Wasser

Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Föhnblick & das eintausendeinhundertdreiunddreißigste Gedicht

Münchner Hausberge und Frauenkirche

Frühes Frühlingserwachen

Die Luft sinnt klar mit reinem Klang
Vom Baden in der Kälte!
Wie immer ward das Warten lang,
Eh sich das Jahr erhellte.

Es rascheln Flieg- und Gliedertier
Ihr schieres "Wir sind wieder hier!",
Als gäb's 'nen neuen König!

Die Sehnsucht knistert blümerant -
Wie prickelnd plustert sich das Land!

Und dann wird es gewöhnlich ...

Schäfflertanz & das eintausendeinhundertfünfundzwanzigste Gedicht

Schäfflertanz 2019 am Josephsplatz

Dieser Songtext greift schon mal ein wenig vor. Aber was wir haben, das haben wir. Die letzten Nächte der Westend Bohème werden dann ab September 2019 monatlich begangen!

Die letzten Nächte der Westend Bohème

Wenn das Licht versinkt
Und vom Gerüst der Hackerbrück' mit
Angebroch'nen Weinflaschen die Trecks gen Westend zieh'n

Durch die Bergmann hinkt
'ne cowboylose Tölenkrücke
So als hätt' die Straße etwas Sehnsucht nach Berlin

Da grüßen wir noch eben
Den Rest vom süßen Leben
In jedem "Grüß di/Servus!" weht ja auch ein ...
Hauch von Abschied

Refr.: Denn was heut so gut beginnt, könnte morgen schon vorbei sein!
Der DJ schwankt noch zwischen Sex Pistols und Wham
Es ist vielleicht nicht die, aber sicherlich schon eine
Der letzten Nächte der Westend Bohème

Die letzte Runde dreht
Und ein verirrter Wies'n-Touri
Trinkt mit dir am Tresen selig seinen dritten Schnitt

Der Plan zum Neubau steht
Die Umlaufbahn von dem Saturn ist
Topsaniert und jeder fragt sich, komm'n wir da noch mit?

Da grüßen wir noch eben
Den Rest vom süßen Leben
In jedem "Grüß di/Servus!" weht ja auch ein ...
Hauch von Abschied

Max-Joseph-Platz & das eintausendeinhunderteinundzwanzigste Gedicht

Max-Joseph-Platz vorm Residenztheater München

Nächtliche Busfahrt zum Theater

Sternschnuppenhuschend verblitzen die Lichter
Auf beschlagnen Fensterscheiben
Das Vage in ihnen appelliert an die Dichter
Bei diesem Thema dran zu bleiben

Was wäre es, gäb es hier etwas zu sehen?
Was gäbe es, wär es für uns zu verstehen?

Gelbliches Weltlicht wirft mähliche Schatten,
Die vom Tage verblasst sich im Rinnstein begatten.
Die lernen noch die Dunkelheit,
Kleben uns an den Hacken wie fehlende Zeit.

Was würde es, könnt hier noch etwas entstehen?
Was könnte es, würd es nicht einfach vergehen?

Die Schaufenster strahlen wie Suchscheinwerfer
Über treues Kopfsteinpflaster.
Keine Frage in mir stellt mein Augenlicht schärfer,
Kein Vers ist ein zum Plan Gefasster.

Doch manches scheint im Werden.

Mainzer Rheinufer & das eintausendeinhundertzwanzigste Gedicht

Mainzer Rheinufer

Zweiter Frühling

Leise rieselt's zu tötender Schicht, die verzäht.
Sie schluckt glatt eine Stadt, die darunter gerät.

Durch die Leisheit des Rieselns zur Andacht gelockt,
Stapft manch Lausbub hinaus und wird untergeflockt.

Doch vor
Zugefror'nen Ohren
Stoppt der Eltern Schelte.

Mancher
Meint sich neugeboren
Als ein Kind der Kälte.

Davos & das eintausendeinhundertneunte Gedicht

Ausblick auf Davos Platz

Weltwirtschaftsgipfel

Man rüstet sich zum Legoland,
Dem Fetisch der Fassaden.
Das Mägdlein wird vom Herd verbannt
Und man fleht um die eigene Gnade.

Halsbandsittich & das eintausendachtundneunzigste Gedicht

Halsbandsittich im Yalla Nationalpark

Stille Weihnacht

Ich entdecke
In der hinterste Ecke
Der Wohnstube, wohin sonst niemand gerät
(Wo höchstens mal drohend ein Einbrecher steht),
Einen mächtigen
Prächtigen
Leuchtenden Baum,
Und Festlichkeit durchströmt den Raum,
Spiegelungen potenzieren
Warmes Licht wie Grippeviren,
Ärmlichkeit scheint überwunden
In der Herrlichkeit für Stunden.

Doch dahinter sehe ich
Zwischen den Zweigen,
Die Einbrecher wieder in Vorfreude schweigen.

Bindenwaran & das eintausendsechsundneunzigste Gedicht

Bindenwaran im Yalla Nationalpark

Wägenmut

Das Quarren alter U-Bahnwägen
In den angekurvten Schrägen -
Wie aus aufgewühlten Mägen.
Geradezu, als ob den Trägen
Unzumutbar schmerzend Last
Aufgeladen.

Nun diesen Schaden
Auszubaden,
Geht hart in die Wagenwaden.

Doch 'ne Waage
Checkt die Lage:
Unzumutbar? Nicht mal fast!

Victoria Viharamahadevi Park & das eintausendzweiundneunzigste Gedicht

Buddha Statue im Viharamahadevi Park in Colombo

Weihnacht

Als wär'n wir noch nicht eingeschult,
Dackeln wir durch der Tage Schablone -
Im schönsten Sinn von abgespult.
An jedem Klimbim prangt ein "Geht halt nicht ohne!".

Und überall
Liegen Babys im Stall.

Als wär'n wir wissensresistent,
Umarmen wir warmherzig uralte Lieder.
Wenn erst die vierte Kerze brennt,
Kehrt auch jeder Brauch völlig unbrauchbar wieder.

Und überall
Liegen Babys im Stall.

Als wär'n wir vor Vergessen blind,
Erscheint uns der Trott in perfekt schnurr'nden Gleisen.
Und jährlich grüßt das Christuskind
Auf den unsere Wagenburg schmückenden Weisen

Und überm Stall
Beginnt fast schon das All.

Dambulla & das eintausendachtundsiebzigste Gedicht

Chipstüten am Straßenshop in Dambulla

Vom Duften

Heiße Luft bläht die Blüten der Chipstütenrispen
Und die Tuk Tuks hupen wie Grillenkonzerte

Wie viel kann der Duft aus den Straßenbaumknospen
An Süße und Orient noch für Nüsse verschenken?

Als gelte sein Zauber alleine dem Strömen

Im Mantel verwandelter Mädchenbrustknospen
Feiert seinen Bestand als das bald schon Verzehrte:

Die Luft in den Blüten der Chipstütenrispen

Der tote Elefant & das eintausenddreiundsechzigste Gedicht

Totes Elefantenbaby im Bwabwata Nationalpark

Ripostegedicht auf Rilkes "Das Karussell"

Das nächste Karussell

Gib Acht, mein Kind, wenn der Schatten dreht!
Dann hat hier im Weiler fast nichts mehr Bestand
Denn ein Bund von Gefährten erschafft sich sein Land
Und Umtrieb spricht ein Hetzgebet
Sie alle haben Wut in ihren Mienen
Und große Böen weh'n mit ihnen
Und dann und wann auch ein toter Elefant

So gart das Hier in noch stiller Gewalt
Schnurrt vor Sattheit so träge wie drückend
Maues Gebläh scheint wie in sie gekrallt

Und jedem liegt stets ein Beweis auf der Zunge
Man erhebt wie zum Schwur seine rechteste Hand
Da bölkt's wie von Zähheit gezeichnetem Schwunge

Und dann und wann auch ein toter Elefant

Wer will sich noch in Verkommenheit üben?
Wer tätschelt Gebelle mit werbenden Zungen?
Wer eint alle wachsam zerstrittenen Jungen?
Schauder und Aufstand gerier'n sich in Schüben

Und dann und wann auch ein toter Elefant

Und Volk geht hin und weiß nicht, was es wendet
Und kräht nur dreist und hat kein Ziel
Ist roh und zürnt wie vom Grauen geblendet
Und teilt sich den Traum vom gewonnenen Spiel
Ein Mahnmal wird leicht übersehen
Wenn's Wissen erblindet und verschwindet
Weshalb so ein Dickhäuter fiel

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