Achtzeiler

Rheinbrücke & das eintausendeinhundertachtundsiebzigste Gedicht

Rheinbrücke in Basel

Das alte weiße Mann

Wir sind die letzten unserer Art,
Uns hat es bald niemals gegeben.
Und Raffgier klaubt sich nach Diktat
Das Restlein Überleben.
Die Altbekannte schreit jetzt schriller,
Im Einklang mit neuem Stupiden.

So führt der längst fällige Tod von Godzilla
Noch weiter fort vom Frieden.

Rauschbergstation & das eintausendeinhundertfünfundsiebzigste Gedicht

Blick vom Rauschberg auf Ruhpolding und Chiemsee

Abstieg ins Nichts

Ein wenig Gipfel nur
Als reichweit zu spüren -
Das hätte als Spur
Mir bei Weitem gereicht.

Doch auf Wegen, die stur
Ins Tal hinab führen,
Verschluckt mich die Flur
Schon, erbarmungslos seicht.

Rauschberg & das eintausendeinhundertvierundsiebzigste Gedicht

Wald unterm Rauschberg

Naturen

Das Waldsonnenlicht kitzelt Dunst aus den Böden,
Es streift untreu die Bitte zu bleiben.
Und durch Schatten, die in ihrer Trägheit veröden,
Schwebt Wärme, zersäbelt zu Scheiben.

Anonymes Gesumm flirrt im goldenen Spotlight
Eines Schauspiels, das bedeutungslos einfach nur Licht ist.
Den Ratlosen gilt dies als Gruß ihrer Gottheit,
Da du bloss in den Zeilen von einem Gedicht bist.

Beim Rauschberg & das eintausendeinhunderteinundsiebzigste Gedicht

Ziegen am Rauschberg

Osterfrühstück

"Ja, Jesus von Nazareth
War zwar als Typ recht nett,
Aber als Erretterer
Waren andre netterer!"

"Ich fand ja, der Mohammed
War doch wohl mal hammernett!"

Omama denkt sich: "Au weia!"
Und haut allen auf die Eier.

Uni-Gelände & das eintausendeinhundertachtundsechzigste Gedicht

Freising Weihenstephan Hochschule

Frühling, nochmaliger

Noch einmal locken alle Blüten
Wie ein Befehl zum Neuanfang.
Noch einmal eint Natur das Brüten
Und schaltet in den höchsten Gang.
Noch einmal bäumt sich auf zum Willen
Die frisch entschlüpfte x-te Kraft.
Wie keinmal wird's die Sehnsucht stillen,
Die tief ins Unerfüllte klafft.

Türmer & das eintausendeinhundertzweiundsechzigste Gedicht

Türmer im Braunschweiger Bürgerpark

An der Oker

Schore-Opfer an der Oker,
Die beim Schmerzbetäubungspoker
Sich im Tauschrausch überreizten
Und mit trüb vergreisten Augen
Aus dem Fluss die Säfte saugen,
Die sie selbst so früh verheizten.

Indischer Ozean & das eintausendeinhundertsechzigste Gedicht

Ausblick vom Anse Takamaka

Tauchen

Das Wasser allüberall Wasser nur ist,
Mag uns die Chemie zwar erzählen -
Dass mancherorts es selbst das Nasssein vergisst,
Kann ich mit Erinn'rung vermählen.

Da neigt sich der Himmel, die Wellen zu küssen,
Strahlt Erstklassigkeit auf zur Sonne,
Wird Wasser zum größten von allen Genüssen,
Umfasst mich mit ureigner Wonne!

Hundertjährige & das eintausendeinhundertfünfundfünfzigste Gedicht

Riesenschildkröte am Anse Lasio Praslin

Zum Geburtstag

Heut' warnt die DIN vom Candlelight:
Ein weit'res Jahr ist abgelaufen!
Es türmt sich die vertane Zeit
Zu einem übergroßen Haufen.

Dir winken weder neues Glück,
Noch höhere Gehälter -
Du kriegst ein schönes Kuchenstück
Und bist ein Jährchen älter.

Foddis & das eintausendeinhundertzweiundfünfzigste Gedicht

Foddis in Victoria auf Mahè

Der Komfortzonenkünstler

Der Komfortzonenkünstler kann, was er kann,
Und er weiß, seit er's weiß: Das kommt an.
Er wagt sich an alles im Kleinen heran,
Ihn hält steter Applaus stets im Bann.

Der Komfortzonenkünstler bleibt fest überzeugt,
Die Welt sei 'ne dienstbare Scheibe,
Die ihn als ihr Schäfchen verlässlich besäugt -
Er sucht keine größere Bleibe.

Praslin & das eintausendeinhunderteinundfünfzigste Gedicht

Sonnenuntergang am Anse Laszio auf Praslin

Schwyzertütsch an Stränden

Du schienst mir ein "Ich hab mich niedlich forever!"
Und schillerst nun plötzlich ganz garstig im Sand.
Dein Sang ist auch hier nicht zu artifiziell, er
Zerlöscht nur all das, was ich mit ihm verband.

Wir können, was wir lieb gewannen,
Nicht ungeprüft begreifen.
Willst du dein Herz für immer bannen,
Muss es auch weiter schweifen!

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