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Wendeschleife Bredeney & das zweitausendachthundertsiebenundneunzigste Gedicht

Rückzugsort für Unverdrossene
Den Kopf voll Versagen, die Haut voller Zecken,
Ein Garten, in dem sich Triumphe verstecken –
Das sind alles sehr zarte Pflänzchen!Im Stolz, was zu wagen, sich selbst überschätzen.
Als Stammgast begrüßt auf den hinteren Plätzen.
Doch immer noch Bock auf ein Tänzchen …Natürlich, da gäb es noch recht viel zu sagen –
Nur müssen wir das auf ein Später vertagen,
Da die Welt eh gefüllt ist von Zeilen!Für bislang Erlebtes: poetische Faxen.
Doch erstmals kann ernsthaft aus Erde was wachsen,
Wenn Rentner in Gärten verweilen.
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Kokerei Zollverein & das zweitausendachthundertsechsundneunzigste Gedicht

Ein weiterer (der letzte) Songtext fürs nächste Marilyn‘s Army Album „Gold“.
Geh mir weg mit Heimat!
Fein, du hast dich neu entdeckt, sprichst jetzt Dialekt – fein, fein!
Das klingt keck wie adrett, du machst es dir hier nett – fein, fein, fein!
Dein Insta-Konto misst, dass du jetzt witzig bist – fein, fein!
Man nennt dich aufgeweckt, du sprichst Dialekt – fein, fein, fein!Wir werd’n uns nie verkaufen
Haben wir gedacht und es doch gemacht
Ja, is jetzt doof gelaufen
Nich mal’n Freispiel drin – aber immerhin
Du hast dich neu entdeckt, sprichst jetzt Dialekt
Ey, geh mir weg mit Heimat!
Es ist der alte Dreck, Du kommst hier nicht vom Fleck
Ey, geh mir weg mit Heimat!
Individuell sprichst du jetzt Massendialekt
Und du bist fett, fett, fett, fett, fett geworden!
Beheimat’st dich in dem bepissten Dialekt
Und du bist fett, fett, fett, fett, fett geworden!Wir werd’n uns gut verkaufen
Hatten wir geplant, doch vorausgeahnt:
So viel kann niemand saufen
Dass man Paul vergisst – weil Paul jeder ist
Du hast dich neu entdeckt, sprichst jetzt Dialekt
Ey, geh mir weg mit Heimat!
Es ist der alte Dreck, Du kommst hier nicht vom Fleck
Ey, geh mir weg mit Heimat!
Individuell sprichst du jetzt Massendialekt
Und du bist fett, fett, fett, fett, fett geworden!
Beheimat’st dich in dem bepissten Dialekt
Und du bist fett, fett, fett, fett, fett geworden!Geh mir weg mit Heimat!
Geh mir weg mit Heimat!
Ey, geh mir weg mit Heimat!
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Ruhpoldinger Fohlen & das zweitausendachthundertfünfundneunzigste Gedicht

Sie knien unser Lied
Bei uns vererbt der Knieschmerz sich
Vom Vater auf den Sohn.
Kaum springt man auf die Paarundfünfzig,
Verspürt man diesen schon.
Fortan wird man sich Nacht für Nacht
Zur Schlafbereitschaft zwingen.
Generationen könn’n durchwacht
Da unser Lied von singen.
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Hinterland & das zweitausendachthundertvierundneunzigste Gedicht

Lebenslücken
Mein Leben ist nicht komplett dokumentiert,
Da mich vieles an mir nicht mal selbst interessiert.
Von beschämenden Schwächen
Von Zweifelgebrechen,
Soll sich keine Zeile zu sprechen erfrechen!
Mein Gelübde zu schweigen
Wird sich euch nicht zeigen,
Weil’s vermächtnislos nicht existiert.Vermutet ihr hinter den Sichtschutzwänden
Fänden sich Verse aus schändlichen Bänden?
Dort ist’s albern und traurig egal.Man kann Flecken entdecken – kein Erwecken und Schrecken.
Und Unendlich ist nur eine Zahl.
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Hausberg & das zweitausendachthundertdreiundneunzigste Gedicht

Down to Earth
Die Welt hat mich erwischt, als ich mich grad so sicher fühlte.
Der Fisch stank, kaum dass sie in meinen Scheintalenten wühlte.
Sie tischte unter Wut und Stutzen fehlerfündig auf
Und grätschte meiner Seligkeit in den Karrierelauf.Die Welt hat mich erwischt, als alles wie beschlossen schien,
Und beamte eine Fehlermeldung stoisch auf die Screen.
Gelingt es auch den Technikern, sie manchmal wegzuklicken –
Ich werde sie wie festgefror’n wohl immer dort erblicken.Die Welt hat mich erwischt, als ich mich quasi sicher glaubte.
Die Welt nahm sich zurück, was ihr mein Selbstbewusstsein raubte.
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Ruhpoldinger Ruhestätten & das zweitausendachthundertzweiundneunzigste Gedicht

Globale Probleme
Ein Urproll-King aus Ruhpolding
Recht stur an seinem Soll-Plan hing,
Doch musst‘ ihn korrigieren.Derlei kann in Ruhpolding
Wie im Ruhrgebiet passieren.
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Windbeutelkannen & das zweitausendachthunderteinundneunzigste Gedicht

Von daher gibt es sowohl als auch
Scheinbar taugen Kaffeekannen
Nicht sehr gut als Kackepfannen.
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Gmundner Rathaus & das zweitausendachthundertneunzigste Gedicht

Der Duft der Blumenläden
Der Blumengeschäftduft erinnert mich
An nah’nden Kaffee plus Torte,
An trauerkranzbindende Hilflosigkeit,
Ans Finden mauer Worte.Der Blumengeschäftduft erinnert mich
An Dunst überm Aquarium
Im Mischmasch wunder Blüten,
An „Denk bitte jetzt nicht ans Geld, Kerl!“-Konsum,
Den Anlass zu vergüten.Der Duft im Blumenladen wollt‘
Stets Auftakt sein zum Feste.
Ob heit’ren Sinns, ob scharf durchmollt –
Wir wurden mit ihm Gäste.Und aromatisch schält sich aus:
Der Anlass für den Blumenstrauß.Mir bleibt’s eine besond’re Luft –
Der Blumenläden eigne Duft.
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Pollenfluglandebahn & das zweitausendachthundertneunundachtzigste Gedicht

Legere Kegler (Coole Kelle, gell?)
Im Kohlegebiet ein Kollegenabschied,
Ein Cola-Getränk für die Collagen-Gang,
Ein Kuli-Geschrieb von ’nem Likudblock-Leak,
Ein Collie vorm Coli-Bakterium-Sieg.
Ein im Kellergeschoss eingekugelter Igel,
Im Ikea-Regal ein Gelenkkühlgel-Tiegel,
Ein ob Kobrakotball’n sich beklagender Dieb,
Ein Gokart, ein „Go, Alter!“-Killerprinzip,
Ein kalligraphiertes „Ich hab dich so lieb!“Ein Kegelclub kellnert im Lege-Betrieb.
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Seeschloss Ort & das zweitausendachthundertachtundachtzigste Gedicht

Gmunden im Mai
Seh keine der Seel’n in den Traunsee sich trau’n,
Da auf hier sich Trau’nde auch Trauernde schau’n.
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