Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Tiere

Gedichte, in denen Tiere die Hauptpersonen sind.


  • Schliersee & das zweitausendneunhundertsiebenundvierzigste Gedicht

    Schlierseeufer im Herbst

    Wolfratshausen

    Was für’n Hundeparadies –
    Rundum gelungen – ist doch dies
    Wolfratshausen!

    Dort kann der Lupus Ratten schmausen …


  • XXL Fressnapf & das zweitausendneunhundertsechsundvierzigste Gedicht

    Taubenbesuch beim Fressnapf in Essen

    Hilfe zur unprätentiösen Beschreibung des Pfauenfrauenfederkleids

    Es taumeln tausend Tauben über Kaiserlaut’ner Tau –
    Sie weisen darauf hin, die Farbe Taupe sei Braungrau.

    So würd auch ich sie taufen – im Kotau raun‘ ich: „Genau!“

    Es taugt zur Pfaunbeschreibung auch vertrauter Wörter Bau.


  • Hafengiraffen & das zweitausendneunhundertdreiundvierzigste Gedicht

    Abendstimmung am Hafen von Rijeka

    Crossover-Ripostegedicht zu „Das ästhetische Wiesel“ von C. Morgenstern und „Kind im Manne“ von E. Roth

    Der ungenierte Esel

    Ein Esel aß an einer Brez’n
    Inmitten hungr’ger Spez’n,
    Hat sich – bevor was übrig bleibt –
    Auch noch ’ne Halbe einverleibt.

    Nun, mir verriet das Sonnenrind:
    Der Graue bleibt im Geist ein Kind,
    Denkt: Wattahat, dathatta,
    Wird per Hammhamm und ohne Maß
    Den nicht vorhand’nen Hunger stillen.

    Frisst hier deshalb.
    Der ungenierte Raffzahn tut’s
    Um nachher satt zu chillen.


  • Tivoli & das zweitausendneunhundertvierunddreißigste Gedicht

    Im Tivoli in Ljubljana

    Ausgebremste Beschwerde

    Der Kehrtwendehops eines Spatzen
    Wurde nie in Gedichten beschrieben.
    Dennoch sind alle hopsenden Spatzen
    Bei dieser Methode geblieben.

    Auch widmete ihren Getippel
    Kein Schreiberling je ’nen Roman.
    Sie wissen trotz fehl’ndem Getippsel:
    „Beileibe – wir haben’s getan!“
    Und das schelmische Wiegen der Köpfchen –
    Nie Stoff für’n Theaterstück?!

    Upps, da hüpft grad eins aus seinen Schläppchen …!
    Dann nehm ich’s natürlich zurück!


  • Gärten des Königlichen Alkazar & das zweitausendneunhundertsiebte Gedicht

    In den Gärten des Königlichen Alkazar

    Und wieder macht GB das Rennen

    Ich möchte andern Losern raten
    In Andalusien sich zu braten –
    Die Sonne gleißt dort hot und heißer.

    Doch die find’n meistens Soho nicer.


  • Callejón de la Inquisición & das zweitausendneunhundertsechste Gedicht

    Callejón de la Inquisición im Viertel Triana

    Der Hummelfluch

    Hör‘ ich den Rimski-Korsakow
    Beginnt’s zu jucken und ich hoff‘
    Dass keine Hummeln in der Nähe sind
    Denn wenn schon duellieren
    Besser nicht mit kleinen Tieren
    Weil da Sympathien vorab vergeben sind
    Denn nur Allergikern und Blagen
    Zeiht man moralisch das Erschlagen
    Vom gelb und schwarzen Fluginsekt
    Na, selber schuld, wer das nicht checkt

    AKT I

    „Ich drück‘ zart der Zichte ihr’n glühenden Stummel
    Ins Rückgrat ’ner grade hier ruhenden Hummel
    So zermalmt nun den Korpus der Schwirrkreatur
    ’ne Kombi aus Druckkraft und Temperatur
    Und knisterig ascht das Flügelpaar
    Das Leben entbeugt sich dem Hummelabdomen
    Solch Endlichkeitszeugnisse gehen mir nah
    Leicht bedrückt blick‘ ich auf die Erdrückte, denk‘: „Yo, man
    Ey, sorry, ne – is‘ sons‘ echt nich‘ meine Art
    Allzu gern hätt‘ ich dir die Tortur wohl erspart
    Nur es war halt ’ne echt blöde Koinzidenz
    Auch wenn du – als Insekt – dieses Wort gar nich‘ kenns‘
    Aber das is‘ eb’n der Punkt: diese Sache mit Darwin
    Ich mein‘, für mich hier als Mensch, dich zu töten, das war wie’n
    Gruß an den Schöpfer, sich zu re-vergewissern
    Sein Ebenbild degeneriert nicht zu Schissern
    Die trotz Krönungsjuwelen der Evolution
    Schon bei etwaig’n Nachfrag’n sich selber entthron’n
    Anstatt eindrücklich ausdrücklich Ordnung zu schaffen
    Mit Nachdruck für die, die’s wohl ohne nicht raffen:
    Wir sind keine Fauna-Fans!
    Wir sind Homo Sapiens!“

    Nun kam es, dass der Hummelschwarm
    Vom Tod der Imme Wind bekam
    Der argumentativ sich nicht erschließt
    Die Nektar-Queen schlägt Vollalarm
    Steht eh nicht auf den Schöpferkram
    Der Gliedertier’n ihr Daseinsglück vermiest
    Erklärt’s zur ausgemachten Sache:
    Jetzt geht’s um Widerstand und Rache
    Und so vollzieht sich Zug um Zug
    Die Oper-Ration Hummelfluch

    AKT II

    „Hier wohnende Drohnen und Arbeiterinnen
    Wir Hummeln sind hammlos – und doch in mir drinnen
    Brennt unbändig endlosbittre Wut
    Denn ständig man uns Böses tut
    Wieder traf’s eine, die Brut unsrer Sippe
    Qualvoll verkohlt an der Glut einer Kippe
    Ja, der Typ, der da grad Rimski-Korsakow flötet
    Hat nur so aus Spaß unser Mädchen getötet
    Ich denk‘, wir sollten solchen Assen
    Nicht einen Abgang durchgeh’n lassen
    Ihr Mord darf nicht für umme sein
    Drum auf, ihr Immen, zeigt’s dem Schwein!“
    Und fünf of le grüpp, sie formieren un trüpp
    Der vom Auftrag beflügelt sich vorwärtsbewegt
    Rischtüng ex-zischtenrauchende, flötende Büb
    Dessen Willen zu chillen sich plötzlich erregt
    Doch kaum spreizt sich sein Maul, um „Haut ab hier!“ zu schrei’n
    Flieg’n ein, zwei, drei, fünf Hummeln rein

    Das macht sich toll als Rächers Traum:
    Voll stechbereit im Rachenraum
    Wo jeder Stich sich schädlich potenziert
    Denn ’s wird ja, wenn der Hals anschwillt
    Die Luftzufuhr mit abgestillt
    Des Lebens Rest in Bestzeit dezimiert
    Nun kann solch Hinterlassenschaften
    Zwar der Gestoch’ne auch verkraften
    Doch spricht’s aus seinem fahl’n Gesicht
    Zumindest diesmal schafft er’s nicht

    AKT III

    „Junge, Junge – wat schwillt mir die Zunge
    Krieg‘ fast keine Luft mehr!“ – Er kommt seiner Gruft näh’r
    Und bevor sich das Blatt hier nun doch noch mal wendet
    Ist unser gestochener Held – och – verendet
    Auch was vordem im Schlund gesummt
    Alsbald verhallt es und verstummt
    So bleiben die fünf Hummel-Märtyrerinnen
    Zwar sehr effektiv, aber leider auch: drinnen
    Und noch eh der Typ komplett abkackt
    Versumpft man im Verdauungstrakt
    Im Darm vom Leichnam überwintern
    Alle Hummeln kurz vorm Hintern

    Doch die Königin spricht: „Lob und Preis
    Den Fünfen, die ihr Leben gaben
    Und ihren Platz im Paradeis
    Nebst Drohnen-Harem sicher haben
    Denn unser hummlischer Vater sorgt bei der für Profit
    Die sein huldhaltig‘ Reich durch die Märtür betritt
    Mög’n diese Fünf uns Hummeln ein
    Auf ewig leuchtend Beispiel sein!“
    Und so beschließt sie den Hommage-Schwung
    Glatt als Immenstaatsverarschung
    Denn das Hummelfahrtskommando
    Steckt und bleibt grad in ’nem Land, wo
    Man vergärt in „Poah!“-Fäkalien
    Voll entehrt in Vor-Analien

    Ja, das verschweigen Heilsversprechen
    Sich und andre abzustechen
    Endet stets als Hammelflug
    Lasst euch nicht führ’n zum Versuch!
    Mögen Ungerechtigkeiten
    Sich auch fürderhin verbreiten
    Und man rät, von Opferseiten
    Da mal drastisch einzuschreiten
    Irgendwann gäb’s auch mal Lohn …
    So lass sie reden, Hummelsohn!

    Auch ohne Schein und Selbstbetrug
    bleibt Hummel sein noch Fluch genug

    Alle Rechte bei Markus Berg, der das Gedicht 2026 im Rahmen des Abschiedstour-II-Crowdfunds von mir gekauft hat.


  • Gipfelwipfel & das zweitausendachthundertvierundsiebzigste Gedicht

    An der Alpspitz
    Ripostegedicht auf „Bim Bam Bum“ von Christian Morgenstern

    Bimmel Bammel Bummel Himmel Hammel Hummel

    Hoch oben fliegt die Hummel mit dem Bammel am Himmel:
    Sieht der bummelnde Hammel von unten mein’n Bimmel?!“


  • Tutzinger Möwe & das zweitausendachthundertdreiundvierzigste Gedicht

    Möwe in Tutzing

    Möwe

    Du bettelst so geduldig
    Um die Krumen meiner Milde.
    Ich fühl mich reich wie schuldig,
    Doch bin schildmäßig im Bilde,
    Dass das Füttern der Vögel voll schädlich ist
    Und keinesfalls uns gnädlich misst.

    Das letzte Wiegen deines Kopfes
    Hat mich dann doch noch umgestimmt:
    Dies Brez’nstück nun nimm und stopf es
    Hinein in dich Wesen, das so gut getrimmt
    Bestätigung erfahren sollte!

    Obschon ich das erst gar nicht wollte.


  • Glasperlenvorstufen & das zweitausendachthundertdreizehnte Gedicht

    Rohglas

    Of Mice and Men

    Wir sehen vom Run-Punkt der hektischen Maus
    Selbst voll unter Stress eher lahmarschig aus.
    Und steh’n wir mal ausgebremst hupend im Stau,
    Ist’s nur eine Szene der Zeitlupenshow,
    In der sich das Leben und Wirken slow abspielt,
    Auf die selbst ein Nagetier neidlos herabschielt:
    „Wie, das soll die Krönung der Erdschöpfung sein!?“,
    Piepst’s höhnend vom Mausbau. „Da schlaf ich ja ein!
    Soll’n wir die hier jetzt anschieben? Wie ist der Plan?
    Erlöst diese Sippschaft vom Größenwahn,
    Dass man sich an der Würde der Gralstempel misst,
    Ohne jedes Gespür, was Normaltempo ist!“


  • Vogelstation Moosmühle & das zweitausendsiebenhundertsechsundachtzigste Gedicht

    An der Vogelstation Moosmühle in Benediktbeuern

    Der Specht

    „Ab ins Gefecht!“,
    Denkt sich der Specht
    Und jettet hastig mit Gekrächz
    Ins nächstgeleg’ne Astgeflecht.
    Pocktock, Peckpeck, Tockpockgepecker
    Steh’n Spechtisch für „Oh Mann, wie lecker!“


– Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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