München

Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.

Residenznachbarhaus & das zweitausendneunte Gedicht

Nächtlicher Blick auf die Bayerische Staatsoper

Limits

Ich habe schon so viele Worte verbraucht,
Da wird's keine neuen mehr geben.
Mein Dauerauftrag scheint erschöpft - und verraucht,
Der Kontostand lauert daneben.

Ich fühl mich von Süchten nach Versen erdrückt -
Gedichte, die ständig verlangen,
Spür, wie meine Bank ihre Kuckucke zückt.

Doch aus den poetischen Zangen
Gibt's kein Zurück zur Ruhe mehr,
Zum Prosa-Glück, das ich entbehr.

Brausen- und Wannenbad & das zweitausendsiebte Gedicht

Altes Städtisches Brausen- und Wannenbad am Schlachthofgelände

Strebrastreifel und Zeberzweifen

Zebrastreifen und Streberzweifel
Gehören - wenngleich ich noch nicht recht weiß, wie -
In ihren Bereichen zum Sinnbild der gleichen
"Ist die Welt schlecht, bieg's zurecht!"-Empathie.

Meine Boosterung & das zweitausendsechste Gedicht

Blick aus dem Warteraum im Impfzentrum Ruppertstraße

Fünfzehnminuten

Die fünfzehn Minuten nach Boosterung will ich
Gern sinnerfüllend nutzen.
Nur riet man vorab mir, ich solle bloß chill'n - nich
Den Flur im Vorraum putzen.

So starr ich aufs Linoleum,
Wo manch Wisch scheint vönnöten!
Schon ist die Viertelstunde rum -
Und mir ward's eh verböten ...

Schlachthofhimmel & das zweitausendfünfte Gedicht

Wintersonniger Himmel über dem Schlachthofgelände

Preußische Erkenntnis

Die Münchener im Himmel
Versündigten per Pimmel
Schon umtriebigst auf Erden sich.

"Drum gibt's so große Herden, nich?!"

Maximilian I. Zeigefinger & das zweitausendvierte Gedicht

Das Reiterstandbild von Kurfürst Maximilian I. am Wittelsbacherplatz - Ausschnitt mit Theatinerkirche

Zum Ausbleiben der Auffrischungsimpfung (Winterferiensonne)

Sonne, du Geizhals, ist dir nicht bekannt
Wie winters dein schöner Schein streichelt dies Land,
Das finster von Unbill und Frösten gemolken?

Klar, du insistierst: "Das liegt nur an den Wolken,
Die frech vor die Huld meines Strahlspotlights wandern!"
Ja, ja, ne, is klar: Schuld sind immer die andern ...

Zwei, hauend & das zweitausendste Gedicht

Statue im Münchner Rosengarten

Zwei Taue

Zwei Taue send ich dir

Das eine, dich an mich zu binden
Und auswegslos den Weg zu finden,
Das andre form zu einer Schlinge!
Dass ich mich auch nach oben zwinge,
Bevor das Rückgrat mir zerbricht.

Ich weiß, die Taue sieht man nicht -
Und nennt sie trotzdem vorschnell hässlich.
Doch sind als Halt sie halt verlässlich
Und schon taut's endlich im Winterquartier.

Zwei Taue send ich, dichtend, dir

Massenevent & das eintausendneunhundertneunundneunzigste Gedicht

Badende Saatkrähen im Eiskanal

"Hast du eigentlich zugenommen?" (Mein Fett)

Ich habe mir so manches Pfund
Aus Faulheit angefressen
Und doch noch nie - aus gutem Grund -
Den Bauchumfang gemessen.
Längst bläht mein Körper, schwartenreich,
Sich feist aus seinem Rahmen,
Schlaff schwabbelt er sich, butterweich,
Zum Schauplatz welker Dramen.
Die Unform grölt manch Garstigkeit
Zwäng ich die Plumpheit in mein Kleid -
So resigniert an mir auch die
Kühnste Positivity,
Denn dieser Body flockt grad aus
Mit prallbrutalem Optikgraus!
Da wölbt die Wampe sich hervor
Als Walleibinselschmer,
Presst schmatzend sich durch jedes Tor
Aus schmalzdurchduns'nem Meer.
Es speckt der Wanst sein Zellulied,
Die Fleischigkeit zu gerben -
Die ratlose Ästhetik zieht
Als letzten Vorschlag: "Sterben!?"

Das scheint weise, denk ich leise,
Als ein Ziel von meiner Reise -
Kann doch grad ich fettes Schwein
Dann der Welt Entlastung sein!

Neuschwanstein? & das eintausendneunhundertachtundneunzigste Gedicht

Der Archiconvent der Templer in München

Reisevorbereitungen 1: Das Körperpacken

Beim Beinhalten sei mir mein Koffer ein Fuß.

Der Arme erbarmt sich zum hoffenden Gruß
An großkopfertpropfenden Reinstopfinhalt -
Als Krüppel entrückt alle Koffergestalt.

Mit Wut und Blutdruck zugeklappt,
Verkörpert er die pure Pein.
Hat erst das Schlosswort zugeschnappt,
Beknie ich schon das zweite Bein.

Doppelgänger & das eintausendneunhundertsiebenundneunzigste Gedicht

Schwan am Isarufer

Potential am Ententeich

Wenn Schwäne mit Tränen in den Augen
An durchgeweichten Brötchen saugen
Zum Hungersoundtrack ihrer Küken
Und du entgegnest kühl "Nun, büken
Die Viecher gefälligst selber ihr Brot,
Dann wäre ihr Wurf auch nicht morgen schon tot!",
Schwärmt Härte über Teig und Teich.

Vielleicht wirst du mal sehr, sehr reich.

Zugvogel? & das eintausendneunhundertsechsundneunzigste Gedicht

Überwinternde Gans am Flauchersteg

Pure Chance (Die Überwinterer)

Wenn ihr die
Hiesigen Breitengrade
Grad Unbehagen bereiten
Und ihr der Biss des Winters stinkt,
Tragen sie alsbald die Weiten
Ihrer Flügel und beschwingt
Gleitet sie gen Afrika
Für ein gutes Vierteljahr.

Dort gilt's bloß, Hyänenzähnen
Forsch die Stinkefeder zeigen!
Und beim Anblick größ'rer Mähnen
Hoch in heiße Höh'n zu steigen,
Um auf flirr'nder Luft zu segeln
Und der Rest wird sich schon regeln
Im besagten Vierteljahr.

Heute klagt man: Afrika
Sei noch so ein Sinnbild vom Voll-Übertreiben -
Man müsse doch gar nicht so weit!
Denn die, die im Froste vor Orte hier bleiben
Wärmt Flucht als pure Möglichkeit.

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