München

Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.

Sommertollwood & das eintausendachthundertsechzehnte Gedicht

Blick vom Sommertollwood auf den Münchner Fernsehturm

Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.

Scheißwetter

Es kotet wie aus Kübeln,
Es dünnpfeifft Bierschiss-Strahlen -
Ein Stinkgebräu aus Übeln
Lässt Kotzgelüste prahlen.

Ein Rosenknotenafter sprüht
Als grässlicher Diffuser,
Derweil er neuen Kack aufbrüht -
Zum Guss auf mich, den Loser.

Ich hört', s'würd heuer sich beschwert,
Es fiele zu viel Regen.
Mich fragt, vom derbsten Scheiß geteert:
"Ihr grämt euch? Echt? Deswegen?"

Königsplatz & das eintausendachthundertfünfzehnte Gedicht

Willenborg Riesenrad am Münchner Königsplatz

Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.

Riesenräder

Ja, wenn Riesen Räder hätten,
Wenn auf diesen dann die fetten
Zwerge im Profile säßen -
Herr, was wär' dies vielen Späßen
Ein gar weicher Gabentisch,
Gleich 'nem Vlies aus Federbetten!
Ja, wenn Riesen Räder hätten ...
Noch bleibt wahr: Sie haben nisch.

Monacorömische Brunnen & das eintausendachthundertdreizehnte Gedicht

Römische Brunnen an der Universität München

Pionierszahnweh

Vom Volldampf ins Gedämpfte,
Der Blick auf das Erkämpfte,
Das sich dem Zierrat all der Mühen entblößt,
Dem Früher, an dem sich die Lässigkeit stößt,
Die nun trefflich negiert,
Was vordem ist passiert.

Die Frage ist, was trennt dich
Vom neuen Selbstverständlich:
Dass alles diffus durch den Endspurt spaziert,
Sich niemand für Routen und Mut in'tressiert?
Dein Weg ist nun mal
Nunmehr museal.

Borsteiefeu & das eintausendachthundertneunte Gedicht

Fassade der Borstei München

Letzte Hoffnung Mutter

Wenn Ungemütlichkeiten
Das übel überschreiten,
Was wir simplen Gemütern
Noch zumuten würden,

Soll'n Mütter uns geleiten,
Der Blümchen Güte Weiten
Als künftig zu spüren
Im Jenseits der Bürden,

Um fort uns von Gütern
Der Phython zu führen.

St. Schwabing & das eintausendachthundertvierte Gedicht

St. Ursula in Schwabing bei Nacht

Druckausgleich

Drängt ein Grund, flugs rumzuhasten?
Lenkt den Druck auf Schlummertasten!

Künstlerhaus München & das eintausendachthundertdritte Gedicht

Bühne und Saal des Künstlerhauses München

Sehschwäche

Täglich öffnete ich meine Augen
Als Chance, das Leben zu seh'n,
Die Sachverhaltflut aufzusaugen,
Um nie wieder misszuversteh'n.
Mir schien keine Sättigung möglich zu sein
Und was mir begegnete, maß ich mir ein.
Erst später entdeckte ich Streit.

Heute kürze ich mir die Rationen
Und wünsche, dass Skepsis mich führt,
Betrete vertretbare Zonen,
So wie's meiner Reife gebührt.
Und jedesmal zieht es die Stirne mir kraus,
Verlasse ich ohne mein Wohnrecht das Haus.
Kein Tag geht vorbei ohne Neid.

Nebenwelten & das eintausendsiebenhundertneunundachtzigste Gedicht

Euro 2021 Schmuck an der Fröttmaniger Arena

Schön ist die Jugend

Dass wir in unsren schnellsten Jahren
Keinesfalls die Hellsten waren,
Fällt im Rückblick doch wohl auf.

Da wir in unsren späten Jahren
Schein und Pietäten wahren,
Nimmt das unser Stolz in Kauf.

Sommerjasmin & das eintausendsiebenhundertachtundachtzigste Gedicht

Sommerjasmin

Die Wucht der Zucht (Die Sommerblüher)

Ein Jahr hast du geblumt - nun brülle,
Flut die Flur mit Blütenfülle,
Oppulent wie üppig glühend,
Knülle Farbenprachten blühend,
Die vereint in Übertreibung
Flieh'n den Zügeln der Beschreibung,
Trachtend danach im geballten
Sinnenspiel sich zu entfalten.

Isarströmung & das eintausendsiebenhundertsiebenundachtzigste Gedicht

Isarwasser

Träge Versprechungen

Betätigung, Betätigung
Prägt schwunglose Verstetigung.
Doch predigt man wie ewig jung
Den Segen der Betätigung.

Isarlibelle & das eintausendsiebenhundertsechsundachtzigste Gedicht

Libelle am Isarufer bei Unterföhring

Sommerinsektenandacht

Die Bienlein toll'n im Pollenschlüpfer
Von Stempelchen zu Stempel,
Das Zierpen eingegraster Hüpfer
Beteppicht stur den Tempel,
Der sich aus Schwärmerei errichtet -
Und fehlt's ihm auch an Sichtbarkeit:
Ein Wärmeschwall hat ihn gedichtet
Und all dem Schwirrgetier geweiht.

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