London

- 30.09.-03.10.2017 Familienbesuch

Teetisch & das sechshundertzweiundsiebzigste Gedicht

Von der Tate Modern

Ripostegedicht zu "Sie saßen und tranken am Teetisch" von Heinrich Heine unter der Vermutung, dass Heine sich nur aus semantischen Gründen den Lapsus eines identischen Reimes (Teetisch - ästhetisch) leistet. Es war natürlich der rein reimende Stehtisch gemeint, dessen Nutzung durch Sitzende Heine unstatthaft, wenn nicht kriminell, erschien.

Wir saßen und tranken am Stehtisch

Wir saßen und tranken am Stehtisch
Und kamen so lieblos uns vor
Denn fraglos war's wenig ästhetisch
Wie der Tisch an Bedeutung verlor

Wie negierten frech alle Semantik
Und bestuhlten, wo aufrecht man steht
Der Plattenbau moserte grantig:
"Ey, wenn ihr nicht steh'n wollt, dann geht!"

Towerbridge & das sechshunderteinundsiebzigste Gedicht

Towerbridge

In Wellen

Hier ist eine von so nicht mehr möglichen Welten
Die werden nicht mehr hergestellt

Vielleicht früher mal üblich, doch jetzt sehr sehr selten
Von Kellerfeuchte angewellt

London Callin' & das sechshundertsiebzigste Gedicht

Von der Tate Modern

Nadelöhr der Anglikanischen Kirche

Patam! Pappatann! schallt Londons U-Bahn –
Kann man dann dort denn nie in Ruh' fahr'n?
"Herr, bedeutet Fortbewegung
Hier jed' Wort Hinfortzerfegung?!"
"Was? Ich hab Dich nicht verstanden!?"
This is how it goes in London ...

London Landin' & das sechshundertneunundsechzigste Gedicht

London aus der Luft

Nicht gern geseh'n ...

... in der District-Line
Ständig "Miststück!" schrei'n
In der Jubilee-Line
Einen Bubbletea spei'n
In der Bakerloo-Line
Nochmals Bubbletea spei'n

Wer solche Zeichen setzen muss
Der nimmt doch besser gleich den Bus!

Themseufer & das sechshundertachtundsechzigste Gedicht

Themseufer

Das englische Englisch

Und die Sprache in Reinform trägt noch immer Melone
Sie wirkt wie in tausend Krawatten gesteckt
Pfeift auf alle Blasiertheit - doch tut's auch nicht ohne
Das Restweltparlieren scheint hilflos verdreckt

Nie emporte sich jemals ein Rückgrat so aufrecht
Kein Königreich führten mehr Fährten zum Wort

Doch im hintersten Kneipenraum gibt man sich rauf-echt
Und stampft über manch Pietäten hinfort

The Shard & das sechshundertsiebenundsechzigste Gedicht

The Shard of London

Vom Hamm zum Backenballast

Oft nehme ich den Mund sehr voll
(Was man im Grunde ja nicht soll)
Obschon's dann meistens irg'ndwie passt
Bleibt solcher Backenhamm Ballast!

Tate Modern & das sechshundertsechsundsechzigste Gedicht

Tate Modern

666

Lass unsrer Körper Rohheit noch weiter vergröbern
In Stumpfheit und Dumpfen akribischstens stöbern
Unsre Eintönigkeit soll vernichtender wüten
Und fortwährend nur das Entsetzlichste brüten

Uns verfinstert die Schwärze von Abgrund und Fäule
Das Schnauben der apokalyptischen Gäule
Wir woll'n rücksichtslos jedweden Zustand zerstören
Und uns dem Ruin wie dem Abgrund verschwören

Unser katastrophales Dahinvegetieren
Wird tödliche Unruhe kontaminieren
Und den tödlichen Wahn, auf dem lässig wir gleiten
Besprenkeln bald Gehässigkeiten

Wir sind von neuem Unglück erschütterte Wesen
Von Qualen und Fürchterlichkeiten erlesen
Anstatt zerbrechlich woll'n wir nun verbrecherisch sein
Und Widerwärtigkeiten spei'n

Von verzagenden Balken ward unlängst berichtet
Die grundlos von Armut zugrunde gerichtet
Man beklagt sich bei uns sichtlich entrüstet: "Warum?"
Drum.

London & das sechshundertfünfundsechzigste Gedicht

London Portobello Road

Lait Roi, c'est moi

Werte Melker vom Trafalgar,
Melkerinnen wie auch Bälger,
Meutert ihr, sperr' ich der Kuh
Heute noch den Euter zu!

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