München

Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.

Schleißfontäne & das eintausendsiebenhundertsechsundsechzigste Gedicht

Fontäne im Hofgarten von Schloss Schleisheim

Unterm Kärcher

Es tilgt der harte Kärcherstrahl
Den Gilb vom Annodazumal,
Es rupft hervor der rüde Sprüher
Den neugebor‘nen Schlupf vom Früher.
Er schwemmt hinfort geballte Jahre
Und zerrt das Dämmern von der Bahre,
Er drillt den Neustart auf ein Jahr,
Da ich noch wilder Hoffnung war -
Eh mich des Alters Schlämme wuschen.

Ich sollt mal mit dem Kärcher duschen ...

Schleißheimfontän & das eintausendsiebenhundertfünfundsechzigste Gedicht

Fontäne im Hofgarten von Schloss Schleisheim

Windstärken

Würde ist ein Rückgratwort.
Bei dir geht‘s wohl mehr um den Bauch.
Ist Rülpsen auch dein Lieblingssport -
Büßt so vieles als spürloser Hauch!

Westpark & das eintausendsiebenhundertvierundsechzigste Gedicht

Wurzeln am Pagodensee im Münchner Westpark

Zum Wert der Frage

Mag ick Tragik
Oder magic?
Trag ick Batik
Oder Trash-Chic?
Brat ick oder gar ick‘s mir?
Fraglich, ob ein Kranich hier
Artgerecht noch landen kann.

Immer artig fragen, dann
Harrt manch Entwertung hier antwortenbloß -
Mehr zu erfahr‘n wär verantwortungslos.

Hirschgarten & das eintausendsiebenhundertdreiundsechzigste Gedicht

Belegung vom Gehege des Biergarten Hirschgarten

Einflüsterer

Hinter meinem Rücken ist hinreichend Platz,
Im Nichts außer Hörweite Satz auf Satz
Auch sicher geheim zu besprechen,
Ohne in Ahnung zu stechen.
Doch unbedarft bleiben zu können -
Diesen Schatz scheint ihr mir nicht zu gönnen,
Da ihr alle schützenden Wirbel durchschwätzt.
Wem nützt, dass mein Ruhen ihr so wenig schätzt?

Westpark & das eintausendsiebenhundertfünfundfünfzigste Gedicht

Pagode im Westpark München

Die Geschichte der Ethnographie in a Nutshell

Ich komme im Auftrag des Deutungsregimes
Und stelle hier mal meinen Fuß in die Tür,
Mim' gerne den Boss eines folgsamen Teams,
Das ich durch die Rätsel der Abstimmung führ.
Ich bin topobjektivwissenschaftlichneutral -
Dies auch anzuerkennen, besteht keine Wahl.

Und doch verzeichne ich seit Tagen
Ein reziprokes Korrektiv -
Dass mich solch Feedbacks hinterfragen,
Zwingt prompt zum "Vielleicht liegst du schief?".
Hindert Fremdes in Etabliertes zu lenken,
Zwingt Nicht-Eingeordnetes anders zu denken.

Diese Demut des Schülers schult jetzt mein Gehör,
Bis der fremde Blick mir plötzlich zeigt, wo ich stör',
Weil nichts unberührt blieb vom eigenen Schatten,
Seitdem wir dem Globus Besuche abstatten.
Unsre Spuren sind nicht unverwoben geblieben
Und längstens wird zurückgeschrieben..

Was man mir jetzt entgegnet,
Wie man mich tituliert,
Und nicht alles absegnet,
Wenn man kollaboriert -
Lässt auch für mich sich als Erkenntnis verbuchen:
Dem Alleingang folgt nun Dialoguntersuchen.

Unterschiede & das eintausendsiebenhundertvierundfünfzigste Gedicht

U-Bahnhof Fröttmaning bei Sonnenuntergang

Die Mombasa Likoni Ferry Straßenfotographie

Der Ethno- wie der Fotograph
Wollen fremdes Selbstbild portraitieren -
Der eine bedient einen Forschungsbedarf,
Der Zweite beginnt zu verzieren:
Plastikblumen wie Girlanden,
Sofas voll von Stofftierbanden,
Schrillidyllmärchenschlossparkhintergründe,
Auf dass all dies nahenden Reichtum verkünde,
Wenn wir überbelichtet im Wunschbild ertrinken,
Zum Golfstaatenluxus der Bollywoodschinken.

In dir regt sich ein Widerspruch?
Das liegt an deinem Stallgeruch:
Für dich muss die Kunst mit Erwartungen brechen -
Hier strahlt sie als nie sich erfülln'des Versprechen!

Parkdecks & das eintausendsiebenhundertdreiundfünfzigste Gedicht

An der Allianz-Arena in Frötmanning

Ungläubige Zuschauer

Will die Kirche im Dorf sich erneuern
Nach dem dreckigen Kolonialismus,
Muss sie den Wert unsres Kreuzzugs beteuern
Gegen Hexen-Kannibalismus.

Wer in Glaubensfragen Abstand wahrt
Gitscht im Bodensatz unserer Werte!
Die Kluft wird schnell ein schmaler Grat
Und die Gastfreundschaft schwindet in Härte.

Denn jeder, der nicht bei uns mitglaubt, der zahle
Mit dem schwär'nden Verdacht, er sei selbst Kannibale.

Servicepunkt & das eintausendsiebenhunderteinundfünfzigste Gedicht

An der Allianz-Arena in Frötmanning

Die Gilde der Ugandischen Märtyrer

All das Sterben ist ne Strafe Gottes
Und Aids die Klinge des Schafottes,
Aber wir als belesene Messe-Kadetten
Werd'n eure besessenen Seelen erretten!
Ab ins Virengeseuch diabolischer Mächte
Führt uns unser Kreuzzug und Gott, der Gerechte!

Ferne Dörfer soll'n nun in Kaskaden
Von Weihwasser und Gospel baden!
Es ist Aids das Werk kannibalistischer Hexen -
Die müssen den Trog der Verantwortung exen,
Bis aus höhnenden Körpern die Stigmata schäumen,
Wenn gottlose Bestien das Feld dröhnend räumen!

Unser Kruzifix sagt: Die führ'n Gutes im Schilde.

Ihre ugandische Märtyrergilde

Ausblick & das eintausendsiebenhundertfünfzigste Gedicht

Unübliche Münchner StadtSilhouette

2.000 in Sicht

Wird denn das zweitausendste Werk
Auch einfach nur Gedicht?
Ob ich dann was Besondres merk?
Ich denk mal, eher nicht.

U-Fröttmaning & das eintausendsiebenhundertneunundvierzigste Gedicht

U-Bahnhof Fröttmaning bei Sonnenuntergang

Nach dem Pamphlet

Selbst der die Unermesslichkeit streifende Schatz
Scheint letztlich ersetzlich zu sein -
So erschien dein Furor mir vorm vorletzten Satz
Im Grunde verletzlich und klein.

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