Marokko

Sahara & das eintausendachthunderteinundsechzigste Gedicht

Saharadünen bei Erg chebbi

Crossing Sahara

Wüste schmeckt man immer im Gaumen
Als vom Boden reflektierter Staub.
Es drückt der entgrünende Daumen
Die Kehlen mit Flüssigkeitsraub.

Ein Flimmern massiert unsre Schläfen
Und das Licht grellt sich tief in den Leib;
Verdorrt sind der Schleimhäute Häfen
Und die Zeit zäht sich durch den Vertreib.

Eine Gastfeindschaft hat sich hier fest etabliert,
Die ist nur an Auslöschung interessiert.

Man schmiegt sich in Benommenheit,
Da alles „Nicht willkommen!“ schreit.

Erg Chebbi & das eintausendachthundertsechzigste Gedicht

Riad Azawad in Erg Chebbi

Verwüstung

Der Tod schleicht heran in kleinen Dünen -
Geschwindigkeit gilt nur Moribunden als Maß.
Schon bemächtigt sich Sand unsrer hocheitlen Bühnen,
Gilt baldigst entschwunden das Rühmen des Narrs.
Im lautlosen Rieseln der nichtigsten Körner
Besiegelt sich all der Schauwert vom Jetzt -
Sie wetzen den wütendsten Stieren die Hörner.

Unaufhörlichkeit, die letztlich alles ersetzt.

Ziz-Tal & das eintausendachthundertneunundfünfzigste Gedicht

Kasbah-Ruine im ziz-Tal

Medina

Da liegt, vielleicht schon gut sechzig Jahrzehnte,
Diese Dattel, bereit zum Verkauf.
Die von zahllosen Auswahlen Abgelehnte
Schultert abermals frischeste Nachschübe auf,
Die dann stückweise ab in ein Einkaufsnetz wandern -

Seit sechshundert Jahren sind‘s immer die andern.

Ob ihr nun ob der Haltbarkeit
Des Aussortierers Hände droh‘n?

Die Dattel ist nicht alt, verzeiht!
Hier geht es um die Tradition.

Unterkunft in Fez & das eintausendachthundertachtundfünfzigste Gedicht

Das Riad Salam in Fez

Du lernst fürs Leben

Sammel Eindrücke, um sie mit Wissen zu paaren,
Bis sie sich als Einsichten neu offenbaren
Und sich im Ornat deines Geistreichs versammeln,
Um dann im Abort tapfren Fleischs zu vergammeln.

St. Maghretz & das eintausendachthundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Im Zentrum des marokkanischen Wintersportorts Irfane

Skiing Marocco

In Irfane hofft man schon
Auf eine gute Skisaison.
Die dauert dann, so Allah will,
Von Frühoktober bis April.

Die unerwartbarsten aller Pisten
Wedeln von den Bergen Afrikas.
Sie stehen im Atlas unter Atlas
Und ansonsten auf niemandes Listen.

Meknes & das eintausendachthundertsechsundfünfzigste Gedicht

Bab Mansour In Meknes

Der Mutwillen kleinster Stücke

Ich bin ein verlorenes Königstorsteinchen,
Mich sieht man erst, seit ich dort fehle.
Ich spür den Verbund nach so vier bis acht Weinchen
Als längst überwund‘ne Querele.

Doch keimt in mir irgendwie auch der Verdacht,
Man sähe die Arbeit, die einst sich gemacht,
Erst durch die entstandene Lücke.

So stützt die Beachtung wie Achtung der Massen,
Dass sie von den Ausscherern wurden verlassen;
Die Mutwilligkeit kleinster Stücke.

Moulay Idris & das eintausendachthundertfünfundfünfzigste Gedicht

Blick auf Moulay Idris, heilige Stadt

Die Seele der Esel

In der Seele der Esel lesen wir:
Von Else, scheint‘s, schwärmt dieses Tier!
Tatsächlich träumt‘s von Giesela. -
Drum schreit‘s, wenn man brüllt „Geh!“ - „I - A!“

Chefchaouen & das eintausendachthundertvierundfünfzigste Gedicht

Medina von Chefchaouen, die blaue Stadt

In Rick‘s Café

In einer von der Wirklichkeit nachgebauten Kulisse
Sagtest du, ich wisse
Doch, an diesem Rahmen sei nichts wahr. -
Wie doch grad Welt in ihm geschah.
Die schmiegte aus lauter Romantikgefühl
Sich körperkomplett ins Attrappengewühl ...

Akchour & das eintausendachthundertdreiundfünfzigste Gedicht

Akchour Nationalpark bei Chefchaouen

Sehet die Vögel unter dem Himmel an (Im Riffgebirge)

Im Riffgebirge bei Chefchaouen
Will chefmäßig ich Kiff anbauen.
Fesch definier ich mir zur Pflicht:
Ich säe und ich ernte dicht.

Rabat & das eintausendachthundertzweiundfünfzigste Gedicht

Am Strand von Rabat

Rabat Beach

Die Welt neigt vom Strand aus sich immer gen Sehnsucht,
Doch in Afrika scheinen die Winkel so steil.
In trotziger Wölbung strecktdehnt sich die Bucht
Und bewahrt die Vermutung vom Heil.

Auch ohne Passagiere besteht ein Fahrplan
Und ein Badetuch lässt sich wohl borgen.
Vom Nirgendwo naht sich schon irgendein Kahn. -
Und den Rest zieht die Ebbe ins Morgen.

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