Fuggerei & das eintausendfünfhundertsechsunddreißigste Gedicht

Straßenzug in der Fuggerei von Augsburg

In der Fuggerei (67 Klingelzugvarianten)

Der Fuggerei'sche Klingelzug
Gibt dir im Dunklen Recht und Fug,
Dass dieser Eingang Deingang ist
Und kein Empfang zum Nachbarzwist,
Nachdem du eine Bar behisst.

Dass nie wer "Fuck, vertan!" nachts schreit
Ist wahrhaft Einzugartigkeit!

Ankunft Tegernsee & das eintausendfünfhundertfünfunddreißigste Gedicht

Blick auf den abendlichen Tegernsee

Zum Ende (der ersten Etappe)

Der meilenschwere Schuh am Fuß
Latscht meilenschwer zum Abschiedsgruß
Vom schmiegsamen Gehorsam.
Und biegarm härtet sich der Rist,
Beschwerdlich schwärt ein Schmerzensmist -
Wo wir noch so viel vorhab'n!

Wildbad Kreuth & das eintausendfünfhundertvierunddreißigste Gedicht

Das Gebäude der früheren CSU-Klausurtagungen in Wildbad Kreuth

Adeles Nichte (Wadl verpflichtet)

Adel verpflichtet.
Tadel vernichtet.

Aufs Radeln im Tschad hat das Madl verzichtet.
Was schad war - es ward ja im Stadl berichtet,
Dass Karl mal beim Bade ihr Wadl gesichtet.

Kleine Wolfsschlucht & das eintausendfünfhundertdreiunddreißigste Gedicht

Blick in die Kleine Wolfsschlucht bei Wildbad Kreuth

Schmerzlos

"Hab ich nicht längst schon jeden Schmerz
Mit einem Vers beschrieben?",
Beschwere ich mich himmelwärts,
Schwer pathosübertrieben.

Zum Leidwesen für Schmerzbetroff'ne
Gibt's die weit nach oben off'ne
(Gott ist unser) Richterskala -
Dass du deine Dichtertaler
Dir hienieden auch verdienst

Und nie zu zufrieden grienst!

Große Wolfsschlucht & das eintausendfünfhundertzweiunddreißigste Gedicht

Große Wolfsschlucht in Wildbad Kreuth

Im Bergbachrausch

Nun, irgendeine Droge muss
Der Bergbach doch enthalten,
Da willensschwach und mit Genuss
Wir forsch in ihm erkalten.

Uns muss ja irgendeine Sucht
In seine Wasser treiben,
Obwohl die eisekalte Wucht
Doch rät, ihm fern zu bleiben.

Sein Rausch ist ja vernehmlich laut -
Und Sonnenstrahlenfülle
Wärmt prickelfrisch-erschöpfte Haut
Zu einer neuen Hülle.

Bergrücken & das eintausendfünfhunderteinunddreißigste Gedicht

Wendelstein mit Wendelsteinkircherl

Die Schulter-Nacken-Partie der Marilyn M.

Die Schulter-Nacken-Partie von Marilyn Monroe
Ist wie frühmorgendlich unbetretener Schnee ...
Welch Huldigung wagt sich an solch Perfektionsshow,
Da allüberall singt der Sinne Juchhe!?

Darf dein dürftiges Dasein solch Glorie erwarten,
Die von Kameras für deinen Bildschirm geraubt?
Wird dank jener Ansicht vom unbegrenzt Zarten
Nicht erst an die Mächte der Götter geglaubt?

Diese Rückenpartie der verzückten Beglückung
Ist ein fast überfordernder Buttercremeschmelz!
Drum braucht ihr Genuss eine Schling-Unterdrückung,
Ein erdendes Mal des Nicht-von-dieser-Welts!

Sonst wär' ich, meinem Blicke gleich,
In Haut schon längst versunken
Und all der süßen Pracht zu reich
In Liebreizflut ertrunken.

Heilige Tiefe Sudelfeld & das eintausendfünfhundertdreißigste Gedicht

Blick aufs Sudelfeld vom Wendelstein

Meine Restreligiösität

Wenn frömmelnd Geist ins Hinten leuchtet,
Spirituell ein Haus erhellt,
Posiert mein Zweifel, doch mir deucht, et-
Was Schwurbel kurbelt an die Welt.

Wendelstein & das eintausendfünfhundertneunundzwanzigste Gedicht

Am Wendelstein

Eure Rohheit

Schon wallt die Kraft zur Stärke an,
Es ballt sich eine Pranke,
Ein Ärger schafft sich seinen Bann ...

Und prallt vor eine Schranke.

Wie lang die hält?
Nicht abzuseh'n -
Auch nicht, was wohl danach geschieht.
Bevor sie fällt,
Lass uns zwei geh'n,
Wohin das Filigrane flieht!

Bayrischzell & das eintausendfünfhundertachtundzwanzigste Gedicht

Blick vom Wendelstein auf Bayrischzell

Hoffnungsschauer

Wieviel Friede doch liegt in der Nachregensonne -
Und ist nur über Leid zu erkaufen!
So ist finsterste Regung ein grade begonne-
Nes Richtfest zum bess'ren Verlaufen.

Wusterhausen & das eintausendfünfhundertsiebenundzwanzigste Gedicht

Bahnhof von Wusterhausen (Dosse)

Abendspaziergang durch Wusterhausen

Der Dorfplatz erwartet sehr stumm noch Idylle,
Da des Springbrunnens Vorfreude hüpft, unbeirrt.
Ich schlend're fast lautstark durch Frühabendstille,
Süß umsummt von Gewissheit, dass nichts mehr passiert,
Was klug ausgemessene Schönheit berühre,
Die sich aus der kommoden Verlassenheit speist
Und manche auf Immer geschlossene Türe
Ob der Melancholie ihres Ausharrens preist.

Wie lang kann das abweisend Raue verstecken,
Eh ein zweiter Fontane den Zugang verrät?
Wie nötig ist seinem Bestand ein Entdecken,
Wie gewollt solcher Abstand zur Normalität?

Der Dorfplatz verschluckt mich all diesen Gassen,
Nur des Springbrunnens Unruhe löscht das Klischee.
Die Straße der Schifffahrt scheint doppelt verlassen -
Teil des Kleinods, umschlossen von Dosse und See.

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