Aye-Aye Zwei & das dreihundertzweiundsiebzigste Gedicht

Aye-Aye auf Aye-Aye-Island

Mit diesem Text soll die vermutlich größte Sammlung von Lemurengedichten vorerst abgeschlossen werden. All die Unterarten von Sifakas, Wiesel- und Braunen Lemuren, die ich in diesem Jahr ebenfalls erspäht habe, müssen zunächst noch ohne Untergedicht bleiben. Zusammen mit den Lemurengedichten aus "Mehr Kacheln!" kommen wir auf nunmehr 13 zoologische Halbaffenpoeme. Da muss man sich erst mal einfühlen. Details später.

Fingertier oder Aye-Aye

Du spleenpralle Laune von Mutter Natur
Du ins Dickicht gefallene Comicfigur
Du göttlich-komödischer Gothicclown
Du fürs Spotlight des Spottes geborener Faun

Schon die Undimension deiner Fledermausohren
Deine schütteren Zotteln, dein buschiger Schwanz
Sie soufflieren, man hätt' nur aus Scherz dich geboren
Als ein Schlimmer-geht's-nimmer - nur war's das nicht ganz:
Feurig rot schielt ein Augenpaar aus deiner Fratze
Und maskiert deinen Possentanz "Straight outta hell!"
Schaurig besoundtrackt vom Krallen-Gekratze
Des Langfingernagelpaars in XXL
Und messerscharf raspeln Eispickelzähne
Gierig beknabberte Hölzer zu Späne

Es ist so, als wär' keine Zelle in dir
Nur halbwegs verwandt mit 'nem richtigen Tier
Du bist in allem übertrieben
Und zwingst uns, grade das zu lieben

Du bist im Großen wie im Kleinen
Entschlossen, Schönheit zu verneinen
Dass wir verstummen wie vorm Grab ...

Und jetzt nimm deine Maske ab!

Blutenburg & das dreihunderteinundsiebzigste Gedicht

Schloss Blutenburg

Zeit für Herbstspaziergänge durch München.

Blutenburg

Heute muss die Burg bluten
Besonders die Guten
Sie soll'n nun blutend Buße tun

Weil all ihre Talente ruh'n
Die dieser Welt fehlen
Da sie ihr Geld zählen
Doch inbrunstarm zu wenig wollen

Wohlan, die Köpfe sollen rollen!

Trottcomeback & das dreihundertsiebzigste Gedicht

Ziegelbrennerei im Hochland Madagaskars

Schon scheint es, man sei bereits Ewigkeiten wieder zurück - Zeit für ein Erinnerungsfoto von einer madagassischen Ziegelbäckerei.

Zweiter Anlauf

Und langsam glättet das Leben sich wieder
So sehr auch die Hektik dagegen sich stemmt
Es schlüpft unlasziv alle Last aus dem Mieder
Und bleibt in der Nackigkeit seltsam gehemmt

Spreiz dich aus, du alte Nervschildkröte!
Ich hab meine Glanzlosigkeit überlebt
Nun wird dir das Blech der fanfarischen Tröte
Mit rächender Geste ins Bauchfell gewebt!

Und dein ewig beutegeiles Hecheln
Auf jeder Spur von meinem Schwächeln
Bricht fortan aus dem Wanst als Stöhnen ...

Du kannst dich schon mal dran gewöhnen!

Lindenberg & das dreihundertneunundsechzigste Gedicht

Hutstadt Lindenberg

Fast am Ziel: Ein Auftritt im Hutmuseum zu Lindenberg. Läuft unter Wallfahrt.

Unerfindliche Gründe

In Bergen von Linden
Sechs Zwerge zu finden
Ist ärgerschwer und aufwandshart

Drum ist auch Zwerg Sieben
Im Berge verblieben

Passiert, wenn man an Größe spart!

Hölderlin & das dreihundertachtundsechzigste Gedicht

Altstadt Tübingen.

Altstadt Tübingen.

Der Hölderlin

Ach, hol dich doch der Hölderlin!
Du Hasenheld auf Heroin
Willst prompt 'ne grade Linie zieh'n?
Bist grad vier Wochen trübnisclean!

Denk dir, ich habe kein Christkind geseh'n!
Und wenig Verbindliches ist im Entsteh'n ...
Warst du nicht viel zu häufig hier
Als nicht gebuchtes Musketier?
Unsre Niederschlagsmenge schluckt kein Kokain!

Schon holt er dich, der Hölderlin ...

Tübingen & das dreihundertsiebenundsechzigste Gedicht

Blumenpracht an der Eberhardsbrücke Tübingen

Herbstverleugnende Blumenpracht an der Eberhardsbrücke

Lars

Es trifft die stets zuerst
Die am stärksten sich wehren
Die sich emsig beherzt
An dem Willen verzehren
Aus der Teilnahmetaubheit sich sichtwärts zu strecken
Und die Außenwelt drängen, mal sie zu entdecken ...

Doch es bleibt dann dabei, dass sie niemand hier kennt -
Eine Chancenverwertung von hundert Prozent:
Sie war'n ja niemals vorgeseh'n
Sind so geseh'n auch nie gescheh'n

Es gerät ihr Abschied doppelt dumpf
Kein Gnadenbrot und kein Triumph

Was ich je erlangte - es gehörte auch ihnen
Obschon sie ja niemals in Greifnähe schienen
So soll denn mein Stolz denen ohne Gedenken
Mal ab und an ein Lächeln schenken

Hauch des Winters & das dreihundertsechsundsechzigste Gedicht

Belo Tsiribihina

Nun wäre das erstgesetzte Ziel geschafft: 366 Gedichte für die 366 Tage des (Schalt)Jahres. Da aber das Ziel auf 500 Gedichte aufgestockt wurde, kann nun nicht der Stift beiseite gelegt werden, sondern muss sich gesputet werden - 134 Gedichte in den restlichen zweieinhalb Monaten...! Und weil diese kalt zu werden drohen, hier ein Foto aus dem Westen Madagaskars - vor drei Wochen aufgenommen und schon sehr weit entfernt.

Hauch des Winters

Plötzlich beugt sich das Jahr
Und will nicht mehr leben
Und es hat sich beinah'
Jedes Blatt aufgegeben
Es entglänzt sich das Grün
Und zerzaust sich ins Gilben
Den Dichtern entflieh'n
Die romantischen Silben ...

Mählich türmt sich der Eindruck von Straße und Dreck
Und in vier bis fünf Wochen ist alles hier weg
Was der Frühling an zartigste Zweiglein getrieben
Wird von Fußtritten klobigstem Schuhwerks zerrieben

Für vier Monate wird dann der Film angehalten ...
Und die Leinwand im spärlichen Restlicht erkalten

30 Jahre unzerstörbar & das dreihundertfünfundsechzigste Gedicht

Marilyn's Army 2016

Irgendwie im Nachhall der Afrikareise untergegangen: Das neue Album "Dies ist nur 1 Test" zum 30jährigen Bandjubiläum von Marilyn's Army. In diesem Jahr zwischen den ersten 160 Auftritten und 360 Gedichten entstanden. Eigentlich ein Wunder - welchem hier mit einem weiteren Songtext vom Album gehuldigt sein soll. Album anhören!

Im Einsatz

Dort ist der Strand, dort ist das Boot
Wir beobachten den Strand
Dort ist der Strand, dort ist das Boot
Wir beobachten das Boot

Was soll ich sagen, wenn der Assistent fragt:
Bist Du Dir sicher, dass noch was passiert?
So etwas lässt sich leider nie vorausahn'n
Aber irgendetwas stört mich hier

Ich bin mir sicher, dass noch was passiert
Ich bin mir sicher, dass noch was passiert
Ich bin mir sicher, dass noch was passiert
Ich bin mir sicher

Dort ist der Strand, dort ist das Boot
Wir beobachten den Strand
Dort ist der Strand, dort ist das Boot
Wir beobachten den Strand
Und beobachten das Boot

Hannover Hauptbahnhof & das dreihundertvierundsechzigste Gedicht

Denkmal Ernst August von Hannover

Dem Landesvater.

Ernst August von Hannover

Wie königlich! Im Ernst, ich glaube
Nie sah ich so 'ne schöne Haube
Wie dort am Ernst, dem August hier
Ein Augenschmaus auf jenem Tier
Das taugussleicht er just bereitet
Und ernst wie einst plus hochgestellt
Den Fluss der Autobusse leitet
In einer staufrustreichen Welt

Singen & das dreihundertdreiundsechzigste Gedicht

Denkmal in Singen

Beinahe inflationär: ein zweites Singen-Gedicht!

Lied von Singen

Da kann ich mal ein Lied von Singen
... schon fällt's vor Ort mir nicht mehr ein!

Die Leut', wo uns Musik beibringen
Sind oft mit ihrem Lied allein

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