Berlin again & das hundertundachte Gedicht

Holocaust Mahnmal

Ewiges Zwischenstoppziel Berlin. So undankbar wird von mir vermutlich keine Stadt bereist. Es ist das Wissen um die stete Wiederkehr. Welches gleichsam als Kompliment gedeutet werden darf.

Fremdschaftsgrade

Berlin, ick kenn dir, biste mir
Ooch manchmal zu veränderlich
Ick finde mir zurecht in dir
Wie sons in andre Länder nich

Da wollen welche gleich entgegnen
Anstatt den Text so abzusegnen:
Ditt andre Lända fremda wär'n
Ditt wär ja nich verwundalich

Da kennen wohl die Dam'n'un'Herr'n
Dich Hund von einer Stadt noch nich

Leaving Amsterdam & das hundertundsiebte Gedicht

Amsterdam

Der Zeitplan drängt und man lässt überall halb erledigte Städte zurück. Was man nicht alles nicht schaffen kann ...

Das Ungeschriebene

Im Keller der Versagerträume
Stieß ich heut auf Lagerräume
Dort steckt das Verbliebene
Von mir Ungeschriebene

Du musst bereit sein
Diese Lager zu räumen
Teil dir die Zeit ein
Und hör auf zu träumen

M.A.sterdam & das hundertundsechste Gedicht

Grachten Amsterdam

Auch auf dem Aufgabenzettel: die Songtexte zum nächsten Marilyn's Army-Album. Ein Haken mehr:

Irgendwo ein Hafen

1) Irgendwo ein Hafen, aber nicht einmal ein Schiff
Nur kalte Melodien, die kein einziger Ton trifft
Dort fehlt es an Schönheit und erzieherischem Schliff
Niemand liest die Karten und der Fahrer ist bekifft
Das alles zählt noch nicht, mein Baby!

Refr:: Es ist ganz gleich, wie nah wir war'n
Das lindert es nicht, das lindert es nicht
Wir hab'n so gut wie nichts erfahr'n
Das hindert uns nicht, das hindert uns nicht
Denn seitenweise füllt sich's leise an ...

2) Grau verhang'ner Morgen - freie Fahrt, doch kein Sicht
Jedes Wort zerbricht an Zweifeln und das unterfordert dich
Wir seh'n keine Chance auf Nachtisch, steh'n vergebens vor Gericht
Diese Stadt ist zu verschlafen und der Fahrer räkelt sich
Das alles zählt noch nicht, mein Baby!

Refr:: Es ist ganz gleich, wie nah wir war'n
Das lindert es nicht, das lindert es nicht
Wir hab'n so gut wie nichts erfahr'n
Das hindert uns nicht, das hindert uns nicht
Denn seitenweise füllt sich's leise an ...

3) Ein Cousin vom Tiefseetaucher klammert sich ans Riff
Diese Zeile wird gestrichen, weil sie niemanden betrifft
Es gibt nur verlor'ne Spiele, aber nie ertönt ein Pfiff
Ist auch nirgendwo ein Hafen - unser Fahrer wird verschifft
Denn seitenweise füllt sich's leise an ...

Amsterdam & das hundertundfünfte Gedicht

Amsterdam

Blütenglück

Was kümmert die Blüte die fehl'nde Idylle?
Zur Not ist sie durchaus sich selbst schon genug
Auf kleinstem Terrain die größtmögliche Fülle
Schmückt sie sich ihr Stück zum geglückten Versuch

Übers Andere sollen die Andren entscheiden
Das wird sie nicht sehen, das muss sie nicht leiden

Amsterdam & das hundertundvierte Gedicht

Grachten bei Nacht

Amsterdam by night. Aber natürlich im Bereich der Fiktion (ich bitte, an dieser Stelle nicht nach einem Wortwitz zu suchen. So weit sind wir noch nicht.).

Fast treu (In De Wallen)

Beim Betrachten der Grachten
Begann ich zu schmachten
Da sprach - wenig sachlich
'Ne Dame vom Fach mich
Fast nackig auf 'nen Nachtisch an

"Sachte, Freund, sachte!" sagte ich mir
Verbrachte die Nacht aber trotzdem mit ihr

Wenn's wallt
Ist's halt
Nicht leicht für'n Mann

Amsterdam & das hundertunddritte Gedicht

Grachtenhäuser

Weiterhin mit gewogenen Grüßen aus Amsterdam.

Die Schweigenden

Diese Häuser, sie hecken wahrscheinlich was aus
Wie sie konspirativ aneinander sich schmiegen
Zärtlich beneigt, als sei Plan ihres Baus
Zum Zweck der Gemeinschaft die Balken zu biegen

Wir sollten jetzt nicht mehr von Zufällen sprechen
Wenn etwas herabfällt, wenn Dächer zerbrechen
Es gibt diese Pläne, sie breiten sich aus ...
Von Giebel zu Giebel, von Haus zu Haus

Amsterdam & das hundertundzweite Gedicht

Gassen Amsterdam

Mit gewogenen Grüßen aus Amsterdam.

Mähliche Engelnähe

Ich kann nun mal nicht ändern, dass
Ich ständig ans Gemächt mir fass'
Erst dann füll' deine Kaffeetass'
Ich mach' das alles nicht zum Spaß!

Die Welt ist halt kein Wunschkonzert
Und manches läuft hier grundverkehrt

Es sind Massen betroffen von Hunger und Kriegen
Wie soll ein Poet all dies Elend besiegen?

Doch, Baby, lass dir deinen Glauben
An eine bessre Welt nicht rauben!
Ich finde es bewundernswert
Wie dich dein Optimismus ehrt

Und klebt auch jetzt noch dann und wann
Am Tassenrand ein Sackhaar dran
Ich stopp das - eines Tages, maybe
Wir können Dinge ändern, Baby!

Düsseldorf & das hundertunderste Gedicht

Zakk Poesieschlacht

Unterwegs. Wie. Immer.

Unfrei unterwegs

Bin nur abends an Orten
Und tags auf dem Gleise
Mit anderen Worten:
Versklavt an die Reise

Leipziger Buchmesse & das hundertste Gedicht

Leipziger Buchmesse

Jubiläum. 100 Gedichte. Mit Gruß von der Leipziger Buchmesse. Und weil ich nie so recht weiß, was ich dort machen soll, kein Leipziger Gedicht, sondern Teil 2 der Oscar-Balladen. Ebenfalls - wie Black Swan im Teil 1, Gedicht 85 - aus der Unterrubrik "Weibliche Hauptrolle":

Margaret Thatcher (Die eiserne Lady, Meryl Streep)

Misses Thatcher wird unerlaubt Milch kaufen gehen
Das von ihr stramm gestaltete Königreich sehen
Wie's sich ohne Respekt vor die Boss-Lady drängelt
Die resignativ weder aufbraust noch quengelt
Sondern altersmild - weil schon bedeutungslos - aufweicht
Und erkennt, dass am Ende ihr Ehrgeiz nicht ausreicht

Denn wer nur stur den eignen Weg geht
Wird am Ziel alleine sein
Niemand kann, da sich die Welt dreht
Wirklich ewig Sieger sein

"Mom, du kannst nicht mehr allein hinaus!
Das war doch längst so abgemacht?"
Der Taumel der Erinn'rungsstaus
Hat den Rest ihrer Welt durcheinander gebracht
Sie reißt sich zusammen, "shall we dance?" fragt ihr Mann
Und dann reist sie zu Stätten, wo all dies begann

Schier unbeschämt trug sie das Joch der
Provinziellen Krämerstochter
Und stampft die vor Kampfeslust brennenden Zähne
In die träge, morastige Männerdomäne
Der törichten Tories Parteipolitik
Die ihr wackeres Gretchen viel zu lange belächelt
Als ein Dienstmädchen, das sich im Tonfall verstieg
Dessen Bärbeißigkeit bald geschlechtsbedingt schwächelt

Doch Miss Thatcher wird zielstrebig Milch kaufen gehen
Sich des Parlaiments Houses von innen besehen
Sie ministriert vom Frau'ngebiet
Sich schnurstracks in die Downing Street
Und überstrahlt im blauen Kleid
Der grauen Herren Herrlichkeit
Mit stählern onduliertem Haar
Die Perlen - nicht verhandelbar!

Als ein handtaschentätschelndes Teatime-Klischee
Steht sie unumstößlich zu dem, was sie will
All das Tantige ist nur ein Grantig-in-spe
Da ihr hastiges Stimmchen, so schneidend wie schrill
Tönt sich jäh in die Höh bis zum Absprung vorm Kreischen
Um den letzten Cretin das Gehör zu zerfleischen

Denn irgendwer muss das Unsagbare sagen
Und wer nicht rentabel ist, soll auch nicht klagen
Sondern arschtrittbewegt seinen Lebenslauf würzen
Misses Thatcher wird drastisch die Milchration kürzen
Und mit provokantem Prinzipismus
Zügelt sie vom hohen Rosse
Den Malocher-Chauvinismus
Alternder Gewerkschaftsbosse
"Nennt mich, ihr Brüder, bittesehr
Ruhig Bitch of England - i don't care
Werd' mit cooler Mine eure Coalminen schließen
All das Labour-Gelaber soll mich nicht verdrießen!"
Selbst in Bürgerkriegsnähe bleibt Maggie dabei
Dass die Medizin bitter, doch notwendig sei

Auch kein Zornstreich der IRA kann sie so treffen
Nicht bereits aus den Trümmern die Losung zu kläffen:
"Wir werden den Schurken um keinen Zoll weichen!"
Kurz Flaggen auf Halbmast - das soll dann auch reichen
Denn dass jeglich Unrecht ungerächt bleibt
"Das ist, wo uns Schwäche hintreibt!"
Schon zimmert sie Vergeltungsschläge
Zum Geschnurr der Sargholzsäge
Und, ja, niemand wird die Falklandinseln
Je von Englands Falkplan pinseln
Alles bleibt britisch und zermürbt stoppt der Streik
Und Mag kassiert ein Doppel-Like

Doch wer immer nur stur den eignen Weg geht
Wird am Ziel alleine sein
Niemand kann, da sich die Welt dreht
Scheinbar ewig Sieger sein

Zwischen Oxford-Stress und Ochsentour
Kann den Kreis ihrer Lieben sie nur halbwegs umrunden
Den Mann, die Kinder sieht sie nur
In den nicht an den Ehrgeiz verfütterten Stunden

Also, Maggie, shall we dance?
Sprich dein Mantra, letzte Chance!
Es wird einsam um dich und um deine Prinzipien
Das Verständnis wendet sich ab von dir
Doch du setzt auf Konfrontation statt "Vergib ihn'n!"
Kompromisslosigkeit als privates Plaisier
Du wirst nicht gewinnen, Mag, diesmal nicht
Die Triumphe verrinnen, auf die du erpicht
Werden grau mit der Zeit und umarmt vom Vergessen
Trotz der Standhaftigkeit, auf die du so versessen

Wer kennt in einst loyaler Runde
Noch das Wörtchen "obstinat"?
Die Opportunen plan'n im Grunde
Lange schon den Hochverrat
Du kannst weiter dem Pöbel die Milch vorenthalten
Und als sinkendes Schiff deinen Standpunkt verwalten
Bloss im großen Britanien ist für sowas kein Platz mehr
Und ein Rücktritt erspart dir noch größere Patzer

Du lehrtest ein Heer dich zu fürchten und hassen
Nun hat selbst dein Dennis dich letztlich verlassen
"Du kannst doch nicht ohne Schuhe geh'n!?"
Dein Protest kommt zu spät, es ist längst schon gescheh'n

Irgendwann verwebt sich die Welt in das Gestern
Nivelliert sich jed Aufruhr in ebene Flächen
Wo brühwarm und ungesühnt Schwächlinge lästern
Und Eisen sich windet im mählichen Brechen

Gardinengedämpft irrt ein Blick durch die Welt
Mit 'ner Ahnung vom Draußen, die Miss Thatcher missfällt
Diese Sturheit - von keinem Arzt niederzuringen
Und zu Unbeugsamkeit will sie sich wieder zwingen

Misses Thatcher wird unbeirrt Milch kaufen gehen
Die Welt, sie mag sich weiter drehen
Und trägt hart am Gepäck ihrer ruhmreichen Taten
Lässt auch deren Sinn sich nun kaum mehr erraten
Ein aalglatter Brutus tritt statt ihrer ans Steuer
Und die Milch scheint wie jedes Jahr doppelt so teuer

Wedding & das neunundneunzigste Gedicht

Wedding, Hinterhof

Wedding, Hinterhof.

Ich hätt' vielleicht noch so etwas wie einen Koffer in ...

Ich hab noch einen Koffer in Berlin
Da ist vermutlich längst schon nix mehr drin
Denn die Baliner
Ditt sind Schlawiner
Wo wat zu holen is', da langen'se auch hin

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