal bricht das Wagnis ein …
So wär’s ’ne Gelegenheit Schwimmen zu lernen!

Dein schönstes Gedicht
Und schriebe ich ihr ein Gedicht,
So sei’s von Kunstgriffen befreit.
Kaleko raunt: „Ich schrieb es nicht!“
Doch ich fühl mich dazu bereit.
# Soll Unbeholfenheit mich führen –
# Für dich mag ich ein Laie sein!
# Obzwar Juwelen dir gebühren –
# Es dreht sich nur um Mark und Bein.
Und schriebe ich ihr dies Gedicht –
Es könnt Enttäuschung zeugen:
Vielleicht erschien es ihr zu schlicht.
Nun, sollt ich mich dem beugen?
# Für dich muss, aller Wortlast frei,
# Der pure Text genügen.
# Und fändest du’s zu einerlei –
# Könnt dein Geschmack sich fügen?
So schrieb ich dies Gedicht ihr nicht.
Im Repertoire klafft fort das Loch –
Der Leichtigkeit trotzt das Gewicht.
Kaleko ruft: „Na, sag ich doch!“

Mal so nebenbei …
Nuancen sind die leibhaft’gen Perl’n vor die Säue –
Und doch halte unbeugsam ihnen die Treue!

Im Abgang
Das Jahr ist jetzt wohl leergeschrieben,
Drei Worte sind allein verblieben,
Die mag ich nicht mehr schreiben.
Die könnt‘ ich, sollte jemand fragen,
Bis einschließlich Silvester sagen,
Doch will’s nicht übertreiben!

Ripostegedicht auf „Der verstohlene Kuss“ von Mustafa Sadik Ar-Rafi’i
Der verkohlende Stuss
Mein Brief auf deinen Lippen – In Klartext übersetzt: Es ging mir nicht ums Nippen, Ich wollte, dass es fetzt!
Betrachten wir es nüchtern: Ihr Dichter seid zu schüchtern!
Da schwärmt ihr in Versen von prächtigsten Rosen Und seid in der Tat doch die letzten Mimosen! Denn ganz derb benannt, ihr mögt mir das verzeih’n: Wenn man sowas einstielt, dann stielt man auch ein!
Doch ihr schmachtet euch hin mit Schmächtigkeit Zur echten Ungerechtigkeit: Ey, ich riskier für ’ne flüchtige Lippenberührung Den Fluch meiner Sippe ob unzücht’ger Führung!?
Doch dich bekümmert das ja nicht: „Nja, is halt besser fürs Gedicht …!“ Mann, gilt der Verzicht auf Lust dir als Tugend? Ich fühl mich bedroht vom Verlust meiner Jugend!
Ich machte dir verstohlen klar,
Dass sehr viel mehr zu holen war,
Doch vergeblich begann’s in den Lenden zu kitzeln –
Dir ging’s drum, dein Verslein zu Ende zu kritzeln.

Im Park
Hier legen sich immer die Dichterlein ab Und lauern auf Eingeberei. Die Eiche schweigt, dass „ich grad nichts für dich hab, Komm morgen gern wieder vorbei!“
Insgeheim weiß ich, dass in ihrer Rinde, Wenn ich nur tief genug schab‘, etwas finde. Doch ehe ich sie und auch mich damit schinde, Belasse ich’s heute beim puren Belegen, Betrachte die Nichtschreiberei als ’nen Segen. Ihr zweifelt? Nun, glaubt mir, ich weiß schon weswegen.
Denn ich komm‘ nicht nur morgen, sondern immer vorbei
Und mein Restwortschatz nimmt stetig ab
Im Zaum jener Zügel der Eingeberei,
An der ich mich abmüh‘ und lab‘.

Das gescheite Tier (formerly known as Wiesel)
Morgensternleins Bachgeriesel Lässt mich wieselartig reimen. Es übertönt sich wahrlich nie, sel- -bst „Schschsch!“s und „Psst!“elei en- -den immer murmlend leise.
Drum nur sprechen Weise hier
Von des Bächleins Murmeltier.

Spätabendspaziergang
Noch ein kurzer Gang durch verlassene Gassen – Auf ein Gedicht und ein passendes Bier! Kann die Zwanghaftigkeit meines Ausritts kaum fassen … Doch irgendein Kurzrausch gehört noch ins Hier.
Dieser Tag könnte jetzt schon vorüber sein – Und er ist es, bei Lichte beseh’n! Da erhellt eines Dosenbiers trübender Schein Seiner letzten Minuten Vergeh’n,
Untergehakt von verhaltenen Zeilen –
Die später mit mir diesen Aufenthalt teilen.

Vorherseeung in der Nachbetrachtung
Fuhr um den See mich umzuseh’n – Den See entlang ’ne Runde dreh’n, Dann umzudreh’n und einzuseh’n: Fast überall galt Einzuseen An diesen Seen als ein Vergeh’n.
Da musste mir die Lust vergeh’n – Das war am See mir anzuseh’n.
Zumindest säte aus Verseh’n
Der See die Verse, die hier steh’n.
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